Verweht


Verweht

In einem Dorf lebte eine Frau, deren böse Zunge durch üble Nachrede und falsche Gerchte immer wieder Streit und Unfrieden über ihre Mitmenschen
brachte.
Als eine Nachbarin sie zur Rede stellte, die sie mit einer besonders gemeinen Lüge verletzt hatte, sagte die Verleumderin: „Ich werde im Dorf
bekanntmachen, da es nicht stimmt. Dann ist alles wieder gut.“ – „Nicht alles,“ widersprach die Gekränkte, „etwas wird hängenbleiben. Es ist
wie mit den Federn.“ – „Mit was für Federn?“ – „Geh nach Hause, hol ein Kopfkissen, komm zu mir zurück und verstreue unterwegs alle Federn,“
sagte die Nachbarin.
Da die Frau ein schlechtes Gewissen hatte, kam sie diesem, ihr unverständlichen, Befehl nach und war nach kurzer Zeit zurück. „Und was
nun?“ fragte sie. – „Jetzt sammelst du alle Federn wieder ein.“ – „Das ist unmöglich! Ich streute sie wahllos aus. Der Wind hat sie längst verweht,“
wehrte sie sich. Die Nachbarin sagte: „So ist es auch mit übler Nachrede und bösen Gerüchten. Nie können alle ‚Federn’ wieder eingesammelt
werden. Nie werden alle Worte vergessen. Etwas bleibt hängen.“
Barbara Hug[/b]
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"Alle Religionen lehren, daß wir einander lieben und unsere eigenen Fehler herausfinden sollten, bevor wir uns erkühnen, die Fehler anderer zu verdammen, und daß wir uns nicht über unseren Nächsten erheben dürfen." -- Abdul-Baha