Märtyrertum im Bahai-Glauben


Zitat:
Es gibt wirklich Leute die für Bahaullah sich foltern lassen und den Tod vorziehen ? Das Christentum ist allseits bekannt für ihr Martyrium...in der Bahai-Religion hör ich davon zum ersten Mal.
Gebt mir doch mal ein Beispiel, eine Schilderung eines Martyriums und die Zeitangabe dazu.


Hallo Tec.
Gleich zu Beginn der neuen Offenbarung (Mitte des 19. Jahrhunderts) wurden Zehntausende bestialisch ermordet und bis auf den heutigen Tag werden die Bahai im Iran verfolgt. Zur Zeit sitzen viele im Gefängnis und könnten frei kommen wenn sie ihren Glauben leugnen würden.

Seit fünf Jahren ist auch das damalige Führungsgremium der Bahai eingekerkert bzw. zu 20 Jahren Haft verurteilt. Sie waren zuerst zum Tode verurteilt. Durch weltweite Proteste wurde diese umgewandelt in eine Gefängnisstrafe. Shirin Ebadi, die Nobelpreisträgerin hatte sie zuerst verteidigt und musste dann aber selbst fliehen. Sie hat immer wieder in der Weltöffentlichkeit die Unschuld der Bahai bestätigt.

In den 80er (und ich glaube auch in den 90er ) Jahren gab es noch sehr viele Hinrichtungen von Bahai und auch Morde die aber von der Justiz nicht geandet werden. Bahai sind praktisch vogelfrei. Kinder werden in der Schule tyranisiert, Studenten nicht zur Uni zugelassen, Häuser geplündert und angesteckt, ganze Dörfer verwüstet und vieles, vieles, vieles mehr. Man kann das hier garnicht alles aufführen. Viele iranische Bahai die in Deutschland leben haben Eltern, Geschwister oder andere Verwandte durch Hinrichtung verloren.

Schöne Grüße
Linde
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Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und Forderungen.
Bahá'u'lláh
Es gibt einen Film über Mona, die mit 16 Jahren mit weiteren 9 Frauen 1983 hingerichtet wurde.
Ihre Eltern traf das gleiche Schicksal

http://www.monasdream.com

Olya Roohizadegan, eine Mitgefangene Monas, die auch schon zum Tode verurteilt war, konnte auf wundersame Weise freikommen und mit ihrer Familie nach Großbritanien fliehen. So hatte sie die Möglichkeit in ihrem Buch >Olya's Geschichte< die erschütternden Verhältnisse im Gefängnis, Folter usw. öffentlich bekannt zu machen.
Ich hatte das Glück und die Ehre sie bei einem ihrer Vorträge kennenzulernen.


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Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und Forderungen.
Bahá'u'lláh
Tek. hat folgendes geschrieben:
Es gibt wirklich Leute die für Bahaullah sich foltern lassen und den Tod vorziehen ? Das Christentum ist allseits bekannt für ihr Martyrium...in der Bahai-Religion hör ich davon zum ersten Mal.


Gebt mir doch mal ein Beispiel, eine Schilderung eines Martyriums und die Zeitangabe dazu.


Es gab zigtausende Märtyrer in der noch nicht einmal zwei Jahrhunderte umfassenden Geschichte der Bahai-Religion.

Ein relativ 'bekanntes' Beispiel aus dem 20. Jahrhundert für einen Bahai-Märtyrer ist Mona Mahmudnizhad. Sie wurde 1983, mit 17 Jahren, als eine von zehn weiblichen Bahai auf Geheiß der Islamischen Republik Iran gefangen genommen, gefoltert und hingerichtet. Das offizielle "Urteil" lautete "Verderben der Jugend". Gemeint damit war wohl ihre freiwillige Hilfe in einem Waisenheim und in einer informellen Schule für Bahai-Kinder, welche aufgrund ihrer Religion der staatlichen Schulen verwiesen worden waren. Eine Konversion zum schiitischen Islam und ein gleichzeitiges Abschwören von der Bahai-Religion hätte ihr das Leben gerettet.

Die Verfolgung der Bahai im gesamten Orient besteht seit dem Beginn der Bewegung um den Bab bis heute. Es gab immer wieder verschiedene Wellen in denen die Verfolgung schwächer und stärker wurde. Der Bab selbst starb als Märtyrer für 'seine' Religion. Auch Bahaullah und Abdulbaha waren dazu bereit, sind aber diesem Schicksal letztlich doch entgangen.
Also mir ist schon klar, dass ein irdischer natürlicher Tod an und für sich ein Segen sein kann, aber sich foltern lassen, um extra viel zu leiden...?
Peter.Trim hat folgendes geschrieben:
Also mir ist schon klar, dass ein irdischer natürlicher Tod an und für sich ein Segen sein kann, aber sich foltern lassen, um extra viel zu leiden...?


