Demut


Tek. hat folgendes geschrieben:
Wie weit fortgeschritten seid ihr in dieser Tugend?


Ich bin nicht würdig mir darüber ein Urteil zu erlauben.
Zitat:
Wird Demut in der Welt von den Menschen oft als Schwäche registriert?

Von einigen sicherlich, auch glaube ich, dass es öft mit Demütigung verwechselt wird.

Uns sich von anderen demütigen zu lassen, das kann ja nicht gemeint sein.

Ich mag dieses Beispiel mit dem Baum der viele Früchte trägt und sich deshalb zur Erde neigt.
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Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und Forderungen.
Bahá'u'lláh
Ich denke, Demut ist einfach eine Grundeinstellung, sich nicht geistig größer als Andere fühlen zu wollen.
Nach meiner Beobachtung ist es schon so, dass Menschen die eine ehrlich-demütige innere Haltung ausstrahlen auch Menschen sind , auf denen gerne rumgetrampelt wird oder die provoziert werden , weil sie scheinbar Schwäche ausstrahlen.
Nach meiner Beobachtung ist es aber auch so, dass Menschen die ehrlich demütig sind und gleichzeitig sich selbst lieben als stark empfunden werden.

Für mich selbst ist Demut die Zwillingsschwester der Dankbarkeit. Beide schaffen wiederum - wenn sie wirklich im Herzen empfunden sind innere Ruhe und Sanftmut.

Ist es nicht seltsam, dass Menschen die in Armut oder Schwierigkeiten leben oft viel dankbarer und demütiger sind als die, die alles und noch mehr haben ?
visie hat folgendes geschrieben:
Ist es nicht seltsam, dass Menschen die in Armut oder Schwierigkeiten leben oft viel dankbarer und demütiger sind als die, die alles und noch mehr haben ?


Es ist erklärbar: Die Verlockung sein Leben nur mehr auf dem scheinbar bequemen und weltzugewandten Weg zu gehen ist für Menschen, die materiell viel besitzen, viel größer. Das ist auch der Hauptgrund, warum in unserem reichen und satten Europa derart flächendeckend der Glaube zerbröckeln kann - es gibt unendlich viel Möglichkeiten sich im Materiellen zu verlieren.
Hi Burkl, das bezweifel ich.
Menschen sind spirituelle Wesen. Durch Armut und Not sich auf Spiritualität zu beziehen, ist eine Notlösung, berechtigt, aber ich würde es niemandem wünschen.

Das flächendeckend der Glaube zerbröckelt, liegt wohl eher an ungenügenden Antworten der traditionellen Religionen.

Und irgendwie finde ich die Skepsis, die mit mehr Wohlstand und deshalb besseren Bildungsmöglichkeiten einhergeht sehr gut.
Menschen glauben nicht mehr einfach, was ihnen gesagt wird, sondern denken selber.

Deine Antwort impliziert für mich, dass Demut durch Mangel verursacht wird, dann ist es mMn nach keine Tugend.

Tek. hat in einem Zitat beschrieben, dass Demut Achtung vor anderen Menschen bedeutet, diese Definition kann ich nachvollziehen. Aber Achtung/Wertschätzung kann in diesem Fall nicht aus einem Gewaltgefälle entspringen, welches durch Armut eben gegeben ist.
ziraki hat folgendes geschrieben:
Das flächendeckend der Glaube zerbröckelt, liegt wohl eher an ungenügenden Antworten der traditionellen Religionen.


Das glaube ich nicht. Der christliche Glaube, die katholische Kirche, gibt Antworten auf wirklich alle Fragen des Lebens. Und zwar wahre tiefe Antworten. Ich empfehle dir die Lektüre des Katechismus der Katholischen Kirche.

