Verse Aristoteles'


[quote="linde"]
Zitat:
Zitat:
Aussage von Àbdu'l-Bahá in einem anderen Zusammenhang:

>Wenn er (der Mensch) seinen Ärger und Zorn gegen blutdürstige Unterdrücker, die wilden Tieren gleichen, richtet, so ist dies ebenfalls sehr lobenswert; wenn er aber diese Eigenschaften nicht in der richtigen Weise anwendet, so sind sie zu tadeln.<

Meine persönliche Meinung wäre, dass man nicht in gleicher Weise zurückschlägt wie der Unterdrücker oder eben derjenige der anderen schadet oder sie benachteiligt, sondern trotz Wut und Zorn höflich aber bestimmt Grenzen setzt wo es möglich ist und ihn in seine Schranken weist.


Meine persönliche Meinung ist, dass man bei einem blutrünstigen Unterdrücker mit Höflichkeit nicht sehr weit kommt. Ich fürchte sogar, dass der ausgelebte Zorn gegen ihn - gleichwohl er mutig sein mag - eher zum eigenen Tod führt, denn zu einem Gesinnungswandel des tiergleichen (was wohl gewissenlos und triebgesteuert meint) Unterdrückers. Ich würde da zum Ausharren, wenn möglich zum Rückzug/zur Flucht raten.

Thema Grenzsetzung: Das scheint doch in Kreisen von Religiösen, Philosphen und Harmoniebedürftigen ein Dauerthema zu sein. Sich auf den "aufrichtigen Pfad" zu begeben heißt leider immer auch dadurch der besonders erhöhten Erwartungshaltung des Publikums entsprechen zu wollen/müssen oder gar der eigenen.

Nochmal zurück zu Aristoteles:

Was alle glauben, dass behaupten wir, ist wahr. Wer diesen übereinstimmenden Glauben der Menschheit verwirft, wird schwerlich Glaubwürdigeres zu sagen wissen.
(Aristoteles, Philosophische Schriften 3, Lust, Zehntes Buch, Kapitel Zwei)


Was denkt ihr, ist es, was a l l e Menschen glauben? Gibt es etwas, das alle glauben?

Ist es die Liebe? Ist es die Gerechtigkeit? Ist es Gott und ist dies gleichbedeutend?
Am ehesten glauben vielleicht alle an die Liebe. Jedenfalls bevor sie enttäuscht worden sind...
Elem. Luft hat folgendes geschrieben:
Ich würde da zum Ausharren, wenn möglich zum Rückzug/zur Flucht raten.


Damit sich das "Gerechte" als feige präsentiert und am eigenen Beispiel zeigt wie viel lohnender das unterdrückerische Weg ist? Na klasse...

Elem. Luft hat folgendes geschrieben:
Was denkt ihr, ist es, was a l l e Menschen glauben? Gibt es etwas, das alle glauben?


Die von dir angebrachte Naivität wäre schonmal auf viele Menschen übertragbar. "Alle" bestimmt nicht. Zum glück.
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Realität ist etwas für Leute, die Angst vor Einhörnern haben!
Deine Ausführungen machen kaum deutlich, woran du konkret denkst, wenn du so etwas schreibst und sind so nicht verständlich.
Davon abgesehen wirst du persönlich. Das ist nicht zielführend. Es geht um Gedanken zu Versen Aristoteles bzw. exkursmäßig um einen Vers Àbdu'l-Bahás. Du kannst deine Gedanken als persönliches Statement für eine beipielhafte Situation zum Ausdruck bringen. Dabei ist es nicht ohne Belang ob der blutdürstige Unterdrücker ein Einzelner ist oder jemand der ein ganzes Heer hinter sich hat, während der Aufständige eventuell völlig alleine auftritt. Es geht vor allem darum, ob so ein mutiger Einzelauftritt für die Gemeinschaft der Unterdrückten überhaupt etwas bringt.
Elem. Luft hat folgendes geschrieben:
Deine Ausführungen machen kaum deutlich, woran du konkret denkst, wenn du so etwas schreibst und sind so nicht verständlich.


