Trauer!


Welche und wieviele Arten von Trauer gibt es?
Ich frage das, weil ich immer wieder auf trauernde und aus anderen gründen traurige Leute treffe, die meinen nur ihr eigenes leid sei das grösste Leid, und nur sie dürfen traurig sein und sonst keiner, und welchen Grund hat es das andere die traurig sind und trauern, sich nicht mit daran beteiligen und mitfühlen dürfen?
Irgendwie ist doch das an sich schon traurig genug, finde ich, wieso können trauernde nicht erkennen, das da noch seinesgleichen ist und man das Leid teilen möchte, wieso wird das von anderen trauernden nicht anerkannt?
Es ist nach wie vor ein grosses Rätsel für mich.
Nimm einen Bekanten und gib ihm einen Hammer in die Hand! Nun nimm auch einen Hammer und jeder von euch haut sich damit auf den Daumen. Wetten das du sagst das dein Daumen mehr schmerzt als seiner! So ist es auch mit der Trauer! Der eigene schmerz ist immer der Schlimmste, und den kann und will man auch nicht teilen.
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Die Herrschende Berichterstattung ist die Berichterstattung der Herrschenden!.

! Erst wenn man sieht wie viele versuchen die Zeichen der Zeit zu lesen! sieht man wie viele Analphabeten herumrennen! -Ferstl.
Ich meine, Trauer ist nicht immer trostlos, sondern ein fastliches Besinnen im Verzicht oder im Sehnen nach etwas.
Be-stile-zen hat folgendes geschrieben:
Welche und wieviele Arten von Trauer gibt es?


Ich würde sagen der Mensch ist ein Wesen, das sich nach Befriedigung sehnt. Wenn Bedürfnisse nicht befriedigt sind, dann setzt Trauer ein.

Diese Bedürfnisse haben unterschiedliche "Ebenen", ein Teil der Bedürfnisse kann und muss durch die materielle Wirklichkeit abgedeckt werden, also durch andere Lebewesen, die uns als Nahrung dienen, durch eine Behausung, durch einen Partner und eine Familie. Durch Materielles wird unsere "materielle Existenzebene" befriedigt, ohne die wir nicht in der materiellen Welt leben könnten.

Aber auch Menschen deren "materielle Existenzebene" zur Gänze befriedigt ist, sind deshalb lange nicht frei von Trauer, denn die Materie hat "Kanten", sie tut uns mitunter sogar sehr weh. Essen kann uns krank machen, unsere Häuser werden kaputt, wir haben Unfälle und erleiden Schicksalsschläge, Menschen enttäuschen uns immer wieder.
Man könnte also sagen die "materielle Bedürfnisbefriedigung" ist immer eine unvollkommene, weil sie stets "bedroht" ist, niemals "sicher mir gehört". Ich muss ihr also ständig aufs Neue "nachjagen".

Durch dieses "Nachjagen" nach materieller Bedürfnisbefriedigung ensteht aber die Gefahr, dass die tiefere Bedürfnisebene - der Hunger nach dem Übernatürlichen - gänzlich "überlagert wird", ja gar nicht mehr wahrgenommen wird.
Im reinen Konsumdenken und -streben, im Materialismus, wird sozusagen das Heil im Unheilen gesucht - denn die Materie ist offenkundig nicht "heil": Krankheit, Tod, Naturkatastrophen, Zerstörung und Verfall von Dingen, Verrat und Kränkung von anderen Menschen.

Deshalb ist der Mensch solange nicht frei von "existenzieller" Trauer und Schwere, solange sein Lebenssinn nicht auf dem vollkommen Guten und Unzerstörbaren gründet: Gott.

Oder anders formuliert: In dem Maße in dem mein Herz zuerst an der materiellen Wirklichkeit hängt, ist es der Vergänglichkeit und dem Schatten dieser Wirklichkeit ausgeliefert - was in einer tiefen Existenzebene eine "Grundtraurigkeit" mit sich bringt.
In dem Maße in dem mein Leben zuerst auf der unsichtbaren Wirklichkeit gründet - auf Gott - ist mein Leben Glück und Freude.
Peter.Trim hat folgendes geschrieben:
Ich meine, Trauer ist nicht immer trostlos, sondern ein fastliches Besinnen im Verzicht oder im Sehnen nach etwas.


Da ist etwas sehr Wahres dran, lieber Peter.
"Fasten" ist das Einüben in den Abschied vom Materiellen, der keinem Menschen erspart bleibt.
Der Sinn dahinter: Was ich geübt habe, macht mir nicht mehr soviel Angst.
Wenn ich mir alles "bis zum Schluss aufhebe" - wird schon psychologisch die Angst vor dem Verzicht auf Materielles und dem Schmerz durch Materielles immer schlimmer werden. Beides bleibt aber keinem Menschen erspart. Deshalb macht es Sinn zu üben - es kann Angst, Trauer und Schwermut vertreiben im Hinblick auf die kommenden Prüfungen.
@burkl:
Zitat:
Ich würde sagen der Mensch ist ein Wesen, das sich nach Befriedigung sehnt. Wenn Bedürfnisse nicht befriedigt sind, dann setzt Trauer ein.

Diese Bedürfnisse haben unterschiedliche "Ebenen", ein Teil der Bedürfnisse kann und muss durch die materielle Wirklichkeit abgedeckt werden, also durch andere Lebewesen, die uns als Nahrung dienen, durch eine Behausung, durch einen Partner und eine Familie. Durch Materielles wird unsere "materielle Existenzebene" befriedigt, ohne die wir nicht in der materiellen Welt leben könnten.

