Der Konflikt in Syrien


Der geplante Angriff auf Syrien unterscheidet sich insofern vom Irak-Krieg, als dass das Ziel ja nicht der Sturz Assads sein soll, sondern lediglich eine "kurze Strafaktion" durchgeführt werden soll.

In Libyen fand ich den Eingriff vor 2 Jahren noch nachvollziehbar, zumal ein klares Ziel vorgegeben war (Sturz Ghaddafis) und es einen breiten Konsens, von der UN inkl. Russland bis hin zur Arabischen Liga, gab.

Im Fall von Syrien sehe ich nicht, welchem Sinn und Zweck eine solche Aktion dienen soll. Weder soll Assad gestürzt werden, noch kann man davon ausgehen, dass die Rebellen "netter" sind als er.

Und die Giftgasgeschichte kommt mir sehr vorgeschoben vor. Im syrischen Bürgerkrieg sind bereits ca. 100.000 Menschen ums Leben gekommen, überwiegend durch russische und amerikanische Waffen (Russland beliefert Assad, die USA/Westen die Rebellen). Auf einmal macht man sich da Gedanken um ein paar hundert Tote mehr? Das ist doch Blödsinn.

Ich glaube auch nicht, dass es wirklich um Assad geht, zumindest nicht in erster Linie. Klar ist er ein grauenvoller Despot, keine Frage. Es geht nur um Russland und die USA, und ihre Einflussgebiete in der Region. Russland hat seine einzige Marinebasis außerhalb seines Territoriums in Syrien und ist mit Assad verbündet. Die USA mögen das nicht und wollen Russland herausdrängen, um sich danach ungestört den Iran vornehmen zu können.

Wenn Obama und Putin kompromissbereit wären, könnte das Problem in wenigen Wochen geklärt sein: Beide setzen sich zusammen und beschließen, sich ihren Einfluss im Nahen Osten zu teilen. Dann beschließen sie eine gemeinsame Invasion auf Syrien, stürzen Assad und befrieden das Land kooperativ. Dann stellen sie klar, welcher gemeinsame (oder meinetwegen geteilte) Nachkriegsordnung sie in Syrien wünschen. In 3 Monaten könnte das schlimmste vorüber sein und das Morden weitgehend gestoppt werden.

Aber das wollen weder Obama noch Putin. Die USA und Russland betrachten sich inzwischen wieder als Rivalen. Man traut sich nicht, will alles für sich und den anderen so weit über den Tisch ziehen, wie man es eben kann. Notfalls auf dem Rücken von Millionen von Zivilisten.
Bernh hat folgendes geschrieben:
Ich glaube auch nicht, dass es wirklich um Assad geht, zumindest nicht in erster Linie. Klar ist er ein grauenvoller Despot, keine Frage. Es geht nur um Russland und die USA, und ihre Einflussgebiete in der Region. Russland hat seine einzige Marinebasis außerhalb seines Territoriums in Syrien und ist mit Assad verbündet. Die USA mögen das nicht und wollen Russland herausdrängen, um sich danach ungestört den Iran vornehmen zu können.

Abgesehen von wirtschaftlichen Interessen, die beide Weltmächte im Nahen Osten gemeinsam haben: Wenn ich die beiden Allianzen einmal gegenüberstelle, steht für mich außer Frage, mit welcher ich eher sympathisiere. Einmal haben wir einen demokratisch gewählten amerikanischen Präsidenten, seine NATO-Verbündeten und Partner wie Israel, Saudi-Arabien, Jordanien und Kuwait. Auf der anderen Seite den "lupenreinen Demokraten" und eher weniger vom Volk legitimierten Comeback-Präsidenten Putin und die unter seinem Schutz stehenden Unrechtsstaaten wie Iran und Syrien. Wenn ich an die halbe Million Bahá'í-Freunde im Iran denke, die ständig von Übergriffen, der Verweigerung existenzieller Grundlagen und vom Tod durch das Mullah-Regime bedroht sind, kann man sich denken, was ich mir möglichst bald für das einst ruhmreiche Persien wünsche.
Zitat:
Wenn Obama und Putin kompromissbereit wären, könnte das Problem in wenigen Wochen geklärt sein: Beide setzen sich zusammen und beschließen, sich ihren Einfluss im Nahen Osten zu teilen. Dann beschließen sie eine gemeinsame Invasion auf Syrien, stürzen Assad und befrieden das Land kooperativ. Dann stellen sie klar, welcher gemeinsame (oder meinetwegen geteilte) Nachkriegsordnung sie in Syrien wünschen. In 3 Monaten könnte das schlimmste vorüber sein und das Morden weitgehend gestoppt werden.

