Darf man Erwartungen an andere haben?


achim56 hat folgendes geschrieben:
leuthner hat folgendes geschrieben:
Ich weiss, dass meine Mitmnschen Opfer und Täter ihres Egos und Superegos sind. Das bin ich, so hoffe ich, nicht mehr, da ich meinen inneren Djihad beendet habe. Früher war ich auch sehr oft in der Opfer- und Täterolle. Weswegen sollte ich daher, da ich mich ja geläutert habe, meine Mitmenschen weniger wertschätzen? Ich versuche Vorbild zu sein, in der Hoffnung, dass meine Mitmenschen meinem Beispiel nachkommen.

Lieber Erich, wie hast Du es denn geschafft, Deinen inneren Kampf zu beenden und Dich zu läutern?
Wenn Du versuchst Vorbild zu sein und dann hoffst, dass Deine Mitmenschen es nachmachen, hast Du ja schon wieder Erwartungen, die enttäuscht werden können.

Ich befinde mich noch in einem Stadium, wo es mich wütend macht, wenn Menschen sich so verhalten, als gäbe es nur sie allein auf der Welt. Und ehrlich gesagt, kann ich solche auch nicht wertschätzen. Ich versuche schon zu differenzieren zwischen "Tat" und "Täter". Aber dann denke ich mir oft, mein Gott, was wäre die Welt doch um ein Vielfaches lebenswerter, wenn es solche rücksichtslosen Gesellen nicht gäbe?

"Der Ehrliche ist der Dumme" lautet ein Buch von Ulrich Wickert. Man könnte auch sagen: "Der Anständige ist der Dumme".

Ein weiteres Beispiel:
Wenn ich hier auf dem Land spazieren gehe und mir kommt jemand auf meinem Gehweg entgegen, grüße ich freundlich, auch wenn ich diesen Menschen garnicht kenne. Die meisten schauen mich kurz und mürrisch an, grüßen aber nicht zurück. Ich finde das sehr unhöflich (die Franken sind aber allgemein schlecht gelaunt) und ich ärgere mich über mich selbst, dass ich es nicht sein lasse. Aber ich bin nun einmal zu einem höflichen Menschen erzogen worden. Die Folge wird sein, dass ich mich anpasse und wie die anderen auch, stumm und mit gesenktem Blick an meinen Mitmenschen vorbeilaufe. Für mich ist das eine grauenvolle Vorstellung und es ist auch gegen meine Natur.

In meinem Realschul-Abschluss-Zeugnis steht als Beurteilung: "Der fleißige Schüler arbeitete gewissenhaft und beharrlich. Sein Betragen kennzeichnen Bescheidenheit und Anstand."
Du glaubst nicht, wie negativ mir das bei Bewerbungsgesprächen schon ausgelegt wurde. Auch Freunde kritisieren manchmal meine Sorgfalt und Ordnungsliebe. Ich bin dann immer ganz perplex und frage mich, was daran falsch ist. Ich kann Unordnung und Unzuverlässigkeit nicht ertragen.

Wahrscheinlich ist es unmöglich und unvereinbar, sich in einer Gesellschaft wohl zu fühlen, in der ein sehr großer Teil der Menschen auf solche Werte nichts mehr gibt. Und es bleibt nicht aus, dass man sich langsam aber sicher ungewollt anpasst. Es ist auch unmöglich, in einem weißen Anzug einen Misthaufen umzudrehen, ohne dabei schmutzig zu werden.


Lieber Achim!

Die tägliche Sahajayogameditation hat micht soweit gebracht, den inneren Kampf zu beenden, Frieden zu finden, Freude in allem zu sehen und ganz einfach glücklich zu sein.

Ausserdem habe ich keine Erwartungen an meine Mitmenschen, da ich weiss wie schwer es ist sich selbst zu ändern. Mir ist das einzig und allein mit der Hilfe Gottes gelungen. Deshalb hege ich Hoffnungen, die mich, wenn sie nicht erfüllt werden, nicht traurig machen, und wenn sie erfüllt werden umso freudvoller machen.

Alles Liebe

Erich
_________________
Es leitet mich die reine Liebe, die frei von Ego und frei von Konditionierungen ist!
Lieber Achim!

