Wurde zu einem ev-Gottesdienst eingeladen, Unverstehbar!


Gegen Ende kam das Ev.-Glaubensbeknntnis und wohl noch Abendmal, also Wein- und Keksdarreichung, ich verliess den Raum mit folgendem Gedanken:

Kann man sich Gott wirklich als ein blutrünstiges Ungeheuer vorstellen, das durch das Blut seines eigenen Sohnes besänftigt werden muss?

Ich wußte nicht ob ich die Leute auslachen oder bedauern sollte weil die so einen Quatsch annehmen, das glauben zu sollen ( Schüler-Religionsuntericht inkl. Konfirmationsvorbereitung ) eine Beleidigung des Versandes und Intellekt.

Ich gebe zu daß ich als ungetaufter Atheist 60 Jahre davon verschont wurde. Christlichkeit kannte ich durchaus als Gesprächskreise über Bibeltexte verbunden mit Gebeten der Dankbarkeit zu einem "persönlichen" Jesusbild, ähnlich wie Milchmann Tevje sich über seine Armut beklagt.... Ebenso dabei die Haltung über die Hinrichtung die aber durch die Auferstehung ( schon ein großes Wunder ) der römischen Obrigkeit und den Hohepriester-Vasallen des Imperiums eines "auswischte.

Also ohne Opfergedanken sondern schlicht Hinrichtung eines Pazifisten der der Obrigkeit lästig wurde, und das mit Todesstrafe ging vor 2000 Jahren recht flott auch bei Bagatellen.
Weinberg hat folgendes geschrieben:
und das mit Todesstrafe ging vor 2000 Jahren recht flott auch bei Bagatellen.


Das Problem an deiner Theorie ist, dass aus Sicht des römischen Rechts nichts Strafwürdiges gegen Jesus vorlag - nicht einmal eine "Bagatelle". Jesus hat nichts Strafwürdiges getan - weder juristisch und schon gar nicht moralisch. Es war ein Justizmord. Und die gibt es heute auch noch zu Hauf.
Hallo Weinberg!

Ich stimme Dir da absolut zu!
Zwar haben schon viele versucht, mir zu erklären, warum Gott erst mal Blut und Folter sehen will, bis er (sie?) angeblich etwas für die Menschen tun könne.
Geglückt waren meiner Meinung nach all diese Versuche nicht.
Eher kam es mir vor, als wären es Versuche, Dogmen mit rationalen Begründungen zu untermauern, die meines Erachtens nach mehr als holprig waren.

Wenn man dann mal weiter nachdenkt:
War es nicht so, dass sich die Kreuzritter eben die Kreuzigung zum Grund machten, in Jerusalem grausam einzufallen und viele Menschen zu töten?
Ist es nicht so, dass dieses Fehlverhalten die Beziehung zwischen Juden und Christen bis in die Jetztzeit belastet?

Kann es denn sein, dass Gott einen einigen Sohn hat, nun da wir und die Größe des Universums wissen?

Wieso sollte ein allmächtiger und allliebender Gott denn nicht die Möglichkeit haben, einen liebevollen und sanften Weg zu finden, Menschen zu erreichen?

Wieso sollte es denn einen "Alten Bund" und einen "Neuen Bund" geben, wenn es doch gleich im einem bekannten Kirchenlied heißt: "Wie Du warst vor aller Zeit, so bleibst Du in Ewigkeit"?

Wieso sollte der Mensch denn eine implantierte Unvollkommenheit haben, von der der Mensch erst mal errettet werden müsste?

Heißt es denn nicht andereseits, Gott sei wie der gütige Schäfer der niemals ruht, bis auch das letzte Schäfchen zurückgefunden hat?

Wieso sollten denn Glaubensbekenntnisse wichtiger sein, als Charaktereigenschaften? Zumal das "richtige" Glaubensbekenntnis offensichtlich keineswegs edlere Charakereigenschaften garantiert.

Und wenn alle Menschen Söhne und Töchter Gottes sind, weil sie Gott im Christentum doch den "Vater" nennen, wieso sollte dann Gott wiederum nur einen Menschen angeblich seinen Sohn nennen?

Ich könnte nun noch viel mehr in Frage stellen, aber lasse es erst mal dabei. Im Geiste fühle ich mich aber denen verbunden, die bereit sind zu hinterfragen.
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Burkl hat folgendes geschrieben:
Das Problem an deiner Theorie ist, dass aus Sicht des römischen Rechts nichts Strafwürdiges gegen Jesus vorlag - nicht einmal eine "Bagatelle". Jesus hat nichts Strafwürdiges getan - weder juristisch und schon gar nicht moralisch. Es war ein Justizmord. Und die gibt es heute auch noch zu Hauf.


Jesus nahm für sich in Anspruch der Messias aus der Linie Davids zu sein. Auch wenn er selbst - so berichtet es das Neue Testament - daran keinen politischen Anspruch knüpfte, so erschien dies jedoch sowohl den weltlichen als auch religiösen Lokalherrschern als auch deren römischen Oberherren als Bedrohung bzw. politische Rebellion mit religiöser Legitimation.

Ähnlich erging es übrigens dem Báb, der für sich in Anspruch nahm der Mahdi aus der Linie Mohammeds (bzw. Fatismas) zu sein. Zwar beanspruchte er nie irgendeine konkrete politische Macht für sich und beteuerte auch sein generelles Desinteresse daran, doch blieb das Misstrauen bestehen. Der schiitische Klerus sah seine Machtposition bedroht und brachte schließlich auch den iranischen Staat gegen den Bab auf, was dann schließlich in seiner Hinrichtung mündete.
Zitat:
Ähnlich erging es übrigens dem Báb, der für sich in Anspruch nahm der Mahdi aus der Linie Mohammeds (bzw. Fatismas) zu sein. Zwar beanspruchte er nie irgendeine konkrete politische Macht für sich und beteuerte auch sein generelles Desinteresse daran, doch blieb das Misstrauen bestehen. Der schiitische Klerus sah seine Machtposition bedroht und brachte schließlich auch den iranischen Staat gegen den Bab auf, was dann schließlich in seiner Hinrichtung mündete.