Das klingt interessant, aber ich hielte es für besser, wenn Obama und Putin sich innerhalb der UNO einigen würden, damit hinter einer Invasion der größte Teil der Welt stünde. Der Einfluss der Vereinten Nationen muss gestärkt werden und vielleicht würde dieser Beschluss dann schon ausreichen, um Assad zum Abdanken zu bewegen und das ganz ohne Blutvergießen.
Zitat:
Aber das wollen weder Obama noch Putin. Die USA und Russland betrachten sich inzwischen wieder als Rivalen.

Und das ist der springende Punkt. Werden sie ihre Rivalität aus Gründen der Vernunft beenden, oder werden sie die Welt in einen fürchterlichen Krieg stürzen?

Einen Krieg, über den Albert Einstein gesagt haben soll: „Ich bin mir nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.“
Dieser Spruch ist wirklich Hammer von Albert Einstein.
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achim56 hat folgendes geschrieben:

Abgesehen von wirtschaftlichen Interessen, die beide Weltmächte im Nahen Osten gemeinsam haben: Wenn ich die beiden Allianzen einmal gegenüberstelle, steht für mich außer Frage, mit welcher ich eher sympathisiere. Einmal haben wir einen demokratisch gewählten amerikanischen Präsidenten, seine NATO-Verbündeten und Partner wie Israel, Saudi-Arabien, Jordanien und Kuwait. Auf der anderen Seite den "lupenreinen Demokraten" und eher weniger vom Volk legitimierten Comeback-Präsidenten Putin und die unter seinem Schutz stehenden Unrechtsstaaten wie Iran und Syrien. Wenn ich an die halbe Million Bahá'í-Freunde im Iran denke, die ständig von Übergriffen, der Verweigerung existenzieller Grundlagen und vom Tod durch das Mullah-Regime bedroht sind, kann man sich denken, was ich mir möglichst bald für das einst ruhmreiche Persien wünsche.


Achim, das sehe ich auch so (abgesehen von Saudi Arabien vielleicht, das nun wirklich kein angenehmes oder irgendwie demokratisches Land ist, sondern noch weit schlimmer als der Iran -- nur dass es eben schlau genug ist, sich auf die Seite der USA gestellt zu haben).

Natürlich lebe ich weitaus lieber in einem westlichen, demokratischen Land wie Deutschland, oder auch den USA oder Israel, als in Russland oder gar dem Iran.

Nur stößt mir an der amerikanischen bzw. westlichen Expansionspolitik auf, dass dabei oft über Leichen gegangen wird (wie jetzt in Syrien -- man heizt den Bürgerkrieg an, egal wie widerwärtig beide Seiten nun sind, damit wenigstens Russland eins auf den Deckel bekommt), das Völkerrecht und die UN immer mehr demontiert werden (besonders unter Bush, aber Obama setzt das offenbar nun fort) und die hehren Ideale oft zweitrangig scheinen. Im Zweifelsfall nimmt man lieber einen pro-westlichen Diktator, als eine unbequeme Demokratie. Dazu kommt die völlig unnötige Konfrontationspolitik gegenüber Russland.

Da Du die Prophezeiungen kennst, kannst Du Dir denken, was mir daran Sorgen bereitet. Aber auch unabhängig von derart "dubiosen" Erwägungen muss man einfach feststellen, dass Russland einfach ein zu dicker Brocken ist, um derart herumgeschubst zu werden (wie demokratisch oder autoritär Russland nun ist, ist dabei zweitrangig). Immerhin ist es immer noch mit den USA die mit Abstand größte Atommacht auf diesem Planeten.