Du schreibst, dass dein Hauptproblem der absolute Wunsch nach Gerechtigkeit, gepaart mit Ungeduld und eher mangelnder Liebesfähigeit, ist.

Da kann ich dir nur einen Tipp geben. Hör auf dein Herz, denn die wahre Gerechtigkeit, die Geduld und die wahre Liebesfähigkeit findest du in deinem Herzen.

Die Frage ist nur wie findest du in dein Herz. Ich habe es mit Sahajayoga ( www.sahajayoga.at ) geschafft.

Alles Liebe

Erich
_________________
Es leitet mich die reine Liebe, die frei von Ego und frei von Konditionierungen ist!
@ Achim


red Bull und die Schatten des Todes. Irgendwie so hiess
die Reportage

also es wird einem anders, wenn der Papa von
einem verstorbenen jungen Red-Bull Stuntman
spricht
mit gebrochener stimme
und
als ' verwaister ' Vater.
Hallo Achim,

ich kenne diesen Ärger und die Enttäuschung, die Du beschreibst, selbst auch sehr gut. Irgendwann ist mir klar geworden, dass ich andere Menschen nicht ändern kann - keine Chance - sie sind, wie sie sind. Das klappt bei mir mit fremden Menschen mittlerweile ganz gut, bei meinen Kindern weniger.

Aktuell beschäftige ich mich mit Byron Katies "The Work", und das hilft mir zunehmend, auch meinen Kindern gegenüber gelassener zu werden. Gelassener - nicht gleichgültig!

Ein Aspekt von Byron Katies "Work" ist, die Angelegenheiten zu unterteilen: in meine Angelegenheiten, die Angelegenheiten Anderer und die Angelegenheiten Gottes. Und nur meine Angelegenheiten sind auch meine Angelegenheiten. Das Verhalten anderer Menschen ist deren Angelegenheit.

Ein weiterer, eigentlich der wichtigere Aspekt ihrer "Work" ist, dass sie uns klar macht, dass es gar nicht das Verhalten der Anderen ist, unter dem wir leiden... sondern es sind unsere Gedanken darüber (oder unsere Erwartungen), dass sie sich anders verhalten würden.

Mir hilft diese Sichtweise ungemein. Mal ehrlich: Wie kann ich mir denn anmaßen, von anderen Menschen zu erwarten, sie sollten sich anders verhalten? Ich will ja auch nicht, dass andere Menschen von MIR erwarten, dass ich mich anders verhalte, als ich mich verhalte.

Das führt dann beispielsweise dazu, dass ich mich nun nicht mehr ärgere, dass in der Nachbarschaft ständig Chipstüten, Getränkekartons und anderer Müll auf Gehwege und Gebüsche geworfen werden. ICH will es sauber haben, also bücke ICH mich und hebe den Müll auf... mit Freude, dass es dann sauber ist. Und irgendwie habe ich den Eindruck, dass das a) Schule macht und auch andere sich mal nach fremder Leuts Müll bücken und b) dass es insgesamt sauberer ist - als würden nicht mehr so viele Menschen ihren Müll in die Gegend werfen. Insofern kann ich die Geschichte mit dem Mann, der umziehen will, bestätigen - aber ich glaube ohnehin daran, dass wir mit unseren Gedanken die Realität erschaffen.

Insofern sind halt auch unsere Erwartungen wichtig. Vielleicht versuchst Du es mal mit Hoffnung. Wenn Du das nächste Mal mit Bus oder Bahn fahren musst, dann wünsche Dir doch vorher, dass Deine Mitfahrer rücksichtsvoll und freundlich sind. Wünsche Deinem türenschlagenden Nachbarn "Erleuchtung" insofern, dass er die Türen leise schlägt oder - wenn Du es ehrlich meinen kannst - sprich ihn drauf an, wenn es mal eine Zeitlang leise war und zeige ihm Deine Freude darüber.

Noch ein Tipp: Reduziere Deine Mitmenschen nicht auf die Aspekte, in denen sie Deine Erwartungen nicht erfüllen, sondern schule Deinen Blick dafür, wo und wie sie TROTZDEM liebenswert sind.

