Warum fühlen sich einige Leute aus dem Westen vom Buddhis...


...mus angezogen ?

Das ist doch voll die pessimistische Lehre, oder etwa nicht ? Eine EWIGE Welt in der man immer von neuem geboren wird (in Abhängigkeit davon wie man das Leben davor gelebt hat) und das Ziel ist es diesem Kreis der Wiedergeburt zu entwischen und ins Nirvana zu gelangen; ins Nichts.

Das hört sich doch alles sehr heidnisch an...und sehr traurig und verzweiflungsvoll.

Auf was soll da der Mensch hoffen ?
Tek. hat folgendes geschrieben:
Auf was soll da der Mensch hoffen ?


Auf das Nirvana und den Ausstieg aus dem ewigen Kreislauf des Leidens.
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Realität ist etwas für Leute, die Angst vor Einhörnern haben!
Spiel ohne Grenzen würde ich das nennen. Aber man darf immer wieder von vorne beginnen bis das Nirwana erreicht ist. Aber haben die anderen Religionen so viel mehr zu bieten? Habe da so meine Zweifel. Was macht das ewige Leben für einen Sinn was die drei grossen Religionen versprechen? Ewigkeit ist halt sehr schwer vorstellbar..
Wäre es nicht viel besser wenn alles irgendwann mal ein Ende hätte?
lilly46 hat folgendes geschrieben:
Ewigkeit ist halt sehr schwer vorstellbar..
Wäre es nicht viel besser wenn alles irgendwann mal ein Ende hätte?


Solange wir auf dieser Welt leben ist Glück immer etwas Vorübergehendes. Man könnte auch sagen, sobald man ein Glück erreicht hat, ist es schon wieder im Abklingen - die beste Ehe ist nicht nur Harmonie, der beste Urlaub hat Schattenseiten und Regen, von der besten Speise "isst man sich ab" - jedem Glück "fehlt etwas", jedes Glück hat einen Schuss Bitterkeit in sich- das Glück ist schon wieder im Gehen wenn man gerade an dessen Höhepunkt ist. Es hat keinen Sinn "Gipfelerlebnisse" hier festhalten zu wollen, es geht nicht. Die Jünger wollen das Glück schon hier auf der Erde, "drei Hütten bauen", die ihnen das Glück "festhalten", gar nicht mehr in die "Niederungen des Lebens" heruntersteigen von diesem Berg irdischen Glücks.

"Sechs Tage danach nahm Jesus Petrus, Jakobus und Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg, aber nur sie allein. Und er wurde vor ihren Augen verwandelt;
seine Kleider wurden strahlend weiß, so weiß, wie sie auf Erden kein Bleicher machen kann.
Da erschien vor ihren Augen Elija und mit ihm Mose und sie redeten mit Jesus.
Petrus sagte zu Jesus: Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija.
Er wusste nämlich nicht, was er sagen sollte; denn sie waren vor Furcht ganz benommen.
Da kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie, und aus der Wolke rief eine Stimme: Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören.
Als sie dann um sich blickten, sahen sie auf einmal niemand mehr bei sich außer Jesus.
Während sie den Berg hinabstiegen, verbot er ihnen, irgendjemand zu erzählen, was sie gesehen hatten, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei.
Dieses Wort beschäftigte sie und sie fragten einander, was das sei: von den Toten auferstehen." (Mk 9,2-10)

Bevor das ganz große bleibende Glück möglich ist, ist also das Durchschreiten von Endlichkeit und Tod notwendig. Dann - wenn das ganz große Glück da ist - hat die Zeit ihre Berechtigung und Funktion verloren. Dann sind nämlich alle Fragen, die sich in der Zeit gestellt haben, beantwortet:

"So seid auch ihr jetzt bekümmert, aber ich werde euch wiedersehen; dann wird euer Herz sich freuen und niemand nimmt euch eure Freude.
An jenem Tag werdet ihr mich nichts mehr fragen." (Joh 16,22 u 23)

Dann ist wirklich "Alles gut", dann wird alles bleiben und doch nicht Stillstand sein, sondern vollkommene Dynamik, in der wir Alles haben, ganz wir selbst sind, alle Fragen beantwortet sind, alles Unvollkommene vollkommen sein wird. Dann gibt es keinen Grund mehr dass "Alles aus" sein muss, um Erlösung zu bringen, dann ist und bleibt "Alles neu". Dann ist das wahre und bleibende Glück nach dem wir uns sehnen und dessen schattenhaften Abglanz wir jetzt erleben können Wirklichkeit. Dann werden wir das Leben haben, das uns niemand mehr nehmen kann.

