Die Bedeutung der Kreuzigung Jesu aus Sicht der Bahai


Lieber Schröder,

selbstverständlich gab es damals schon eine "Christenheit", nur dass ihre Zahl eben recht gering war.
Gut, ich muss gestehen, eine Gemeinde mit administrativer Ordnung oder Ähnlichem gab es damals noch nicht, das hat sich dann erst langsam entwickelt, aber eine Gemeinde in dem Sinne des Zusammengehörigkeitsgefühls, in dem Sinne, dass sie einer "Strömung" folgten, ... gab es durchaus.

Wobei ich gerade feststellen muss: Auch das wäre ein interessantes Thema für einen anderen Thread

Alles Liebe,
Riki (die jetzt eine gute Nacht wünscht)
Riki hat folgendes geschrieben:
Dass dieser Tod dann allerdings dazu geführt hat, dass Jesus erst recht Unsterblichkeit (in den Herzen der Menschen) erlangt hat


Zu Ostern geht es aus christlicher Sicht eben um mehr als dass Jesus "in den Herzen Unsterblichkeit erlangt hat". Denn das trifft wohl auf viele historische Persönlichkeiten zu und macht ihn zu nichts Besonderem.

Bei einer "rein geistigen Auferstehung" gäbe es keine Erklärung für die plastischen und glaubwürdigen Schilderungen des Evangeliums der neuen Leiblichkeit des nach seiner Kreuzigung vom Grabe zurückgekehrten Herrn Jesus: Jesus lässt sich beispielsweise an seinen Wunden berühren und nimmt gemeinsam mit den Jüngern irdische Nahrung zu sich. Es ist also eine neue Leiblichkeit, die er hatte, bevor er endgültig in den Himmel auffuhr und sich "zur Rechten des Vaters" setzte.

Dieses "zur Rechten des Vaters sitzen" bedeutet das Eingehen von Jesus von Nazareth in die universelle Allmacht und Allgegenwart Gottes. Daher ist das Andenken an Jesus Christus kein "Stück Geschichte", sondern immerwährende reale Gegenwart.
Jesus ist also nach christlichem Glauben nicht nur in den Gedanken und Herzen der Gläubigen, sondern auf Grund seiner Auferstehung und Himmelfahrt örtlich und zeitlich allumfassend für die ganze Welt und alle Menschen anwesend. Bis ans Ende dieser Welt.
Schröder hat folgendes geschrieben:

wenn Gott seinen Sohn sendet, damit dieser geopfert werde um diese Menschen zu retten, was ist es denn dann?


Ich möchte, um dieses oft gehörte Missverständnis aufzuklären, die Philosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz zitieren:

"Amare amare est, Lieben ist bitter. Gott liebt uns mit Bitterkeit, so Bernhard von Clairvaux, für die der Schmerz der jungen Frau im Hohelied zeugt.

Es gibt ein modisches Raisonnement, wie Gott sich habe erlauben können, seinen Sohn für alle "schlachten" zu lassen und sein Blutopfer einzufordern als Abzahlung an die Gerechtigkeit. Bei einem solchen Vorwurf handelt es sich um ein grandioses Missverständnis.

Nirgends geht es um kleinkrämerische Gerechtigkeit, es geht um die Preisgabe Gottes selbst: Bitter wie sonst nichts ist das Hergeben des Sohnes.
Und dieses Hergeben bis ins Maßlose und Missverständliche führt zur Verwechslung der Liebe mit Prostitution - eben dasselbe geschieht Gott in solcher Anklage, er hätte doch einen Sohn nicht ausliefern dürfen. Damit ist Gott in die äußerste Verwechslung seiner Liebe eingetreten. Weil er eine Liebe gelebt hat, unter deren unverstandenen Vorzeichen die Menschheit mit ihm zu rechten beginnt, ob es eigentlich soviel "Verschwendung" gebraucht hätte.

Als Abraham seinen Sohn opfern wollte, hielt ein Engel den Arm des Geprüften auf. Auf Golgotha geschah keine Schonung: "Diesmal hing kein Widder mehr im Strauch" - weder für den Vater noch für den Sohn. So dass der Vater das Letzte gab, ja, dass er sich verschwendete, gratis, aber auch frustra - umsonst und bis ins Missverständnis hinein umsonst. Dieses große Umsonst der Liebe Gottes, das sich an unserem Begreifen bricht, ist die Stelle, an der sich die agape ins Unausdenkliche öffnet.

"Deus caritas est" überschrieb Benedikt XVI. seine erste Enzyklika. Und was niemand vorhersah: Er hat beide Arten von Liebe ins Gespräch gebracht, die irdische und die himmlische Liebe. Überraschend fügt er Eros und Agape zusammen, denn die Liebe, die aus der Natur, von unten stammt und von sich aus irregehen kann, wird durch die Liebe von oben gehalten, geleitet, geheiligt: im Sakrament. Und die Liebe von oben, die göttliche Liebe selbst, ist "abgestiegen" in unsere nächtlichen Gassen, um uns zu holen.

