Fragen und Antworten zur Baha'i-Religion


.

Tobias es ist alles ok. Wirklich . Ich schätze Dich sehr .
Pommes hat mir mal gesagt
Ihr zwei
Kennt euch auch so ganz gut.
Und Pommes sagte mir
Du
Hast Theologie studiert . Das ist absolut umfangreich und anstrengend

Und ich hätte da schon längst bei die Flinte ins Korn geworfen

Weil da fühle ich mich total wie im Strudel

Geistig , ich würd nur Migräne Kriegen davon.

Ganz ernsthaft, sowas wäre eine Qual , wenn ich

Gezwungen wäre mich damit zu befassen

Beste Grüsse
Fidu
Ich erlaube es mir mal mich einzuklinken.

finnoir hat folgendes geschrieben:
Es gibt eine Menge Widersprüche innerhalb der abrahamitischen Religion/en.


Hättest du hier vielleicht ein Beispiel? Meiner Erfahrung nach werden bei solchen Dingen oft kleine Unterschiede hochstilisiert oder besagter Unterschied wird auch in den Religionsgemeinschaften selbst unterschiedlich gesehen.

finnoir hat folgendes geschrieben:
Ich habe hier mittlerweile einige Aussagen von Bahai Anhängern vorgefunden, die der christlichen Lehre widersprechen - und das in wesentlichen Dingen (geistigen Gesetze) - jenseits aller kulturellen Aspekte.


Auch hier würde ich dich nach konkreten Beispielen Fragen. Ist da wirklich ein Widerspruch? Was genau meint 'christliche Lehre' hier? Wurde derjenige vielleicht einfach falsch verstanden? Teilen überhaupt alle Bahai diese Ansicht?

finnoir hat folgendes geschrieben:
Natürlich könnte eine fortdauernde Offenbarung Sinn ergeben. Es fragt sich nur, von wem gehen diese Offenbarungen aus? Gibt es einen roten Faden in all den Offenbarungen, sprich, schließt eine Offenbarung so an die anderen Offenbarungen an, daß sie sich gegenseitig bestätigen?


Die Offenbarungen gehen natürlich von Gott aus. Der Rote faden ist u.a. das Erkennen der höchsten Realität und die Überwindung der irdischen Kontingenz und Ungerechtigkeit.

finnoir hat folgendes geschrieben:
Eine "göttliche" Offenbarung, welche Einheit im Sinn hat, die wird mindestens dafür Sorge tragen, daß alle Offenbarungen eine Einheit bilden. Darum wird z.B. eine Offenbarung auf die nächste Offenbarung hinweisen und zwar so, daß es für die Menschen nachvollziehbar ist/wird/bleibt, wer hier wen schickt, wer in Wahrheit autorisiert ist, und wer & was nicht.


Diese Frage muss sich natürlich jede abramahitische Religion gefallen lassen (außer evtl. das Judentum). Bahaullah ist ebenso im Neuen Testament vorhergesagt wie der Messias in der Hebräischen Bibel.

finnoir hat folgendes geschrieben:
Schau, ich strebe auch Einheit und Harmonie an. Ich könnte mich jetzt aufmachen und das predigen. Ich könnte eine Bewegung initiieren, die sich sich diese Grundsätze auf die Fahnen schreibt. Man könnte vielleicht in den Statuten lesen:

- jeder Mensch soll als Bruder/Schwester betrachtet werden,
- alle großen Religionen sollen anerkannt und respektiert sein,
- jedem soll es gestattet sein, seine Religion auszuüben
(solange die Mitwelt nicht verletzt wird),
- alle, die sich der Bewegung anschließen, mögen die höchsten Maxime anstreben, die da lauten: Freiheit, Brüderlichkeit, Liebe, ...


Das ist sicher eine schöne Sache. Die Bahai würden da sicher gern mit dir zusammenarbeiten. Ich würde dir natürlich trotzdem empfehlen Bahai zu werden wenn du das machst, denn dann bist du sozusagen gleich an der Quelle.

finnoir hat folgendes geschrieben:
Eine Bewegung zu gründen, um Frieden & Liebe in die Welt zu tragen, das ist immer eine gute Sache. Wenn man aber auch gleichzeitig den Anspruch hat (und alle Offenbarungen haben diesen Anspruch), den Menschen die Wahrheit zu vermitteln, dann wird es problematisch. Denn wir finden in der Geschichte der Religionen unterschiedliche Aussagen bezgl. dieser Frage, unabhängig von kulturellen Aspekten!


