Was ist Keuschheit?


Keuschheit wir in den meisten Ansichten mit Körperlichkeit in Verbindung gebracht.

Keuschheit ist jedoch eiin Begriff des Geistes.
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"Die Wahrheit richtet nicht nach meinem Glauben, ich muss mich nach der Wahrheit richten"!
"Was immer wir auch tun, tun wir es aus Liebe"
"Was ich schreibe kann potentiell falsch, aber auch richtig sein."
Duden sagt:

a. Sexuelle Enthaltsamkeit
b. Sittsamkeit
c. moralische Reinheit, Integrität

Du hast Recht im Unrecht. Außer du willst den Begriff neu definieren.
Keuschheit = (keusch aus lat. conscius, „bewusst“ , des selbst bewusst, mitwissend)

Wollust = (lat. Luxuria: Prunksucht, Genusssucht, Luxus )

Askese = (griechisch ἄσκησις askesis, von askein „üben“, „sich befleißigen“)

Apokalypse = (griechisch: αποκάλυψις, „Enthüllung“, „"Offenbarung" )bezeichnet das Erschließen (Eröffnen) von etwas bisher Verborgenem.

Muslim = (arabisch ‏مسلم‎ muslim) bedeutet „der sich (Gott) Unterwerfende“ oder „sich (Gott) Hingebende“, analog zu „Islam – Hingabe (an Gott)“

mehr bsp. zu diesem Thema der wortbedeutung findet ihr hier:

http://azmuto.blogspot.de/search/label/Worte

luschn hat folgendes geschrieben:
Duden sagt:
a. Sexuelle Enthaltsamkeit
b. Sittsamkeit
c. moralische Reinheit, Integrität


Ich würde mich keiner dieser nur einseitigen und bruchstückhaften Definitionen anschließen.

Keuschheit bedeutet die Sexualität zu verwandeln, sie auf eine höhere Ebene zu heben - weg von der körperlichen Eigenliebe hin zur vollkommenen unteilbaren Liebe, die den ganzen anderen Menschen "meint" und umfasst. Die Tugend der Keuschheit üben ist wie das Stimmen eines Instrumentes, wo das Ziel ist, dass durch Austarierung und Abstimmung zwischen Klangkörper (Leib) und Klangraum (Seele) ein harmonischer Gleichklang entsteht.

Die Tugend der Keuschheit ist das ständige harmonische "Abstimmen" der leiblichen und seelischen Ebene, damit der ganze Mensch im Gleichklang des Grundtons der Liebe erklingen kann.
Burkl hat folgendes geschrieben:
Keuschheit bedeutet die Sexualität zu verwandeln, sie auf eine höhere Ebene zu heben - weg von der körperlichen Eigenliebe hin zur vollkommenen unteilbaren Liebe, die den ganzen anderen Menschen "meint" und umfasst. Die Tugend der Keuschheit üben ist wie das Stimmen eines Instrumentes, wo die Beherrschung und Austarierung des Klangkörpers (Leib) und der Raum (Seele) harmonisch zusammenklingen müssen.

Die Tugend der Keuschheit ist das "Stimmen" der leiblichen Ebene auf den Grundton der Liebe.


Ich fand zu dem Thema einen Kommentar sehr schön, den ein australischer Rabbi einer sehr links eingestellten Jugendlichen geschrieben hat, die sich bei ihm über die "faschistoiden" Gesetze, insbesondere die Keuschheit, beklagt hatte. Er hat dann versucht, gerade die Einhaltung dieser Gebote als offenen Akt der Rebellion zu definieren, als Befehlsverweigerung gegenüber der eigenen Körperlichkeit.

