Glaube ist Herzenssache


PapaLoooo hat folgendes geschrieben:
Eine wirkliche Gotteserfahrung kann nur dann möglich werden,
wenn man jegliche Vorstellung, wie Gott zu sein hat, ablegt.


Eine wirklich Familienerfahrung ist nur möglich, wenn man jede Vorstellung davon ablegt, wie Familie zu sein hat.

Ich finde den Satz paradox, warum sollte er gerade bei Gott Sinn machen?

Ich glaube an einen Gott, der sehr wohl will, dass wir eine Vorstellung von ihm haben. Selbstverständlich ist Gott immer größer als Alles was mit der Sprache über ihn ausgesagt werden kann. Aber uns eine Vorstellung von dem zu geben wie er ist und wie der Mensch von ihm gedacht ist - das ist Eigenschaft eines guten Vaters. Und genau das hat er getan in Jesus Christus. Ein Vater, der nur fern und im Verborgenen bleiben will ist nicht der Gott an den ich glauben will.
Hallo burkl,
Zitat:
Eine wirklich Familienerfahrung ist nur möglich, wenn man jede Vorstellung davon ablegt, wie Familie zu sein hat.


Da hast du aber mal einen schlauen Satz von dir gegeben! Jeder Soziologe in der Familienfürsorge wird dir sofort zustimmen.
Denn es gibt kein Familienkonzept, das für alle Familien zutrifft. Jede Familie ist anders und funktioniert auch in Details anders. Nur unsere grossen Vereinfacher wollen alles über einen Kamm scheren. Zwar gibt es gewisse Schemata, in die jede Familie zumindest teilweise reinpasst, sie sind aber nicht das "Mass aller Dinge".

Pjotr Kala
_________________
Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
Hallo burkl,
Zitat:
Eine wirklich Familienerfahrung ist nur möglich, wenn man jede Vorstellung davon ablegt, wie Familie zu sein hat.


Da hast du aber mal einen schlauen Satz von dir gegeben! Jeder Soziologe in der Familienfürsorge wird dir sofort zustimmen.
Denn es gibt kein Familienkonzept, das für alle Familien zutrifft. Jede Familie ist anders und funktioniert auch in Details anders. Nur unsere grossen Vereinfacher wollen alles über einen Kamm scheren. Zwar gibt es gewisse Schemata, in die jede Familie zumindest teilweise reinpasst, sie sind aber nicht das "Mass aller Dinge".



Die Frage ist aber, wie gut die Erfahrung mit einer Familie ist, die der Erwartung gegenüber einer Familie überhaupt nicht entspricht.
Man erwartet von der eigenen Familie keinen Verrat, keine Vernachlässigung, keine Gleichgültigkeit und keine Verletzungen. Ohngeachtet dessen, kann eine Familienerfahrung aber genau so aussehen. Von daher ist die Erwartungshaltung an eine liebevolle Familie wohl keine vorgefertigte Meinung, sondern ein Bedürfnis.

Nun sehe ich es aber auch so, dass die Vorstellung vom Wesen Gottes nicht unbedingt mit der Erwartung an eine Familie verglichen werden kann. Die Liebe, die uns die Familie gibt, ist zwar ein Abglanz der Einheit im All-Einen, doch die Aussage "Gott ist die Liebe" sehe ich in diesem Zusammenhang anders, wenn nicht sogar erklärungsbedürftig. Es ist ein Bedürfnis, dass Gott Liebe ist. Im diesseitigen Leben wird man das aber nicht immer erfahren, weil vielen die Berührung mit der Liebe fehlt, weil die Gotteserfahrung fehlt.

Ich denke auch nicht, dass Glaube Herzenssache ist. Liebe ist Herzenssache und Liebe kann ich ohne jedweden Glauben leben. Dagegen kann ich glauben und meine Auffassung auch jedem mitteilen, ohne einen Funken Liebe in mir haben zu müssen. Meine Motivation kann sein, einfach Recht haben zu wollen. Meine Motivation kann sein, zu wollen, dass alle so denke wie ich, weil es mir dann besser geht.
Wenn ich aber die Liebe lebe, dann ist es gleich, woran ich glaube.

Vor ein paar Tagen erst war ich in der Stadt. In der Fußgängerzone stand einer dieser Himmel-und Höllenprediger. Die Art des Vortrags war dumm-arrogant. Angesprochen hat mich das nicht, obschon ich glaube, dass es Ferne vom All-Einen gibt. Diese Ferne ist nur durch die Liebe zu überwinden. In Liebe hat dieser Prediger aber nicht gesprochen. Er erschien mir eher fanatisch.
Glaube ist Erfahrungssache. Begegnet mir nichts, was auf eine völlig andere Ebene des Seins hinweist, auf Gott verweist, dann kann ich auch nicht glauben. Ich kann aber ein Mensch des Herzens sein. Liebe ist Herzenssache. Glaube nicht. Liebe kann aber zu Glauben werden.
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
Denn es gibt kein Familienkonzept, das für alle Familien zutrifft. Jede Familie ist anders und funktioniert auch in Details anders.