In der Bahai-Religion gibt es u.a. die Lehren der Relativität religiöser Wahrheit; der eigenständigen Suche nach Wahrheit; des freundlichen und friedlichen Verhaltens gegenüber Andersgläubigen, inklusive des in Ruhe lassens bei Desinteresse und des allgemeinen Verbots jeder Form des religiösen Zwangs und der religiösen Gewalt. All geht letztlich aus den Lehren der Einheit der Menschheit und der Einheit der Religionen hervor.

finnoir hat folgendes geschrieben:
Insbesondere innerhalb der abrahamitischen Religionen wird diese Diskrepanz deutlich! Das läßt sich nicht dadurch umschiffen, daß man sagt, sie (wir) wären eine Einheit, wenn besagte Zweige wortwörtlich und tatsächlich diese Einheit nicht aufweisen.


Hier besteht vielleicht ein Missverständnis an dem wir Bahai einen großen Anteil tragen. Einheit im Sinne Bahaullahs bedeutet nicht Gleichheit und Einförmigkeit, sondern Einheit in der Vielfalt. Gemeint ist die Gleichwertigkeit der Teile, der Wert und die Harmonie der Gesamtheit und das gleiche Ziel und die gleiche Herkunft.

finnoir hat folgendes geschrieben:
Das führt uns immer wieder zurück zur Ausgangsfrage: Woher kommen wir und wer/was ist der Urgrund aller Schöpfung?


Gott. Ich wüsste keine abramahitische Religion die dies anders beantwortet.
finnoir hat folgendes geschrieben:
Es gibt eine Menge Widersprüche innerhalb der abrahamitischen Religion/en. Ausdruck dafür sind einerseits die originären Zweige selbst (Judentum, Christentum, Islam) als auch die Folgeescheinungen (Bewegungen), wie z.B. die Bahai Religion.

Ich habe hier mittlerweile einige Aussagen von Bahai Anhängern vorgefunden, die der christlichen Lehre widersprechen - und das in wesentlichen Dingen (geistigen Gesetze) - jenseits aller kulturellen Aspekte.


Ich glaube das, woran es sich aufhängt, ist das Verständnis der Schriften selbst. Als Baha'i ist man dazu aufgefordert, über den Wortlaut Heiliger Schriften hinauszudenken, in ihnen nach Allegorien, Symbolen und Parabeln zu suchen, sprich der Intention hinter dem geschriebenen Wort.

Dann -und nur dann!- ergibt alles einen Sinn und lassen sich vermeintliche Widersprüche auflösen. Natürlich widersprechen sich die Schriften der großen Religionen im Wortlaut und in der Art und Weise, gewisse Dinge zu erklären. Denn sie sind nach Baha'i-Verständnis letztendlich kein direktes, wortwörtliches Diktat Gottes, sondern eine Übersetzung des erkannten göttlichen Willens in eine den Menschen in Zeit und Kulturraum angemessene Form durch den Offenbarer, ob das nun Moses, Jesus, Mohammed oder Baha'u'llah ist. Denn bei aller Erhabenheit, die man den sogenannten Manifestationen Gottes zugesteht, bleiben sie trotzdem immer noch Menschen. Menschen mit einem angeborenen besseren Verständnis für die Zusammenhänge in der Welt und den Willen Gottes, aber eben ausdrücklich keine Halbgötter oder etwas anderes. Und jede Manifestation hat auch eine bestimmte kulturelle Prägung in ihrer Kindheit erfahren, die sie befähigt, diesen Übersetzungsprozess zum Erfolg zu führen.

