Der Konflikt in Syrien


Stellen wir uns vor, zwei Männer fangen an, sich auf offener Straße zu prügeln. Um sie herum bildet sich eine Traube von Menschen, die dies beobachtet. Einige von den Zuschauern rüsten die Männer auf und legen ihnen Schlagringe, Messer und Baseballschläger hin. Der Kampf und das Entsetzen werden immer schlimmer. Jetzt wollen einige helfen und versorgen die Kämpfer mit Wasser, Wundpflaster und Salbe. Der Kampf geht jedoch weiter. Was kann man tun? Auf Zureden reagieren die Kampfhähne nicht mehr.

1. Man schaut weiter zu, schüttelt den Kopf über diese Brutalität oder geht einfach weg.

2. Man greift ein, indem man einen der beiden Kämpfer niederschlägt, egal, ob er mit dem Streit angefangen hat oder nicht. Das lässt sich ohnehin nicht mehr feststellen. Aber ist das die einzige Lösung und auch richtig?

3. Alle herumstehenden Gaffer tun sich zusammen und trennen die beiden voneinander. Sie stellen sich zwischen die beiden, beenden zunächst den Kampf und versuchen dann zu vermitteln.

Übertragen auf solche Konflikte wie in Syrien soll das heißen: Die Weltgemeinschaft müsste eine Eingreiftruppe schicken, das Land besetzen, notfalls mit Gewalt für einen Waffenstillstand sorgen und dann zwischen den Beteiligten vermitteln bis ein dauerhafter Friede zustande gekommen ist.

Aber: Das Problem ist, dass die UNO uneinig und in Lager gespalten ist. Sie verfügt über keine wirksame Exekutivgewalt, die von allen Nationen getragen wird. Deshalb ist es sehr gefährlich, wenn sich nur eines dieser Lager in den Konflikt einmischt. Es wird dann kein Friede zustande kommen und es besteht sogar die große Gefahr, dass der Konflikt eskaliert.

"Mängel in der bestehenden Ordnung zeigen sich deutlich im
Unvermögen der als Vereinte Nationen organisierten souveränen Staaten, das
Schreckgespenst des Krieges, den drohenden Zusammenbruch der
internationalen Wirtschaftsordnung, die Ausbreitung von Anarchie und
Terrorismus sowie das unermessliche Leid zu bannen, das diese und andere
Heimsuchungen Abermillionen Menschen zufügen."
(Das Universale Haus der Gerechtigkeit, 1985)

"Das Wohlergehen der Menschheit, ihr Friede und ihre Sicherheit sind unerreichbar, wenn und ehe nicht ihre Einheit fest begründet ist."
(Bahá'u'lláh, 1817-1892)
@ achim 56,

Zitat:
Die Weltgemeinschaft muss eine Eingreiftruppe schicken, das Land besetzen, notfalls mit Gewalt für einen Waffenstillstand sorgen und dann zwischen den Beteiligten vermitteln bis ein dauerhafter Friede zustande gekommen ist.


Wie soll das denn gehen? Gewalt mit Gewalt beenden?
Elem. Luft
Wie hätte man denn das Hitler Nazi Regime sonst stürzen können?
phobo hat folgendes geschrieben:
Wie hätte man denn das Hitler Nazi Regime sonst stürzen können?


Ist es heute nicht so das man nur jegliches Regim als "Hitler-Regim" stigmatisieren muss damit sich Gewalt an diesem rechtfertigen lässt? Man denke nur an Lybien. Dadurch ist Gewalt legitimer geworden denn je.
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Realität ist etwas für Leute, die Angst vor Einhörnern haben!
phobo hat folgendes geschrieben:
Elem. Luft
Wie hätte man denn das Hitler Nazi Regime sonst stürzen können?


Ich habe nicht in Frage gestellt, Regimes mit Gewalt stürzen zu können, sondern gefragt, wie man Gewalt mit Gewalt beenden will. Verstehst du den feinen Unterschied? Obwohl, so fein ist er gar nicht.
Es geht mir einfach darum, naive Formulierungen zu sezieren. Man kann einen Waffenstillstand nicht mit Gewalt erzwingen, da dies kein Waffenstillstand wäre.
Ich meine, dass das auf der Welt grundsätzlich falsch läuft.

Es wäre oftmals doch anders viel besser gegangen.

Man stelle sich mal vor, dass die Weltengemeinschaft sagt:
"Wir wären bereit, euch Schulen, Krankenhäuser, Bewässerungssysteme zu bauen, aber im Gegenzug fordern wir..."

Ich glaube so manches Ziel wäre auf diese Weise erreicht worden,
für das andernfalls so viele Waffen eingesetzt werden und so viele Menschen sterben müssen.

Will man etwas verändern, dann ist es doch besser, Freunde zu gewinnen, als Feinde zu schaffen. Der Wandel ist beständiger und es kommt nicht zu einer erneuten Militarisierung, sobald man das Land verlässt.

