Baha'u'llahs Brief an die Christen


Die Geschichte wiederholt sich

Im Johannes-Evangelium, Kapitel 5, warnte Christus die Juden:

Ich bin gekommen in meines Vaters Namen, und ihr nehmt mich nicht an ... Ihr sollt nicht meinen, dass ich euch vor dem Vater verklagen werde. Es ist einer, der euch verklagt: Moses, auf den ihr hofft. Wenn ihr Moses glaubtet, so glaubtet ihr auch mir, denn er hat von mir geschrieben, Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubt, wie werdet ihr meinen Worten glauben? (Joh. 5:43-47)

Die Situation Baha'u'llahs ist identisch mit der von Christus. In diesem Sinne wiederholt sich die Geschichte, und die Lektion ist die gleiche. Vergleichen wir das obige Zitat mit den Worten, die Baha'u'llah an die christliche Welt richtet:

Tag und Nacht habt ihr euren Herrn, den Allmächtigen, angerufen, doch als Er vom Himmel der Ewigkeit in Seiner großen Herrlichkeit herniederkam, da habt ihr euch von Ihm abgekehrt und bleibt in Achtlosigkeit versunken. BaA, 2:4)

Und etwas später:

Sie lesen das Evangelium, und dennoch weigern sie sich, den allherrlichen Herrn anzuerkennen, obwohl Er (...) erschienen ist. (BaA, 2:7)

Die historische Parallele ist aufallend. Man könnte in dem Zitat aus dem Johannes-Evangelium die Namen Moses und Jesus durch Christus und Baha'u'llah ersetzen, und das Ergebnis wäre wie folgt; diesmal in den Worten Baha'u'llahs:

Ich bin gekommen in meines Vaters Namen, und ihr nehmt mich nicht an ... Ihr sollt nicht meinen, dass ich euch vor dem Vater verklagen werde. Es ist einer, der euch verklagt: Moses, auf den ihr hofft. Wenn ihr Moses glaubtet, so glaubtet ihr auch mir, denn er hat von mir geschrieben, Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubt, wie werdet ihr meinen Worten glauben?

Baha'u'llah erinnert die Christen wieder und wieder an die Notwendigkeit, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen, ruft sie auf, "Betrachtet die, welche den Geist (Jesus) verwarfen" und hebt hervor, dass anfänglich keiner, "die ausgenommen, welche aller Macht unter den Menschen ermangelten", den Messias anerkannten. Er erinnert uns an die Fehlbarkeit des menschlichen Wissens, indem er auf Kaiphas hinweist als den Gelehrtesten in Seinem Land zu Seiner Zeit, der aber dennoch einer der Hauptverantwortlichen für den Tod Jesu war, "während der, welcher nur ein Fischer war, an Ihn glaubte". (BaA, 2:5)

Baha'u'llah tadelt dann die Mönche - und damit zugleich die ganze Christenheit - dafür, dass sie den gleichen Fehler bei seinem Erscheinen wiederholten und "säumten (...) Ihm zu nahen" (BaA, 2:6)

So wie Christus sich selbst opferte, um die Menschen von der Sünde zu erlösen, so sagt auch Baha'u'llah, an das Herz appelierend:

Wahrlich, Wir sind um euretwillen gekommen, und zu eurem Heil tragen wir die Trübsal der Welt.
Dann fragt er:
Flieht ihr den, der Sein Leben hingibt, auf dass ihr belebt werdet? (BaA, 2:7)

Der Leser wird anderweitig nachschlagen müssen, um sich mit den Leiden Baha'u'llahs vertraut zu machen, die er im Lauf von vier aufeinander folgenden Verbannungen und seiner Gefangenschaft während der 40 Jahre seiner Sendung ertrug.

Jeremy Fox
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»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Tek. hat folgendes geschrieben:
Minou, nehmt ihr die Bibel in seiner Vollkommenheit an; oder nehmt ihr nur Teile daraus die euch gefallen, für die ihr euch dann selber Interpretationen gestaltet und versucht eure Religion und dessen Stifter damit zu rechtfertigen ? (Eigentlich genauso wie es die Moslems machen?)