Viele Grüße
traveller
traveller hat folgendes geschrieben:
Mal ehrlich: Wie kann ich mir denn anmaßen, von anderen Menschen zu erwarten, sie sollten sich anders verhalten? Ich will ja auch nicht, dass andere Menschen von MIR erwarten, dass ich mich anders verhalte, als ich mich verhalte.

Das führt dann beispielsweise dazu, dass ich mich nun nicht mehr ärgere, dass in der Nachbarschaft ständig Chipstüten, Getränkekartons und anderer Müll auf Gehwege und Gebüsche geworfen werden. ICH will es sauber haben, also bücke ICH mich und hebe den Müll auf... mit Freude, dass es dann sauber ist.


Lieber Traveller,
vielen Dank für Deinen Kommentar und die gut gemeinten Vorschläge.

Ich finde es keine Anmaßung, wenn ich von meinen Mitmenschen erwarte, dass sie sich an Verbote und Regeln halten, die zum Schutz und zum Wohl der Allgemeinheit erlassen wurden. Und wenn mich jemand ansprechen würde, wenn ich z.B. im Rauchverbot qualme oder meinen Müll einfach in die Landschaft schmeiße, dann finde ich das in Ordnung. Das wird aber nicht geschehen, weil ich so etwas nie absichtlich tun würde. Und ehrlich gesagt, den asozialen Elementen, die einfach ihre Tüten, Dosen und Kippen auf die Straße werfen, werde ich mit Sicherheit nicht auch noch ihren Dreck wegräumen.

Wo leben wir denn? Würde sich dann etwas ändern? Nein! Die Rücksichtslosen würden sich nur bestärkt fühlen und sich denken: "Naja, wenn es Leute gibt, die meinen Dreck aufheben, kann ich ihn ja weiterhin auf die Straße werfen."

Das einzige Erziehungsmittel wäre saftige Strafen. Es gibt z.B. Länder wie Singapur oder Städte wie New York, in denen es strafbar ist, Kaugummi oder Zigarettenkippen auf die Straße zu werfen und man muss mit hohen Bußgeldern rechnen.

Wenn ich sehe, wieviele tausende Zigarettenkippen und Verpackungsmaterial täglich an Bushaltestationen oder anderswo von der Stadt beseitigt werden müssen, frage ich mich, warum wir alle das durch die Straßenreinigung mitbezahlen müssen.

Diese Rücksichtslosigkeit wird immer schlimmer, weil sich auch niemand etwas sagen traut. Anderes Beispiel: Früher hingen in den Bussen Schilder, auf denen darum gebeten wurde, beim Musikhören mit Kopfhörern darauf zu achten, dass andere nicht gestört werden. Das steht auch in den Beförderungsbestimmungen. Heute gibt es dutzende Jugendliche, die scheinbar so schwerhörig sind, dass man ihre sogenannte Musik durch den ganzen Bus hört, trotz Kopfhörer. Weil dies aber "normal" geworden ist, interessiert das niemanden mehr. Mich stört es allerdings gewaltig. Die Öffentlichen Verkehrsmittel sind doch heute fahrende Diskotheken und Telefonzellen.

Noch ein Erlebnis: Als ich noch ein Auto hatte, fuhr ich einmal über eine Autobahnbrücke in der Stadt. Ich traute meinen Augen nicht, als ich sah, dass da ein Mann HINTER dem Geländer stand und drohte auf die Autobahn hinunterzufallen. Aber es gingen einige Passanten an ihm vorbei, schauten nur kurz und gingen weiter. Ich fuhr aber zurück und sah einen alten Mann, der sich krampfhaft und ängstlich am Geländer festhielt und auf einem Mauervorsprung von vielleicht 20cm stand. Wäre er abgerutscht, wäre er mehrere Meter tief rückwärts auf die Autobahn gefallen. Ich rannte einem Ehepaar nach, das kurz zuvor achtlos an dem Mann vorbeiging und bat es, mir zu helfen. Zu zweit gelang es uns dann, den verwirrten alten Mann über das Geländer zu ziehen. Das Ehepaar ging weiter und ich fuhr den Mann nach Hause. Er hatte solche Angst, dass er sich in die Hose gemacht hatte, was leider auch auf meinem Autositz seine Spuren hinterließ.

