Frage an Bahai


Burkl hat folgendes geschrieben:
Tobias hat folgendes geschrieben:
Offenbarung hat aus Sicht der Bahai zwei Aspekte: einen relativen, sich wandelnden, auf das Irdische bezogenen und einen absolute, ewigen und auf das Göttliche bezogenen Teil.


Wie kann aber eine perfekte Spiegelung des absolut Vollkommen auch gleichzeitig zeitgebunden und damit relativ sein. Ich steige da von der Denklogik her aus.

Aber ist es ja ein religiöses Dogma, das zum Unterschied philosophischer Aussagen ja nicht völlig der menschlichen Logik zugänglich sein muss.


Die geistige Aufnahmekapazität und Bedürfnisse der Menschen sind in verschiedenen Zeitaltern unterschiedlich. Gott dagegen ist über jeden Wandel und jede Relation erhaben. Deshalb muss seine Offenbarung in diese Welt auch relativ sein, sonst könnte der irdische Mensch sie nicht empfangen.

Ein Spiegelung ist nicht das Gespiegelte selbst, selbst wenn der Spiegel perfekt geeignet ist für bestimmte Bedingungen.

Das ist, mit Verlaub, durchaus logisch. Zumindest wenn man drei Grundbedingungen akzeptiert: 1) Gott ist ewig und über jede Veränderung erhaben; 2) die Schöpfung ist dem Wandel und der Relation unterworfen; und 3) das Erkenntnis auf gewissen Bedingungen beruht, darunter die Ähnlichkeit von Erkennendem und zu erkennendem.
Tobias hat folgendes geschrieben:
Die geistige Aufnahmekapazität und Bedürfnisse der Menschen sind in verschiedenen Zeitaltern unterschiedlich. Gott dagegen ist über jeden Wandel und jede Relation erhaben.Deshalb muss seine Offenbarung in diese Welt auch relativ sein


Sehnt sich der Mensch nicht letztlich nach dem Absoluten und will sich nicht mit dem Relativen, temporär Begrenzten, begnügen?

Was wäre, wenn die Grenze zwischen offenbartem Wort und Offenbarer aufgehoben würde? Könnte es dann nicht doch die absolute Offenbarung Gottes in dieser Welt geben?

"Im Anfang war das Wort, / und das Wort war bei Gott, / und das Wort war Gott." (Joh 1,1)

Und was wäre wenn die Grenze zwischen offenbartem Wort Gottes und seinem Adressaten aufgehoben würde? Könnte dann nicht die unüberwindliche Barriere zwischen kleinem begrenztem Menschen und großem erhabenem unendlichen Gott fallen?

"Und das Wort ist Fleisch geworden / und hat unter uns gewohnt" (Joh 1,14a)
Burkl hat folgendes geschrieben:

Was wäre, wenn die Grenze zwischen offenbartem Wort und Offenbarer aufgehoben würde? Könnte es dann nicht doch die absolute Offenbarung Gottes in dieser Welt geben?




Wenn du die Grenze aufhebst zwischen Gott und den Menschen bzw. den Offenbarern, so hast du ja gar kein Wort mehr, denn Gott selbst offenbart sich ja nicht als Wort, sondern als Licht, also wortlos in Form von reiner Liebesenergie, also das Wort ist ja schon heruntertransformierte Energie und schon nicht mehr "nur" Gott; und dann würden die Menschen einfach nur verbrennen, denn niemand kann so ohne weiteres die reine Energie Gottes vertragen, deshalb gibt es ja schrittweise Entwicklung, um sich Gott langsam anzunähern, um nicht zu verbrennen.
Und schrittweise Offenbarung, sowohl in der Welt als auch für den einzelnen Menschen.
Was für den einen richtig ist, kann für einen anderen ganz falsch sein.
Darum gibt es ja auch diese Vielfalt.

Wäre halt nur einfach schöner, wir könnten die Vielfalt bewundern wie eine bunte Blumenwiese und nicht immer weiter darum streiten, wessen Blume die einzig richtige ist...
@Burkel

Zitat:
Sehnt sich der Mensch nicht letztlich nach dem Absoluten und will sich nicht mit dem Relativen, temporär Begrenzten, begnügen?


Doch, den Zugang dazu hat er ja durch die Manifestationen Gottes.

Zitat:
Was wäre, wenn die Grenze zwischen offenbartem Wort und Offenbarer aufgehoben würde? Könnte es dann nicht doch die absolute Offenbarung Gottes in dieser Welt geben?


Was hat beides miteinander zu tun?

Zumal: eine andere (vielleicht vollständigere?) Bezeichnung für "Manifestation Gottes" ist eigentlich "Manifestation des Befehl Gottes" und das "Wort Gottes" ist nichts weiter als sein Befehl.

Manifestation Gotte gelten den Bahai auch als lebendige Bücher Gottes.