Ich glaube, dass es im "Meer der Möglichkeiten" der Moderne vielen Menschen undenkbar erscheint, dass die Wahrheit zu finden eine reale Option ist. Deshalb erscheint es schon fast provaktiv, ja "rückständig" an die Wahrheit der Kirche zu glauben. Ich glaube das Problem an der Moderne ist, dass sie dem Menschen erklärt "Definiere dich selbst!" oder in Bezug auf die Religion "Stell dir dein "Menü" am Markt der Möglichkeiten zusammen!". Das Problem dabei: Menschengemachte Wahrheiten sind keine, die das Menschliche übersteigen - und daher auch keine wahre Erlösung bewirken können, weil das Sehnen des Menschen über sich selbst hinausgeht. Es ist wie der Münchhausen'sche Versuch sich selbst am Schopf aus dem Sumpf zu ziehen.
Burkl hat folgendes geschrieben:
ziraki hat folgendes geschrieben:
Das flächendeckend der Glaube zerbröckelt, liegt wohl eher an ungenügenden Antworten der traditionellen Religionen.


Das glaube ich nicht. Der christliche Glaube, die katholische Kirche, gibt Antworten auf wirklich alle Fragen des Lebens. Und zwar wahre tiefe Antworten. Ich empfehle dir die Lektüre des Katechismus der Katholischen Kirche.


Die katholische Kirche mag Antworten auf alle Fragen des Lebens geben, aber diese Antworten widersprechen der Natur und den Werten vieler Menschen. Es gibt auch noch unzählige andere Lehren die tiefe, "wahre" Antworten auf alle Lebensumstände liefern ...

Burkl hat folgendes geschrieben:

Ich glaube, dass es im "Meer der Möglichkeiten" der Moderne vielen Menschen undenkbar erscheint, dass die Wahrheit zu finden eine reale Option ist.

Ich glaube, dass jeder früher oder später seine Wahrheit sucht und findet. Doch jede Wahrheit unterscheidet sich.

Burkl hat folgendes geschrieben:

Deshalb erscheint es schon fast provaktiv, ja "rückständig" an die Wahrheit der Kirche zu glauben.

Ist es auch. Die Kirche lebt noch immer die Vergangenheit, hat sich von den eigenen Wertansprüchen viel zu weit entfernt. Das Konzept mit dem Übermensch ist an und für sich gut, aber letztendlich auch nur eine weitere Karotte die dem Esel vorgehängt wird, damit er weitertrappt.

Burkl hat folgendes geschrieben:

Ich glaube das Problem an der Moderne ist, dass die dem Menschen erklärt "Definiere dich selbst!" oder in Bezug auf die Religion "Stell dir dein "Menü" am Markt der Möglichkeiten zusammen!".

Natürlich ist das ein Problem, denn der Mensch ist nicht mehr so lenkbar, wie er es einmal wahr. Aussagen werden kritisch hinterfragt, die weltweite Vernetzung sorgt für regen Gedankenaustausch, man muss sich nicht mehr auf das gesprochene Wort einer Obrigkeit verlassen, sondern kann dem kritisch gegenübertreten und seine eigene Meinung bilden. Sich selbst finden und seinen eigenen Weg beschreiten.

Burkl hat folgendes geschrieben:

Das Problem dabei: Menschengemachte Wahrheiten sind keine, die das Menschliche übersteigen

Und sind auch nicht nötig. Mensch sein sollte für einen Menschen doch vollkommen ausreichen?

Burkl hat folgendes geschrieben:

- und daher auch keine wahre Erlösung bewirken können, weil das Sehnen des Menschen über sich selbst hinausgeht. Es ist wie der Münchhausen'sche Versuch sich selbst am Schopf aus dem Sumpf zu ziehen.

Wahrlich erlösen kann sich nur jeder selbst. Diese Aufgabe kann niemand für einen übernehmen. Auch kein Gott.
luschn hat folgendes geschrieben:
Die katholische Kirche mag Antworten auf alle Fragen des Lebens geben, aber diese Antworten widersprechen der Natur und den Werten vieler Menschen.


Vielleicht beschäftigen sie sich nicht genug mit diesen Antworten. Ist "die Natur des Menschen" immer das richtige? Ich bin froh in einer Gesellschaft zu leben, wo die naturhaften Triebe und Begierden des Menschen durch Gesetze im Groben gezügelt sind.

