Was ist Keuschheit?


Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:

gg bei der kommenden Resourcenknappheit und der Überbevölkerung werden in der Zukunft andere Konzepte verlangt, als sie in der Bibel oder in Verkündigungen irgendwelcher Päpste verkündet werden.

Der "Klassiker" - Pille und Abtreibung als vermeintliche humanitäre "Wohltaten" im Dienste der Menschheit... Google einmal zu "Pille" und "tiefe Thrombose".

Weißt du eigentlich, dass die Kirche an keiner Stelle lehrt, dass Ehepaare unbeschränkt Kinder bekommen sollen. Sie lehrt die Großzügigkeit in der Bemessung der Kinderzahl - immer im Rahmen der verantwortungsvollen Entscheidung vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen, gesundheitlichen und sonstigen Rahmenbedingungen.
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:


Ja, der evangelische Theologe macht ziemlich klar, wie verlogen konservative Christen doch oft argumentieren.
Was nicht ins Konzept paßt, wird verschwiegen oder einfach auf heutige Verhältnisse fortgeschrieben und damit falsch.

Pjotr Kala

Verlogen finde ich keinen guten Begriff. Zimmermann verwendet in seinem Vortrag den Begriff 'durch eine Brille sehen', eine begrenzte Sichtweise. Wir alle sehen durch eine Brille, da gibt es nicht nur die konservative, deshalb ist Austausch auch hilfreich, oder könnte es sein, wenn es nicht ums Recht haben, sondern ums Verstehen und Perspektive erweitern geht.
gg, ich habe hier nicht die Pille gemeint, obwohl sie neben dem Kondom wohl das wichtigste Verhütungsmittel ist. Im übrigem ist in jeder Kultur mehr oder weniger gut verhütet worden.

Die Großzügigkeit in der Bemessung der Kinderzahl ist heute wohl gesamtgesellschaftlich kontraindiziert. Aber es gibt durchaus Männer und Frauen, die können sehr gut Kinder erziehen, ohne sie, wie viele fundamentale Religionsanhänger es machen, für ihr ganzes Leben zu seelischen Krüppeln zu machen.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
gg, ich habe hier nicht die Pille gemeint, obwohl sie neben dem Kondom wohl das wichtigste Verhütungsmittel ist. Im übrigem ist in jeder Kultur mehr oder weniger gut verhütet worden.

Die Großzügigkeit in der Bemessung der Kinderzahl ist heute wohl gesamtgesellschaftlich kontraindiziert. Aber es gibt durchaus Männer und Frauen, die können sehr gut Kinder erziehen, ohne sie, wie viele fundamentale Religionsanhänger es machen, für ihr ganzes Leben zu seelischen Krüppeln zu machen.

Pjotr Kala

Interessanterweise grassieren psychische Probleme und Erkrankungen in unserer mehr und mehr säkularen Gesellschaft massiv.

Ich weiß also nicht, ob nicht eher die Gottferne Menschen zu -wie du schreibst - "seelischen Krüppeln" macht.
sie grassieren nicht mehr, sie kommen nur eher an die Öffentlichkeit.
Übrigens genau so wie Konflikte innerhalb von Ehen.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:

sie grassieren nicht mehr, sie kommen nur eher an die Öffentlichkeit.

Sehe ich nicht so - jeder zweite fühlt sich heutzutage "gemobbt", "gestalked" oder sonst noch etwas. Soviele Krankenstände und Gesundheitskosten im Zusammenhang mit psychischen Indikatoren hat es vor einigen Jahrzehnten nicht gegeben. Ich halte das für ausgeschlossen, dass das früher ganz genauso vorhanden war und man es geheimgehalten hat. Arbeitsunfähigkeit lässt sich wohl auch schwer verheimlichen.

Du kannst gerne den Leiter der Psychosozialen Dienste Wien kontaktieren. Er überblickt Jahrzehnte und kann dir das bestätigen.
Hat er auch im Focus, dass psychische Erkrankungen früher als Makel galten und eher versteckt wurden?
Heute ist eher das Gegenteil der Fall, hinter jeder etwas vergrößerter Verstimmung wird sofort eine larvierte Depression vermutet.
Allerdings will ich nicht bestreiten, daß der schnelle Wechsel in den gesellschaftlichen Strukturen und die Einflüsse durch die Globalisierung eine Zunahme in der Verunsicherung von Menschen und damit auch die der psychischen Erkrankungen fördern kann.

Ich glaube jedoch nicht, daß Religionen heute hierfür noch tragfähige Antworten bieten können.

