Baha'u'llahs Brief an die Christen


Hallo an alle

ich habe mir vorgenommen, jetzt nach und nach Texte des Büchleins "Baha'u'llahs Brief an die Christen" von Jeremy Fox hier zu posten. Ich denke, es ist besser für das Verständnis, wenn das zusammenhängend geschieht.
Wer Gedanken oder Fragen dazu hat, möge bitte einfach dazwischen schreiben.


Jeremy Fox stammt ursprünglich aus Cornwall und war Mitglied der Kirche von England. Während seines Studiums an der Universität Cambridge fand er im Baha'i-Glauben Antworten auf seine Glaubensfragen. In seinem Buch stellt er ein Werk Baha'u'llahs an die christliche Welt vor und demonstriert dessen Relevanz in Bezug auf die Bibel und für Christen allgemein.

Der Schleier der Namen

Dies ist ein Brief aus Unserer Gegenwart für den, welchen die Schleier der Namen nicht Gott (...) entfremden konnten (...).
Sprich: O ihr, die ihr dem Sohne folgt! Ist es wegen meines Namens, dass ihr euch gegen Mich sperrt?
(BaA, 2:3-4)

Mit diesen Worten beginnt Baha'u'llah seinen Brief. Sein Empfänger scheint einen christlichen Hintergrund zu haben, doch er wurde offenbar nicht durch "die Schleier der Namen" von dieser erneuten Ausgießung des Heiligen Geistes ferngehalten.

Ohne Umschweife kommt Baha'u'llah direkt zum Kern des Problems, das sich den meisten Christen stellt: den Gedanken an eine neue Offenbarung auch nur zu erwägen. Für viele ist das grundsätzlich undenkbar; für andere nur in Verbindung mit der Erfüllung von Christi Versprechen, in der Endzeit wieder zu kommen. Doch das macht dieses Versprechen zu einem derart fernen Ereignis, dass es wohl kaum zu unseren Lebzeiten geschehen dürfte - und wenn es doch eintreten sollte, dann würde (für alle, die eine buchstäbliche Interpretation der Bibel befürworten) alles revolutioniert, begleitet von apokalyptischen Ereignissen, die man unmöglich übersehen könnte. Es fällt uns daher leicht, den Rat Christi zu vergessen:

Ein neuer Name

Christus warnte seine Jünger vor der Gefahr falscher Propheten, die seinen Namen benutzen würden:

Seht zu, dass euch nicht jemand verführe. Denn es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin der Christus, und sie werden viele verführen.
(Matth. 24:4-5)

Und noch einmal:

Wenn dann jemand zu euch sagen wird: Siehe, hier ist der Christus! oder: Da!, so sollt ihr's nicht glauben.
(Matth. 24:23-24)

Wir können demnach annehmen, dass er bei seiner Wiederkunft weder Jesus noch Christus genannt wird, sondern dass er einen anderen Namen tragen wird. Johannes scheint das in der Offenbarung anzudeuten.
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»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Das kann durchaus sein, meine ich, weiß es aber nicht, was passieren wird, ist nur so eine Vermutung. Aber eventuell könnte er wiederbeboren/reinkarniert werden und zum Beispiel "Vito Vieni" heißen, weil das dann sein natürlicher Name sein könnte, mit dem er möglicherweise dann getauft wird, zum Beispiel als Schweizer oder so. Es muss dann auch nicht zwingend die Welt "untergehen", sondern er kann durchaus dann als natürlicher Politiker vielleicht einfach verhindern, dass verbrecherische Systeme weiterhin die Welt regieren. Ist nur so eine Art, wie ich mir das aus heutiger Sicht vorstellen könnte.
Hallo Peter,
ich denke auch, dass er nicht leicht zu erkennen ist mit dem neuen Namen. Da muss man dann schon darauf achten, welche Lehre er bringt, was er vorhersagt usw. Man muss mit Herz und Verstand prüfen.
Liebe Grüße,
Minou

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»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Dort verspricht Jesus:

Wer überwindet, dem will ich geben ...
einen weißen Stein; und auf dem Stein ist ein neuer Name geschrieben, den niemand kennt...
(Off.2:17).

Im folgenden Kapitel stellt er klar, dass er von der Zeit seiner Wiederkunft spricht, denn er sagt:

Wenn du aber nicht wachen wirst, werde ich kommen wie ein Dieb, und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich über dich kommen werde.
(Off. 3:3)

Danach:

Siehe, ich komme bald... (Off. 3:11)

Und schließlich,

Wer überwindet, den will ich machen zum Pfeiler in dem Tempel meines Gottes, und er soll nicht mehr hinausgehen, und ich will auf ihn schreiben den Namen meines Gottes und den Namen des neuen Jerusalem, der Stadt meines Gottes, die vom Himmel herniederkommt von meinem Gott und meinen Namen, den neuen.