Gruß!


Bahaullah lehnte die im Islam verbreitete Lehre der Verfälschung hebräischen und griechischen Bibel ab. Somit wird die Autorität der Bibel grundlegend bestätigt. Gleichwohl weisen Bahaullah und Abdulbaha auf gewisse Veränderungen im Text hin. Dies wird heute ja auch von der textkritischen Forschung bestätigt.

Wie sieht es denn bei dir aus? Nimmst du die hebräische Bibel in ihrer Vollkommenheit an oder nimmst du nur Teile daraus die dir gefallen und für die du dann Interpretationen gestaltest mit der du versuchst deine Religion und dessen Stifter zu rechtfertigen?
Burkl hat folgendes geschrieben:
Minou hat folgendes geschrieben:
Wir verstehen sie bloß nicht immer wörtlich. Sehr viele Stellen sind symbolisch zu betrachten, weil die wörtliche Auslegung einfach keinen Sinn ergäbe, keine nachvollziehbare Logik.


Muss sich Gott unserer "nachvollziehbaren Logik" unterwerfen? Ich glaube das wird er nicht tun - Gott sei Dank. Denn dann wäre er sehr klein.

Müssen nicht eher wir uns seiner Logik unterwerfen, seinem Logos? Ich glaube ja.

Und wenn er sagt, wir müssen sein Fleisch essen um in ihn einzugehen, dann müssen wir das tun. Völlig gleichgültig, ob diese Wahrheit "gefällig" ist und meiner persönlichen kleinen Logik schmeichelt oder nicht.


1) Warum sollte der Gott der uns die Vernunft gegeben hat in seiner Offenbarung so kommunizieren, dass wir ihn mit unserer Logik nicht verstehen können bzw. sich der Inhalt mit der menschlichen Logik beißt?

2) Wo sagt Gott, dass wir sein Fleisch oder das eines Menschen essen sollen?

3) Logos heißt sowohl Wort als auch Sinn oder Vernunft.
Ablehnung des Gottesboten

Baha'u'llah warnt die Christen, "in den Fußstapfen eines jeden Geistlichen, der weit in die Irre geht" (BaA, 2:7) zu wandeln und erinnert sie daran, vor allem Gott zu fürchten. Wenn das streng klingt, so sollten wir uns an die weit härteren Ausdrücke erinnern, mit denen sich Jesus an die Schriftgelehrten und Pharisäer wandte: Er nannte sie Heuchler, verblendete Führer, Schlangen und Otternbrut (Matth. 23:15,16,33). Der Grund, den Jesus für diese Verurteilung angab, ist bedeutungsvoll: Er macht die Geistlichen verantwortlich für die Ablehnung von Seiten des größten Teils der Bevölkerung, und zwar nicht nur in Bezug auf ihn, sondern auch auf alle Propheten vor ihm (Matth. 23:33-36). Denn sin d die Geistlichen etwa nicht die selbsternannten Führer des Volkes? Erst wenn sie den Einen, der in den Schriften verheißen wurde, anerkennen, können wir sagen, dass der Baum ihres Glaubens Früchte getragen hat. Das Maß ihrer Verantwortung ist zweifellos proportional zu dem Einfluss, den sie auf ihre Herde ausüben.

Letztendlich muss man jedoch ein grundlegendes Element der Lehren Baha'u'llahs hervorheben, nämlich, dass jeder Einzelne für sein eigenes geistiges Schicksal verantwortlich ist und die Wahrheit durch eigenes Streben suchen soll. Wenn sich jeder aufrichtig bemüht, gerecht zu sein, dann

sollst du mit eigenen Augen sehen, nicht mit denen anderer, und durch eigene Erkenntnis Wissen erlangen, nicht durch die deines Nächsten (Baha'u'llah, Verborgene Worte, arabisch)

Baha'u'llah ruft den Leser auf, gerecht zu sein und zuzugeben, dass er keinerlei materiellen Vorteil davon hatte, als er den Anspruch erhob, Gottes Wort zu offenbaren. Im Gegenteil, es brachte ihm nichts als Leiden.