Nach 9/11 hat Putin den USA eine weitreichende Zusammenarbeit und einen gemeinsamen "Kampf gegen den Terror" angeboten. Das wurde von Bush zurückgewiesen und Russland wieder und wieder brüskiert: 2003 im Irak, 2004 in der Ukraine, 2008 in Georgien, 2011 in Libyen. Die USA scheinen ihrer Doktrin des "New American Century" zu folgen, bzw. denjenigen Geostrategen, die auf lange Sicht ein "Roll Back" Russlands und seine schließliche Unterwerfung zum Ziel haben -- anstelle von Kooperation, zu der Russland zumindest noch vor einigen Jahren durchaus bereit war. Die USA wollen eben nicht teilen, sondern eine uneingeschränkte Vormachtstellung. Ich glaube nicht, dass das die Welt sicherer macht.

Ich wünsche mir ebenfalls sehr, dass das unterdrückerische Regime im Iran gestürzt wird, und das möglichst mit wenig Blutvergießen. Dass es dazu kommen wird, davon können wir ausgehen, wenn wir die entsprechende Vorhersage im Kitab-i-Aqdas ernst nehmen. Jedoch befürchte ich, dass es nur längerfristig zu noch mehr Konflikten, Leid und Toten führen wird, wenn dies nicht in Kooperation mit Russland, sondern *gegen* Russland vom Westen erzwungen wird.

Anstatt Stellvertreterkriege gegen Russland zu führen, sollte der Westen lieber Russland ein Stück weit entgegenkommen, ihm gewissen Einfluss in der Region zubilligen, und somit zu bewirken, dass Russland nicht weiter die Regimes mit Waffen und Geld beliefert, die zur Zielscheibe des Westens werden. Wir (bzw. die USA) sollten mit Russland teilen. Dann könnte die ganze Region weitaus schneller und unblutiger neu geordnet werden.

Zitat:
Das klingt interessant, aber ich hielte es für besser, wenn Obama und Putin sich innerhalb der UNO einigen würden, damit hinter einer Invasion der größte Teil der Welt stünde. Der Einfluss der Vereinten Nationen muss gestärkt werden und vielleicht würde dieser Beschluss dann schon ausreichen, um Assad zum Abdanken zu bewegen und das ganz ohne Blutvergießen.


Das wäre ideal! Nur leider demontieren die USA ja aktiv die UN. Die USA glauben seit Bush, dass die UN ihnen nur ein Klotz am Bein sind. Und mit Irak 2003 haben sie einen Präzedenzfall gesetzt, den sie mit Syrien jetzt bestätigen und den auch andere (wie Russland) nun für sich nutzen werden.

Kollektive Sicherheit ist eine gute Idee. Und ich verstehe Baha'u'llah auch so, dass er dem zugestimmt hat: "Wenn einer ein anderes Land überfällt, so erhebt euch gemeinsam gegen ihn!"

Zitat:
Und das ist der springende Punkt. Werden sie ihre Rivalität aus Gründen der Vernunft beenden, oder werden sie die Welt in einen fürchterlichen Krieg stürzen?

Einen Krieg, über den Albert Einstein gesagt haben soll: „Ich bin mir nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.“


Hoffen und beten ...

LG,
Bernhard[/img]
Bernh hat folgendes geschrieben:

Nur stößt mir an der amerikanischen bzw. westlichen Expansionspolitik auf, dass dabei oft über Leichen gegangen wird (wie jetzt in Syrien -- man heizt den Bürgerkrieg an, egal wie widerwärtig beide Seiten nun sind, damit wenigstens Russland eins auf den Deckel bekommt), das Völkerrecht und die UN immer mehr demontiert werden (besonders unter Bush, aber Obama setzt das offenbar nun fort) und die hehren Ideale oft zweitrangig scheinen. Im Zweifelsfall nimmt man lieber einen pro-westlichen Diktator, als eine unbequeme Demokratie. Dazu kommt die völlig unnötige Konfrontationspolitik gegenüber Russland.