Aber scheinbar hast du mich doch gut verstanden.

Elem. Luft hat folgendes geschrieben:
Davon abgesehen wirst du persönlich. Das ist nicht zielführend.


Wenn mir deine persönliche Meinung nicht gefällt dann weise ich sie auch persönlich zurück. Ich sehe auch nicht das ich deshalb irgendwo an Sitte und Form verloren hätte.

Elem. Luft hat folgendes geschrieben:
Es geht um Gedanken zu Versen Aristoteles bzw. exkursmäßig um einen Vers Àbdu'l-Bahás. Du kannst deine Gedanken als persönliches Statement für eine beipielhafte Situation zum Ausdruck bringen.


Da muss ich sofort an Spartacus denken. Gutes Beispiel?

Elem. Luft hat folgendes geschrieben:
Dabei ist es nicht ohne Belang ob der blutdürstige Unterdrücker ein Einzelner ist oder jemand der ein ganzes Heer hinter sich hat, während der Aufständige eventuell völlig alleine auftritt. Es geht vor allem darum, ob so ein mutiger Einzelauftritt für die Gemeinschaft der Unterdrückten überhaupt etwas bringt.


Freilich ist das Verhalten gegenüber einer unterdrückerischen Person immer Situationsbedingt. Abdul Bahas Zitat lässt sich auf einen großen Personenkreis ausweiten und ist nicht an unterdrückerische Diktatoren oder ähnliches gebunden. Er sprach von Menschen unterdrückerischer Natur im allgemeinen. Du hast dazu geraten das man sich gegenüber solchen Menschen tolerant oder feige verhalten solle. Das ist eine Einstellung die sich mit meinem Denken absolut beißt.

Die Geschichte zeichnet deutlich dass das aktive auflehnen gegenüber Unterdrückern jeglicher Art letztendlich langfristig lohnender für die unterdrückte Gesellschaft war als auszuharren oder zu fliehen.
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Realität ist etwas für Leute, die Angst vor Einhörnern haben!
Elem. Luft hat folgendes geschrieben:

Dabei ist es nicht ohne Belang ob der blutdürstige Unterdrücker ein Einzelner ist oder jemand der ein ganzes Heer hinter sich hat, während der Aufständige eventuell völlig alleine auftritt. Es geht vor allem darum, ob so ein mutiger Einzelauftritt für die Gemeinschaft der Unterdrückten überhaupt etwas bringt.


Ärger/Wut/Zorn mit Nachdenklichkeit und abwägen von Konsequenzen zu verbinden, ist schon mal eine hohe Leistung.

Zitat:
Was denkt ihr, ist es, was a l l e Menschen glauben? Gibt es etwas, das alle glauben?


Alle Menschen, ich weiß nicht. Aber, ich meine, immer mehr glauben, dass die Vernunft, die große Möglichkeit der Menschen ist und dass Bildung, dazu verhilft diese Ressource zu nutzen.

Ich selber glaube, dass wir in einer Zeit leben, in der sich Wissen sehr viel schneller multipliziert, als jemals zuvor und unglaubliche Chancen damit verbunden sind.
Pommes:
Zitat:
Er sprach von Menschen unterdrückerischer Natur im allgemeinen. Du hast dazu geraten das man sich gegenüber solchen Menschen tolerant oder feige verhalten solle.


Er sprach von blutdürstigen Untedrückern.
Von Toleranz habe ich nicht gesprochen, sondern dazu geraten, sein Leben zu bewahren und daher auszuharren bzw., wenn möglich, sich zurückzuziehen und das ausgehend davon, sich als Einzelperson allein gegenüber einem Unterdrücker mit Heer im Rücken zu befinden.
Du hast eine andere Meinung. Schön. Handle du nach deinen Maßstäben. Ich lehne mich dann auf, wenn ich eine reelle Chance sehe, für mich und die Anderen auch langfristig etwas bewirken zu können.



Ziraki:
Zitat:
Alle Menschen, ich weiß nicht.


