Hohe Filmkunst oder ein geschmackloses Verbrechen?


Ich finde schon das Filmkunst Gewalt auch in einem hohen Maße präsentieren kann. Ich wüsste zb. gar nicht wie man einen Antikriegsfilm ohne darstellen möchte. Oder der Film Passion Christi, welcher eine unglaubliche Brutalität präsentierte. Jedoch haben solche Filme immer eine gewisse Message und die Gewalt geschiet nie zur Belustigung an dieser, sondern zeigt sich als dramatisches Ereignis.

Der Film a Serbian Movie jedoch zeigt die widerlichsten Gewaltexzesse und treibt den Ekel in die Unendlichkeit. Man könnte zb. auch diverse Tarantino als Beispiel angeben, welche nur darauf aus sind Gewalt zu verherrlichen.
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Realität ist etwas für Leute, die Angst vor Einhörnern haben!
Hallo Pommes,

da stimme ich völlig zu, nur bei Tarantino möchte ich Dir widersprechen! Ich habe seine Filme in ihrer Absurdität, in der Gewaltexzesse und Klischees ins Absurde übertrieben werden, immer als geniale Satire eben auf solche Gewalt in anderen Filmen verstanden.

LG,
B.
Würdest du das auch sagen wenn Tarantino keinen Kultstatus genießen würde?
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Pommes hat folgendes geschrieben:
Würdest du das auch sagen wenn Tarantino keinen Kultstatus genießen würde?


Was hat denn dieser "Kultstatus" damit zu tun? Jedenfalls habe ich mir Filme von ihm nicht deswegen angesehen.

Du kannst mir schon zutrauen, mir eine eigene Meinung zu bilden. Es gibt genügend Dinge, die "Kult" sein sollen, die ich für völlig überbewertet halte (z.B. Herr der Ringe, Harry Potter, Fluch der Karibik u.ä.) und wo ich nicht die geringste Ahnung habe, woher die Faszination damit kommt. Im Gegensatz dazu hat Tarantino diesen Status aber verdient.
Tobias hat folgendes geschrieben:

Freud hatte mal einen ganz interessanten Gedanken, nämlich das Kunst jenes sei was die niederen Triebe des Menschen sublimiert, also in die Höhe hebt. Dann wären "Kunstwerke" welche letztlich nur den Drang nach Gewalt und Sexualität befriedigen (oder hier sogar die Mischung daraus) keine Kunst, sondern sogar ihr Gegenteil.


Freud hat aber auch, wenn ich ihn richtig verstanden habe, gesagt, dass das Verdrängen solcher Triebe ins Unbewusste, das Tabuisieren, zu allerlei psychischen Störungen führe, weil diese Triebe sich irgendwie ihren Weg bahnen würden. Auflösen könne man das Problem nur, indem man diese düsteren Triebe in sich erkennt, annimmt und mit ihnen zu leben lernt.

Auch neuere psychologische Theorien gehen davon aus, dass insbesondere gruppenbezogener Hass (Rassismus, Nationalismus, Homophobie, etc) maßgeblich auf Projektion zurückgeht: Man hasst den anderen für die Eigenschaften, die man selbst in sich trägt, sich aber nicht einzugestehen wagt -- weil man sie ins Unbewusste verdrängt hat. So sind die schlimmsten Schwulenhasser oft Männer, die selbst homosexuelle Neigungen haben und sich selbst dafür hassen.

Man sollte sich also lieber nie zu sehr sicher sein, zu "den Guten"/"Anständigen" etc zu gehören, nur weil man seine niederen Triebe gut verdrängen kann. Das kann schnell nach hinten losgehen. Besser ist es doch, man gibt zu, dass es sie gibt.

LG,
B.
Der letzte Film den ich von Tarantino gesehen habe war glaube ich Planet Terror. Ich weiss noch wie wir (ich und meine Jungs) uns vor Ekel in die Sessel gedrückt haben Aber es war immer mit einem Lachen verbunden. Es stimmt schon. Die überzogene Gewalt in den Tarantino Filmen ist eine Satiere an sich selbst und ist mit Filmen wie a Serbian Movie nicht zu vergleichen.
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Nur um Missverständnissen vorzubeugen:

Tobias hat folgendes geschrieben:
Long Road hat folgendes geschrieben:
Der Film, so wie du ihn beschreibst, ist für mich ein klares no go. Wenn er zur Unterhaltung dienen soll ist er klar ein geschmackloses "Verbrechen".

