Geist & Materie


Burkl hat folgendes geschrieben:
Ich führe die Zunahme von psychischen Erkrankungen genau auf dieses Phänomen zurück. In "armen Ländern" findet man an den Arbeitsplätzen vielfach wesentlich reichere Seelen und mehr Liebe als bei uns. Der äußere Reichtum, der zum Maßstab von Allem gemacht wird, hat einen sehr hohen Preis: Unser Seelenheil.


Könnte aber auch daran liegen, dass sich in 'armen Ländern' niemand für den psychischen Zustand der breiten Bevölkerung interessiert.

Sich in einem der reichsten Länder der Welt die Armut großer Teile der Weltbevölkerung romantisch schönzureden ist leicht. Man leidet ja selbst nicht unter der Armut und anderen Entwicklungsdefiziten. Die Lebensrealität der Menschen dort eben trifft dieser Romantizismus aber allenfalls bruchteilhaft.

Ein Zusammenhang zwischen einem gewissen Wohlstand und persönlichem Glück ist sozialwissenschaftlich vielfach belegt.
Tobias hat folgendes geschrieben:
Sich in einem der reichsten Länder der Welt die Armut großer Teile der Weltbevölkerung romantisch schönzureden ist leicht.


Das tue ich bei Weiten nicht, lieber Tobias. Es geht mir überhaupt nicht um das "Romantisieren" fremder Länder, ich bin nicht Karl May.

Die Geschichte mit der Lehmhütte in Marrakesch ist authentisch, sie wurde mir von einem Arbeitskollegen erzählt. Diese Lehmhütte ist keineswegs "idyllisch", es stinkt in ihr und sie ist unerträglich heiß - und trotzdem singen die Menschen, während bei uns herumgeschimpft wird, wenn die klimatisierte U-Bahn drei Minuten zu spät kommt. Ich kann noch viele konkrete Beispiele aus erster Hand dafür bringen, dass "arme Länder" verglichen mit uns seelisch wesentlich reicher sind.

Äußerer Reichtum als höchstes Ziel einer Gesellschaft bedeutet innere Verarmung. Unser Zug fährt momentan recht rasch in diese Richtung.
Fiducia hat folgendes geschrieben:
Lieber Burkl,

zitiere " Der äußere Reichtum, der zum Maßstab von Allem gemacht wird, hat einen sehr hohen Preis : Unser Seelenheil "

was, wenn Kirche wieder ' in Lehmhütten ' stattfindet
um zu verdeutlichen
das Gottes Liebe und Jesu Botschaft

Schlichtheit im Äußeren
und
Reichtum im Herzen bedeutet ?


" Erziehen heißt Vorleben " sagt man bei Kindern.

der Balken im eigenen Auge meint - Religion kann ein Zeichen setzen kann sich aber auch verfangen in den gleich anmutenden Äusserlichkeits Fixierungen


"Als Jesus in Betanien im Haus Simons des Aussätzigen bei Tisch war, kam eine Frau mit einem Alabastergefäß voll kostbarem, wohlriechendem Öl zu ihm und goss es über sein Haar.
Die Jünger wurden unwillig, als sie das sahen, und sagten: Wozu diese Verschwendung?
Man hätte das Öl teuer verkaufen und das Geld den Armen geben können.
Jesus bemerkte ihren Unwillen und sagte zu ihnen: Warum lasst ihr die Frau nicht in Ruhe? Sie hat ein gutes Werk an mir getan." (Mt 26,7-10)

Genau dies ist ein zutiefst menschlicher Reflex "Verkaufen wir alles, was wir haben und geben es den Armen und alles wird gut auf dieser Welt!".

Aber genauso ist es nicht - die Wurzel der Armut sitzt tiefer, es ist vor Allem die "innere Dimension" der Armut, die den Menschen entstellt und in den Abgrund führt. Innere und äußere Armut sind oft miteinander verwoben. Aber gerade der Reichtum kann tiefe innere Armut erzeugen, und gerade äußere Armut kann auch inneren Reichtum erzeugen. Äußere Armut heißt aber nicht Gott nicht die Ehre zu geben, ihm nicht das Beste darzubringen. Wahrhaftige Armut bedeutet nicht Besitzlosigkeit, sondern "Freiheit vom Besitz", sich nicht von ihm beherrschen zu lassen, Gott als das Größte anzusehen und sonst das Herz an nichts zu hängen.