Wenn du nun also zum Beispiel die Geschichte von Abraham nimmst, dann steht in der Bibel, dass er seinen Sohn Isaak opfern wollte, während er im Koran Ismael opfern wollte. Das bedeutet nicht, dass sich die Religionen offen widerpsrechen, sondern dass es einen tieferen Sinn hinter der Geschichte gibt. Welchen Sohn Abraham opfern wollte, ist überhaupt nicht wesentlich, er hätte auch Brian heißen können. Das wichtige ist, dass Abraham bereit war, sich dem Willen Gottes, so unnachvollziehbar er auch sein mochte, zu beugen und seinen Sohn zu opfern.
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Hallo Allerseits,

melde mich in kürze zurück, muß erstmal zu Mittag essen :)
Schöne Grüße und Danke für euer Feeback (insbesondere Tobias).

Omega
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You Are what You Art.
Fiducia hat folgendes geschrieben:
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Tobias es ist alles ok. Wirklich . Ich schätze Dich sehr .
Pommes hat mir mal gesagt
Ihr zwei
Kennt euch auch so ganz gut.
Und Pommes sagte mir
Du
Hast Theologie studiert . Das ist absolut umfangreich und anstrengend

Und ich hätte da schon längst bei die Flinte ins Korn geworfen

Weil da fühle ich mich total wie im Strudel

Geistig , ich würd nur Migräne Kriegen davon.

Ganz ernsthaft, sowas wäre eine Qual , wenn ich

Gezwungen wäre mich damit zu befassen

Beste Grüsse
Fidu


Na gezwungen hat mich niemand und es war Religionswissenschaft, nicht Theologie.

Ich hätte deine Hinweise ja gern umgesetzt, aber ich weiß wirklich nicht auf was sie sich konkret beziehen.
finnoir hat folgendes geschrieben:
Wer meine Beiträge auferksam gelesen hat, der weiß das bereits! Zudem geht aus dem Verlauf "Urgründe der abrahamitischen Religion/en" unzweideutig hervor, wer was zur Disposition stellte, wer welche Fragen, Antworten aber auch Behauptungen in den Raum trug, ohne z.B. Belege nachzureichen (Grüße an Sören .


Grüße zurück, Omega

Ich glaube ihr beiden bzw. ganz viele reden in diesem Thread kategorisch aneinander vorbei, weil sie die jeweiligen Argumentationsmuster, Diskussionsstränge usw. des anderen nicht nachvollziehen können. Mir ging es, muss ich ehrlich zugeben, bei einigen deiner Beiträge auch so. Ich hab da keinen direkten und konkreten Anschluss gesehen und dann das geschrieben, von dem ich dachte, dass es zum Thema passen und deiner Fragestellung entsprechen könnte.

Insofern ließe sich glaube ich einiges an Spannung aus der Diskussion herausnehmen, wenn wir alle, wenn uns etwas unklar ist, lieber noch ein Mal mehr nachfragen als eins zu wenig.

Übrigens habe ich, um auf den Anfang zurückzukommen, die Bitte um einen Beleg zu der Behauptung, die Baha'i verstünden sich als Abrahamitische Religion, nicht wahrgenommen. Das mag an Missverstehen oder Überlesen gelegen haben, ich weiß es nicht, aber das illustriert diese Kette von Missverständnissen für mich sehr gut.
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Hallo Tobias,
erstmal ein großes Dankeschön für deine kontextnahen Stellungnahmen.

Zitat:
finnoir hat folgendes geschrieben:
Es gibt eine Menge Widersprüche innerhalb der abrahamitischen Religion/en.

Hättest du hier vielleicht ein Beispiel?


Es gibt Beispiele wie Sand am Meer, hätte ich beinahe gesagt. Ich meine, wo soll ich da anfangen? Allein die Tatsache, daß es drei verschiedene Zweige (Judentum, Christentum, Islam) gibt, die sich ausschließen und bekriegen, das ist schon ein Widerspruch. Es ist darum widersprüchlich, weil sie sich alle auf eine Einheit berufen, welche anscheinend keine Einheit hervorgebracht hat. Wenn es drei verschiedene Religionen wären, mit drei verschiedenen Urgründen, Quellen, Göttern, ... dann wären etwaige Widersprüche ja verständlich und kein Widerspruch in sich.

Allein diese Tatsache gibt doch schon zu denken.