Jeremy Fox
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Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Minou hat folgendes geschrieben:
Baha'u'llah warnt die Christen, "in den Fußstapfen eines jeden Geistlichen, der weit in die Irre geht" (BaA, 2:7) zu wandeln und erinnert sie daran, vor allem Gott zu fürchten. Wenn das streng klingt, so sollten wir uns an die weit härteren Ausdrücke erinnern, mit denen sich Jesus an die Schriftgelehrten und Pharisäer wandte: Er nannte sie Heuchler, verblendete Führer, Schlangen und Otternbrut (Matth. 23:15,16,33).


Verzeihung aber das ist äußerst ungeschickt formuliert. Ich finde das dies absolut nicht zu vergleichen ist. Die Christen haben, im Gegensatz zu den damaligen Pharisäern im Bezug auf Jesus, niemals versucht Bahá'u'lláh zu töten oder auch nur zu verletzen. Jesus strenge Worte zu den Pharisäern war aufgrund ihrer Raffgier, Habsucht und Mordlust. Tatsächlich ist mir beim Studium der Schriften niemals ein Fall aufgefallen, in welchem sich die Christen irgendwie boshaft gegenüber Bahá'u'lláh oder Abdul Baha verhalten haben. Ganz im Gegenteil! Besonders Abdul Baha drückte in vielen seiner Schriften seine Bewunderung aus, über die Brüderlichkeit den die Christen ihm gegenüber gezeigt haben.


Am 17. September sprach Abdul-Bahá auf Einladung seiner Hochwürden Erzdiakon von Westminster nach der Abendmesse zur Gemeinde von Saint John the Divine. Mit kurzen, herzlichen, seine ganze Haltung kennzeichnenden Worten stellte Erzdiakon Wilberforce den geehrten Botschafter aus dem Osten vor, der für seine Mission des Friedens und der Einheit vierzig Jahre Gefangenschaft und Verfolgung erlitten und nun Meere und Länder durchquert hatte. Der Erzdiakon hatte für seinen Gast den Ehrensitz des Bischofs auf die Stufen vor der Kanzel stellen lassen. Er selbst stand daneben und verlas persönlich die Übersetzung der Ansprache Abdul-Bahás. Die Gemeinde war tief bewegt. Sie folgte dem Beispiel des Erzdiakons und kniete nieder, um den Segen des Dieners Gottes zu empfangen, der mit ausgebreiteten Armen dastand, während sich in der Stille seine wundervolle Stimme melodisch hob und senkte. Als der Erzdiakon die Worte: Wahrlich, der Osten und der Westen sind einander heute Abend an diesem heiligen Ort begegnet, gesprochen hatte, sang die ganze Versammlung im Stehen die Hymne O Gott, Du unsre Hilfe in vergangnen Zeiten, während Abdul-Bahá und der Erzdiakon Hand in Hand durch das Seitenschiff zur Sakristei schritten.
Draußen vor der Kirche hielten die Mitglieder der Heilsarmee ihre Versammlung ab. Abdul-Bahá war tief beeindruckt und berührt, als Er die Männer, Frauen und Kinder sah, die da nachts an der Straßenecke zu Gebet und Gesang zusammenkamen.


Abdul-Baha in London
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Realität ist etwas für Leute, die Angst vor Einhörnern haben!
Pommes hat folgendes geschrieben:
Die Christen haben, im Gegensatz zu den damaligen Pharisäern im Bezug auf Jesus, niemals versucht Bahá'u'lláh zu töten oder auch nur zu verletzen.


Das steht hier auch nicht, und ich wundere mich, wie man das in den Text hineininterpretieren kann.
Ich darf auch daran erinnern, dass die Texte dem Buch von Jeremy Fox entnommen sind.

