Buddhismus und Baha'i-Glaube


Hitman hat folgendes geschrieben:
also Unwissenheit ist schon meiner Meinung nach sehr unhöflich, aber ok!


Unwissenheit ist menschlich, kein Mensch ist allwissend.

Hitman hat folgendes geschrieben:
Allein dass gewisse Regeln viel später nach Buddhas Tod hinzugefügt wurden, ist eine entscheidende Änderung.


Welche Regeln wurden verändert, bzw. wo wurde die Lehre verändert?

Hitman hat folgendes geschrieben:
Zudem sind entscheidende Punkte nur als "mündliche" Überlieferung bekannt. Wer sagt denn dass diese Überlieferungen fehlerfrei waren und andere "unwissend" sind?


Buddha selbst wollte, dass seine Lehre mündlich übertragen wird. Das sieht man auch heute noch an ihrer Form; ständige Wiederholungen. Das hatte entschiedene Gründe:

So wird die Lehre von Mönch zu Mönch, d.h. innerhalb der (verständigen) Gemeinde weitergegeben. Sie kann von außenstehenden nicht verändert werden, Missbrach oder falsche Benutzung (Missverständnisse) werden erschwert, denn man braucht immer Kontakt zu einem Mönch.

Sich auf Papier zu verlassen war schwierig, im feuchten indischen Klima konnte man den Schriften beim Verrotten quasi zusehen. Indien hat deswegen eine lange Tradition der mündlichen Weitergabe. Mündliche Weitergabe bedeutet, dass sich verschiedene Mönche auf Teile der Lehre konzentrieren, sie auswendig lernen und immer wieder gemeinsam rezitieren. Ein zuverlässiges Verfahren.

Gegenfrage:

Gibt es Hinweise darauf, dass die Lehre stark verändert wurde, gibt es buddhistische Schulen die den Pali-Kanon als falsch ablehnen, gibt es verschiedene Versionen des Pali-Kanon? Gibt es anerkannte Indologen/Religionswissenschaftler, die bezweifeln, dass der Pali-Kanon nicht die Lehre Buddhas enthält?

Ich sage nicht, dass im Pali-Kanon, 1:1 das steht, was Buddha gelehrt hat, jedoch 1:0.99 - und das reicht meiner Meinung nach nicht um die Ansprüche der Bahai ansatzweise zu rechtfertigen.


ziraki hat folgendes geschrieben:
Dazu gibt es aber auch eine buddhistische Vorhersage


Da hat er sich offensichtlich geirrt, bzw. diese Vorhersage ist nicht eingetroffen. Buddha war was die Lehre betrifft allwissend, aber nicht was die Welt betraf.

Long Road hat folgendes geschrieben:
Für viele Buddhisten mag das undenkbar sein, aber ich sage ja. Dass er sich vor seinem Erwachen gewaltig geirrt hat ist gut belegt und auch danach hat er mMn Fehler gemacht und es lassen sich sicherlich Aussagen finden, die aus heutiger Sicht fragwürdig sind. Aussagen zu wissenschaftlichen Themen wie Astronomie etc., aber auch Prophezeiungen


Wenn es dich interessiert, suche ich die entsprechende Stelle zu obiger Aussage heraus.
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Man kann Gläubige nicht überzeugen, da ihr Glauben nicht auf Beweisen beruht, sondern auf dem tiefen Bedürfnis zu glauben. - Carl Sagan.

Die Wahrheit siegt nie, ihre Gegner sterben nur aus.
Ich kann zu diesem Thema ein sehr informatives Buch von Moojan Momen "Buddhismus und Bahá'í-Religion" empfehlen. Erhältlich im Bahá'í-Verlag für 14,90 Euro

http://www.bahai-verlag.de/Deutsche.....mus-und-Bah-Religion.html
Busshari hat folgendes geschrieben:

Ich sage nicht, dass im Pali-Kanon, 1:1 das steht, was Buddha gelehrt hat, jedoch 1:0.99 - und das reicht meiner Meinung nach nicht um die Ansprüche der Bahai ansatzweise zu rechtfertigen.

