Fragen und Antworten zur Baha'i-Religion


Burkl hat folgendes geschrieben:
Aus christlicher Sicht macht daher ein göttlicher unfehlbarer Gesetzgeber, der sich solcher Details annimmt auch überhaupt keinen Sinn - diese Angelegenheiten sind nicht vollkommen und unfehlbar zu regeln.


Das kannst du ja nach deinem Tode mal versuchen, dem Herrn deiner Väter Abraham, Isaak und Jakob zu erzählen. Der sieht das, soweit ich mich ans Alte Testament erinnere, leicht anders.
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Sören hat folgendes geschrieben:
Burkl hat folgendes geschrieben:
Aus christlicher Sicht macht daher ein göttlicher unfehlbarer Gesetzgeber, der sich solcher Details annimmt auch überhaupt keinen Sinn - diese Angelegenheiten sind nicht vollkommen und unfehlbar zu regeln.


Das kannst du ja nach deinem Tode mal versuchen, dem Herrn deiner Väter Abraham, Isaak und Jakob zu erzählen. Der sieht das, soweit ich mich ans Alte Testament erinnere, leicht anders.


Das mag im Alten Bund so gewesen sein. Ich lebe als Christ aber im Neuen Bund.
Hallo Sören,

Grundsätzlich behaupte ich eigentlich nur, daß euer Offenbarer besser die Finger von der Erbschaftsregelung gelassen hätte und das dieses Erbrecht archaische Züge trägt und nicht mehr so gut in unsere (deutsche) Welt paßt.
Weltliches Erbrecht kann jederzeit geändert werden, Religionen tun sich da wegen ihrer Unfehlbarkeit wesentlich schwerer.
Welches Erbrecht nun besser oder schlechter ist, müßte in jedem speziellen Fall geklärt werden, und da kann es durchaus sein, daß in dem ein oder anderen Fall der Erbberechtigte im Falle eines Bahai-Testaments besser weg käme. Interessant ist, daß hier eher die Großfamilie und die Religion bedient werden im Gegensatz zu den relativ engen Familiengrenzen und erst ganz zuletzt der Staat im deutschen Recht.
Trotzdem bitte ich dich diese Fragen zu beantworten.

Zitat:
Zitat:
Natürlich ist das Wohnhaus im Regelfall der größte Anteil des Besitzes. Allerdings heißt das auch, dass sich die Berechnung der übrigen Anteile daran orientieren muss. Wenn also ein einzelner männlicher Nachkomme das Haus erbt, muss er die anderen ganz selbstverständlich auszahlen, damit die Anteile wieder stimmen.
Ich fragte:
Wo steht das? Ich kann da nirgendwo eine Verpflichtung erkennen.


Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Hallo Tobias,

zunächst einmal muß ich natürlich sagen, daß ich auf Beispiele aus der kath. Kirche zurückgegriffen habe, weil mir Beispiele von den Bahais nicht bekannt sind (außer auf einen Fall aus dritter Hand).
Es geht also nur um das Durchspielen von möglichen Konstellationen und deren rechtliche Auswirkungen.

Zitat:21.12.15 12:23
Zitat:
Die Verletzung von irgendeinem staatlichen Recht hat Minou übrigens schon mehrfach verneint. Bitte unterlasse es fiktive Fälle zu konstruieren und dann so zu tun als seien sie real.


Dazu Zitat von Minou 12.12.15 23:43
Zitat:
Hallo Pjotr,

es wurde eben nicht das Erbrecht der Baha'i als staatliches Recht angewandt. Es war nur so, dass der junge Mann ein Testament verfasst hatte, das dem Willen Baha'u'llahs folgte. Rechtlich gesehen war das natürlich nicht gültig, das wollte ich damit sagen.


Wenn ich das richtig interpretiere, hat der junge Mann ein Testament nach dem Willen Baha'u'llahs verfaßt. Er hat sich damit aber (vielleicht) über zwei Gesetze hinweggesetzt. Einmal hat er eventuell staatliches Recht nicht beachtet und damit hat er auch zweitens die von Baha'u'llah
geforderte Vorrangstellung der staatlichen Gesetze verletzt.

Es war aber wohl sehr wohl ein reales Testament (wie auch immer man es nachher behandelt hat).

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
Wenn ich das richtig interpretiere, hat der junge Mann ein Testament nach dem Willen Baha'u'llahs verfaßt. Er hat sich damit aber (vielleicht) über zwei Gesetze hinweggesetzt. Einmal hat er eventuell staatliches Recht nicht beachtet und damit hat er auch zweitens die von Baha'u'llah
geforderte Vorrangstellung der staatlichen Gesetze verletzt.


Meine Güte, Pjotr, hätte ich doch nie das Testament des Freundes erwähnt! Es stellte sich damals überhaupt nicht die Frage nach staatlichen Gesetzen. Alle Baha'i-Freunde waren gerührt, dass er so ein Testament aufgesetzt hatte. Da die Eltern auch Baha'i sind, war das alles kein Problem.

Ich hoffe, dass Du endlich aufhörst, auf dem Thema 'herumzureiten'. Ich möchte nämlich, dass mein Freund seinen Frieden hat in der jenseitigen Welt.