Ich will damit nur sagen, dass es für mich unbegreiflich ist, wie man an einem Menschen achtlos vorbeigehen kann, der sich offensichtlich in Todesgefahr befindet. Es fehlt mir dafür jedes Verständnis und solche Erlebnisse machen mich wirklich sehr betroffen und wütend.

Und wenn Leuten schon Menschenleben egal sind, dann schmeißen sie auch achtlos ihren Müll in die Gegend. Diese westliche dekadente Zivilisation ist nicht mehr zu retten.
Hallo Achim,

merkst Du denn eigentlich, dass Du willst, dass sich andere so verhalten, wie es DIR gefällt, und nicht so, wie es IHNEN gefällt? Und merkst Du, dass Du mit Deiner Idee der Bestrafung den Staat dafür einsetzen willst, dass diese Menschen sich so verhalten, wie es DIR gefällt?

Ich verstehe Deine Wut und kann Dir auch absolut zustimmen, dass vieles auf dieser Welt in keinster Weise in Ordnung ist. Aber der Ruf nach Recht und Gesetz nützt offenbar nichts, denn es werden Tag für Tag Straftaten begangen, obwohl es verboten ist. Und gerade Politiker und Richter sind... nun ja... es mag unter ihnen auch den einen oder anderen Ehrlichen und Verantwortungsvollen geben...

Du bist bereits auf Deine Signatur hingewiesen worden - versuch doch mal, über diesen Spruch zu meditieren. Du KANNST andere Menschen nicht ändern, wenn sie selbst sich nicht ändern wollen. Es gibt ein schönes Zitat im Buddhismus:

"Wenn du dir keine Dornen in die Füße treten willst, dann ist es einfacher, Schuhe anzuziehen, als die ganze Welt mit Leder zu bespannen."

Wenn Dich die Musik in der Bahn nervt, dann geh doch hin und bitte FREUNDLICH darum, die Musik leiser zu stellen. Und wenn das nicht fruchtet, dann setz Dich woanders hin - geh den Weg des geringsten Widerstandes.

Ich kann Deine Wut und Deinen Frust absolut nachvollziehen - aber letztlich schadest Du Dir damit nur selbst. Und Du erzeugst diese negativen Gefühle auch ausschließlich selbst. Wie wir auf ein äußeres Ereignis innerlich reagieren, liegt letztlich ganz allein an unserer Perspektive. Hast Du denn gar kein Mitleid mit diesen heutigen Jugendlichen, die teilweise so orientierungs- und wurzellos sind, dass sie diese Welt nicht anders ertragen können, als sich permanent mit Musik vollzudröhnen? (Das ist nur mal EIN Vorschlag, wie Du eine andere Perspektive zu den Dingen bekommen könntest.)

Du erwartest Rücksicht anderer Menschen auf Deine Befindlichkeiten, hast aber nach meinem Eindruck keinerlei Mitgefühl dafür, dass jeder auf dieser Welt sein Päckchen zu tragen hat. Anstatt zu (ver)urteilen, könntest Du Dich mal fragen, was diesen oder jenen rücksichtlosen oder ignoranten Menschen denn vielleicht dazu gebracht haben könnte, sich so zu verhalten. Wer in Liebe und mit Mitgefühl erzogen wurde, wird sich niemals rücksichtlos verhalten. Leider kann sich niemand seine eigene Erziehung aussuchen.

Ich möchte Dich wirklich herzlich bitten, Deinen (in meinen Augen sehr hasserfüllten) Standpunkt zu überdenken. Es bringt Dir keinerlei Vorteil, andere Menschen für ihr Verhalten zu verurteilen - denn dadurch ändern sie sich nicht. Es gibt noch ein anderes Zitat aus dem Buddhismus, was mir dazu einfällt:

"Hass hat noch niemals Hass beseitigt - nur Liebe kann Hass beseitigen."

Werde DU erst mal zu einem rücksichtsvollen, liebevollen Menschen - und zwar innerlich, nicht nur in Deinen Taten. Schau mal in den (mentalen) Spiegel: Wie kannst Du erwarten, dass die Welt mehr Liebe, Mitgefühl und Rücksicht entwickelt, wenn Du selbst innerlich voller Hass und Abneigung bist?