Aber auch durch diese geringe Abweichung kann es ja zu essentiellen Unterscheidungen der ursprünglichen und jetzigen Lehre kommen.
Long Road hat folgendes geschrieben:

Ist von Abdulbaha oder Shoghi Efendi überliefert, dass sie eine längere Studienreise nach Asien samt Studium einer klassischen buddhistischen Sprache getätigt haben? Weil eine seriöse Kenntnis war sonst mMn nicht möglich. Die Aussagen Abdulbahas zeigen, dass er Kenntnis vom damaligen geläufigen Bild des Buddhismus in Europa bzw. Arabien, das heute noch weit verbreitet ist, hatte.



Abul-Fadl ein Bahai-Gelehrter, der von Abdulbaha sehr geschätzt wurde, interessierte sich unter anderem für Religionswissenschaften und ließ sich von von zwei buddhistischen Gelehrten in die Grundlagen von diesem Glauben einweisen.
Abul-Fadl lebte auf Einladung Abdulbahas mehrere Monate in Akka.
(vgl. Der Fluss der Wahrheit, Farrokhzad 2004, S.201)

mMn muss Abdulbaha den Buddhismus gekannt haben, sonst wäre ja auch der Unterschied, den er in "Beantwortete Fragen" zwischen Konfuzius und Buddha macht ohne Grundlage.

In "Abdulbaha in London", bezieht er sich auf das mMn wenig bekannte Punnovada Sutta.
http://www.palikanon.com/majjhima/m145n.htm
@Long Road

Zitat:
Wie es auch nicht "DIE" Baha'i Religion gibt, da gibt es auch unterschiedliche Meinungen.

Wir können also ca. 6 Millionen Weltanschauungen mit ca. 500 Millionen Weltanschauungen vergleichen. Die Kombinatorik (falls die dafür zuständig ist) lehrt uns, dass da eine richtig große Zahl rauskommt.


Das stimmt sicher. Gleichwohl gibt die Bahai-Religion aber ein wesentlich einheitlicheres Bild als der Buddhismus.

Zitat:
Wenn sich die göttlichen Offenbarer nicht zum Buddhismus geäußert haben ist der ganze Thread sehr spekulativ.


Bahaullah hat - soweit mir bekannt - den historischen Buddha nicht namentlich benannt. Sehr wohl hat er aber die 'theologische Grundlage' gelegt auf der später Abdulbaha und Shoghi Effendi vom historischen Buddha gesprochen hatte. Abdulbaha und Shoghi Effendi gelten den Bahai zudem als göttlich inspirierte und verbindliche Ausleger der Lehre Bahaullahs.

Zitat:
Das ist die denkbar schlechteste Methode. Wenn Konvertiten das Verhältnis der ehemaligen Religion zur momentan gewählten Religion beschreiben kommt nichts sachliches raus, egal welche Religionen betroffen sind.


Den Spieß kann man auch genauso umdrehen. Man könnte auch einfach jedem Buddhisten der nicht Bahai wird unsachlichkeit unterstellen.

Zitat:
Von den Baha'i liest man immer wieder das Gleichnis, dass alle Religionen wie verschiedene Blumen auf einer Wiese sind. Doch in diesem Sinne halten es einige leider immer wieder für notwendig zu beweisen, dass "Alle Blumen in Wirklichkeit Rosen sind!" oder "Dass ein Gänseblümchen in Wirklichkeit früher auch mal eine Rose war!".


Ehrlich gesagt weiß ich jetzt nicht einmal ganz genau welches Gleichnis du meinst. Wie dem auch seien möge: die Bahai-Religion behauptet nicht, dass alle Religionen gleich sind, sondern das sie in verschiedenen Kontexten jeweils einen göttlichen Auftrag darstelleln.
ziraki hat folgendes geschrieben:
In "Abdulbaha in London", bezieht er sich auf das mMn wenig bekannte Punnovada Sutta.
http://www.palikanon.com/majjhima/m145n.htm


Naja... jedoch alles andere als wortgetreu.