Aber jedes Kind hat Vater und Mutter. Eine unabänderliche Tatsache. Und jedes Kind sehnt sich auch nach einer guten Mutter- und Vaterbeziehung. Ebenfalls eine unabänderliche Tatsache, die nicht "wegdiskutiert" werden kann.
Minou hat folgendes geschrieben:
Ich habe nicht den Eindruck, dass Burkl sich im Glauben gezwungen fühlt.


Das Extra ecclesiam nulla salus kann nur durch Zwang oder Arroganz aufrecht erhalten werden. Suchs dir aus.

Minou hat folgendes geschrieben:
Letztendlich gebietet jede Religion in gewisser Hinsicht Schranken.


Kommt drauf an wie der jeweilige seine Religion interpretiert. Ich bin Schrankenlos.
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Realität ist etwas für Leute, die Angst vor Einhörnern haben!
Pommes hat folgendes geschrieben:
Das Extra ecclesiam nulla salus kann nur durch Zwang oder Arroganz aufrecht erhalten werden. Suchs dir aus.


Nein, es kann auch tiefer Glaube dahinter stehen.

Pommes hat folgendes geschrieben:
Kommt drauf an wie der jeweilige seine Religion interpretiert. Ich bin Schrankenlos.


Das freut mich für Dich.
Aber genau genommen ist es doch bei einer Religion so, dass man die jeweilige Lehrmeinung 1:1 übernehmen sollte; und darüber hinaus sollte man sich besser keine Gedanken machen.

LG,
Minou
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»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Minou hat folgendes geschrieben:
Nein, es kann auch tiefer Glaube dahinter stehen.


Unglaubwürdig.

Minou hat folgendes geschrieben:
Das freut mich für Dich.
Aber genau genommen ist es doch bei einer Religion so, dass man die jeweilige Lehrmeinung 1:1 übernehmen sollte; und darüber hinaus sollte man sich besser keine Gedanken machen.


Würde ich als geistige Kastration empfinden. Wenn du deinen Glauben jedoch so leben möchtest dann sei es dir natürlich gegönnt. Jedem dem Seins.
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Realität ist etwas für Leute, die Angst vor Einhörnern haben!
Minou hat folgendes geschrieben:
Aber genau genommen ist es doch bei einer Religion so, dass man die jeweilige Lehrmeinung 1:1 übernehmen sollte; und darüber hinaus sollte man sich besser keine Gedanken machen.


Du meinst wohl den berühmten zynischen Ausspruch: "Hände falten, Goschn halten"? Das ist eine oft gehörte Spitze gegen die Kirche, die so eigentlich überhaupt nicht passt.

Schau dir einmal die großen Kirchenlehrer der Geschichte an, z.B Katharina von Siena, oder auch viele große Heilige, die waren keineswegs "auf Linie" hatten sogar oft am Meisten durch die Kirchenhierarchie zu leiden. Und dennoch sagte z.B. die gerade Genannte:

„Und selbst wenn der Papst ein fleischgewordener Teufel wäre, statt eines gütigen Vaters, so müssten wir ihm dennoch gehorchen, nicht seiner Person wegen, sondern Gottes wegen. Denn Christus will, dass wir seinem Stellvertreter gehorchen.“

– Brief 207

Die wahre Reform der Kirche spielt sich also durch den Leib der Heiligen ab, nicht auf dem "Reissbrett", darum ja auch die Differenzen zum Protestantismus, der im Grunde meint Kirche könne "generalstabsmäßig" geplant werden. Eine solche "selbstgemachte" Kirche ist aber nicht mehr auf dem Eckstein Christus gebaut.

Deshalb ja - natürlich gibt es in der katholischen Kirche unverrückbare Glaubenswahrheiten, aber diese werden lebendig gehalten durch die Heiligen, die Wahrheit ist so lebendig wie Christus.
Burkl hat folgendes geschrieben:
„Und selbst wenn der Papst ein fleischgewordener Teufel wäre, statt eines gütigen Vaters, so müssten wir ihm dennoch gehorchen, nicht seiner Person wegen, sondern Gottes wegen. Denn Christus will, dass wir seinem Stellvertreter gehorchen.“


Also dem Teufel dienen als besonders fromme Leichentreue zur Instutition Kirche. Letztendlich suggeriert der Satz das man sich aus Treue zur Kirche sogar gegen Gott stellen sollte. Klasse.

@Minou
Verstehst du jetzt was ich meine?
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Elem. Luft hat folgendes geschrieben:
Ich kann aber ein Mensch des Herzens sein. Liebe ist Herzenssache. Glaube nicht. Liebe kann aber zu Glauben werden.


Ja - ich würde sogar soweit gehen zu sagen, die Liebe ist das einzige Ziel des Glaubens. Ein "Glaube", der nicht zur Liebe führt ist tot, so wie derjenige des fanatischen Predigers, den du erwähnt hast.

Dazu fällt mir ein Zitat ein:

"Es ist traurig, kein Herz zu haben. Bedauernswerte Menschen, die nie gelernt haben, zärtlich zu lieben. Wir Christen sind in die Liebe verliebt. Der Herr will uns nicht trocken und starr wie leblosen Stoff. Er will uns durchtränkt von seiner Liebe!"

Hl. Josemaría Escrivá