Aber auch Menschen deren "materielle Existenzebene" zur Gänze befriedigt ist, sind deshalb lange nicht frei von Trauer, denn die Materie hat "Kanten", sie tut uns mitunter sogar sehr weh. Essen kann uns krank machen, unsere Häuser werden kaputt, wir haben Unfälle und erleiden Schicksalsschläge, Menschen enttäuschen uns immer wieder.
Man könnte also sagen die "materielle Bedürfnisbefriedigung" ist immer eine unvollkommene, weil sie stets "bedroht" ist, niemals "sicher mir gehört". Ich muss ihr also ständig aufs Neue "nachjagen".

Durch dieses "Nachjagen" nach materieller Bedürfnisbefriedigung ensteht aber die Gefahr, dass die tiefere Bedürfnisebene - der Hunger nach dem Übernatürlichen - gänzlich "überlagert wird", ja gar nicht mehr wahrgenommen wird.
Im reinen Konsumdenken und -streben, im Materialismus, wird sozusagen das Heil im Unheilen gesucht - denn die Materie ist offenkundig nicht "heil": Krankheit, Tod, Naturkatastrophen, Zerstörung und Verfall von Dingen, Verrat und Kränkung von anderen Menschen.

Deshalb ist der Mensch solange nicht frei von "existenzieller" Trauer und Schwere, solange sein Lebenssinn nicht auf dem vollkommen Guten und Unzerstörbaren gründet: Gott.

Oder anders formuliert: In dem Maße in dem mein Herz zuerst an der materiellen Wirklichkeit hängt, ist es der Vergänglichkeit und dem Schatten dieser Wirklichkeit ausgeliefert - was in einer tiefen Existenzebene eine "Grundtraurigkeit" mit sich bringt.
In dem Maße in dem mein Leben zuerst auf der unsichtbaren Wirklichkeit gründet - auf Gott - ist mein Leben Glück und Freude.


Danke Burkl, hier sprichst Du mir aus dem Herzen. Toll, wenn man das so ausdrücken kann.

Ich lese das auch aus folgenden Worten:

Es gibt zwei Arten von Glück: physisches und geistiges. Das physische Glück ist begrenzt; es dauert höchstens einen Tag, einen Monat, ein Jahr. Es hat kein Ergebnis. Geistiges Glück ist ewig und unergründlich. Ein solches Glück erblüht in der Seele mit der Liebe Gottes und läßt sie die Tugenden und Vollkommenheiten des Menschenreiches erlangen. Deshalb bemühe dich so viel du kannst, die Lampe deines Herzens durch das Licht der Liebe zu erleuchten.
'Abdu'l-Bahá

Ich denke wenn ich glücklich bin, geb ich der Trauer weniger Raum, nur so viel wie ihr zusteht und nichts darüber hinaus.

Schöne Grüße
Linde
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Es ist die äußerliche Ausübung der Religion, die so verschieden ist, und sie ist es, die Streitigkeiten und Fendschaft wachruft.
Diese Traditionen, diese Dogmen sind wie die Schalen um den Kern.
'Abdu'l-Bahá
Wir dürfen den Kern nicht vergessen.
Ich war kürzlich an einem gespräch mehr oder weniger mit beteiligt.
Und ich fühlte mich wie im falschen film.
Was ich da wahrnahm, war das Leute deren Mütter gestorben waren zusammenhielten, als würden bei anderen menschen keine Verwandten gestorben sein, ich spürte deutlich eine Art von ausgrenzung, ich weiss das mütter meistens die Bezugspersonen Nummer eins für ihre Kinder sind, aber sind andere Verwandte die gestorben sind nichts wert gewesen, ich finde schon.
Zum Glück kam dann eine Person vorbei die die worte man findet immer einen Schuldigen wenn etwas schlechtes passiert, sagte und ich wusste sie hat sowas von Recht, schlagartig fühlte ich mich wieder dazugehörig.

Dazu muss man sagen die eine Person, kann mit sterbenden oder schwer kranken Menschen nichts mehr anfangen, und die andere Person, gibt der Mutter die schuld, das sie zu spät zum Arzt ging.
In zweiterem fall, war es doch mutters freie entscheidung, vielleicht hatte sie einfach angst oder keine Kraft mehr?
Es gibt einen dritten fall kein Sterbefall nur eine Trennung, die eigentlich keine richtige Beziehung war, nur we Beziehung.
Die Person tat als würde sie gelitten haben unter der trennung, wurde getröstet danach gab sie zu das sie selbst mitgemischt hat, da frag ich mich wieso wird falscher Trost gespendet, wo doe Person doch in wirklichkeit selbst falsch war?
Ich finde das wird immer kurioser.
Und wieso sind so viele Menschen, nicht ich ich trauere gerade nicht um jemanden, wieso sind so viele menschen ohne Trost und allein, die richtigen trost bräuchten, wieso verkennt man das?
Ich denke Trauer, bedeutet Verlust.
Und was jemand wirklich verliert, weiß nur der der gerade den Verlust durchlebt.
Daher kann man das nicht vergleichen, kein Verlust ist wie der andere.
Wenn man sich eben nur über den Tod der Mutter unterhalten möchte, bedeutet das nicht das man den Tod anderer Menschen herabsetzen will. Es geht hier wohl eher um Gemeinsamkeiten.
Darum können sich zb auch nicht Verlasser mit den Verlassenenen über ihre Trauer austauschen.
Sowas geht vielleicht irgendwann, aber nicht wenn die Trauer frisch ist.
Ich denke, dass ein seelisch reifer Trauriger nicht nur aufgrund des eigenen Aktuellen trauert, sondern schon eine gewisse Gesamtheit aller Trauernden vor Augen hat und mitfühlen kann.
Ich kann den worten von gala nur zustimmen.