Was steht dem im Wege?
Die Mächtigen Militär-Lobbys!
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Sind wir denn wirklich die heiligsten Wesen auf Erden?
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Elem. Luft hat folgendes geschrieben:

Ich habe nicht in Frage gestellt, Regimes mit Gewalt stürzen zu können, sondern gefragt, wie man Gewalt mit Gewalt beenden will...
Es geht mir einfach darum, naive Formulierungen zu sezieren. Man kann einen Waffenstillstand nicht mit Gewalt erzwingen, da dies kein Waffenstillstand wäre.

Ich halte das ein wenig für Wortklauberei. Der Waffenstillstand im zweiten Weltkrieg wurde auch mit Gewalt herbeigeführt. Was wollen Sie denn sonst tun, wenn Verhandlungen nichts bringen und die Kriegstreiber uneinsichtig sind? Da ich kein Pazifist bin, glaube ich, dass es Umstände geben kann, wo Gewalt das einzige Mittel ist, um Ruhe und Gerechtigkeit wieder herzustellen. Es sollte aber auch die letzte Wahl sein.

In Syrien handelt es sich um einen religiös motivierten Bürgerkrieg und da ist die Sache mit der Eingreiftruppe, wenn ich länger darüber nachdenke, schon wesentlich komplizierter. Hier hat man es nicht mit zwei sich bekämpfenden Nationen, sondern mit Fanatikern und Terroristen zu tun. Eine unbewaffnete Blauhelmtruppe hinzuschicken, wäre aber auch unverantwortlich. Es wurden jetzt sogar die UNO-Waffeninspekteure beschossen.

Die Vereinten Nationen hätten schon viel früher etwas tun müssen. Aber sie ist wie ein zahnloser Tiger und durch das blödsinnige Vetorecht gelähmt.

Mein Vorschlag basiert auf den Gedanken und Forderungen der Bahá'í-Religion nach einem Weltparlament, einem Obersten Schiedsgerichtshof und einer internationalen Exekutivgewalt, welche deren Entscheidungen sanktionieren und sicherstellen kann.

Ich erlaube mir hier, Abdu'l-Bahá (1844-1921), den Sohn Bahá'u'lláhs, den Begründer der Bahá'í-Religion, zu zitieren:

"Sie (die Herrscher) müssen die Friedensfrage zum Gegenstand gemeinsamer Beratung machen und mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln versuchen, einen Weltvölkerbund zu schaffen. Sie müssen einen verbindlichen Vertrag und einen Bund schließen, dessen Verfügungen eindeutig, unverletzlich und bestimmt sind. Sie müssen ihn der ganzen Welt bekannt geben und die Bestätigung der gesamten Menschheit für ihn erlangen... Alle Kräfte der Menschheit müssen freigemacht werden, um die Dauer und den Bestand dieses größten aller Bündnisse zu sichern. In diesem allumfassenden Vertrag sollten die Grenzen jedes einzelnen Landes deutlich festgelegt, die Grundsätze, die den Beziehungen der Regierungen untereinander zugrunde liegen, klar verzeichnet und alle internationalen Vereinbarungen und Verpflichtungen bekräftigt werden. In gleicher Weise sollte der Umfang der Rüstungen für jede Regierung genauestens umgrenzt werden, denn wenn die Zunahme der Kriegsvorbereitungen und Truppenstärken in irgendeinem Land gestattet würde, so würde dadurch das Mißtrauen anderer geweckt werden. Die Hauptgrundlage dieses feierlichen Vertrages sollte so festgelegt werden, dass bei späterer Verletzung einer Bestimmung durch eine Regierung sich alle Regierungen der Erde erheben, um jene wieder zu voller Unterwerfung unter den Vertrag zu bringen, nein, die gesamte Menschheit sollte sich entschließen, mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln jene Regierung zu stürzen. Sollte dieses größte aller Heilmittel auf den kranken Weltkörper angewandt werden, so wird er sich gewiss wieder von seinen Leiden erholen und dauernd bewahrt und heil bleiben:"
Ich denke mal, dass man das Alles möglichst unblutig lösen soll
Müsste ja unter erwachsenen Menschen eigentlich drinnen sein...
@ achim,

Zitat:
Ich halte das ein wenig für Wortklauberei


Ich halte das für eine Wahheit.


Forderungen wie:
Zitat:
Die Vereinten Nationen hätten schon viel früher etwas tun müssen.


sind hilflose Worte in Anbetracht einer ausweglosen Situation. Natürlich sehnen wir uns alle nach einer Lösung von außen, wenn wir selber nicht mehr weiter wissen. Aber wie du schon sagst, auch die UNO ist kein "Deus ex machina". Es gibt Situationen da ist alles was man tut und alles was man nicht tut verkehrt.

Im Allgemeinen bin ich auch durchaus der Meinung, dass die Weltgemeinschaft militärisch eingreifen muss, um die unschuldige Bevölkerung vor menschenverachtenden Agressoren zu schützen. Es geht mir lediglich darum, klar zu sagen, dass Gewalt nicht mit Gewalt beendet werden kann. Selbt wenn das Eingreifen ausländischer Truppen zur Rettung Unschuldiger gerechtfertigt ist, wird es dabei doch auch Opfer auf beiden Seiten geben. Gewalt bleibt Gewalt, das muss man sich klar machen und kann man nicht schönreden. Wie man nun die eine oder andere Form der Gewalt beurteilt oder gar rechtfertigt, kommt auf den persönlichen Blickwinkel an. Im aktuellen Beispiel "Syrienkonflikt" halten ja nun beide Seiten ihre Anliegen für eine Rechtfertigung der Gewalt. Das ist die Schwierigkeit in Bügerkriegen, zumal religiös motiviert.