Ja, rätselhafte Liebe."
Riki hat folgendes geschrieben:
Mir wurde von einer sehr lieben Freundin (shiitische Muslima) mal erklärt, dass Jesus deshalb nicht am Kreuz gestorben sein kann, weil dieser Tod als der "verfluchte Tod" gilt, was heißt, dass die Seele des Menschen der am Kreuz stirbt, niemals ins Paradies kommen kann, weil sie verflucht ist.


Genau das war ja auch der Grund, warum man exakt diese als schlimmste geltende Todesart seitens der religiösen jüdischen Autoritäten für Jesus gewählt hat - um zu zeigen, dass er nicht der Messias Gottes sein kann, weil er von Gott verworfen wurde.

Und was macht Gott? Er zeigt durch die Auferstehung von Jesus, dass am "Tiefpunkt" des Menschen, am Punkt des absoluten Fluchs, wo nichts mehr ist als Tod und Dunkelheit, das Neue ensteht.

Das erlösende an der Selbsthingabe am Kreuz als Liebestat Jesu und an der nachfolgenden Leere des Grabes ist der Glaube daran, dass es für die Menschen keinen Tiefpunkt gibt, von dem aus Gott ihn nicht abholen und ins Leben zurückholen könnte.
Diesen Glauben kann es nur darum geben, weil Jesus sozusagen in die "tiefste denkbare Tiefe" hinabgestiegen ist - in den Tod - mehr noch: in den absolut "verfluchten Tod" - aus dem es kein Entrinnen gibt.
Und aus dieser Tiefe des "Reiches des Todes", in das er hinabgestiegen ist, als Sieger, aus Lebendiger, hervorgeht - ein Sieg, den er nicht für sich, sondern für alle Menschen stellvertretend errungen hat.
Jesus(as) musste in der Tat auch deshalb dem Kreuzestod entrinnen,weil das Heilige Buch sagt, wer am Holze hängt, sei verflucht. Es ist doch äußerst grausam und ungerecht, eine so erhabene Persönlichkeit wie Jesus, den Messias, als verflucht zu bezeichnen, denn entsprechend der übereinstimmenden Ansicht aller Sprachwissenschaftler bezieht sich »La'nat« (arab.: Fluch) auf einen Zustand des Herzens. Als „verflucht“ wird jener bezeichnet, dessen Herz sich von Gott entfremdet hat und völlig verdunkelt ist. Wenn das Herz gänzlich der göttlichen Barmherzigkeit und der göttlichen Liebe beraubt ist, bar jeglichen Wissens von Ihm; erblindet wie der Teufel, mit dem Gift des Unglaubens angefüllt, wenn nichts von der Gottesliebe und Gotteserkenntnis in ihm übrigbleibt; wenn der Bund der Treue zerbrochen ist, und zwischen ihm und Gott Hass, Verachtung, Groll und Feindseligkeit entstehen, dass sie sogar einander feind werden, und wenn Gott seiner überdrüssig und er Gottes überdrüssig wird. Kurzum, wenn er zum Empfänger aller Eigenschaften des Teufels wird –und das ist der Grund, warum der Teufel selbst als verflucht bezeichnet wird. Es ist nun klar, dass die Bedeutung des Wortes»Mal’un«, d. h. verflucht, so abscheulich ist, dass es niemals auf eine rechtschaffene Person, die Liebe zu Gott in ihrem Herzen hegt, zutreffen kann.

Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad (as)
_________________
"religious extremism, be it Christian extremism, Muslim extremism or any other kind, is never a true reflection of the religion".
(Amir al-Mu'minin Khalifatul Masih V Hadrat Mirza Masroor Ahmad(atba) )
Ayaad hat folgendes geschrieben:
Es ist doch äußerst grausam und ungerecht, eine so erhabene Persönlichkeit wie Jesus, den Messias, als verflucht zu bezeichnen


Das ist es in der Tat, lieber Ayaad.

Verflucht haben ihn aber die Menschen und nicht Gott.
Und Gott hat sich für dieses Verbrechen an den Menschen nicht gerächt sondern gerade in dieser größten Verirrung seine grenzenlose Liebe und Barmherzigkeit gezeigt und gezeigt dass er allmächtig ist, indem er selbst unseren größtmöglichen Fluch - den Tod am Kreuz - in unser Heil verwandelt hat: In das ewige Leben.