Letztendlich finde ich diese Definition eigentlich sehr treffend, denn es geht letztendlich darum, Herr über unsere Triebe zu werden, sie in eine geordnete Bahn zu lenken und ihre Auslebung bewusst zu zügeln. Das immer im Wissen darum, dass wir uns durch zu viel Freizügigkeit letzten Endes nur selbst schaden. Denn wer Sexualität als eine Ware sieht, die man in einem Tauschgeschäft erwirbt, der wird niemals das vollkommene Glück erfahren, das in der Kumulierung des menschlichen Verlangens nach Liebe und Geborgenheit in einer festen Verbindung gegeben ist. Man entwertet die Zweisamkeit, indem man sie achtlos verschärbelt.
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Sören hat folgendes geschrieben:
Er hat dann versucht, gerade die Einhaltung dieser Gebote als offenen Akt der Rebellion zu definieren, als Befehlsverweigerung gegenüber der eigenen Körperlichkeit.


Gefällt mir auch sehr gut diese Definition für Keuschheit - ja. Der Körper ist beim keuschen Menschen nicht "Herr im Haus", sondern der Geist.

Interessant ist ja, dass die ganze "sexuelle Revolution", die sich hauptsächlich in den 60ern des vorigen Jahrhundert abgespielt hat, eigentlich extrem schwächlich ist.
In Wirklichkeit ist die erreichte "sexuelle Befreiung" eben genau nicht der Fall - es ist keine mutige Rebellion, sondern Kapitulation die Sexualität so auszuleben, wie es der Körper gerade verlangt; jeder Regung nachzugeben ist letztlich pure Gefangenschaft und die Grundlage für eine tiefe Lebensunzufriedenheit, die immer mehr auf den ganzen Menschen und alle Lebensbereiche überspringt.

Die heilige Therese von Lisieux hat das einmal so sinngemäß gesagt, dass es einer der größten Glücksmomente ist, wann immer der Geist eine Schlacht über das eigene niedere Begehren gewonnen hat.
Burkl hat folgendes geschrieben:
Die heilige Therese von Lisieux hat das einmal so sinngemäß gesagt, dass es einer der größten Glücksmomente ist, wann immer der Geist eine Schlacht über das eigene niedere Begehren gewonnen hat.


Ohh ja, dem kann ich voll und ganz zustimmen! Es gibt viele Momente, in denen man etwas begehrt, das einem objektiv gesehen nicht gut tun würde. Das mag das Versprechen einer "heißen Nacht" ebenso sein wie eine "Überdosis" am Buffet, die sich am Ende sogar physisch in Übelkeit und Gewichtszunahme rächt.

Es kann wirklich ungemein befreiend sein, sich eben gerade nicht darauf einzulassen und sich damit ein Stück weit auch zu beweisen, dass man sein Leben und sein Handeln unter Kontrolle hat. Kontrollverlust ist schließlich eine der Urängste des Menschen.
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Hallo Burkl,


Zitat:
Die heilige Therese von Lisieux hat das einmal so sinngemäß gesagt, dass es einer der größten Glücksmomente ist, wann immer der Geist eine Schlacht über das eigene niedere Begehren gewonnen hat.


Es ist schon sehr entlarvend, wenn Sexualität als "niederes Begehren" abqualifiziert wird.
Auf der anderen Seite wird sie insbesondere von dir metphysisch überhöht (wahrscheinlich damit man sie "mit gutem Gewissen" doch noch ausleben kann).
Sexualität ist und bleibt ein unverzichtbarer Urtrieb des Menschen. Die moralische Einordnung und die Absteckung der Grenzen sind gesellschaftliche Verabredungen, die sich im Laufe der Zeit immer wieder gewandelt haben.
Im Gegensatz hierzu sind die Schriftreligionen an den Forderungen ihrer Schriften gebunden und haben früher und auch noch heute sexuelle Randgruppen ausgegrenzt.
In Abwandlung des Wortes "Gott würfelt nicht" kann man heute sagen, er würfelt wohl doch, denn er läßt ca 80-120 Tausend Kinder in Deutschland auf die Welt kommen, die keine eindeutige Geschlechtszuordnung haben.