"Da hörte ich eine laute Stimme vom Thron her rufen: Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein.
Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen.
Er, der auf dem Thron saß, sprach: Seht, ich mache alles neu. Und er sagte: Schreib es auf, denn diese Worte sind zuverlässig und wahr.
Er sagte zu mir: Sie sind in Erfüllung gegangen. Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende. Wer durstig ist, den werde ich umsonst aus der Quelle trinken lassen, aus der das Wasser des Lebens strömt.
Wer siegt, wird dies als Anteil erhalten: Ich werde sein Gott sein und er wird mein Sohn sein." (Offb 21,3-7)

Im Christentum ist also Ewigkeit der Einstieg in das vollkommene Personsein, in das vollkommene Geborgensein, in das vollkommene "Ich-selbst-Sein" - in das Anteilhaben an Gott, der Alles ist und zeitlos ist und indem wir als Kinder Gottes Anteil an ihm haben auch wir. Wenn man das so glauben und annehmen kann, dann ist das eine Vorstellung, die sehr erfüllend ist und die es in dieser Form in fernöstlichen Religionen nicht gibt. Ich persönlich kann mir daher nicht erklären, warum jemand - der den christlichen Glauben wirklich verinnerlicht hat - zum Buddhismus konvertieren sollte.
Hallo Burkl,
wenn ich die Buddisten richtig verstehe, wollen sie das, was du beschreibst gerade nicht.
Abgesehen von der "Seelenwanderung" ist der Buddismus wohl eher eine sehr meditative Religion, die das "Heil" nicht im "Jenseits" sucht, sondern eine Übereinstimmung des Menschen mit den Gesetzen des Universums und eher eine nach innen ausgerichtete Moral fordert als eine durch "Gott" oder "Offenbahrer" mittels Gebote oder Verbote als absolut richtig angesehe "Moral".

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
die das "Heil" nicht im "Jenseits" sucht,


Das tun wir Christen auch nicht. Wir glauben, dass der Himmel bereits hier "durchscheint", wenn man sich auf den Weg zu ihm macht. Es geht darum nicht bereits alles Glück von hier zu erwarten, wie es etwa der moderne Konsum-Materialismus dem Menschen vorgaukelt. Als Christ sehe und schätze ich sehr wohl das Glück, das bereits hier auf Erden ist - immerhin ist es Vorgeschmack auf das wahre Glück im Himmel - aber es ist nicht Alles, es geht besser, schöner und weiter - eben vollkommen. Wir sind also, gerade weil wir am Weg zu Himmel sind, mit beiden Beinen auf den Pfaden des Glücks in dieser Welt unterwegs.

"Der Weg zum Himmel ist Himmel."

Hl. Theresa von Avila
Viele Menschen im Westen lernen Achtsamkeitstechniken. Sie werden mit großem Erfolg in Selbsthilfe und Psychotherapie eingesetzt und können völlig ohne weltanschaulichen oder religiösen Hintergrund vermittelt werden.

Wenn man allerdings die Wirkung selber erlebt und etwas über die Wurzeln dieser Meditation erfährt, kann das zu weiterem Interesse an Buddhas Lehren führen.
Nicht alle Praktizierenden im Buddhismus glauben an Wiedergeburt. Nach meiner Einschätzung gibt es im Westen eher mehr Menschen auf buddhistischem Weg, die dazu keine feste Ansicht haben.