In diesem Punkt finde ich den Friedensnobelpreisträger Obama eine große Enttäuschung. Aber ich denke mir, dass auch er nur umsetzen kann, was der Kongress und die Multis zulassen bzw. gern hätten. Letztere halte ich übrigens für die größte Bedrohung für den Planeten. Sie genießen eine anarchistische Freiheit und Macht, von denen Diktatoren nur träumen können. Ich nenne dies globalen Wirtschafts-Faschismus.
Zitat:

Da Du die Prophezeiungen kennst, kannst Du Dir denken, was mir daran Sorgen bereitet.

Auf einem Winterferienkurs in Deutschland 2010 hat ein ehemaliges Mitglied des Universalen Hauses der Gerechtigkeit sogar auf einige dieser Prophezeiungen hingewiesen und die Freunde ermutigt, die verbleibende Zeit zu nutzen.
Zitat:

Ich wünsche mir ebenfalls sehr, dass das unterdrückerische Regime im Iran gestürzt wird, und das möglichst mit wenig Blutvergießen. Dass es dazu kommen wird, davon können wir ausgehen, wenn wir die entsprechende Vorhersage im Kitab-i-Aqdas ernst nehmen.

Also, jetzt ist mir klar, dass Du auch Bahá'í bist. Kennen wir uns?
Zitat:

Anstatt Stellvertreterkriege gegen Russland zu führen, sollte der Westen lieber Russland ein Stück weit entgegenkommen, ihm gewissen Einfluss in der Region zubilligen, und somit zu bewirken, dass Russland nicht weiter die Regimes mit Waffen und Geld beliefert, die zur Zielscheibe des Westens werden. Wir (bzw. die USA) sollten mit Russland teilen. Dann könnte die ganze Region weitaus schneller und unblutiger neu geordnet werden.

Ich glaube fast, die schicken immer die falschen Leute zu den G8-Gipfeln. Die sollten mal Diplomaten wie Dich ranlassen.
Zitat:

Nur leider demontieren die USA ja aktiv die UN.

Was sollen sie denn tun, solange dieses blöde Vetorecht besteht? Wenn sich die "Weltpolizei" nicht einig ist, muss man halt einen Revolverhelden engagieren, der für Ordnung sorgt. That's the American way of life. Obama sollte sich seines Friedens-Nobelpreises würdig erweisen und als Reformator der UN im Sinne Bahá'u'lláhs in die Geschichte eingehen. Das würde ihm ewigem Ruhm und viel besser noch, das Wohlgefallen Gottes einbringen.
Moin Achim!

achim56 hat folgendes geschrieben:

Auf einem Winterferienkurs in Deutschland 2010 hat ein ehemaliges Mitglied des Universalen Hauses der Gerechtigkeit sogar auf einige dieser Prophezeiungen hingewiesen und die Freunde ermutigt, die verbleibende Zeit zu nutzen.


Das ist sehr interessant. Kannst Du dazu vielleicht genaueres sagen?

Zitat:
Also, jetzt ist mir klar, dass Du auch Bahá'í bist. Kennen wir uns?


Hm, ich lebe in Berlin und gehe meist zu den Andachten in Kreuzberg. Bisher habe ich keine Gemeinden in anderen Städten kennengelernt. Wenn Du dort aber mal zu Besuch warst, könnten wir uns begegnet sein.

LG,
Bernhard
Hm, der Papst scheint auch besorgt zu sein:

http://www.zeit.de/politik/ausland/...../vatikan-syrien-weltkrieg
Bernh hat folgendes geschrieben:

Das ist sehr interessant. Kannst Du dazu vielleicht genaueres sagen?
Hm, ich lebe in Berlin und gehe meist zu den Andachten in Kreuzberg... Wenn Du dort aber mal zu Besuch warst, könnten wir uns begegnet sein.