Grundsätzlich lassen sich viele Widersprüche innerhalb der jeweiligen Zweige finden, z.B. im Christentum, sprich, der zugehörigen Schrift, also der Bibel, sei es im AT oder NT, die sich wortwörtlich auflesen lassen. Darüberhinaus gibt es die Widersprüche, die sich durch den Verbund der 3 Zweigen (Offenbarungen) ergeben, da ihre Kernbotschaften sich teilweise ausschließen. Anstatt dir nun interne Geschichten aus der Bibel vorzulegen, die da widersprüchlich sind, werde ich mich auf ein konkretes Beispiel konzentrieren, welches Christentum und Bahai in ihrer Relation betrifft und meiner Meinung nach schwer genug wiegt, um sich erstmal darauf zu beschränken. Du kommst am Ende selbst darauf zu sprechen.

Zitat:
finnoir hat folgendes geschrieben:
Natürlich könnte eine fortdauernde Offenbarung Sinn ergeben. Es fragt sich nur, von wem gehen diese Offenbarungen aus? Gibt es einen roten Faden in all den Offenbarungen, sprich, schließt eine Offenbarung so an die anderen Offenbarungen an, daß sie sich gegenseitig bestätigen?


Die Offenbarungen gehen natürlich von Gott aus. Der Rote faden ist u.a. das Erkennen der höchsten Realität und die Überwindung der irdischen Kontingenz und Ungerechtigkeit.


Ich könnte dich jetzt fragen: "Welchen Gott meinst du, welche Gottheit?" Allein in der Bibel findest du mehrere "Kräfte", die den Status einer Gottheit für sich beanspruchen. Aus der Bibel geht ganz klar hervor, daß es wohl mehrere Götter gab/gibt.

Es besteht darum eine große Tendenz aneinander vorbeizureden, wenn man in der Auseinandersetzung der Widersprüche nicht den Begriff Gott näher und genauer erörtert. (Auf diesen Umstand hatte ich bereits hingewiesen. Er ist meiner Meinung nach sehr wichtig, um sich überhaupt bestimmter Problematiken bewußt zu werden.)

Ich würde darum vorschlagen, ob du im weiteren Verlauf nicht vielleicht probieren könntest, statt "Gott" einmal diejenige Kraft mit Worten zu benennen, die du eben meinst, ohne das Wort "Gott" zu benutzen. Das würde uns in der Sache große Schritte voranbringen.

Zitat:
finnoir hat folgendes geschrieben:
Eine "göttliche" Offenbarung, welche Einheit im Sinn hat, die wird mindestens dafür Sorge tragen, daß alle Offenbarungen eine Einheit bilden. Darum wird z.B. eine Offenbarung auf die nächste Offenbarung hinweisen und zwar so, daß es für die Menschen nachvollziehbar ist/wird/bleibt, wer hier wen schickt, wer in Wahrheit autorisiert ist, und wer & was nicht.


Diese Frage muss sich natürlich jede abramahitische Religion gefallen lassen (außer evtl. das Judentum). Bahaullah ist ebenso im Neuen Testament vorhergesagt wie der Messias in der Hebräischen Bibel.


Hier treffen wir uns also an einer Stelle, die mir ein guter Ansatzpunkt scheint, sofern man auf zugehörige Schriften baut, um dir einen bedeutsamen Widerspruch aufzuzeigen. Wenn ich deine/eure Aussagen richtig verstanden habe, dann gehen die Bahai davon aus, daß Bahaullah im Neuen Testament nicht nur vorausgesagt wurde, sondern daß Bahaullah auch die Widerkunft Christi gewesen sei!

Habe ich das richtig verstanden?

Bevor ich meine Gedanken hierzu darlege, würde ich mich über eine Bestätigung deinerseits freuen, gerne mit ergänzenden Schriftzeugnissen der Bahai, die das belegen, zumal ich in euren Schriften nicht bewandert bin.

Soweit erstmal.

Grüße Omega
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finnoir hat folgendes geschrieben:
Allein die Tatsache, daß es drei verschiedene Zweige (Judentum, Christentum, Islam) gibt, die sich ausschließen und bekriegen, das ist schon ein Widerspruch.


Nicht unbedingt. Die Religionsgeschichte zeigt, dass die härtesten Konflikte oft zwischen religiösen Gruppen stattfinden, welche sich insgesamt recht ähnlich sehen, sich aber in einem bestimmten - für sie sehr wichtigen Teil - unterscheiden. Im Laufe des Konflikts wird dieser kleine Streitpunkt dann immer weiter vergrößert. Oft kommen dann noch handfeste machtpolitische Gründe hinzu. Man danke hier an die Konflikte zwischen Katholiken und Protestanten im 16. bis 17. Jahrhundert auf dem Boden des Heiligen Römischen Reichs.