Jesus lehrt an dem Beispiel im Evangelium: Wenn Menschen innerlich reich durch Gott beschenkt sind, dann "können sie gar nicht anders" als alles, was sie haben - das Beste - Gott zu geben. Sie enthalten aber dadurch den Armen nichts vor - das ist der große Trugschluss, dem die Jünger unterliegen - sondern sie machen die Welt insgesamt reicher, lockern den Boden dafür auf, dass das Reich Gottes wachsen kann, in dem es keine Armut mehr gibt, weil alle "ein Herz und eine Seele sind" (vgl. Apg 4,32).
Ich glaube hier besteht ein Missverständnis: Das philosophische Konzept des Materialismus hat nichts mit einem materialistischen Lebensstil zu tun.

Materialismus oder Physikalismus meint, dass man davon ausgeht, dass es nichts außer Materie gibt. Kennt man alle physikalischen Gesetze, kann man alles erklären. Deswegen muss man noch lange nicht einen materialistischen Lebensstil pflegen und Besitz als alleinige wichtige Größe im Leben sehen. Es spricht nichts dagegen, dass man trotzdem oder gerade deswegen z.B. viel Zeit auf menschliche Beziehungen verwendet

Anderseits gibt es auch so etwas wie spirituellen oder religiösen Materialismus, wenn man z.B. möglichst viele gute Taten sammelt um im Paradies die besten Plätze zu haben.
Busshari hat folgendes geschrieben:
Materialismus oder Physikalismus meint, dass man davon ausgeht, dass es nichts außer Materie gibt.


Das stimmt, lieber Busshari.

Wir sind hier bei dem Phänomen namens "Konsum-Materialismus" in der Diskussion gelandet. Das ist nicht gleichbeutend mit der materialistischen Philosophie. Viele Konsummaterialisten glauben durchaus an "etwas nach dem Tod" - am liebsten an die Wiedergeburt.

Der in der Moderne in Wohlstandsgesellschaften vielfach angetroffene "esoterische Reinkarnationsglaube" wurzelt bei näheren Hinsehen gar nicht in den östlichen Religionen, sondern eben in diesem Konsum-Materialismus: Wenn es einem gut geht und man "alles hat", alle materiellen Bedürfnisse befriedigt sind und das das Höchste ist, dann ist die Vorstellung so ein Leben ohne Hunger und Durst im Einfamilienhaus mit Garten immer wieder zu wiederholen natürlich "chic" und attraktiv. Der Pferdefuß an dem Ganzen: Das hat mit fernöstlichen Reinkarnationslehren überhaupt nichts zu tun, selbst wenn man sich eine Buddha-Statue unter den Flachfernseher stellt wird es dadurch nicht "buddhistisch" so zu glauben.
Burkl hat folgendes geschrieben:
Tobias hat folgendes geschrieben:
Sich in einem der reichsten Länder der Welt die Armut großer Teile der Weltbevölkerung romantisch schönzureden ist leicht.


Das tue ich bei Weiten nicht, lieber Tobias. Es geht mir überhaupt nicht um das "Romantisieren" fremder Länder, ich bin nicht Karl May.

Die Geschichte mit der Lehmhütte in Marrakesch ist authentisch, sie wurde mir von einem Arbeitskollegen erzählt. Diese Lehmhütte ist keineswegs "idyllisch", es stinkt in ihr und sie ist unerträglich heiß - und trotzdem singen die Menschen, während bei uns herumgeschimpft wird, wenn die klimatisierte U-Bahn drei Minuten zu spät kommt. Ich kann noch viele konkrete Beispiele aus erster Hand dafür bringen, dass "arme Länder" verglichen mit uns seelisch wesentlich reicher sind.

Äußerer Reichtum als höchstes Ziel einer Gesellschaft bedeutet innere Verarmung. Unser Zug fährt momentan recht rasch in diese Richtung.


Schau dir mal die Gewaltraten in 'solchen Ländern' an. Allzu entspannt scheinen die Menschen dort nicht zu sein.

Es stimmt natürlich, dass es in 'solchen Ländern' oft engere soziale Verbindungen zwischen den lokalen Gruppen und erst recht zwischen den Familienmitgliedern gibt. Das heißt aber nicht automatisch friedliche Erfülltheit, sondern lässt sich oft auch auf soziale und psychische Notwendigkeiten zurückführen.

Ich will das Leben 'dieser Menschen' sicher auch nicht verteufeln und schlechtreden, aber für mich klingt das Ganze immer sehr nach einer Narration für reiche Westler, welche die Probleme dieser Menschen verharmlost. Sicher ist das kein Romanstoff. Das hat sogar eine lange Tradition im intellektuellen Denken des Westens. Oft liegt die Intension vielmehr dabei Kritik an der Gesellschaft zu üben als wirklich die Lebenssituation anderer Völker zu beschreiben.

