Wie wird Freiheit richtig definiert


dazu ein Zitat:
Freiheit muss letzten Endes zu Aufruhr führen, dessen Flammen niemand löschen kann. So warnt euch Er, der Rechnende, der Allwissende. Wisst, dass die Verkörperung der Freiheit und ihr Sinnbild das Tier ist. Dem Menschen ziemt es, dass er sich in Schranken fügt, die ihn vor seiner eigenen Unwissenheit beschützen und vor dem Schaden des Unheilstifters bewahren. Freiheit veranlasst den Menschen, die Grenzen des Schicklichen zu überschreiten und die Würde seiner Stufe zu verletzen. Sie erniedrigt ihn auf die Ebene tiefster Verderbtheit und Schlechtigkeit.

Baha'u'llah, Ährenlese 159:2
Zitat:


Ist dies eine richtige Definition der Freiheit, oder ist es nicht vielmehr eine unzulässige Einschränkung der Freiheit, weil der Mensch angeblich unmündig ist und er letztlich der Schranken (Regeln) einer Religion bedarf?

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Zitat:
Wisst, dass die Verkörperung der Freiheit und ihr Sinnbild das Tier ist.


Ich kenne eine ähnliche Metapher aus dem Buddhismus. Dort wird der menschliche Geist mit einem Affen verglichen, welcher auf jeden Impuls reagiert, und dadurch für sich und andere Leid schafft.

Die buddhistische Antwort darauf ist Geistestraining.

Dein Zitat stammt aus den Bahai-Schriften. Auch in dieser Religion spielt Geistestraining eine große Rolle, taucht aber eher unter dem Begriff "Erziehung" auf.
Es gibt immer wieder Aufforderungen, die mit "Betrachte" beginnen, also Aufforderungen, die Wahrnehmung in eine bestimmte Richtung zu lenken, mit einer Zielsetzung zu verbinden.

Wir haben z.B. über diese Zitat diskutiert:
Zitat:
"Die Verschiedenheit der menschlichen Familie sollte die Ursache für Liebe und Eintracht sein, wie in der Musik, wo viele Noten zusammenklingen, um einen vollendeten Akkord hervorzubringen."
('Abdu'l-Bahá)

Wie du richtig angemerkt hattest, ist Verschiedenheit nicht unbedingt die Ursache von Liebe und Eintracht.
Sie kann zu völlig anderen Reaktionen führen. Aber eben je nach Haltung, auch zu Einheit.
Wenn man manche Konflikte in der Geschichte anschaut, und wie sich Menschen dabei verhalten haben, ist der Gedanke dass Freiheit, oder der Mangel an Selbstbegrenzung schon fürchterlich ist, naheliegend.
Zitat:
Sie erniedrigt ihn auf die Ebene tiefster Verderbtheit und Schlechtigkeit.
Ich meine, die Freiheit ist etwas Tolles sowie Wichtiges, ja Notwendiges, allerdings bedeutet es Verantwortung bezüglich der Konsequenzen, welche freie Entscheidung nach sich ziehen kann.
Ich habe diese Worte so verstanden, dass nicht jeder so frei sein kann/sollte, dass er all das machen kann, was ihm grade in den Sinn kommt.

Zitat:
Wisst, dass die Verkörperung der Freiheit und ihr Sinnbild das Tier ist.


Das Tier ist frei und nimmt sich seine Beute wenn es hungrig ist. Wenn ich hungrig bin und vor einem belegten Brötchen in der Bäckerei stehe und feststelle, dass ich kein Geld dabei habe, habe ich nicht die Freiheit mir das Brötchen einfach zu nehmen.

Die Tiere sind frei einer dem andern die Beute zu entreißen. Wenn ich sehe, dass mein Mitmensch Obst und Gemüse im Garten hat, sollte ich mir nicht die Freiheit nehmen ihm dies wegzunehmen.

Vor einigen Jahren gab es den Slogan "Freie Fahrt für freie Bürger" womit ausgedrückt werden sollte, dass jeder selbst entscheiden kann wie schnell er fährt und gewisse Geschwindigkeitsbegrenzungen wegfallen müssten.

