Vortrag über die Hanifreligion des Propheten Abraham


Hallo Tobias,
Zitat:
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
hmm, ich frage mich nur, wie das in Einklang zu bringen ist mit einem allwissenden und allliebenden Gott, der zudem ewig und unwandelbar ist?

Du antwortest:
Indem man religiöse Wahrheit als relativ zu ihrem historischen und kulturellem Kontext sieht. Was nicht heißen soll, dass nicht auch ein ewig-wahrer Kern existiert.


Tja und genau da beginnt die Crux.
Wenn ich Wahrheit als relativ zum historischen und kulturellem Kontext sehe, eröffne ich einen Raum für individuelle Interpretation, die a) von vielen Religonen (und deren Anhängern) garnicht gewünscht wird oder b) zu Abspaltungen oder zu einer "I_ndividual-Religion" führt, die im Extrem-Fall nicht mehr viel mit der Ursprungs-Religion zu tun hat.
Das, was du den "ewig-wahren Kern" nennst, oder was auch in den sogenannnten "Goldenen Regeln" niedergeschrieben ist, wird höchstwahrscheinlich auch in einem total atheistischen moralischen Wertekonzept auf Dauer weiter Bestand haben.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
@Pjotr Kala

Zitat:
Tja und genau da beginnt die Crux.
Wenn ich Wahrheit als relativ zum historischen und kulturellem Kontext sehe, eröffne ich einen Raum für individuelle Interpretation


Auch akontextuelle Interpretationen haben einen Raum für verschiedenste Interpretationen. Fast alle Evangelikalen lehnen die historisch-kritische Bibelauslegung ab und sind trotzdem untereinander in der Lesart der Bibel hoch verstritten. Setze mal einen Sieben-Tages-Adventisten und einen Baptisten in einen Raum.

Zitat:
, die a) von vielen Religonen (und deren Anhängern) garnicht gewünscht wird oder b) zu Abspaltungen oder zu einer "I_ndividual-Religion" führt, die im Extrem-Fall nicht mehr viel mit der Ursprungs-Religion zu tun hat.


Wer definiert den Wunsch der Religion(en)? Zudem sind ganz besonders Fundamentalisten auch untereinander verstritten. Setze mal einen fundamentalistischen Schiiten und einen fundamentalistischen Sunniten in einen Raum. Es sind gerade die etwas 'liberaleren', die nach interreligiösen Dialog und 'Ökumene' suchen.

Von dem Fall nicht zu sprechen das ich Mitglied einer Religionsgemeinschaft ist, bei der all dies zentrale Lehren sind und die trotzdem nicht in ihre Einzelteile zerfällt, sondern sogar wächst und institutionell vereinheitlich bleibt.

Zitat:
Das, was du den "ewig-wahren Kern" nennst, oder was auch in den sogenannnten "Goldenen Regeln" niedergeschrieben ist, wird höchstwahrscheinlich auch in einem total atheistischen moralischen Wertekonzept auf Dauer weiter Bestand haben.


Eine durchaus ernst gemeinte Frage: kennst du eine völlig materialistische und atheistische Begründung der goldenen Regel? Ich ehrlich gesagt nicht. Es gibt zwar Begründungen die nicht genuin religiös sind (etwa die von Kant), aber weiterhin stark metaphysische Züge tragen, weshalb ich sie als quasi-religiös ansehen würde.
Hallo Tobias,
Genau, das meine ich ja, wenn es keine "zentrale" Auslegung der Schriften mehr gibt (oder sie als nicht mehr zeitgemäss angesehen werden oder aber auch "buchstabengetreu" ausgelegt werden), kommt es zur Zersplitterung und letztlich zu einer Indivdualisierung, die nur noch wenig mit der Ursprungs-Religion zu tun hat.
Der Wunsch nach einer Religion oder der Abstand dazu wird(wenn er nicht durch Erziehung wie z.B. bei den Zeugen Jehovas und ähnlichen Sekten bis zur Selbstverleugnung eingebleut wird) durch den einzelnen Menschen selbst definiert.
Die Bahai sind noch eine relativ junge Religion. Bei geringerer Mitgliederzahl wirkt Wachstum immer überproportional. Ausserdem hat sie viele Schwachpunkte anderer Religionen durch ihr spätes Entstehen elegant "umschiffen" können. Ob es zu Abspaltungen kommen wird, wird die Zukunft zeigen. Sicher bin ich mir, dass sich bei ca 13000 Schriften bei sorgfältiger Analyse etliche Schwachpunkte finden lassen werden.
Aber das ist nicht mein Problem. Ich reagiere höchstens auf mir hier im Forum nicht logische Aussagen.


Zitat:
Eine durchaus ernst gemeinte Frage: kennst du eine völlig materialistische und atheistische Begründung der goldenen Regel? Ich ehrlich gesagt nicht. Es gibt zwar Begründungen die nicht genuin religiös sind (etwa die von Kant), aber weiterhin stark metaphysische Züge tragen, weshalb ich sie als quasi-religiös ansehen würde.


Ich weiss nicht, wie andere sie begründen. Für mich sind Wertekonzepte einfach erforderlich, um das Zusammenleben von Menschen zu ermöglichen. Ein Einsiedler braucht keine Wertvorstellungen, solange er nie Kontakt zu anderen Lebewesen hat.

Pjotr Kala
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