Zitat:
Und was wäre wenn die Grenze zwischen offenbartem Wort Gottes und seinem Adressaten aufgehoben würde?


Dann hat derjenige sich Gott völlig hingegeben.
Glühwürmchen, du bringst so vieles so einfach und klar auf den Punkt. Das gefällt mir

Übrigens war das mit der Aggression von Longroad bestimmt nicht ernst gemeint, ich bin mir ziemlich sicher, dass er nur einen Scherz gemacht hat, weil hier in letzter Zeit immer Wieder durchaus aggressive Diskussionen zu solchen und ähnlichen Themen stattgefunden haben.

Alles Liebe,
Riki
Schon recht, ich hab nur gelernt, die Dinge gleich klar zu stellen, so wie sie von mir gedacht sind....das kommt ja öfter im Leben vor, dass man so dies und das in die Schuhe geschoben bekommt, je nach Wetterlage...
Glühwürmchen hat folgendes geschrieben:
Wenn du die Grenze aufhebst zwischen Gott und den Menschen bzw. den Offenbarern, so hast du ja gar kein Wort mehr, denn Gott selbst offenbart sich ja nicht als Wort, sondern als Licht, also wortlos in Form von reiner Liebesenergie,


Tobias hat folgendes geschrieben:
Manifestation Gottes gelten den Bahai auch als lebendige Bücher Gottes.


Liebe ist in ihrer höchstem Form aber niemals "wortlos", liebes Glühwürmchen. Liebe ist die höchste Form dessen was mitgeteilt werden kann - wenn auch nicht mit Zeichen und Buchstaben.

Das über Allem stehende Wort Gottes, seine Liebe, ist nach christlichem Glauben in keinem Buch zu finden, nicht in Buchstaben, sondern eben im menschlichen Fleisch. In dem einen Menschen, der sich völlig im "Schnittpunkt" zwischen Himmel und Erde seiend mit Gott vereinigt - und so zum "Einfallspunkt" des göttlichen All erfüllenden Lichtes wird.
Im Schnittpunkt des Kreuzes ist der Unterschied zwischen vertikalem und horizontalem Balken - zwischen Himmel und Erde, zwischen Mensch und Gott - aufgehoben. Und genau dort hing Christus.

Im Kreuz war nur die Gottheit verborgen,
aber hier ist zugleich auch die Menschheit verborgen.
aus "Adoro te devote"

Tobias hat folgendes geschrieben:
Burkl hat folgendes geschrieben:
Und was wäre wenn die Grenze zwischen offenbartem Wort Gottes und seinem Adressaten aufgehoben würde?


Dann hat derjenige sich Gott völlig hingegeben.


Ja - und das ist nur dann möglich, wenn ein Mensch die Liebe vollkommen lebt, mehr noch: Reine Liebe mit seinem ganzen Wesen ist - ohne jeden Makel, ohne jedes Staubkörnchen, vollkommen reine makellose Liebe.
Burkl hat folgendes geschrieben:

Liebe ist in ihrer höchstem Form aber niemals "wortlos", liebes Glühwürmchen.


Um das beurteilen zu können, müsstest du aber schon die höchste Form der Liebe kennen, und ich bezweifle stark, dass du dich dann noch für ein System einsetzen würdest, das einem zu Tode gefolterten Menschenopfer huldigt und Millionen von Tote auf dem Gewissen hat.
Das wäre dir nämlich dann äußerst peinlich.

Um Missverständnissen gleich vorzubeugen: ich bin mir sicher, dass ich nicht die höchste Form der Liebe kenne, aber ich bin immerhin so weit, gewalttätiges Verhalten nicht auch noch gut zu heißen und weiter zu vertreten, nur weil es die weitere materielle Versorgung sichert.
glühwürmchen hat folgendes geschrieben:
Um das beurteilen zu können, müsstest du aber schon die höchste Form der Liebe kennen,


Was Liebe ist kann jeder Mensch erkennen und erfühlen, weil sie der Wesenskern unserer Seele ist, unser eigentliches Ziel.
Die höchste Form der Liebe, das Wesen der Liebe ist die "Selbstentäußerung".
Liebe ist sozusagen "Existenz auf den Anderen zu legen" - von der "Selbstexistenz" zur "Proexistenz" zu gelangen: Leben, damit andere leben können - als äußerste Konsequenz vielleicht auch das körperliche Leben hinzugeben.
Liebe ist ein ständiger Weg, liebes Glühwürmchen - ich nehme nicht in Anspruch dort schon angekommen zu sein. Ich glaube aber sehr wohl, dass es ein Mensch geschafft hat an dieses höchste Ziel zu gelangen - Jesus Christus. Und das gibt mir die Kraft diesen Weg weiterzugehen - in seiner Spur.

"Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt." (Joh 15,13).