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In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Ein reines Herz

Als nächstes kommt ein Aufruf, der in gewisser Hinsicht jeder Religion zugrunde liegt: "Öffnet die Tür eures Herzens! Er, der Geist, steht wahrlich davor" (BaA, 2:
Baha'u'llah formuliert die gleiche Aufforderung noch an anderer Stelle und sagt, mit der Stimme Gottes sprechend:

O Sohn des Seins! Liebe Mich, damit Ich dich liebe. Wenn du Mich nicht liebst, kann Meine Liebe dich niemals erreichen. Erkenne dies, o Diener! (Baha'u'llah, Verborgene Worte, arabisch)

Doch bevor wir jemandem die Tür unseres Herzens öffnen, müssen wir uns davon überzeugen, dass er unser Vertrauen verdient. Baha'u'llah versichert den Christen unmittelbar darauf, dass dieses Vertrauen gerechtfertigt sei, da Christus selbst (der "Geist"), davor steht (BaA, 2:. Offensichtlich ist das eine Beteuerung, die nur sorgfältige Prüfung und Gebet bestätigen können. In seinen Schriften bezieht sich Baha'u'llah oft auf Jesus als den "Geist". Er sagt, dass Jesus selbst den aufrichtig suchenden Christen an die Hand nehmen und ihn dazu führen werde, Baha'u'llah anzuerkennen (ihn zu einer strahlenden Stätte zu führen). Mit dieser Versicherung appelliert er an die Christen:

Wir haben in Wahrheit die Tore des Königreichs vor euch aufgetan. Wollt ihr vor Meinem Antlitz euer Haus versperren? (BaA, 2:

Jeremy Fox
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In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Minou hat folgendes geschrieben:
Das steht hier auch nicht, und ich wundere mich, wie man das in den Text hineininterpretieren kann.


Ich habe auch nicht gesagt das im Text steht das die Christen Baha'ullah umbringen wollten. Ich wundere mich, wie man das in meinen Text hineininterpretieren kann. Es ging um den Vergleich zwischen Christen und Pharisäern, den ich für unangebracht halte. Baha'ullah wurde durch die Christen niemals derart gefährdet wie Jesus durch die Pharisäer.
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Realität ist etwas für Leute, die Angst vor Einhörnern haben!
Minou hat folgendes geschrieben:
Die Geschichte wiederholt sich (...)


Ja, aber wenn morgen ein Messias erscheint, werden die Baha'i auch nochmal die Geschichte wiederholen, weil das doch nicht in den nächsten 800 Jahren passieren kann/darf.

Dann werdet ihr den neuen Messias ebenso ablehnen, wie die Juden Jesus, oder die Christen Bahaullah ablehnen.
@Pommes

Tatsächlich war das Verhältnis zwischen Christen und Bahai immer deutlich besser als zwischen Muslimen und Bahai.

Zwar gibt es durchaus auch einige sehr gemeine Angriffen auf die Bahai-Religion von christlicher Seite doch bleiben diese immer rhetorischer Natur und werden nicht physisch gewalttätig. Zumindest soweit mir bekannt.

Die Pharisäer stehen - neben anderen Dingen - aber auch archetypisch für die Ablehnung des Verheißenen aufgrund kleinlicher Einwände. Insofern passt die Mahnung dann schon. So schreibt z.B. Bahaullah:

"Er ist abermals vom Himmel herniedergekommen, wie Er von dort beim ersten Male herniederkam. Hüte dich [Papst Pius IX.], mit Ihm zu streiten wie ehedem die Pharisäer ohne ein klares Zeichen und ohne Beweis." (Sure vom Tempel, 102)

Und er nutzt die Pharisäer auch als Symbol für (religionsgelehrte) Abführer vom rechten Pfad:

"O Gläubige aller Religionen! Wandelt nicht auf den Pfaden derer, die den Pharisäern folgten und die sich so von dem Geist wie durch Schleier trennten. Sie sind wahrlich vom rechten Pfad abgekommen und dem Irrtum verfallen. Die Altehrwürdige Schönheit ist in Seinem größten Namen erschienen und will die ganze Menschheit in Sein hochheiliges Reich aufnehmen." (Sure vom Tempel, 123)

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