"Wir hatten uns alle verirrt wie Schafe, / jeder ging für sich seinen Weg. Doch der Herr lud auf ihn / die Schuld von uns allen.
Er wurde misshandelt und niedergedrückt, / aber er tat seinen Mund nicht auf. Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt, / und wie ein Schaf angesichts seiner Scherer, / so tat auch er seinen Mund nicht auf.
Durch Haft und Gericht wurde er dahingerafft, / doch wen kümmerte sein Geschick? Er wurde vom Land der Lebenden abgeschnitten / und wegen der Verbrechen seines Volkes zu Tode getroffen.
Bei den Ruchlosen gab man ihm sein Grab, / bei den Verbrechern seine Ruhestätte, obwohl er kein Unrecht getan hat / und kein trügerisches Wort in seinem Mund war.
Doch der Herr fand Gefallen an seinem zerschlagenen (Knecht), / er rettete den, der sein Leben als Sühnopfer hingab. Er wird Nachkommen sehen und lange leben. / Der Plan des Herrn wird durch ihn gelingen." (Jes 53,6-10)
Burkl hat folgendes geschrieben:
Ayaad hat folgendes geschrieben:
Es ist doch äußerst grausam und ungerecht, eine so erhabene Persönlichkeit wie Jesus, den Messias, als verflucht zu bezeichnen


Das ist es in der Tat, lieber Ayaad.

Verflucht haben ihn aber die Menschen und nicht Gott.


Der Sachbestand ist trotzdem der Selbe die Menschen(die Juden) haben ihn Verflucht in dem sie sagen er ist am Keurz gestorben so ist er nachdem Willen des Allmächtigen Gottes verflucht die Zitat aus dem AT dazu muss ich nicht bringen,oder?dies ist an sich schon eine große Sachen,aber seine angeblich Anhänger haben die Aussage der Juden bestätigt...


So wollte ihn der HERR zerschlagen mit Krankheit. Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, wird er Nachkommen haben und in die Länge leben, und des HERRN Plan wird durch seine Hand gelingen.
(Jes 53,13) "
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(Amir al-Mu'minin Khalifatul Masih V Hadrat Mirza Masroor Ahmad(atba) )
Ayaad hat folgendes geschrieben:
Der Sachbestand ist trotzdem der Selbe die Menschen(die Juden) haben ihn Verflucht in dem sie sagen er ist am Keurz gestorben so ist er nachdem Willen des Allmächtigen Gottes verflucht


Ja - der Fluch, der von den Menschen ausgeht. Und dennoch, kann Gott genau aus diesem Schlechten das Gute hervorbringen. Er lässt uns unsere Freiheit, die wir zum Bösen missbrauchen - und kann, da er allmächtig ist, selbst durch das größte Böse hindurch das wirkliche und absolut Gute verwirklichen.

"Der Fluch", der Jesus getroffen hat - das Kreuz - wird sozusagen der Orientierungspunkt der gesamten Menschheit, der aus dem Tod heraus das Leben bringt.
So wie einst die Schlange, die am Pfahl hing in der Wüste.

"Der Herr antwortete Mose: Mach dir eine Schlange und häng sie an einem Pfahl auf! Jeder, der gebissen wird, wird am Leben bleiben, wenn er sie ansieht.
Mose machte also eine Schlange aus Kupfer und hängte sie an einem Pfahl auf. Wenn nun jemand von einer Schlange gebissen wurde und zu der Kupferschlange aufblickte, blieb er am Leben." Num 21,8 u. 9
Ayaad hat folgendes geschrieben:
So wollte ihn der HERR zerschlagen mit Krankheit.
(Jes 53,13)?


Dieses Zitat ist aus Jes 53,10.

Im Griechischen steht dort "plagês", was eher mit "Qual, Not" zu übersetzen ist. In der lateinischen Vulgata steht "infirmitas", was Schwäche, Kraftlosigkeit, Gebrechlichkeit, Leiden und auch Krankheit bedeuten kann.

Die deutsche Einheitsübersetzung lautet:

"Doch der Herr fand Gefallen an seinem zerschlagenen (Knecht), / er rettete den, der sein Leben als Sühnopfer hingab."

Da wird also vom Sinngehalt der Stelle her nicht mit "Krankheit" übersetzt.

Und dass "der Herr" ihn zerschlagen wollte liegt ganz allgemein an der Erzählperspektive des Alten Testaments, die alles Geschehen "dem Willen Gottes" unterstellt - insofern ist auch hier alles stimmig: In gewisser "übergeordneter" Weise ist es ja auch so - der Plan Gottes war, dass es so geschah, weil nichts auf dieser Welt geschieht, dass sich außerhalb des göttlichen Willens ereignet.
Entscheidend ist nur: Die Menschen wollten im Rahmen ihrer Freiheit die Grausamkeit, nicht Gott.
Hallo,
gibt es nicht in einem der Alten Bücher ( pentateuch, Könige usw. ) eine Stelle in der die legitime und für richtig erachtete Hinrichtung eines Mannes beschrieben wir weil er eine Tempelordnung mißachtete. Eine Stelle die nach Überlieferung dem "Schriftgelehrten" Jesus ( Unterricht von und Disskusionspraxis mit älteren Schriftgelehrten wird geschrieben ) hätte bekannt sein müssen, als deutliche Warnung eben.