Das alles hat aber wohl kaum etwas mit Keuschheit zu tun. Meine Meinung hierzu ist ganz eindeutig: Wer so leben will, der soll das tun, keusche Lebensführung als Ideal für alle Menschen zu fordern, geht aber an der Vielschichtigkeit der menschlichen Psyche vorbei.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
Wer so leben will, der soll das tun, keusche Lebensführung als Ideal für alle Menschen zu fordern, geht aber an der Vielschichtigkeit der menschlichen Psyche vorbei.

So ist das nicht, dass die Sache völlig individuell wäre. Die wesentlichen sittlichen Grundgesetze betreffen alle Menschen gleich.

Eine wesentliche Voraussetzung für geglücktes Menschseins ist die Integration der Sexualität in die menschliche Person, die Unterordnung der Triebhaftigkeit unter das Prinzip der Selbstbeherrschung, des Opfers, der Liebe. Das betrifft jeden Menschen. Es hat auch wenig Sinn hier Konzessionen zu machen an die "Menschlichkeit", "Toleranz" oder was immer. Unglaublich viel Unglück und Grausamkeiten sind passiert und passieren noch immer, weil der Sex Menschen beherrscht und dazu antreibt buchstäblich über Leichen zu gehen - meistens seelische, aber durchaus auch leibliche. Johannes der Täufer ist z.B. ein berühmtes biblisches Todesopfer der Unkeuschheit.

"In deinem Innern meldet es sich vernehmlich: "Diese religiösen Vorurteile...!" Und dann sogleich die beredte Verteidigung der Erbärmlichkeiten unseres armen gefallenen Fleisches: "Es ist doch sein Recht!"

Wenn du das erlebst, dann entgegne dem Widersacher, daß es ein Naturgesetz gibt und ein Gottesgesetz, und Gott! - Und die Hölle."

Hl. Josémaria Escrivá, Der Weg Nr. 141
Ich sehe es so: Keuschheit ist nach meinem Begriff keine Unterdrückung der sexuellen Bedürfnisse, sondern ein maßvoller Umgang damit. Ich darf nach meinem Verständnis deshalb trotzdem gewisse Nebenformen der Sexualität, wenn man so will, in den Alltag integrieren, soll aber dabei nicht die Kontrolle verlieren. Gottes- sowie Nächstenliebe ist das Um und Auf, wenn es um innige Gottesbeziehung geht. Trotzdem ist mein Leib gewissermaßen tierisch, wenn man so will, und er darf es auch sein und ich darf ihm auch angemessen Lebensraum für seine Triebe bereiten! Es darf nur nicht in Unmäßigkeit übergehen. "Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!" In diesem Sinne verstehe ich diese Aussage Jesu in der Bibel. Wenn man so will, so ist der "Kaiser" das Fleisch, das Begrenzte mit seinen Bedürfnissen, Gott letztendlich Urgrund, Summe und Vollender allen Seins, dem wir uns vorbehaltlos uneingeschränkt anvertrauen sollten!
Peter.Trim hat folgendes geschrieben:
Ich darf nach meinem Verständnis deshalb trotzdem gewisse Nebenformen der Sexualität, wenn man so will, in den Alltag integrieren, soll aber dabei nicht die Kontrolle verlieren.

Also ein "bisschen" Unkeuschheit gehört dazu und ist "ganz normal" und um sie zu überwinden braucht deines Erachtens der geistliche Kampf nicht geführt zu werden. Man soll sich also einfach in die Seile hängen und dem Trieb kampflos nachgeben...
Wenn "es juckt" dann ein paar Pornos reinziehen und Selbstbefriedigung - tut doch niemandem weh (außer dass man einer menschenverachtenden Industrie mit jedem Klick Einnahmen verschafft und so zur Frauenverachtung und indirekt auch zur Gewalt gegen Frauen beiträgt).

Trifft das mit dem "ein bisschen ist OK" auch auf ein wenig "kontrollierte" Unvernunft, Ungerechtigkeit, Feigheit, Grobheit und Lieblosigkeit zu? Soll der Mensch diese Laster in einem gewissen Maße in seinen Alltag integrieren und sich mit ihnen abfinden, ohne um Besserung zu kämpfen? Nein? Warum in einem Falle schon und im anderen nicht?
Zitat:

Wenn man so will, so ist der "Kaiser" das Fleisch, das Begrenzte mit seinen Bedürfnissen

Ein Tipp: Wenn dein Körper sich wieder einmal als "Kaiser" aufspielt - eine kalte Dusche kann ihn sehr rasch "entthronen"...

"Um seine Reinheit zu verteidigen, wälzte sich der heilige Franziskus im Schnee. Der heilige Benedikt sprang in ein Dornengestrüpp. Der heilige Bernhard stürzte sich in einen eisigen Teich... - Und du? Was tust du?"

Hl. Josémaria Escrivá, Der Weg Nr. 143