Ich weiß auch nicht, was Aristoteles mit "alle" meinte. Vielleicht alle Athener oder alle Makedonier oder alle Gelehrten oder einfach "die Mehrheit". Es ist sicher richtig, dass es kaum etwas gibt, woran alle glauben.

Ziraki:
Zitat:
Aber, ich meine, immer mehr glauben, dass die Vernunft, die große Möglichkeit der Menschen ist und dass Bildung, dazu verhilft diese Ressource zu nutzen.


Seit der Aufklärung mag das in Westeuropa so sein. Ich glaube aber schon, dass Menschen anderer Erdteile unsere Begeisterung für die Vernunft nicht teilen. Man findet dort auch viel Aberglauben, entsprechende Rituale, etc. . Dort gilt es vielleicht als unvernünftig, Hühnerkopforakel nicht zu nutzen, wer weiß?
Deine Gedanke gefällt mir aber. Bildung ist immer ein Weg zum Guten und verbessert sowohl die Chancen des Einzelnen als auch ganzer Gesellschaften.

Vernunft bei Aristoteles meint das "rechte Maß", wobei man manchmal schon schmunzeln kann, wie sehr er bemüht ist, Affekte oder Eigenschaften zu dreiteilen bzw. den drei Teilen dann passende Namen zu geben.

Zum Beispiel:

Auch beim Zorn gibt es ein Übermaß, einen Mangel und eine Mitte. Da aber die Sprache fast keinen Namen dafür hat, so wollen wir den Menschen, der die Mitte einhält, sanftmütig und die Mitte entsprechend Sanftmut nennen. Von den Extremen soll der, der das Zuviel hat, zornmütig und sein Fehler Zornmütigkeit heißen, wer das Zuwenig hat, etwa zornlos und das Zuwenige Zornlosigkeit.
Es gibt auch noch drei andere Mitten, die zwar in einer Hinsicht miteinander übereinstimmen, aber im Übrigen verschieden sind. Sie beziehen sich alle drei auf den geselligen Verkehr in Worten und Handlungen, unterscheiden sich aber dadurch, dass die eine sich auf die Wahrheit in denselben bezieht, die beiden anderen auf das Angenehme, einmal das Angenehme des Scherzes und dann das Angenehme im sonstigen Verkehr. Auch hierüber müssen wir sprechen, damit wir desto deutlicher erkennen, dass die Mitte in allem das Lobenswerte ist, die Extreme aber weder recht noch lobenswert sind, sondern tadelnswert.

(Aritstotels, Tugend, Siebentes Kapitel)


Nun, wo er Recht hat, hat er Recht.
„Wer alles flieht und fürchtet und nirgends standhält, wird feige, wer aber nichts fürchtet und auf alles losgeht, wird tollkühn. Ebenso wird, wer jede Lust genießt und sich keiner Lust enthält, unmäßig, wer aber jede Lust meidet wie ein ungehobelter Bauer, wird unempfindlich.“


Wie so oft macht Aristoteles deutlich, dass das rechte Maß unserers Bestrebens über unseren Charakter entscheidet.
Schön ist immer, dass man durch Selbsterkenntnis auch die Möglichkeit bekommt, sich zu verändern, deshalb ist Selbsterkenntnis die Grundlage für alles was wir tun, auch im Umgang miteinander. Wer weder feige noch tollkühn sein möchte, weder unmäßig noch unempfindlich, der muss sich selbst erforschen. Selbst Religion bleibt ohne Selbsterkenntnis sinnlos.
Diesen Vers und auch deine Gedanken dazu, finde ich sehr gut. Das Religion ohne Selbsterkenntnis sinnlos ist, das habe ich mehrfach erfahren.
Liebe Grüße
Ribea
" das rechte Mass und Selbsterkenntnis "

bei Trauer ist es so, dass jeder seinen eigenen Weg und
seine eigene Bewältigungsstrategie konzipiert
- NIEMAND kann es überhaupt besser wissen.

Ich glaube Religion funktioniert genau so.