Buddha hatte Jünger und wollte sie in die Welt hinausschicken, damit sie die Lehre verbreiten. Also stellte Er ihnen Fragen, um zu sehen, ob sie so vorbereitet waren, wie Er es sich wünschte. Wenn ihr nach Osten oder nach Westen geht, sagte Buddha, und die Menschen vor euch ihre Türen verschließen und nicht mit euch sprechen wollen, was macht ihr dann? Die Jünger antworteten: Wir werden sehr dankbar sein, dass sie uns kein Leid antun .Und wenn sie euch verletzen und verspotten, was tut ihr dann?Wir werden sehr dankbar sein, dass sie uns nicht noch schlimmer behandeln.Wenn sie euch ins Gefängnis werfen?Wir werden dennoch dankbar sein, dass sie uns nicht töten.Gesetzt den Fall sie töten euch? fragte der Meister ein letztes Mal. Noch immer, antworteten die Jünger, werden wir dankbar sein, weil sie uns zu Märtyrern machen. Gibt es ein glorreicheres Schicksal als zum Ruhme Gottes zu sterben? Und Buddha sagte: Ausgezeichnet!

Abdul Baha

Jetzt zum Vergleich der Punnovāda Sutta.

So hab' ich nun, Punno, dir in der Kürze eine Anleitung gegeben. In was für einem Lande wirst du weilen?"

"Da ich, o Herr, vom Erhabenen in der Kürze eine solche Anleitung erhalten, werde ich mich nach dem Lande der westlichen Suner, wie man sie nennt, begeben und dort weilen."

"Ein wildes Volk, Punno, sind die westlichen Suner, ein rohes Volk, Punno, sind die westlichen Suner. Wenn dich, Punno, die westlichen Suner schelten und beschimpfen werden, wie wird dir dann, Punno, zumute sein?"

"Wenn mich, o Herr, die westlichen Suner schelten und beschimpfen werden, dann wird mir also zumute sein: 'Wie gnädig sind doch diese westlichen Suner, wie so gnädig sind doch diese westlichen Suner, daß sie mich nicht mit Fäusten schlagen.' Also wird mir da, Erhabener, zumute sein, also wird mir da, Willkommener, zumute sein."

"Wenn dich aber, Punno, die westlichen Suner mit Fäusten schlagen werden, wie wird dir wohl dann, Punno, zumute sein?"

"Wenn mich, o Herr, die westlichen Suner mit Fäusten schlagen werden, dann wird mir also zumute sein: 'Wie gnädig sind doch diese westlichen Suner, wie so gnädig sind doch diese westlichen Suner, daß sie mich nicht mit Steinen werfen.' Also wird mir da, Erhabener, zumute sein, also wird mir da, Willkommener, zumute sein."

"Wenn dich aber, Punno, die westlichen Suner mit Steinen werfen werden, wie wird dir wohl dann, Punno, zumute sein?"

"Wenn mich, o Herr, die westlichen Suner mit Steinen werfen werden, dann wird mir also zumute sein: 'Wie gnädig sind doch diese westlichen Suner, wie so gnädig sind doch diese westlichen Suner, daß sie mich nicht mit Stöcken prügeln.' Also wird mir da, Erhabener, zumute sein, also wird mir da, Willkommener, zumute sein."

"Wenn dich aber, Punno, die westlichen Suner mit Stöcken prügeln werden, wie wird dir wohl dann, Punno, zumute sein?"

"Wenn mich, o Herr, die westlichen Suner mit Stöcken prügeln werden, dann wird mir also zumute sein: 'Wie gnädig sind doch diese westlichen Suner, wie so gnädig sind doch diese westlichen Suner, daß sie mich nicht mit Säbeln treffen.' Also wird mir da, Erhabener, zumute sein, also wird mir da, Willkommener, zumute sein."