Parallelen zwischen dem Leben und der Hinrichtung des Báb und dem Kreuzestod Jesu, schildert u.A. das Buch
>Das Tor zum Licht<
von William Sears,
belegt durch viele zeitgenössischen Berichte damaliger europäischer Zeitschriften und Forscher (um das Jahr 1850)
Hab es jetzt grade mal wieder fertig gelesen.
Bin fasziniert!

Liebe Grüße
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Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und Forderungen.
Bahá'u'lláh
Ich bin der Meinnung, dass jemand der so sehr an Gottes Liebe und allmacht glaubt, nicht wirklich weiss, wie es sich anfühlt

-einsam zu sein
-misshandelt zu sein
-gedemütigt zu sein
-gemobbt zu sein
-kein Mutterliebe bekommen zu haben
-angespuckt und geschlagen worden ist
-usw

jemand der aufgrund dessen dieses Leben nicht mehr weiterführen will.

So ein Mesnch kann nicht an so einen Gott glauben, oder wenn er daran glaubt, dann weiss er nicht was Leid bedeutet.
phobo hat folgendes geschrieben:
Ich bin der Meinnung, dass jemand der so sehr an Gottes Liebe und allmacht glaubt, nicht wirklich weiss, wie es sich anfühlt...

So weit würde ich nun auf keinen Fall gehen, Phobo!

Kennst Du nicht das Lied: "Von guten Mächten wunderbar geborgen" von Bonhoeffer?
Und weißt Du, dass er das im KZ geschrieben hat?
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phobo hat folgendes geschrieben:
Ich bin der Meinnung, dass jemand der so sehr an Gottes Liebe und allmacht glaubt, nicht wirklich weiss, wie es sich anfühlt

-einsam zu sein
-misshandelt zu sein
-gedemütigt zu sein
-gemobbt zu sein
-kein Mutterliebe bekommen zu haben
-angespuckt und geschlagen worden ist
-usw

jemand der aufgrund dessen dieses Leben nicht mehr weiterführen will.

So ein Mesnch kann nicht an so einen Gott glauben, oder wenn er daran glaubt, dann weiss er nicht was Leid bedeutet.


Tatsächlich ist es inzwischen empirisch ziemlich gut belegt, dass persönliche Kriesen äußerst positive Auwirkungen auf die Bildung oder Verstärkung von Frömmigkeit haben.

Insofern ist genau das Gegenteil von dem was du schreibst Fakt.
PapaLoooo hat folgendes geschrieben:
phobo hat folgendes geschrieben:
Ich bin der Meinnung, dass jemand der so sehr an Gottes Liebe und allmacht glaubt, nicht wirklich weiss, wie es sich anfühlt...

So weit würde ich nun auf keinen Fall gehen, Phobo!

Kennst Du nicht das Lied: "Von guten Mächten wunderbar geborgen" von Bonhoeffer?
Und weißt Du, dass er das im KZ geschrieben hat?


Paradoxerweise wird die Frage der Theodizee als Begründung für Unglauben fast nur in Wohlstandsgesellschaften verwendet.
phobo hat folgendes geschrieben:
Ich bin der Meinnung, dass jemand der so sehr an Gottes Liebe und allmacht glaubt, nicht wirklich weiss, wie es sich anfühlt

-einsam zu sein
-misshandelt zu sein
-gedemütigt zu sein
-gemobbt zu sein
-kein Mutterliebe bekommen zu haben
-angespuckt und geschlagen worden ist
-usw

jemand der aufgrund dessen dieses Leben nicht mehr weiterführen will.

So ein Mesnch kann nicht an so einen Gott glauben, oder wenn er daran glaubt, dann weiss er nicht was Leid bedeutet.


Ich kann sehr wohl an einen allmächtigen Gott glauben, obwohl auch ich in der Schule gemobbt worden bin, meine ganze Jugend über sehr einsam war und wegen absoluter Banalitäten ausgegrenzt wurde.

Denn es ist ein Unterschied, ob Gott nur allmächtig ist oder ob er mit seiner Allmacht spielt, als wär die Welt ein Schachbrett. Ich glaube, dass der Hauptgrund für das Leid, das Menschen erfahren, der Mensch selbst ist. Menschen verursachen sich gegenseitig Leid. Das ist keinesfalls schön und sollte auch nicht ewig so bleiben (wird es nach meinem Glauben auch nicht), aber nicht Gottes Werk.

Wir besitzen einen freien Willen und sind ganz allein für unsere Handlungen verantwortlich. Die Existenz einer Allmacht schließt nicht automatisch ein, dass sie immer und überall zum Einsatz kommen muss. Es ist gerade die Zurückhaltung, die Er übt, die es uns ermöglicht, in dieser durchaus nicht immer rosa-blümchen-wunderschönen Welt an den Schwierigkeiten zu wachsen und etwas zum Guten in ihr beizutragen.

Würde er immer und überall eingreifen und wäre jede Handlung gesteuert, wären wir nicht mehr als ein Kinofilm, den man sich zur eigenen Belustigung ansieht. Dann wäre die Komplexität unserer ganzen Existenz sinnfrei.
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523

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