Ich habe eher den Verdacht, dass viele Menschen nur dann zufrieden sind, wenn die Antworten ihrer Erwartungshaltung entsprechen. Und da sind wir schon beim Kern: Der Mensch wird nicht durch das "Naheliegende" glücklich. Und das Naheliegende ist das "bestens abgesicherte Wellness"-Leben. Wenn alle Ungewissheiten, Gefahren und Unannehmlichkeiten ausgeschaltet sind, dann wird das Leben paradoxerweise erst so richtig unsicher. Christentum sagt demgegenüber, dass die einzige Sicherheit daraus kommt, loszulassen - und sich Gott anzuvertrauen.

luschn hat folgendes geschrieben:
Ich glaube, dass jeder früher oder später seine Wahrheit sucht und findet. Doch jede Wahrheit unterscheidet sich.


Nur kann eine solche beliebige Wahrheit kein gemeinsamer Orientierungspunkt sein - sie ist damit unnotwendig. Wir sind wieder dort, wo wir am Anfang waren, wenn jeder beliebig definiert, was wahr ist. Ich glaube ohne gemeinsame Werte, die aber tatsächlich auch im objektiv Wahren gründen, zerfällt eine Gesellschaft. Oder anders formuliert: Nur weil ich sage, dass meine Wahrheit ist, dass z.B. zwischen Männern und Frauen kein Unterschied besteht, ist das deshalb nicht so. Es gibt eine objektive Wirklichkeit der Dinge - auch und gerade in sittlich-moralischen Fragen. Werte sind nicht frei definierbar. Tue ich es doch werden sie deshalb nicht echt - und das spüren die Menschen innerlich, sofern das Gewissen noch nicht völlig verschüttet ist.

luschn hat folgendes geschrieben:
Ist es auch. Die Kirche lebt noch immer die Vergangenheit, hat sich von den eigenen Wertansprüchen viel zu weit entfernt. Das Konzept mit dem Übermensch ist an und für sich gut,


Der "Übermensch" des Nietzsche ist ein atheistisches Konzept, eigentlich das pure Antichristentum. Jesus hat den Tod und das Böse dadurch überwunden, dass er rechtlos wie ein Sklave wurde.

luschn hat folgendes geschrieben:
Aussagen werden kritisch hinterfragt, die weltweite Vernetzung sorgt für regen Gedankenaustausch, man muss sich nicht mehr auf das gesprochene Wort einer Obrigkeit verlassen, sondern kann dem kritisch gegenübertreten und seine eigene Meinung bilden. Sich selbst finden und seinen eigenen Weg beschreiten.


Vernetzung ist gut - und auch reger Gedankenaustausch. Nur wenn Alles beliebig wird und die Massenmedien auch jede Form der Obrigkeit "demontieren" - dann gibt es keine Fixpunkte mehr. Und das bringt Menschen und die Gesellschaft in die Orientierungslosigkeit und den Werteverfall.

luschn hat folgendes geschrieben:
Und sind auch nicht nötig. Mensch sein sollte für einen Menschen doch vollkommen ausreichen?


Der Mensch ist sich selbst nicht genug. Auf sich selbst zurückgeworfen bleibt unklar, was er ist und wohin er geht. Ein Tier hat seine programmierten Instinkte, es gibt aber kein "Programm", das den Menschen ans Ziel führt.

luschn hat folgendes geschrieben:
Wahrlich erlösen kann sich nur jeder selbst. Diese Aufgabe kann niemand für einen übernehmen. Auch kein Gott.


Erlösung bedeutet, dass eindeutig geklärt ist, was der Weg ist. Dieser Weg ist "vorangegangen" worden - er musste erschlossen werden. Christlicher Glaube ist, dass die Selbstbefreiung nicht möglich ist, aber auch nicht notwendig, der Preis wäre ein sehr hoher - da Gott uns liebt hat er ihn bezahlt durch die Hingabe seiner selbst - das ist Liebe.
luschn hat folgendes geschrieben:
[...] aber diese Antworten widersprechen der Natur[...]


Der gefallenen Natur?