Noch ein buddhistisches Zitat, von einem noch lebenden Guru (aus der Erinnerung und mit meinen eigenen Worten): "Wenn du dich selbst zu einem liebevollen, freundlichen Menschen machst, dann bist du schon mal einen unangenehmen Zeitgenossen los." (Nach dieser Aussage hat er herzlich gelacht!)

Ich meine das alles übrigens sehr freundlich. Letztlich leidest Du selbst am meisten unter Deiner Geisteshaltung - den Kaugummi- und Zigaretten-Vandalen und all den anderen Ignoranten geht Dein Ärger am A***h vorbei... und ich werde weiterhin den Müll meiner Nachbarn aufheben und mich dann freuen, dass es wieder sauber ist. Ich werde nicht zulassen, dass mich Wut oder Hass auf sie innerlich auffrisst. Im Zweifel (wenn mich dann doch mal der Ärger packen will) denke ich daran, dass all diese ignoranten Menschen auch einst als kleine, unschuldige Babies auf diese Welt kamen und beileibe nicht selbst in der Hand hatten, wie sie sozialisiert wurden. Das söhnt mich dann aus und ich kann mir eingestehen, wo ich selbst nicht rücksichtsvoll oder freundlich bin.

In diesem Sinne danke für diesen Thread (zu Deutsch übrigens "Faden"). Er erinnert mich daran, dass ich keineswegs perfekt bin und dass es noch genügend Baustellen in mir gibt, an denen ich arbeiten kann.

Ich wünsche Dir eine gute Nacht und ein sanftes, sonniges Gemüt.

LG
traveller
traveller hat folgendes geschrieben:
merkst Du denn eigentlich, dass Du willst, dass sich andere so verhalten, wie es DIR gefällt, und nicht so, wie es IHNEN gefällt? Und merkst Du, dass Du mit Deiner Idee der Bestrafung den Staat dafür einsetzen willst, dass diese Menschen sich so verhalten, wie es DIR gefällt?

Die Freiheit des Einzelnen hört bekanntlich da auf, wo die des Anderen anfängt. Und der Staat macht die Gesetze nicht meinetwegen, sondern der Allgemeinheit wegen und erwartet auch von mir, dass ich mich daran halte. Aus Verantwortungsgefühl und Solidarität tue ich das auch. Und wenn sich andere aus Egoismus, weil es ihnen so gefällt, unsolidarisch und rücksichtslos verhalten, rege ich mich zurecht auf. Ja, mir würde es tatsächlich gefallen, wenn andere Menschen sich AUCH an die Spielregeln halten würden.

Zitat:
Aber der Ruf nach Recht und Gesetz nützt offenbar nichts, denn es werden Tag für Tag Straftaten begangen, obwohl es verboten ist.

Das kann aber doch kein Plädoyer dafür sein, tatenlos zuzusehen.

Zitat:
"Wenn du dir keine Dornen in die Füße treten willst, dann ist es einfacher, Schuhe anzuziehen, als die ganze Welt mit Leder zu bespannen."

Schöner Spruch. Das ist ja das Problem: Ich trete in Dornen, obwohl ich Schuhe anhabe

Zitat:
Wenn Dich die Musik in der Bahn nervt, dann geh doch hin und bitte FREUNDLICH darum, die Musik leiser zu stellen. Und wenn das nicht fruchtet, dann setz Dich woanders hin - geh den Weg des geringsten Widerstandes.

Das mache ich ja längst. Also setze ich mich im Bus woanders hin, bis zur nächsten Haltestelle, wo einer reinkommt und sich mit seinem Walkman - oder wie das heute heißt - neben mich setzt. Heute habe ich auf einer Fahrt dreimal den Sitz gewechselt. Den Rauchern gehe ich auch aus dem Weg, weil die ja überall ihren verdammten Mief verbreiten und ich muss aufpassen, dass ich nicht einmal in ein Auto laufe, weil ich deshalb manchmal spontan vom Gehweg auf die Straße ausweiche.

Zitat:
Ich kann Deine Wut und Deinen Frust absolut nachvollziehen - aber letztlich schadest Du Dir damit nur selbst. Und Du erzeugst diese negativen Gefühle auch ausschließlich selbst.