"Wenn dich aber, Punno, die westlichen Suner mit Säbeln treffen werden, wie wird dir wohl dann, Punno, zumute sein?"

"Wenn mich, o Herr, die westlichen Suner mit Säbeln treffen werden, dann wird mir also zumute sein: 'Wie gnädig sind doch diese westlichen Suner, wie so gnädig sind doch diese westlichen Suner, daß sie mich nicht mit Säbelhieben umbringen.' Also wird mir da, Erhabener, zumute sein, also wird mir da, Willkommener, zumute sein."

"Wenn dich aber, Punno, die westlichen Suner mit Säbelhieben umbringen werden, wie wird dir wohl dann, Punno, zumute sein?"

"Wenn mich, o Herr, die westlichen Suner mit Säbelhieben umbringen werden, dann wird mir also zumute sein: 'Es gibt Jünger des Erhabenen, die Leib und Leben verabscheuen und verachten, tödliche Waffe zu finden suchen: die hab' ich nun, diese tödliche Waffe, und ohne sie zu suchen, gefunden.' Also wird mir da, Erhabener, zumute sein, also wird mir da, Willkommener, zumute sein."

"Recht so, recht so, Punno. Imstande sein wirst du, Punno, mit so milder Geduld begabt, im Lande der westlichen Suner zu weilen. Wie es dir nun, Punno, belieben mag."

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Realität ist etwas für Leute, die Angst vor Einhörnern haben!
Tobias hat folgendes geschrieben:
@Long Road

Zitat:
Wie es auch nicht "DIE" Baha'i Religion gibt, da gibt es auch unterschiedliche Meinungen.

Wir können also ca. 6 Millionen Weltanschauungen mit ca. 500 Millionen Weltanschauungen vergleichen. Die Kombinatorik (falls die dafür zuständig ist) lehrt uns, dass da eine richtig große Zahl rauskommt.


Das stimmt sicher. Gleichwohl gibt die Bahai-Religion aber ein wesentlich einheitlicheres Bild als der Buddhismus.


Warte noch 2500 Jahre, dann kannst du einen Vergleich zwischen dem jetzigen Buddhismus und der zukünftigen Bahai-Religion bezüglich Einheitlichkeit ziehen.
Zitat:
Warte noch 2500 Jahre...


Kein Problem, Tobias kann bestimmt so lange warten Dann hat er bestimmt eine gute Vogelperspektive...^^
Zitat:
Warte noch 2500 Jahre, dann kannst du einen Vergleich zwischen dem jetzigen Buddhismus und der zukünftigen Bahai-Religion bezüglich Einheitlichkeit ziehen.

Hi Luschn,
wenn wir beide es bis dahin nicht vergessen haben, dann sprechen wir nochmal drüber.

Ich bin allerdings davon überzeugt, dass die vielen Spaltungen und verschiedenen Richtungen wie sie in den früheren Religionen vorkamen bei den Bahai so nicht möglich sein können, da Bahá'u'lláh Seine Sache durch ein schriftlich festgelegtes Testament, in dem Er Vorkehrungen traf wie dann vorzugehen sei, vorgesorgt hat, was ja zuvor noch nie vorkam.

Und mach Dir mal einen Knoten ins Taschentuch damit wir zu gegebener Zeit nochmal drüber reden.

Liebe Grüße
Linde
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Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und Forderungen.
Bahá'u'lláh
luschn hat folgendes geschrieben:
Aber auch durch diese geringe Abweichung kann es ja zu essentiellen Unterscheidungen der ursprünglichen und jetzigen Lehre kommen.


Ich wollt damit zu Ausdruck bringen, dass ich nicht glaube, dass dies der Fall ist. Hast du einen Hinweis darauf, dass das anders sein könnte?
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Man kann Gläubige nicht überzeugen, da ihr Glauben nicht auf Beweisen beruht, sondern auf dem tiefen Bedürfnis zu glauben. - Carl Sagan.

Die Wahrheit siegt nie, ihre Gegner sterben nur aus.