Das Haus Bahaullahs in Bagdad wurde zerstört


Das Haus Bahaullahs in Bagdad gilt den Bahai als das 'Größte Haus' und 'Haus Gottes'. Bahaullah lebte dort von 1853 bis 1863, also nach Seiner Verbannung aus dem Iran und vor Seiner Deportation nach Istanbul (abgesehen von den zwei Jahren in denen Er sich in die Einsamkeit der Berge des irakischen Kurdistans zurückzog). Das Buch 'Aqdas' bestimmt dieses Haus als eines von zwei Zielen (das andere ist das Haus des Bab in Schiras, Iran) für die Pilgerreise der Bahai. Es handelt sich für Bahai um einen heiligen Ort.

Bereits 1922 wurde das Haus den Bahai von antibahaistisch eingestellten schiitischen Autoritäten im Irak entzogen. Zwar betonte der Völkerbund bereits damals, dass das Haus den Bahai zusteht, doch erhielten diese es bis noch bis zum heutigen Zeitpunkt nicht zurück.

Der letzte Stand der Erkenntnis war, dass es als Hostel für schiitische Pilger, welche die schiitischen Heiligtümer im Irak besuchen wollen, genutzt wurde. Es kamen Hoffnungen auf, dass mit der Demokratisierung des Iraks die Bahai eventuell ihr rechtmäßiges Eigentum zurückerhalten können.

Am 27. Juni 2013 wurde jedoch bekannt, dass das Haus Bahaullahs nun zerstört wurde. Die Umstände und die Täter dieses traurigen Vorfalles sind noch nicht bekannt.
Das Zerstören von Heiligtümern Fremdreligiöser war schon immer Teil des orthodoxen Islams. Seien es die zerstörten Buddha-Statuen von Bamiyan oder die Grabschändungen des Grabes Christi. Es ist ein äußerster Akt der Demütigung, an welcher sich diese Menschen aufs höchste erfreuen...
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Realität ist etwas für Leute, die Angst vor Einhörnern haben!
Pommes hat folgendes geschrieben:
Das Zerstören von Heiligtümern Fremdreligiöser war schon immer Teil des orthodoxen Islams. [...] die Grabschändungen des Grabes Christi. Es ist ein äußerster Akt der Demütigung, an welcher sich diese Menschen aufs höchste erfreuen...


Die Zerstörung der Grabeskirche im Jahr al-Hakim 1009 wurde durch den fatimidischen Kalif al-Hakim veranlasst. Die Fatimiden waren Ismailiten und damit gerade keine 'orthodoxen Muslime'. Diese Gruppe wird weder von Sunniten noch von Schiiten akzeptiert. Paradoxerweise waren die anderen fatimidischen Herrscher gerade besonders tolerant. Al-Hakim beschloss jedoch seine Vision des Islams in seinem Reich verbreiten zu wollen und unterdrückte und verfolgte aller Abweichler (welche gerade aufgrund der liberalen Politik seiner Vorgänger florierten). Entsprechend ist er noch heute bei orientalen Juden und Christen und Sunniten gleichermaßen verhasst. Mit seiner Politik hat er letztlich die Kreuzzüge und den Untergang seiner Dynastie ein. Alle islamischen Herrscher vor und nach ihm die Grabeskirche geschützt und niemals Hand an sie gelegt.

Dass Muslime sich an der Zerstörung der Grabeskirche 'erfreuen' würden ist unzutreffend. Es handelte sich um die intolerante Religionspolitik eines einzelnen, von der Mehrheit der Muslime verachteten, Herrschers.
Inzwischen gibt es auch eine Meldung des Bahai World News Service:

http://news.bahai.org/story/961


Umstände und Täter sind, soweit mir bekannt, noch immer nicht bekannt.
Wie schon erwähnt. Die Grabeskirche ist in der Sharīʿah geschützt, schon durch den Vertrag von ʿUmar ibn al-Khaṭṭāb raḍī Allāhu ʿanhu, als er die Schlüssel der Kirche übernahm.

Die Schlüssel der Grabeskirche sind heute noch in den Händen von Muslimen.

Wer die Kirche zerstört, der hat den Vertrag mit den Christen Jerusalems gebrochen.

ʿUmar ibn ʿAbd al-ʿAzīz hat den Christen von Zypern ihre Kirchen wieder zurückgeben, die unter der Herrschaft Muʿāwiyahs enteignet wurden.


Bzgl. Baghdād, gibt es da noch nichts Neues?
@Abd al-Rahman

Es gibt inzwischen einen weiteren Brief vom Universalen Haus der Gerechtigkeit zu dem Thema. Dort wird ausgeführt, dass das Haus Bahaullahs in Bagdad unter Denkmalschutz der irakischen Regierung stand und somit rechtlich vor dem Abriss geschützt war. Entgegen der Rechtslage wurde das Haus jedoch in drei Tagen und Nächten mit schwerem Gerät völlig zerstört um an seiner Stelle eine Moschee zu errichten.