Das ist mir durchaus bewusst.

Zitat:
Hast Du denn gar kein Mitleid mit diesen heutigen Jugendlichen, die teilweise so orientierungs- und wurzellos sind, dass sie diese Welt nicht anders ertragen können, als sich permanent mit Musik vollzudröhnen?

Manchmal habe ich das. Und wer hat Mitleid mit mir? Die können sich ja die Ohren mit Musik volldröhnen. Aber warum muss ich das mithören?

Zitat:
Du erwartest Rücksicht anderer Menschen auf Deine Befindlichkeiten, hast aber nach meinem Eindruck keinerlei Mitgefühl dafür, dass jeder auf dieser Welt sein Päckchen zu tragen hat.

Das ist eine unangebrachte Unterstellung, denn ich wurde "mit Liebe und Mitgefühl" erzogen. Natürlich bin ich mir darüber klar, dass alle ihr Päckchen zu tragen haben und ich bin einer derjenigen, der immer für andere da ist, wenn sie mich brauchen.

Zitat:
Wer in Liebe und mit Mitgefühl erzogen wurde, wird sich niemals rücksichtlos verhalten. Leider kann sich niemand seine eigene Erziehung aussuchen.

Bitte nicht alles auf die Erziehung schieben, denn auch Menschen mit mangelhafter Erziehung müssen sich an Regeln halten, ob sie es begreifen oder nicht. Wo kämen wir denn da hin?

Zitat:
Werde DU erst mal zu einem rücksichtsvollen, liebevollen Menschen - und zwar innerlich, nicht nur in Deinen Taten. Schau mal in den (mentalen) Spiegel: Wie kannst Du erwarten, dass die Welt mehr Liebe, Mitgefühl und Rücksicht entwickelt, wenn Du selbst innerlich voller Hass und Abneigung bist?

Ich glaube kaum, dass man in seinen Taten ein rücksichtsvoller und liebevoller Mensch sein kann, wenn man dies nicht auch innerlich irgendwie ist. Meine "Abneigung" richtet sich wie gesagt nicht gegen die Menschen allgemein, sondern gegen jene, die sich einen Dreck um die Rechte anderer scheren.

Nun kann man sagen: "Om, ich lebe im Einklang mit dem Universum und meine Umgebung tangiert mich nicht." Ich hoffe, dass ich niemals diesen Zustand erreichen werde, denn für mich wäre das gleichbedeutend mit: "Es ist mir sch*egal, was um mich herum passiert. Hauptsache mir geht es gut. Nach mir die Sintflut."

Zitat:
Noch ein buddhistisches Zitat, von einem noch lebenden Guru (aus der Erinnerung und mit meinen eigenen Worten): "Wenn du dich selbst zu einem liebevollen, freundlichen Menschen machst, dann bist du schon mal einen unangenehmen Zeitgenossen los." (Nach dieser Aussage hat er herzlich gelacht!)

Ich halte mich durchaus für einen liebevollen und freundlichen Menschen. Ein unangenehmer Zeitgenosse bin ich allenfalls für jene, die rücksichtslos sind. Was ich allerdings einsehe ist, dass ich lernen muss, mich nicht mehr allzu sehr zu ärgern, weil es mir selbst nicht gut tut. Und wenn ich einmal etwas sage, dass ich das nur dann tue, wenn ich nicht innerlich koche und freundlich bleiben kann.

Wenn es mir gelänge, den Spruch meiner Signatur zu leben, wäre es schon gut.

Zitat:
Ich wünsche Dir eine gute Nacht und ein sanftes, sonniges Gemüt.

Wünsche ich Dir auch.
Einmal eine ganz andere Perspektive

Beispiel: Rauchen in nicht offiziell dafür vorgesehenen Bereichen

Vor dem Gesetz des Rauchverbots, durfte man überall, wo es einem
gefällt rauchen: in Restaurants,in öffentlichen Bereichen, im Bus und
Untergrundbahn (England) und keiner beschwerte sich, konnte sich
auch nicht beschweren, denn es gab kein G e s e t z.
Was hatte man dann als Nichtraucher getan?
Jetzt gibt es plötzlich ein Gesetz und damit kann ich als NIchtraucher
mich darauf berufen, wenn es mir nicht passt. sogar Anzeige erstatten.