Dann fügt er hinzu:

Wer Ohren hat, der höre... (Off. 3:12-13)

Demnach scheint es, dass "derjenige, der überwindet" - der wahre Gläubige, der nicht eingeschlafen ist - einen neuen Namen erhält, wenn Christus wiederkommt; auch das neue Jerusalem, das vom Himmel herabkommt, wird einen neuen Namen haben und schließlich Christus selbst.

Wenn wir nun zum einführenden Absatz dieses Briefes zurückkehren, so geben die letztgenannten Zitate der Vorstellung von einem Christen, der sich der Offenbarung Baha'u'llahs auf Grund seines Namens verschließt, eine ganz neue Bedeutung.

Jesus selbst erklärt die geistige und symbolische Bedeutung der Wiederkunft eines Propheten sehr deutlich, als er von der Wiederkehr des Elias spricht. Von diesem erwarteten die Juden, dass er vor dem Messias kommen würde. Im Evangelium des Matthäus sagt Jesus:

Wahrlich, ich sage euch: Unter allen, die von einer Frau geboren sind, ist keiner aufgetreten, der größer ist als Johannes der Täufer ...
Denn alle Propheten und das Gesetz haben geweissagt bis hin zu Johannes. Und wenn ihr's annehmen wollt: er ist Elia, der da kommen soll. Wer Ohren hat, der höre!
(Matth. 11:11-15)

Und noch einmal, beim Abstieg nach der Verklärung auf dem Berg, wo sie Jesus, Moses und Elias zusammen in einer Vision gesehen hatten:

Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Warum sagen denn die Schriftgelehrten, zuerst müsse Elia kommen? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Elia soll freilich kommen und alles zurechtbringen. Doch ich sage euch: Elia ist schon gekommen, aber sie haben ihn nicht erkannt, sondern haben mit ihm getan, was sie wollten. So wird auch der Menschensohn durch sie leiden müssen. Da verstanden die Jünger, dass er von Johannes dem Täufer zu ihnen geredet hatte. (Matth. 17:10-13)

Meinte Christus, dass Johannes der Täufer physisch die gleiche Person war wie der Elias des Alten Testaments, eine Reinkarnation seiner Seele? Das folgende Zitat scheint klarzustellen, dass dies nicht gemeint war, und bestätigt die symbolische und geistige Natur von Christi Erklärungen. Es ist daher interessant, das Evangelium des Johannes heranzuziehen, wo eine Abordnung jüdischer Führer aus Jerusalem zu Johannes dem Täufer kam, um ihn zu fragen, wer er zu sein behauptete. Und er

...bekannte: "Ich bin nicht der Christus." Und sie fragten ihn: "Was dann? Bist du Elia?" Er sprach: "Ich bin es nicht." (Joh. 1:20-21)

Es besteht also kein Zweifel, dass Johannes der Täufer bestreitet, in irgendeinem wörtlichen oder physischen Sinn Elias zu sein; Jesus hingegen beteuert, dass für diejenigen, die Ohren haben zu hören, Johannes die Wiederkunft von Elias sei, die seinem eigenen Kommen vorausgehen sollte.

Die Wiederkunft des Elias bedeutet also nicht die Wiederkunft der gleichen Person, auch trägt sie nicht den gleichen Namen. Aber in Johannes dem Täufer sehen wir die Wiederkunft der gleichen geistigen Eigenschaften, die wir in Elias finden, die gleiche prophetische Rolle.

Wenn Jesus auf diese Weise die Bedeutung der Wiederkunft eines Propheten erklärt, dann sollte es uns nicht befremden, wenn er erwartet, dass wir seine eigene Wiederkunft in der Herrlichkeit seines Vaters
(Matth. 16:27), kommend in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit (Luk. 21:2 in ähnlicher Weise verstehen: Es wird eine andere menschliche Persönlichkeit sein, aber mit den gleichen geistigen Vollkommenheiten, dem gleichen Auftrag - nämlich Gottes Willen und Lehren für diesen Tag zu offenbaren.