So ein Mist! Jetzt hatte ich schon eine ausführliche Antwort geschrieben und habe mich ausgelogt ohne auf "Absenden" zu drücken. Also nochmal verkürzt:

Der Referent hat explizit den Mühlhiasl erwähnt. Ich habe seine Vorträge von dieser Schule auf CD's (16 Stunden). Hier möchte ich aber über solche heiklen Themen ungern weiteres schreiben. Wir können gern per E-Mail kommunzieren (jo-schuster@arcor.de) oder telefonisch.

Ich bin zwar mütterlicherseits Berliner, war aber schon mindestens 10 Jahre nicht mehr dort.

Hier noch eine sehr interessante Prophezeiung über die Zeit nach dem großen Chaos:

In Süddeutschland findet ein außerordentliches Ereignis statt, zu dem zahlreiche (auserwählte/wichtige) Menschen reisen werden. Dort wird anscheinend der Grundstein für das neue Reich und die neue Religion gelegt. Wundersame Dinge geschehen, möglicherweise sogar eine Neuoffenbarung. (2. Templeroffenbarung, Feldpostbriefe, Bauer Jasper)

Das Christentum hält einen Siegeszug und wird beinahe von der ganzen Welt angenommen. Es handelt sich dabei allerdings um ein neues, einheitliches und ursprüngliches/gereinigtes Christentum. (z.B. Waldviertler, Feldpostbriefe, Mühlhiasl, Bauer Jasper, Kugelbeer, Maria Bianchini)

http://derhonigmannsagt.wordpress.c.....it-vorsicht-zu-geniessen/

Da könnte was dran sein
@Achim:

Hab Dir eine Mail geschickt.

Ja, diese Idee über ein "erneuertes Christentum" weckt in einem Baha'i ja doch gewisse Vermutungen.

Von diesen Prophezeiungen habe ich auch schon gehört bzw. gelesen. An einer Stelle (erinnere mich gerade nicht genau wo) heißt es wohl sinngemäß: "Die Konfessionen werden sich vereinigen, mit Ausnahme einiger Juden". Dabei sind Juden doch gar keine christliche Konfession ...? Implizit heißt das also auch, dass die Moslems sich anschließen? Hm...
Dringender Aufruf von Papst Franziskus angesichts eines unmittelbar bevorstehenden militärischen US-Angriffs in Syrien:

NIE WIEDER KRIEG!

Heute, liebe Brüder und Schwestern, möchte ich mir jenen Schrei zu Eigen machen, der sich aus jedem Winkel der Erde, aus jedem Volk, aus dem Herzen eines jeden und aus der einen großen Menschheitsfamilie mit immer größerer Ängstlichkeit erhebt. Es ist der Schrei nach Frieden. Es ist der Schrei, der lautstark ruft: Wir wollen eine friedliche Welt; wir wollen Männer und Frauen des Friedens sein; wir wollen, dass in dieser unserer Gesellschaft, die durch Spaltungen und Konflikte zerrissen ist, der Friede aufbreche und nie wieder Krieg sei! Nie wieder Krieg! Der Friede ist ein zu kostbares Gut, als dass er nicht gefördert und geschützt werden müsste.

Mit großer Sorge verfolge ich die vielen Konfliktsituationen auf dieser unserer Erde. Doch in diesen Tagen gehen mir die Geschehnisse in Syrien
besonders schmerzlich ans Herz. Ich sorge mich angesichts der bevorstehenden dramatischen Entwicklungen.

Ich erhebe einen nachdrücklichen Friedensappell, einen Appell, der meinem Innersten entspringt! Wie viel Leid, wie viel Zerstörung, wie viel Kummer hat die Verwendung von Waffen in diesem gepeinigten Land und insbesondere unter der wehrlosen Zivilbevölkerung verursacht. Wie viel Qualen ruft er weiter hervor! Machen wir uns bewusst: Wie viele Kinder können nicht mehr das Licht der Zukunft erblicken! Mit besonderer Schärfe verurteile ich den Einsatz chemischer Waffen: Ich sage euch, ich habe noch ständig jene schrecklichen Bilder der vergangenen Tage in meiner Erinnerung und in meinem Herzen! Es gibt ein Urteil Gottes und auch ein Urteil der Geschichte über unsere Taten, dem man nicht entrinnen kann! Niemals wird die Anwendung von Gewalt zum Frieden führen. Krieg ruft Krieg hervor, Gewalt ruft Gewalt hervor!