Der Buddha selbst hat in einer Kultur gelebt, in der der Glaube an Wiedergeburt fest verankert war.
Ich selber halte es für fraglich, ob er das als Dogma lehren wollte, oder nur die Anschauungen seiner Kultur genutzt hat, um seine Lehre über die Funktionsweise des menschlichen Geistes zu erklären.
Der Glaube an ein Paradies ist dem Buddhismus alles andere als fremd, lieber Burkl.

"Wenn man zu Recht von irgendetwas sagen wollte: 'Jenes ist äußerst erwünscht, äußerst willkommen, äußerst angenehm', so ist der Himmel derjenige, von der man zu Recht dies sagen sollte, so sehr sogar, daß es schwer ist, ein Gleichnis für das Glück im Himmel zu finden."

(Majjhima Nikāya 129. 32.)

Der Buddhismus geht sogar einen Schritt weiter als das Katholische Christentum und macht das Erreichen des Paradieses nicht von der Religionszugehörigkeit eines Menschen abhängig, sondern vom Herzen einer jeden Kreatur.

Ehrliche Anstrengung, Liebe, Weisheit und Geistigkeit zeichnen den Buddhismus bis heute aus. Ein Klerusloser undogmatischer Glaube der gänzlich nach innen gerichtet ist und jedem Menschen die Fähigkeit des Erwachens zugesteht. Zum Buddha zu werden. Auch Christen.
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Realität ist etwas für Leute, die Angst vor Einhörnern haben!
Pommes hat folgendes geschrieben:
Ehrliche Anstrengung, Liebe, Weisheit und Geistigkeit zeichnen den Buddhismus bis heute aus. Ein Klerusloser undogmatischer Glaube der gänzlich nach innen gerichtet ist und jedem Menschen die Fähigkeit des Erwachens zugesteht.


...und damit den Menschen letzlich auf sich alleine gestellt lässt. Ob es ein Mensch "schafft" oder nicht zum Heil zu gelangen obliegt seiner "spirituellen Leistungsfähigkeit". Such dir einen guten Meister und gibt dein Bestes - und wenn es scheitert liegt es an letzlich an dir.

Das Christentum hat ein barmherzigeres Menschenbild. Es geht um das Behütetsein in einem personalen Gegenüber, das unendliche Liebe ist - Gott. Über das Heil entscheidet also nicht unser Bemühen, sondern die Offenheit unser Herzens für Gott, der "mehr aus mir macht" als ich jemals aus Eigenem auch nur ansatzweise erreichen könnte. Ein tröstlicher Gedanke - Gott-Vater freut sich, wenn ich mich bemühe und unterstützt mich dabei - Erfolg oder Misserfolg sind beim liebenden Vater keine Kategorie - und gerade deshalb habe ich Vertrauen ins Leben, weil er mich vorbehaltlos liebt und ich ihn als Abba-"Papa" ansprechen kann, jederzeit - durch Jesus.
Burkl hat folgendes geschrieben:
...und damit auch den Menschen letzlich auf sich alleine gestellt lässt. Ob es ein Mensch "schafft" oder nicht zum Heil zu gelangen obliegt seiner "spirituellen Leistungsfähigkeit". Such dir einen guten Meister und gibt dein Bestes - und wenn es scheitert liegt es an letzlich an dir.


Auch hier gibt es einen sehr deutlichen Unterschied zwischen Buddhismus und Katholischen Christentum. Wie soll man im Spirituellen Sinne scheitern? Der Buddhist verfolgt kein Ziel wärend seiner Meditation. Das Ziel ist der Weg und der Wachstum auf diesem. "Scheitern" kann im Buddhistischen Sinne nur "umdenken" bedeuten. Was man also absolut nichts negatives ist. Der Buddhismus nimmt den Menschen mit allen seinen Schwächen, als einzig mir bekannte Religion, voll ernst und zeigt praktische Wege für ihn auf.

Burkl hat folgendes geschrieben:
Das Christentum hat ein barmherzigeres Menschenbild.


Der Buddhismus hat ein endgültiges Menschenbild. Er existiert um den tiefsten Wunsch eines jeden Menschen zu erfüllen.

„Nur eines lehre ich, jetzt wie früher: Das Leiden und das Ende des Leidens.“
– Siddhartha Gautama. Buddha.
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