Wenn man den 'Graben' zwischen Judentum und Christentum, zwischen Christentum und Islam, zwischen Islam und Bahaitum betrachtet, dann ist das letztlich entscheidende Moment die Anerkennung einer weiteren Offenbarung, welche zudem als Erfüllung der vorherigen Offenbarung gesehen wird.

finnoir hat folgendes geschrieben:
Es ist darum widersprüchlich, weil sie sich alle auf eine Einheit berufen, welche anscheinend keine Einheit hervorgebracht hat. Wenn es drei verschiedene Religionen wären, mit drei verschiedenen Urgründen, Quellen, Göttern, ... dann wären etwaige Widersprüche ja verständlich und kein Widerspruch in sich.


Nun berufen sich aber alle vier Religionen ganz offensichtlich auf den gleichen Gott. Selbst die offensichtlichen Gemeinsamkeiten überwiegen zu einem dramatisch hohen Teil, wenn man sich das Phänomen gesamtgeschichtlich und global betrachtet. Es ist nur so, dass man natürlich an der Differenzierung deutlich mehr arbeitet als an den Gemeinsamkeiten.

finnoir hat folgendes geschrieben:
Allein diese Tatsache gibt doch schon zu denken.


Aus Sicht der Bahai handelt es sich dabei ja auch um einen Irrweg.

Dies ist der unveränderliche Glaube Gottes, ewig in der Vergangenheit, ewig in der Zukunft. Laßt den, der sucht, zu ihm gelangen! Was aber den betrifft, der ihn zu suchen verschmäht - wahrlich, Gott ist der Selbstgenügsame, erhaben über jede Not Seiner Geschöpfe. (Bahaullah, Ährenlese 70,2d)

finnoir hat folgendes geschrieben:
Grundsätzlich lassen sich viele Widersprüche innerhalb der jeweiligen Zweige finden

finnoir hat folgendes geschrieben:
Es gibt Beispiele wie Sand am Meer, hätte ich beinahe gesagt.

finnoir hat folgendes geschrieben:
Grundsätzlich lassen sich viele Widersprüche innerhalb der jeweiligen Zweige finden, z.B. im Christentum, sprich, der zugehörigen Schrift, also der Bibel, sei es im AT oder NT, die sich wortwörtlich auflesen lassen. Darüberhinaus gibt es die Widersprüche, die sich durch den Verbund der 3 Zweigen (Offenbarungen) ergeben, da ihre Kernbotschaften sich teilweise ausschließen.


Das bleiben so generelle Behauptungen, ich würde um konkrete Beispiele bitten.

finnoir hat folgendes geschrieben:
Ich könnte dich jetzt fragen: "Welchen Gott meinst du, welche Gottheit?" Allein in der Bibel findest du mehrere "Kräfte", die den Status einer Gottheit für sich beanspruchen. Aus der Bibel geht ganz klar hervor, daß es wohl mehrere Götter gab/gibt.


Es gibt nur einen Gott.

Es gibt in der Hebräischen Bibel einige Stellen, welche die Existenz anderer Gottheiten nicht kategorisch ausschließen, doch wird immer kategorisch festgehalten, dass nur JHWH verehrenswürdig ist und wirklich Macht besitzt. Daraus einen Polytheismus konstruieren zu wollen ist absurd.

finnoir hat folgendes geschrieben:
Es besteht darum eine große Tendenz aneinander vorbeizureden, wenn man in der Auseinandersetzung der Widersprüche nicht den Begriff Gott näher und genauer erörtert. (Auf diesen Umstand hatte ich bereits hingewiesen. Er ist meiner Meinung nach sehr wichtig, um sich überhaupt bestimmter Problematiken bewußt zu werden.)

Ich würde darum vorschlagen, ob du im weiteren Verlauf nicht vielleicht probieren könntest, statt "Gott" einmal diejenige Kraft mit Worten zu benennen, die du eben meinst, ohne das Wort "Gott" zu benutzen. Das würde uns in der Sache große Schritte voranbringen.