Meine Schwester und ihr Mann mussten ihr Leben hingeben, weil sich ein anderer die Freiheit genommen hatte, so schnell zu fahren wie ihm beliebte.
Zitat:
Freiheit veranlasst den Menschen, die Grenzen des Schicklichen zu überschreiten


Welches Unheil für die Menschen zum Beispiel durch die Politik möglich ist, wenn gewisse Leute sich so frei fühlen, dass sie meinen sie hätten die Freiheit zu tun und zu lassen was ihnen grade in den Sinn kommt, kann man auch sehen.

Diese Zitate sind ja meist in irgeneinem Zusammenhang, oder als Antwort auf eine gewisse Frage geschrieben worden.

Dieses Zitat verstehe ich nun so, dass der Mensch nicht unfrei im Sinne eines Sklaven sein soll, der von anderen beherrscht wird, sondern viel eher, dass er sich selbst so erzieht, dass er nicht mehr sein eigener Sklave ist, in dem er allem freien Lauf lässt, was ihm selbst und anderen schadet.

Schöne Grüße
Linde
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Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und Forderungen.
Bahá'u'lláh
Im politischen Zusammenhang wird "Freiheit" oft als "Freiheit von Regulierung oder gar Verfolgung durch den Staat" verstanden. D.h. viele Leute meinen, wenn sie "Freiheit" als politischen Slogan verwenden, dass sie dagegen sind, dass die Regierung bzw. der Gesetzgeber allzu sehr einmischt.

Die oben genannte Definition aus dem Kitab-i-Aqdas hat eine andere Stoßrichtung, bzw. ist das mein Eindruck. Da geht es zuerst einmal um Selbstbegrenzung. Man legt sich selbst Schranken auf, aus Liebe zu Gott. Das muss aber nicht heißen, dass der Staat das unbedingt tun sollte.

LG,
Bernhard
Wirklich frei ist jeder einzelne einzig und allein m Herzen, jede andere Art von Freiheit ist in Wahrheit eine Vorgegaukelte.

Alles Liebe

Erich
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Es leitet mich die reine Liebe, die frei von Ego und frei von Konditionierungen ist!
Hallo traveller,
Zitat:
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Wohl beides. Aber hauptsächlich geht es mir um eine gemeinsam erarbeitete Basis zur Frage, wie man die Grenzen der Freiheit definieren kann.

Pjotr Kala
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Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
Frage, wie man die Grenzen der Freiheit definieren kann.


Ich finde da hat der Heilige Augustinus eine der prägnantesten Formeln entwickelt:

"Liebe und tu was du willst!"

Die Liebe ist der eigentliche Raum, in dem sich Freiheit ereignet.
Wann immer außerhalb der Liebe gehandelt wird, liegt nur "Scheinfreiheit" vor, weil ich andere und mich damit eigentlich der Freiheit beraube. Die Freiheit recht zu gebrauchen ist also nur möglich wenn ich die Liebe richtig erkenne. Und die ist nach christlichem Glauben Gott.
Hallo ziraki,
Zitat:
Ich kenne eine ähnliche Metapher aus dem Buddhismus. Dort wird der menschliche Geist mit einem Affen verglichen, welcher auf jeden Impuls reagiert, und dadurch für sich und andere Leid schafft.

Ich tipp mal drauf, dass im Buddismus hier nicht explizit der Gedanke von Freiheit gemeint ist, sondern der Mensch insgesamt (obwohl ich mich persönlich dagegen verwahre, dass ich auf jeden Impuls reagiere). Aber vielleicht können unsere Buddisten hier mehr zur Klärung dieses Zitats beitragen.

Es ist sicher richtig, dass es Grenzen für alle menschlichen Verhaltensweisen und Erfahrungen gibt. Aber nur durch gelegentliche "Grenzüberschreitungen" können wir überhaupt definieren, wo diese Grenzen liegen und ob sie wirklich noch existieren. Wenn wir uns von vornherein darauf beschränken, nur das zu akzeptieren, was andere uns als richtig oder falsch anpreisen, gibt es keine Entwicklung, sondern nur Stillstand.

Pjotr Kala
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