Mit all meiner Kraft rufe ich die Konfliktparteien auf, der Stimme des eigenen Gewissens zu folgen, sich nicht in egoistische Interessen zu
verschließen, sondern den anderen als Bruder zu betrachten und mutig und entschlossen den Weg der Kontakte und der Verhandlungen zu beschreiten, um blinde Konfrontation zu überwinden. Ebenso nachdrücklich rufe ich auch die Internationale Gemeinschaft auf, jede Anstrengung zu unternehmen, um ohne weiteren Aufschub eindeutige Initiativen für den Frieden in jenem Land voranzubringen; Initiativen, die sich auf den Dialog und die Verhandlung zum Wohl der gesamten syrischen Bevölkerung stützen.

Möge keine Mühe unterlassen werden, um humanitäre Hilfe für die Opfer dieses furchtbaren Konfliktes zu gewährleisten, besonders für die
Evakuierten im Land und die Flüchtlinge in den Nachbarstaaten. Möge sichergestellt werden, dass die humanitären Helfer, die sich um die Linderung der Leiden der Bevölkerung bemühen, die nötige Unterstützung leisten können.

Wie können wir uns um den Frieden in der Welt bemühen? Wie Papst Johannes XXIII. betonte, kommt uns die Aufgabe zu, in Gerechtigkeit und Liebe neue Wege des menschlichen Miteinanders zu finden (vgl. Enzyklika Pacem in terris [11. April 1963]: AAS 55[1963], 301-302).

Möge eine Kette des Einsatzes für den Frieden alle Männer und Frauen guten Willens verbinden! Diese lautstarke und eindringliche Einladung richte ich an die gesamte katholische Kirche und weite sie auch auf alle Christen anderer Konfessionen, auf die Männer und Frauen der verschiedenen Religionen und auf jene Brüder und Schwestern aus, die nicht glauben: Der Friede ist ein Gut, das alle Grenzen überwindet, denn er ist ein Gut der ganzen Menschheit.

Erneut rufe ich mit lauter Stimme: Nicht eine Kultur der Auseinandersetzung, nicht eine Kultur des Konfliktes baut das Zusammenleben in den Völkern und unter den Völkern auf, sondern diese: die Kultur der Begegnung, die Kultur des Dialogs: Das ist der einzige Weg zum Frieden.

Möge sich der Schrei nach Frieden laut erheben, auf dass er die Herzen aller erreiche; auf dass alle die Waffen niederlegen und sich leiten lassen
von der Sehnsucht nach Frieden.

Aus diesem Grund, liebe Brüder und Schwestern, habe ich beschlossen, am kommenden 7. September, am Vorabend des Festes der Geburt Marias, der Königin des Friedens, für die gesamte Kirche einen Tag des Fastens und Betens für den Frieden in Syrien, im Nahen Osten und in der gesamten Welt auszurufen. Ich lade ebenso die Brüder und Schwestern aller christlichen Konfessionen, die Mitglieder der anderen Religionen und die Menschen guten Willens dazu ein, sich dieser Initiative in einer ihnen geeignet erscheinenden Weise anzuschließen.

Am 7. September werden wir uns von 19.00 Uhr bis 24.00 Uhr hier auf dem Petersplatz im Gebet und im Geist der Buße versammeln, um von Gott diese große Gabe für die geliebte syrische Nation und für alle Konflikt- und Gewaltsituationen in der Welt zu erflehen. Die Menschheit hat es nötig, Gesten des Friedens zu sehen und Worte der Hoffnung und des Friedens zu vernehmen! Ich rufe alle Teilkirchen dazu auf, nicht nur diesen Tag des Fastens zu begehen, sondern auch einige liturgische Akte in diesem Sinne zu veranstalten. (Aus: Zenit, 1. Sept. 13)