Bei Zusammenfassung aller sexuellen Randgruppen liegt man wahrscheinlich nicht falsch, wenn man sagt, daß ca. 10% aller Menschen systematisch von den Schriftreligionen ausgegrenzt werden (abgesehen von den vielen, die sich auch im "sexuellen Normbereich" nicht an die Vorschriften von Religionen halten).

Triebkontrolle hat durchaus auch heute seinen moralischen Wert. Sie wird aber zunehmend nicht mehr religiös begründet, sondern dient der Steuerung im gesellschaftlichem Zusammenleben.

Wer glaubt, dass er sein Leben und sein Handeln vollkommen unter Kontrolle hat, irrt! Er tauscht nur die Kontroll-Instrumente gegen andere aus, die ebenfalls zu falschen oder gesellschaftlich nicht anerkannten Ergebnissen führen können (Beispiel: "die vertrocknete alte Jungfer).

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
Es ist schon sehr entlarvend, wenn Sexualität als "niederes Begehren" abqualifiziert wird.


Die Sexualität als solche ist nichts schlechtes. Im Gegenteil ist sie sogar etwas sehr Gutes, das den Menschen, die sie miteinander ausleben, eine große Erfüllung bringen kann.

Aber bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit jedem X-Beliebigen in die Kiste zu springen, nur weil man sich sonst nicht männlich genug fühlt und sich mal wieder ein bisschen Spaß gönnen will, ist tatsächlich auch in meinen Augen ein niederer Beweggrund. Denn für mich ist Sexualität vor allem ein: Der größtmögliche Vertrauensbeweis gegenüber einem anderen Menschen. Die völlige Aufgabe der eigenen Intimsphäre im Vertrauen darauf, das eben dies nicht ausgenutzt wird.

Wenn es zwei Menschen gibt, die die Sexualität ähnlich bewerten, dann ist das gut so. Wenn es zwei Menschen gibt, die Sexualität als sportlichen Zeitvertreib begreifen, dann sollen sie das von mir aus tun. Was aber niemals funktionieren kann ist dass zwei Menschen, die völlig gegensätzliche Auffassungen von der Sexualität haben, beiderseitig einen Gewinn daraus ziehen könnten.
Ich gebe offen zu, dass ich zu der Sorte Mensch gehöre, für die Sex eine Bedeutung jenseits der körperlichen Bedürfnisbefriedigung hat. Ich gebe auch zu, dass ich nicht in der Lage bin, das eine vom anderen zu trennen.

Insgesamt hat das dazu geführt, dass ich schrecklich unter der Erkenntnis leiden musste, dass ich tatsächlich für eine Frau nur wenig mehr wert war als eine aufblasbare Gummipuppe. Deswegen kann ich sehr gut einschätzen, welche Art von Schmerzen es einem Menschen zufügen kann, wenn er diesbezüglich an "den Falschen" gerät und sein Vertrauen und seine Zuneigung derartig missbraucht werden.

Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
Triebkontrolle hat durchaus auch heute seinen moralischen Wert. Sie wird aber zunehmend nicht mehr religiös begründet, sondern dient der Steuerung im gesellschaftlichem Zusammenleben.


Anders herum wird ein Schuh draus. Gerade zur steuerung des gesellschaftlichen Zusammenlebens hat man seit jeher die Triebkontrolle religiös begründet. Nur so hatte man eine unanfechtbare Instanz, auf die man sich berufen konnte. Alles andere wäre nur ein Produkt einer gesellschaftlichen Mehrheitsentscheidung gewesen. Und ich wage zu behaupten, dass die Mehrheit der Gesellschaft auch nicht unbedingt immer daran interessiert wäre, die Rechte von Randgruppen zu wahren.

Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
Wer glaubt, dass er sein Leben und sein Handeln vollkommen unter Kontrolle hat, irrt! Er tauscht nur die Kontroll-Instrumente gegen andere aus, die ebenfalls zu falschen oder gesellschaftlich nicht anerkannten Ergebnissen führen können (Beispiel: "die vertrocknete alte Jungfer).


Ich habe nichts von "vollkommen" gesagt. Ich habe nur gesagt, dass es gut tut zu wissen, dass man sich unter Kontrolle haben kann, wenn man sich anstrengt. Das wird sicher nicht immer und bei jeder Gelegenheit gelingen, aber deswegen sollte man keinesfalls darauf verzichten, es zu versuchen.

Im Übrigen übersiehst du immer noch ein entscheidendes Faktum: Es gibt eine große Menge an Menschen, die sich freiwillig entscheiden, einen Weg zu wählen, bei dem man eben bewusst nicht sofort mit Jedem ins Bett springt. Diese Menschen werden vielleicht nicht unbedingt einen Partner finden, der auf diese Freiheit Wert legt, aber wollen sie das denn überhaupt?
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Hallo Sören,


Zitat:
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
Triebkontrolle hat durchaus auch heute seinen moralischen Wert. Sie wird aber zunehmend nicht mehr religiös begründet, sondern dient der Steuerung im gesellschaftlichem Zusammenleben.

Du antwortest:
Anders herum wird ein Schuh draus. Gerade zur steuerung des gesellschaftlichen Zusammenlebens hat man seit jeher die Triebkontrolle religiös begründet. Nur so hatte man eine unanfechtbare Instanz, auf die man sich berufen konnte. Alles andere wäre nur ein Produkt einer gesellschaftlichen Mehrheitsentscheidung gewesen. Und ich wage zu behaupten, dass die Mehrheit der Gesellschaft auch nicht unbedingt immer daran interessiert wäre, die Rechte von Randgruppen zu wahren.


Ich gebe dir durchaus recht, dass in früheren Gesellschaften die "moralische Instanz" oft von Religionen geprägt wurden. In der neueren Zeit ist aber seit der Französischen Revolution immer mehr von dieser Instanz auf rein gesellsschaftliche Instrumente übergegangen (Parlamente, internationale Gesetzgebung, Formulierung von Menschenrechten usw).
Heute versucht man auf dieser Ebene die Fehler von Religionen auszumerzen. Ich darf auf die Debatte von Beschneidungen hinweisen.

Tja, daß es ein schwieriger Lernprozess für die Mehrheit ist, Minderheiten-Rechte zu akzeptieren und auch in das Alltagsleben zu integrieren, bezweifle ich nicht. Aber es gibt keine logischen Gründe, ihnen diese Rechte zu verweigern. Wohlbemerkt, ich schreibe hier nicht vom Mißbrauch jeglicher Art.

Zitat:
Im Übrigen übersiehst du immer noch ein entscheidendes Faktum: Es gibt eine große Menge an Menschen, die sich freiwillig entscheiden, einen Weg zu wählen, bei dem man eben bewusst nicht sofort mit Jedem ins Bett springt. Diese Menschen werden vielleicht nicht unbedingt einen Partner finden, der auf diese Freiheit Wert legt, aber wollen sie das denn überhaupt?


Nein, das übersehe ich überhaupt nicht. Wie jemand seine Sexualität gestaltet, ist seine Privatsache. Da hat weder Religion noch Staat das Recht, Bestimmungen, Gebote oder Verbote zu erlassen. Ausnahme hiervon ist nur der Bereich des Mißbrauchs.
Ich werde mich hüten, hier irgendwelche Bewertungen vorzunehmen.
Was für den einen gut ist, kann für einen anderen genau der falsche Weg sein.
Ich wehre mich nur dagegen, daß eine sexuelle Verhaltensweise, die zugegeben wahrscheinlich für die Mehrheit zutrifft, als (ausschließlichen) Maßstab für das sexuelle Verhalten aller Menschen zu machen.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!