Gut und Böse - Schuld und Unschuld


Peter.Trim hat folgendes geschrieben:
Ich meine, in einem so plumpen Sinn tut das nur ein sehr oberflächlicher "Christ"


Also wenn Jesus sagt, Gott vergibt dem, der bereut, ist das ein sehr oberflächlicher Rückschluss auf Gottes Gnade, den man so eigentlich nicht ziehen kann?
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Man kann Gläubige nicht überzeugen, da ihr Glauben nicht auf Beweisen beruht, sondern auf dem tiefen Bedürfnis zu glauben. - Carl Sagan.

Die Wahrheit siegt nie, ihre Gegner sterben nur aus.
Busshari hat folgendes geschrieben:
Peter.Trim hat folgendes geschrieben:
Ich meine, in einem so plumpen Sinn tut das nur ein sehr oberflächlicher "Christ"


Also wenn Jesus sagt, Gott vergibt dem, der bereut, ist das ein sehr oberflächlicher Rückschluss auf Gottes Gnade, den man so eigentlich nicht ziehen kann?


Gnade ist ein menschlicher Begriff, mit dem menschliche Eigenschaften zum ausdruck gebracht werden. Da Gott aber (für alle anderen als die Mormonen) kein Mensch ist, ist das nur eine unvollkommene Beschreibung für etwas, das über unser Verständnis hinausgeht. Natürlich kann man Gott Gnade, Barmherzigkeit oder andersrum Rachsucht zuschreiben, solange man sich dessen bewusst bleibt, dass man damit seinem persönlichen Bild von Gott Konturen gibt, nicht Gott selbst. Jeder "fühlt" Gott anders, jeder betrachtet ihn aus einem ganz persönlichen Blickwinkel.

Um mal wieder bildlich zu werden:
Stel dir vor, du stehst vor dem Haupteingang eines Hauses. Du siehst nur eine Seite des Hauses, es könnte also theoretisch zweidimensional sein. Du siehst die Tür und die Fußmatte, auf der "Herzlich Willkommen" steht, das Haus hat also wohl freundliche Bewohner.
Jetzt gehst du zur Hausecke. Da sieht du dann ein Haus mit zwei Seiten. Es kann also nicht zweidimensional sein, könnte aber theoretisch immer noch dreieickig sein. Du weißt es nicht, weil du ja nie das ganze Haus sehen kannst.
Nun siehst du aber auch an der Grenze zum Nachbargrundstück eine hohe Mauer. Das Bild von den freundlichen Hausbewohnern muss also nicht zwangsläufig stimmen. Entweder tun sie nur freundlich, oder sie haben Streit mit ihren Nachbarn.
Jetzt gehst du in den Garten, siehst wieder nur ein zweidimensionales Haus und eine Hauswand, siehst hinter dir die abschottende Mauer und in der Hauswand zugemauerte Fenster, keine Tür. Folglich kommt der Eindruck auf, wenn man nur diese Seite betrachtet, die Hausbewohner wollten sich völlig von der Außenwelt abschotten und am besten nichts mit dir zu tun haben.

Wenn du jetzt in das Haus hineingehst, die freundlichen Hausbewohner kennenlernst und die dir erzählen, dass sie die Mauer gebaut und die Fenster zugemauert haben, weil die Nachbarskinder trotz mehrfacher freundlicher Bitten imme noch Steine in die Fensterscheiben geschmissen haben, erkennst du das Wesen des Lebens im Haus, das du von außen nicht sehen konntest. Wie das Haus von außen aussieht, ist dabei dann nur noch Fassade, die eine grobe Einschätzung ermöglichen kann, die aber am Ende grundfalsch sein könnte.

So gehe ich denn dann auch mit meinem Gottesbild um. Ich versuche mir immer dessen bewusst zu sein, dass ich bisher nur das Haus von außen gesehen habe und Beschreibungen von Menschen gelesen habe, die vor mir das Haus besucht haben. Über die Hausbewohner sagt das aber nur sehr wenig aus.
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523