"Gott" ist zuerst einmal ein menschlicher Begriff in einer bestimmten Sprache. Im westlichen Kulturkreis ist eigentlich klar, dass damit der eine Gott gemeint ist, welcher besonders aus der Bibel bekannt ist und über den auch diverse europäische Philosophen räsoniert haben. Ich sehe daher jetzt keine notwendigkeit dafür ein anderes Wort zu erfinden. Zudem "Gott" eben auch der gewählte Begriff in den deutschen Übersetzungen der Bahai-Schriften ist.

Aber um die Sache klar zu gestalten. Bahai glauben an "die Existenz und die Einheit eines persönlichen Gottes, der unerkennbar, unerreichbar, Quell aller Offenbarung, ewig, allwissend, allgegenwärtig und allmächtig ist" (Shoghi Effendi, Gott Geht Vorüber 8,26a)

finnoir hat folgendes geschrieben:
Wenn ich deine/eure Aussagen richtig verstanden habe, dann gehen die Bahai davon aus, daß Bahaullah im Neuen Testament nicht nur vorausgesagt wurde, sondern daß Bahaullah auch die Widerkunft Christi gewesen sei! Habe ich das richtig verstanden?


Bahai sehen in Bahaullah die Wiederkunft Christ in der Herrlichkeit (arab. Bahá') des Vaters (= Gott, arab. Alláh), ja (Bahá'+ Alláh = Bahá'u'lláh).

finnoir hat folgendes geschrieben:
Bevor ich meine Gedanken hierzu darlege, würde ich mich über eine Bestätigung deinerseits freuen, gerne mit ergänzenden Schriftzeugnissen der Bahai, die das belegen, zumal ich in euren Schriften nicht bewandert bin.


Hier wäre eines von vielen Beispielen für diesen Anspruch.

Er, der König der Könige, ist gekommen, von Wolken überschattet, und der Ratschluß ward erfüllt durch Gott, den Allmächtigen, den Unbeschränkten. Vertreibe die Nebelschwaden durch die Macht deines Herrn, und erhebe dich zum Reich Seiner Namen und Eigenschaften. So befiehlt es dir die Feder des Höchsten auf Geheiß deines Herrn, des Allmächtigen, des Allbezwingenden. Wahrlich, Er ist abermals vom Himmel herniedergekommen, wie Er von dort beim ersten Male herniederkam. Hüte dich, mit Ihm zu streiten wie ehedem die Pharisäer ohne ein klares Zeichen und ohne Beweis. Zu Seiner Rechten strömen die Lebenswasser der Gnade und zu Seiner Linken der erlesene Wein der Gerechtigkeit, vor Ihm schreiten die Engel des Paradieses mit den Bannern Seiner Zeichen. Hab acht, daß dich nicht ein Name von Gott fernhält, dem Schöpfer von Himmel und Erde. (Bahaullah, Sure vom Tempel 102b-h [an den Papst der RKK Pius IX.])
--- Widersprüche ---

Hallo Tobias,
vielen Dank für deine Antworten.

Meiner Meinung nach, entzünden sich die Auseinandersetzungen und Kriege zwischen den Religionsgemeinschaften nicht nur durch/wegen grundsätzlicher Widersprüche, sondern auch/gerade dadurch, wie mit ihnen umgegangen wurde/wird.

Wie gehen wir also mit Widersprüchen um?

Sofern es sich um "Kleinigkeiten" handelt, da mögen die verschiedenen Parteien vielleicht noch drüber hinwegsehen, aber um so schwerer die Inhalte wiegen, die unterschiedlich aufgefasst werden, desto dringlicher scheinen/werden die Angelgenheiten, zumindest in religiösen Belangen.

Daß das so ist, das zeigt uns doch die Geschichte und Gegenwart in all ihren Schattierungen. Es käme einem Maulwurf gleich, wer davor seine Augen verschlösse. (Nichts gegen Maulwürfe, es sind liebe Geschöpfe).

Ich erwähne es dir deswegen gegenüber, um dir mitzuteilen, daß ich keine Religion oder Glaubensgemeinschaft aufgrund von Widersprüchen verwerfen oder verurteilen möchte, sondern es geht mir darum die Widersprüche zu hinterfragen, ihre Ursachen und Quellen zu erforschen.