LG,
Minou
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»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
hallo Minou,

gg, das macht die Sache verständlicher, ändert aber nichts an den grundsätzlichen Fragestellungen zum Bahai Erbrecht und staatlichem Erbrecht. Da bleiben wohl doch Fragen offen. Das jeder ein Testament nach eigenen Ermessen machen kann, sofern er die staatlichen Regelungen beachtet, ist wohl jedem hier inzwischen klar. Und das die Bahai fordern, sein Testament zunächst gemäß den staatlichen Regelungen und erst dann eventuell dem Bahai-Recht anzupassen, dürfte wohl auch klar geworden sein.
Aber wenn das alles so klar ist, warum gibt es dann ganz allgemein so viele Erbstreitigkeiten, die vor weltlichen Gerichten ausgetragen werden?


Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Burkl hat folgendes geschrieben:
Sören hat folgendes geschrieben:
Burkl hat folgendes geschrieben:
Aus christlicher Sicht macht daher ein göttlicher unfehlbarer Gesetzgeber, der sich solcher Details annimmt auch überhaupt keinen Sinn - diese Angelegenheiten sind nicht vollkommen und unfehlbar zu regeln.


Das kannst du ja nach deinem Tode mal versuchen, dem Herrn deiner Väter Abraham, Isaak und Jakob zu erzählen. Der sieht das, soweit ich mich ans Alte Testament erinnere, leicht anders.


Das mag im Alten Bund so gewesen sein. Ich lebe als Christ aber im Neuen Bund.


In dem ja vermeintlich kein Jota des Gesetzes vergangen ist.

Aber im Ernst: es ist schon, bei dem Hintergrund im Judentum und der christlichen Kirchengeschichte, albern wenn ein Protestant sowas schreibt. Aber wenn es ein Katholik tut... Was macht denn bitte der Codex Iuris Canonici?

Nur mal angemerkt: eine vergleichbare Rechtssammlung kennt das Baha'itum nicht...
Burkl hat folgendes geschrieben:
Mir fällt dazu auch eine Anekdote ein, die ein bekannter Wiener Professor für öffentliches Recht bei der Einführungsvorlesung zum Studium, immer wieder bringt:

Ein alter Rechtsanwalt hat einmal zu seinem übereifrigen Sohn, der auch Anwalt werden wollte gesagt: "Mein Sohn, wenn du Gerechtigkeit suchst, dann schau nicht in die Gesetzbücher."


Dagegen erheben sich schon zwei Einwände meinerseits:

1) Säkulares Recht ist etwas anderes als religiöses Recht.

2) Den 'Spruch' kenne ich aus dem Jura-Studium auch. Der Geist dahinter ist auch ein Grund warum ich dieses Studium nicht fortgeführt habe. Ethisch gesehen ist das freilich eine Katastrophe, da hier Moral von Recht getrennt wird. Letztlich ist das eine vulgäre Weiterführung des Dezisionismus. Scheint aber irgendwie kaum jemanden zu kümmern.
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
Hallo Sören,

Grundsätzlich behaupte ich eigentlich nur, daß euer Offenbarer besser die Finger von der Erbschaftsregelung gelassen hätte und das dieses Erbrecht archaische Züge trägt und nicht mehr so gut in unsere (deutsche) Welt paßt.
Weltliches Erbrecht kann jederzeit geändert werden, Religionen tun sich da wegen ihrer Unfehlbarkeit wesentlich schwerer.
Welches Erbrecht nun besser oder schlechter ist, müßte in jedem speziellen Fall geklärt werden, und da kann es durchaus sein, daß in dem ein oder anderen Fall der Erbberechtigte im Falle eines Bahai-Testaments besser weg käme. Interessant ist, daß hier eher die Großfamilie und die Religion bedient werden im Gegensatz zu den relativ engen Familiengrenzen und erst ganz zuletzt der Staat im deutschen Recht.


1) Warum kümmert es dich als Nicht-Baha'i was Baha'i-Recht ist, zumal es nicht für Nicht-Baha'i gelten kann und weder staatliches Recht verletzen darf noch gegen die Menschenrechte verstößt? Was ist bitte das konkrete Problem? Was ist eigentlich die Frage?

2) Noch einmal: das 'Erbrecht' der Baha'i besagt das man ein Testament innerhalb der staatlichen Rechtsnormen machen soll und darin sein Vermögen möglichst fair und weit verteilen soll. Was ist das Problem?

3) Was ist an deinem letzten Absatz jetzt genau interessant? Die Behauptung das der deutsche Staat sich vom Erbe erst zuletzt bedienen würde ist derweil natürlich falsch. Der Staat verzichtet weder auf seine regulären Steuern und zudem existiert eine gesonderte Steuer für Erbschaften und Schenkungen.
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
hallo Minou,

gg, das macht die Sache verständlicher, ändert aber nichts an den grundsätzlichen Fragestellungen zum Bahai Erbrecht und staatlichem Erbrecht. Da bleiben wohl doch Fragen offen. Das jeder ein Testament nach eigenen Ermessen machen kann, sofern er die staatlichen Regelungen beachtet, ist wohl jedem hier inzwischen klar. Und das die Bahai fordern, sein Testament zunächst gemäß den staatlichen Regelungen und erst dann eventuell dem Bahai-Recht anzupassen, dürfte wohl auch klar geworden sein.
Aber wenn das alles so klar ist, warum gibt es dann ganz allgemein so viele Erbstreitigkeiten, die vor weltlichen Gerichten ausgetragen werden?


Pjotr Kala


Woher nimmst du das Wissen das besonders viele Fälle in denen der Erblasser Baha'i war vor weltlichen Gerichten landen?