Zitat:
Mein Vorschlag basiert auf den Gedanken und Forderungen der Bahá'í-Religion nach einem Weltparlament, einem Obersten Schiedsgerichtshof und einer internationalen Exekutivgewalt, welche deren Entscheidungen sanktionieren und sicherstellen kann.

Ich erlaube mir hier, Abdu'l-Bahá (1844-1921), den Sohn Bahá'u'lláhs, den Begründer der Bahá'í-Religion, zu zitieren:

"Sie (die Herrscher) müssen die Friedensfrage zum Gegenstand gemeinsamer Beratung machen und mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln versuchen, einen Weltvölkerbund zu schaffen. Sie müssen einen verbindlichen Vertrag und einen Bund schließen, dessen Verfügungen eindeutig, unverletzlich und bestimmt sind. Sie müssen ihn der ganzen Welt bekannt geben und die Bestätigung der gesamten Menschheit für ihn erlangen... Alle Kräfte der Menschheit müssen freigemacht werden, um die Dauer und den Bestand dieses größten aller Bündnisse zu sichern. In diesem allumfassenden Vertrag sollten die Grenzen jedes einzelnen Landes deutlich festgelegt, die Grundsätze, die den Beziehungen der Regierungen untereinander zugrunde liegen, klar verzeichnet und alle internationalen Vereinbarungen und Verpflichtungen bekräftigt werden. In gleicher Weise sollte der Umfang der Rüstungen für jede Regierung genauestens umgrenzt werden, denn wenn die Zunahme der Kriegsvorbereitungen und Truppenstärken in irgendeinem Land gestattet würde, so würde dadurch das Mißtrauen anderer geweckt werden. Die Hauptgrundlage dieses feierlichen Vertrages sollte so festgelegt werden, dass bei späterer Verletzung einer Bestimmung durch eine Regierung sich alle Regierungen der Erde erheben, um jene wieder zu voller Unterwerfung unter den Vertrag zu bringen, nein, die gesamte Menschheit sollte sich entschließen, mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln jene Regierung zu stürzen. Sollte dieses größte aller Heilmittel auf den kranken Weltkörper angewandt werden, so wird er sich gewiss wieder von seinen Leiden erholen und dauernd bewahrt und heil bleiben:"


Ja, aus Idealen werden manchmal Ideologien, die auf den ersten Blick ja auch so bestechend schön sind. Ich kenne allerdings keine Ideologie, die nicht in der Umsetzung gescheitert wäre oder gar im Krieg geendet hätte. In Syrien haben wir das gerade mit der Religion. Der Islam spricht ja auch vom Frieden und das versuchen da gerade welche gewaltsam durchzusetzen.

Alle Appelle an die Vernunft, setzen Vernunft voraus. Sie ist vor allem dann wichtig, wenn Parteien mit unterschiedlichen Wertesystemen aufeinanderstoßen. Gerade aber fanatische Religionsanhänger rühmen sich oft des Verzichtes der Vernunft als einen besonderen Akt der Demut. Sie folgen wortgetreu ihren oft falsch verstandenen Schriften oder dehnen deren Deutungsspielraum nach Belieben.
Die von dir zitierte ideale Weltgemeinschaft setzt einen Konsens der Wertvorstellungen und des intellektuellen/geistigen Entwicklungsstandes voraus. Den haben wir aber nicht. Die Weltbevölkerung ist so unterschiedlich wie die Bewohner der ehemaligen Sowjetunion es sind. Ein so große Reich kann nicht einheitlich verwaltet werden.

Für die Lösung von Konflikten, wie wir sie im Nahen Osten haben, muss man Spitzfindigkeit und Diplomatie anwenden. Man muss den Feind studieren und ihn mit der Nichteinhaltung seiner eigenen Werte konfrontieren, ohne dass er dabei sein Gesicht verliert. Das was, man von ihm möchte muss den Anschein haben ihm zu dienen, nicht dem Gegner.
Lieber Achim!

Ich stelle mir die Frage was uns lieber ist, ein Diktator oder religiöse Fanatiker an der Spitze eines Staates! Ich denke, es ist uns keines von beiden recht, obwohl mir der Sturz eines Diktators leichter erscheint als religiöse Fanatiker im Zaum zu halten.

Leid tut mir persönlich die Zivilbevölkerung, weswegen ich den Sturz des Diktators präferiere und hoffe, dass im Anschluss an freie Wahlen religiöse Fanatiker nicht an der Spitze des Staates stehen.

Alles Liebe

Erich
_________________
Es leitet mich die reine Liebe, die frei von Ego und frei von Konditionierungen ist!