Laut Baha'u'llah haben sich die Christen vor allen Dingen auf Grund von Namen gegen Ihn gesperrt, sich von Ihm abgekehrt und blieben in Achtlosigkeit versunken (BaA, 2:4). Sie versäumten wegen des neuen Namens, die Bedeutung der Wiederkunft Christi zu verstehen. Wie im Fall der Juden gründete ihre Unfähigkeit, den Verheißenen zu erkennen auf ihren fest verwurzelten vorgefassten Ideen. In beiden Fällen steht die Lösung des Rätsels in ihren eigenen Schriften, aber nur der Verheißene hat den Schlüssel dazu.

Jeremy Fox
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Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Minou, nehmt ihr die Bibel in seiner Vollkommenheit an; oder nehmt ihr nur Teile daraus die euch gefallen, für die ihr euch dann selber Interpretationen gestaltet und versucht eure Religion und dessen Stifter damit zu rechtfertigen ? (Eigentlich genauso wie es die Moslems machen?)

Gruß!
@Tek:

Dann geh mal bitte Punkt für Punkt auf die Argumente ein, damit man die "Waage" auf der alles geprüft wird, objektivieren kann.

Einfach so eine Pauschal Aussage kann man auf alle anwenden. Ebenso auf die Christen, die die Bibel nach ihren Gutdünken interpretieren...


Wie interpretierst du z.B. den folgenden Vers:

Zitat:
Wenn du aber nicht wachen wirst, werde ich kommen wie ein Dieb, und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich über dich kommen werde.
(Off. 3:3)
Tek. hat folgendes geschrieben:
Minou, nehmt ihr die Bibel in seiner Vollkommenheit an; oder nehmt ihr nur Teile daraus die euch gefallen, für die ihr euch dann selber Interpretationen gestaltet und versucht eure Religion und dessen Stifter damit zu rechtfertigen ? (Eigentlich genauso wie es die Moslems machen?)

Gruß!


Hallo Tek., sicher nehmen wir die Bibel in ihrer Vollkommenheit an! Wir verstehen sie bloß nicht immer wörtlich. Sehr viele Stellen sind symbolisch zu betrachten, weil die wörtliche Auslegung einfach keinen Sinn ergäbe, keine nachvollziehbare Logik.

Lieben Gruß,
Minou

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Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Minou hat folgendes geschrieben:
Wir verstehen sie bloß nicht immer wörtlich. Sehr viele Stellen sind symbolisch zu betrachten, weil die wörtliche Auslegung einfach keinen Sinn ergäbe, keine nachvollziehbare Logik.


Muss sich Gott unserer "nachvollziehbaren Logik" unterwerfen? Ich glaube das wird er nicht tun - Gott sei Dank. Denn dann wäre er sehr klein.

Müssen nicht eher wir uns seiner Logik unterwerfen, seinem Logos? Ich glaube ja.

Und wenn er sagt, wir müssen sein Fleisch essen um in ihn einzugehen, dann müssen wir das tun. Völlig gleichgültig, ob diese Wahrheit "gefällig" ist und meiner persönlichen kleinen Logik schmeichelt oder nicht.
Burkl hat folgendes geschrieben:
Muss sich Gott unserer "nachvollziehbaren Logik" unterwerfen? Ich glaube das wird er nicht tun - Gott sei Dank. Denn dann wäre er sehr klein.


Hallo Burkl,
aber nein, davon ist keine Rede. Kein Mensch könnte die Schrift entsiegeln - das kann nur der Herr selbst durch den Mund Seiner Gesandten. Unsere Aufgabe ist es nur, mit "offenen Ohren zu hören", die Bedeutung zu verstehen versuchen.
Liebe Grüße,
Minou

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»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Minou hat folgendes geschrieben:
Burkl hat folgendes geschrieben:
Muss sich Gott unserer "nachvollziehbaren Logik" unterwerfen? Ich glaube das wird er nicht tun - Gott sei Dank. Denn dann wäre er sehr klein.


Hallo Burkl,
aber nein, davon ist keine Rede. Kein Mensch könnte die Schrift entsiegeln - das kann nur der Herr selbst durch den Mund Seiner Gesandten. Unsere Aufgabe ist es nur, mit "offenen Ohren zu hören", die Bedeutung zu verstehen versuchen.
Liebe Grüße,
Minou


OK, dann habe ich dich falsch interpretiert. Ich habe dich bisher so verstanden, dass das Bahaitum dir die Bibel so genau und umfassend darlegt, das du jetzt alles zu 100% verstehst und alle Geheimnisse offen und logisch nachvollziehbar daliegen.

Aber, wenn das Alles gar nicht so gemeint ist, dann freut mich das natürlich für dich.