Wie gehen wir mit Widersprüchen um?
Sprich:

1) Wie geht die Allgemeinheit mit Widersprüchen um?
2) Wie gehen religiöse Gemeinschaften mit Widersprüchen um?

Da lassen sich durchaus Unterschiede feststellen!
Allein diese Umstände sind bereits bedenkenswert.

Um deine konkreten Fragen aufzugreifen, ich möge doch konkrete Beispiele aufführen, sei gesagt, die angesprochenen Widersprüche, die sich allein in der Bibel befinden, die sind zahlreich. Das fängt bei der Schöpfungsgeschichte an und hört möglicherweise erst mit der Apokalypse auf. Wir könnten also mit der Schöpfungsgeschichte beginnen, zumal sie zwei Enstehungsgeschichten beinhalten, die sich möglicherweise ergänzen, die aber ganz besimmt nicht einheitlich sind. Aus ihnen läßt sich bereits vieles ableiten, bzw. auf diese beiden Stränge zurückführen.

Glaub mir, hier würden wir ein Faß aufmachen, daß wohlmöglich keinen Boden kennt.

Um uns aber nicht zu verzetteln, würde ich gerne beim letzten Punkt bleiben, den wir bereits konkretisiert haben. Danke auch für nachgereichte Texte der Bahai zum besseren Verständnis.

Um die Sache hier abzukürzen, denn ich muß gleich außer Haus, sei dies bereits vorausgesagt: Du wirst im NT Aussagen finden, daß die Widerkunft Christi für alle sichtbar sein wird, und zwar zeitgleich! Du wirst auch Aussagen finden, welche die Jünger darüber aufklären, daß viele falsche Propheten erscheinen werden. Das gibt natürlich zu denken und läßt aufmerksame Christen hellhörig werden, wenn jemand (wie Bahaullah) erklärt, er sei die verkörperte Wiederkunft Christi.

Ich reiche dir am Nachmittag gerne Bibelbelege nach.


Vielleicht so weit.
Beste Grüße
Omega
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Hallo Tobias,

anbei eine Stelle aus dem Matthäus Evangelium / Kapitel 24:

Mt 24, 23 Wenn dann jemand zu euch sagt: Seht, hier ist der Messias!, oder: Da ist er!, so glaubt es nicht!
Mt 24,24 Denn es wird mancher falsche Messias und mancher falsche Prophet auftreten und sie werden große Zeichen und Wunder tun, um, wenn möglich, auch die Auserwählten irrezuführen.
Mt 24,25 Denkt daran: Ich habe es euch vorausgesagt.
Mt 24,26 Wenn sie also zu euch sagen: Seht, er ist draußen in der Wüste!, so geht nicht hinaus; und wenn sie sagen: Seht, er ist im Haus!, so glaubt es nicht.
Mt 24,27 Denn wie der Blitz bis zum Westen hin leuchtet, wenn er im Osten aufflammt, so wird es bei der Ankunft des Menschensohnes sein.

Quelle: Einheitsübersetzung

Diese Aussage läßt also (zumindest alle Christen) aufhorchen. Wie läßt sich also diese Textstelle und sein Schluß mit der Aussage eures Religionsstifters
Mirza Husain-ʿAli Nuri (Bahaullah) in Übereinstimmung bringen, wenn er für sich in Anspruch nimmt, die Wiederkunft Christi zu sein?

Hier hätten wir also einen Widerspruch gefunden, der keine Kleinigkeit darstellt, z.B. ob der Esel links oder rechts gestanden hätte, es handelt sich auch nicht um eine Differenz, die sich durch Kulturelle Widrigkeiten relativieren ließe, sondern hier werden Kern Offenbarungen berührt, welche die höchsten Prinzipien jeweiliger Religionsverständnisse ansprechen, zumal Jesus von sich sagte, er sei gekommen, um für die Wahrheit Zeugnis abzulegen. Die Wahrheit steht hier als Gleichnis für die höchste Kraft und wahre Quelle der Schöpfung, die uns duch Jesus Christus (als Neues Testament) offenbart worden ist.

Brüderliche Grüße
Omega
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