Schau dir mal globale Umfragen dazu an was sich Menschen in materiell armen Ländern so wünschen. Da sind Wohlstand und Frieden in der Regel ganz oben (und werden interessanterweise mit dem Begriff 'Demokratie' gleichgesetzt).
Busshari hat folgendes geschrieben:
Ich glaube hier besteht ein Missverständnis: Das philosophische Konzept des Materialismus hat nichts mit einem materialistischen Lebensstil zu tun.

Materialismus oder Physikalismus meint, dass man davon ausgeht, dass es nichts außer Materie gibt. Kennt man alle physikalischen Gesetze, kann man alles erklären. Deswegen muss man noch lange nicht einen materialistischen Lebensstil pflegen und Besitz als alleinige wichtige Größe im Leben sehen. Es spricht nichts dagegen, dass man trotzdem oder gerade deswegen z.B. viel Zeit auf menschliche Beziehungen verwendet

Anderseits gibt es auch so etwas wie spirituellen oder religiösen Materialismus, wenn man z.B. möglichst viele gute Taten sammelt um im Paradies die besten Plätze zu haben.


Erst einmal stimmt das sicher. Aber wenn man diese materialistischen Axiome dann auch in die Sozialphilosophie und die Ethik anwendet hat das sehr wohl materialistische Folgen. Allerdings - da ist dir zuzustimmen - in den allerwenigsten Fällen der Art wie man sich das unter einem materialistischen Lebensstil vorstellt.
Wir brauchen also nicht nur eine geistige Transformation, sondern genauso eine materielle Transformation. Die Revolution findet auf allen Ebenen statt mithilfe der menschlichen Fähigkeiten (Wille/Materie, Weisheit/Geist und Liebe/Materie-Geist-Kohärenz), deren höchste Kraft die Intuition ist (wenn Wille und Weisheit eins sind, sich also eine Idee gleichzeitig durch eine Tat in der Welt manifestiert). Und bis diesen Umstand genügend Menschen realisiert und gehandelt haben, wird alles nur noch schlimmer werden. Die Harmonie-Apostel werden aber beim kommenden Crash mit ihrem Selbst konfrontiert werden, haben dann die Möglichkeit zu erkennen, was sie bisher falsch gemacht haben.


aus
http://autarkes-rattelsdorf.blogspo.....bel/Bewusstseinsforschung
Burkl hat folgendes geschrieben:

Wenn es einem gut geht und man "alles hat", alle materiellen Bedürfnisse befriedigt sind und das das Höchste ist, dann ist die Vorstellung so ein Leben ohne Hunger und Durst im Einfamilienhaus mit Garten immer wieder zu wiederholen natürlich "chic" und attraktiv.


Kann ich verstehen. Diese Vorstellung von Reinkarnation hat durchaus etwas beruhigendes.

Burkl hat folgendes geschrieben:

Ich kann noch viele konkrete Beispiele aus erster Hand dafür bringen, dass "arme Länder" verglichen mit uns seelisch wesentlich reicher sind.

Das glaube ich nicht. Im Schnitt wirst du in "armen" sowie "reichen" Ländern ein ähnliches Verhältnis von "seelisch" Reichen finden. Aber vielleicht kannst du ja deine Aussauge mit benannten Beispielen untermauern. Voraussetzung ist beide Seiten gleich zu beleuchten und nicht einseitig zu argmuntieren.
Burkl hat folgendes geschrieben:
Der in der Moderne in Wohlstandsgesellschaften vielfach angetroffene "esoterische Reinkarnationsglaube" wurzelt bei näheren Hinsehen gar nicht in den östlichen Religionen, sondern eben in diesem Konsum-Materialismus: Wenn es einem gut geht und man "alles hat", alle materiellen Bedürfnisse befriedigt sind und das das Höchste ist, dann ist die Vorstellung so ein Leben ohne Hunger und Durst im Einfamilienhaus mit Garten immer wieder zu wiederholen natürlich "chic" und attraktiv. Der Pferdefuß an dem Ganzen: Das hat mit fernöstlichen Reinkarnationslehren überhaupt nichts zu tun, selbst wenn man sich eine Buddha-Statue unter den Flachfernseher stellt wird es dadurch nicht "buddhistisch" so zu glauben.


Da kann ich dir nur zustimmen. Während es - meiner Erfahrung nach - die meisten Reinkarnationsanhänger im Westen ''cool' finden wiedergeboren zu werden wollen Buddhismus und Hinduismus das - auf jeweils verschiedene Art und Weise - ja verhindern. Gerade der oft dafür oft rezipierte Buddhismus wird hier total ins Gegenteil verkehrt.

Freilich will man aber nicht nur das schon bekannte Leben fortführen, sondern auch spannende Abwechslung.