Ein Märtyrer in diesem Sinne hat weder darum gebeten gefoltert noch darum ermordet zu werden.
Peter.Trim hat folgendes geschrieben:
Also mir ist schon klar, dass ein irdischer natürlicher Tod an und für sich ein Segen sein kann, aber sich foltern lassen, um extra viel zu leiden...?


Kommt darauf an, ob man seine Überzeugung bei Androhung von Folter verleugnen kann oder nicht.

LG,
Minou
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»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Tobias hat folgendes geschrieben:

Es gab zigtausende Märtyrer in der noch nicht einmal zwei Jahrhunderte umfassenden Geschichte der Bahai-Religion.

Ein relativ 'bekanntes' Beispiel aus dem 20. Jahrhundert für einen Bahai-Märtyrer ist Mona Mahmudnizhad. Sie wurde 1983, mit 17 Jahren, als eine von zehn weiblichen Bahai auf Geheiß der Islamischen Republik Iran gefangen genommen, gefoltert und hingerichtet. Das offizielle "Urteil" lautete "Verderben der Jugend". Gemeint damit war wohl ihre freiwillige Hilfe in einem Waisenheim und in einer informellen Schule für Bahai-Kinder, welche aufgrund ihrer Religion der staatlichen Schulen verwiesen worden waren. Eine Konversion zum schiitischen Islam und ein gleichzeitiges Abschwören von der Bahai-Religion hätte ihr das Leben gerettet.

Die Verfolgung der Bahai im gesamten Orient besteht seit dem Beginn der Bewegung um den Bab bis heute. Es gab immer wieder verschiedene Wellen in denen die Verfolgung schwächer und stärker wurde. Der Bab selbst starb als Märtyrer für 'seine' Religion. Auch Bahaullah und Abdulbaha waren dazu bereit, sind aber diesem Schicksal letztlich doch entgangen.


Ist sie direkt für Bahaullah gestorben, hat sie das so bekannt ? Oder wollte sie einfach nicht dem Staat klein beigeben ?

Zu den Foltermethoden: Wikiartikel: Nach einer Reihe von Verhören, teils unter physischer Folter, bei der mit einem Kabel die Fußsohlen gepeitscht wurden,...

Hast du dich mal über die Foltermethoden der damaligen Christen informiert ? Wie, einem Märtyrer die Haut abziehen bei lebendigem Leibe, den Körper in Stücke schneiden, mit Nägel den Schädel einschlagen, in glühend heiße oder brennende Gefäße reinwerfen, vor wilde Tiere werfen, und die schlimmstmöglichen Foltern, die mir nicht mal alle jetzt gerade einfallen, eben weil sie sich als Christen bekannten. Wie liest sich nun das oben aus dem Wikiartikel im Vergleich zu diesen Foltern ?
Wiki: "Nach einer Reihe von Verhören, teils unter physischer Folter, bei der mit einem Kabel die Fußsohlen gepeitscht wurden, wurde Mahmudnizhad schuldig befunden und zum Tod durch den Strang verurteilt."

Hm...
Tek. hat folgendes geschrieben:
Hast du dich mal über die Foltermethoden der damaligen Christen informiert ? [...] Wie liest sich nun das oben aus dem Wikiartikel im Vergleich zu diesen Foltern?


Was soll mir diese Frage jetzt sagen? Soll das jetzt ein Wettbewerb werden wer schlimmer für seine Religion gefoltert wurde? Soll das Leiden der Einen mit dem Leiden der anderen relativiert oder kleingeredet werden?

Du kannst dich ja gern mal mit der Verfolgung der Babi und Bahai im 19. Jahrhundert beschäftigen, wenn du irgendwie krasse Folter als Wahrheitsbeweis für einen Glauben siehst.
Tek. hat folgendes geschrieben:
Ist sie direkt für Bahaullah gestorben, hat sie das so bekannt ? Oder wollte sie einfach nicht dem Staat klein beigeben?


Ich war nicht dabei und die Islamische Republik Iran hat den Fall natürlich nicht zuverlässig und öffentlich zugänglich im Detail dokumentiert. Ich glaube so ein "Detail" lässt sich kaum mehr rekonstruieren. Zumal beide Haltungen wohl in diesem Fall ineinander laufen dürften. Gleiches gilt übrigens auch für fast alle christlichen Märtyrer.