Um die Angelegenheit im größeren Rahmen zu sehen, sind diejenigen
die diese neue Regelung (nur in gekennzeichneten Bereichen zu rauchen) nicht einhalten in der absoluten Minderheit und wenn man sich darüber aufregt ist dass wie 'aus einer Fliege einen Elefanten' zu machen.

Es gab und wird immer Rebellen geben, die sich aus verschiedentlichen
Gründen: Ich bin machtvoll, ich bin groß, ich lasse mich nicht mit Gesetzen, Regeln beeinflussen etc. etc. sich gegen die Gesetze stellen.
Für welche Gesetze bin ich und für welche nicht. Wo hört das Reglement an und hört es auf. Jeder Einzelne hat eine andere Vorstellung davon und eine andere Gewichtigkeit-

Muß jedoch sagen, dass ich fast 30 Jahre in England gelebt habe, und jetzt seit 11 Jahren wieder in Deutschland, ich mich sehr schwer mit den Paragraphen und Bürokratie zuechtfinde. Es fehlt im 'locker bleiben', Humor mit einbinden und eine gewisse gelassene Ruhe zu entwickeln

Ebenfalls mit dem Türenschlagen und Musik in der Bahn: Kann man sich denn nicht auch einen Kopfhörer aufsetzen (zu Hause und in der Bahn) und der eigenen bevorzugten Musik (leise) zu zuhören.

Solange man sich noch mit diesen 'Störgefühlen' beschäftigt fehlt die
spirituelle Connection mit dem eigenen inneren Leben. Vielleicht hat man zuviel Zeit, ist nicht ausgelastet, denn es ist immer einfacher die Schuld an einem friedlicheren und glücklicherem Leben den anderen Menschen in die Schuhe zu schieben, als dass man sich mit sich selbst beschäftigt.

" Der erste Beweise des Meistern des Selbstes ist, wenn man zeigt dass man gütig und nachsichtig ist, und zu Mitmenschen von unterschiedlichstem Charakter und Temperament freundlich sein kann. Das stärkste Signal von Rückentwicklung ist, wenn man von anderen erwartet dass sie das gleiche lieben und genauso handeln wie man selbst."
Damodar
Achim, ich kann dir nur wünschen, dass du travellers Worte beherzigst und deine Opferrolle bald Geschichte ist.

PS: Dein letzter Post lässt mich Neid erkennen. Neid darauf, dass viele die Grenzen überschreiten, du es jedoch nicht kannst. Liege ich da richtig?
luschn hat folgendes geschrieben:
Dein letzter Post lässt mich Neid erkennen. Neid darauf, dass viele die Grenzen überschreiten, du es jedoch nicht kannst. Liege ich da richtig?

Ich sehe es nicht gerade als Tugend an, Verbote oder Benimmregeln zu missachten. Außerdem kann ich sehr wohl Grenzen überschreiten und tue es auch hin und wieder. Allerdings nur, solange ich damit niemand anderen belästige oder gar schade.

Warum sollte ich denn auf rücksichtslose Menschen neidisch sein?
Ich versuche eben nach der Goldenen Regel zu leben: "Was du nicht willst, dass man dir tu', das füg' auch keinem andern zu." Ich plane nicht, diesen Grundsatz aufzugeben.

Es ist eben eine Sache der Erziehung und der Prinzipien. Ich trinke z.B. auch aus Überzeugung keinen Alkohol und esse kein Fleisch. Dabei ist es mir völlig egal, ob andere dies tun, weil es mich persönlich nicht tangiert. Ich bin auch nicht neidisch, dass andere trinken und Fleisch essen. Ich bin vielmehr froh und dankbar, dass ich nicht dem Mainstream folge, der so tut, als wäre Alkohol für ein zufriedenes Leben so wichtig, wie gesunde Luft zum atmen. Wenn ich aber als Bronchialkranker unfreiwillig Rauch einatmen oder gegen meinen Willen Musik hören muss, die ich fürchterlich finde, dann ist es etwas völlig anderes.