Ich bin selbst kein Fan von Zensur, gewisse Grenzen sollten jedoch trotzdem nicht überschritten werden. Vor allem in bildhaften Darstellungen. Wenn etwas angedeutet oder beschrieben wird ist es noch mMn vertretbar. Z.B. wenn eine Darstellerin erzählt, dass sie als Kind missbraucht wurde. Kindesbissbrauch ist ein sehr problematisches Thema und soll daher nicht tabuisiert werden, aber eine bildliche Darstellung geht zu weit.

PS: Nach deinem Filmerlebnis würde ich von der Lektüre von "Die 120 Tage von Sodom" vom Marquis de Sade abraten


Nur tragen solche Filme nicht wirklich zur Enttabuisierung von Kindesmissbrauch und Vergewaltigung bei, sondern dienen wohl zum gewichtigen Teil entsprechend gestörten Personen ihre Fantasien auszuleben.


Solche Filme tragen sicher nicht dazu bei, deshalb habe ich auch geschrieben, dass sowas ein no go ist.

Tobias hat folgendes geschrieben:
Nicht alles muss bildlich im Detail dargestellt werden damit die Gesellschaft weiß das es so etwas leider gibt und das man etwas dagegen tun sollte.


Deswegen habe ich geschrieben, dass eine bildliche Darstellung auch zu weit geht.
Tobias hat folgendes geschrieben:
Im Abschnitt "Veröffentlichung" im deutschsprachigen Wikipedia-Artikel sieht man ja, dass der Film in Deutschland ohnehin selbst ab 18 nur deutlich geschnitten erscheinen durfte, da es bisweilen strafrechtliche (!) Bedenken gab. Der Vertrieb einer anderen Fassung als der deutschen geschnittenen ist in Deutschland auch strafrechtlich verboten.


Nur ein Hinweis hierzu:
Das ist so natürlich nicht korrekt. Rein rechtlich gesehen, gibt es zunächst einmal keinen Unterschied, ob ein Film nach Liste A oder Liste B indiziert ist. Die Listeneinteilung stellt lediglich eine Einschätzung der BPJM dar.

Die Feststellung und letztendliche Beschlagnahmung und damit das Verbot eines Filmes kann in Deutschland nur durch ein Gericht erfolgen, aber nicht durch ein Behörde. Dieses ist im Fall von "A Serbian Film" noch nicht geschehen.

Kommt es aber zu eine Beschlagnahmung, dann kann die Einteilung hinsichtlich eines möglichen Strafmaßes von Relevanz sein. Beschließt ein Gericht die Beschlagnahmung und kommt es zu einer Anklage durch die Staatsanwaltschaft gegen den Vertreiber oder den Händler, dann stellt sich eben die Frage, in wie weit diese mit Vorsatz gehandelt haben. Bei einem Film der Liste B ist dieses anzunehmen, denn schließlich wurden die Händler und der Vertrieb durch die Einschätzung der BPJM vorgewarnt.

Aus diesem Grund wird sich natürlich kein seriöser Händler darauf einlassen einen Liste B Film zu verkaufen, da die Gefahr einfach zu groß ist, bei einer echten Beschlagnahmung richtig einen auf den Deckel zu kriegen. Verboten ist es aber nicht!
@Eifelqu

Dann entschuldige ich mich das nicht genau wiedergegeben zu haben. Wobei der Unterschied zwischen dem was ich meinte und dem was du schriebst nicht so groß ist.
@ Tobias
War auch nicht als Kritik gemeint. Ich habe halt seiner Zeit während meines Studiums knapp 2 Jahre in einer Videothek gearbeitet und da war das Thema, bzw. die verschiedenen rechtlichen Bedingungen eben durchaus von Relevanz.

In der Praxis sah es bei uns so aus:

Indizierung Liste A => Film wurde in den reinen Ab 18 Bereich umgeräumt, wenn er vorher im normalen Bereich war.

Indizierung Liste B => Film wurde aus dem Verleih/Verkauf genommen und an den Vertrieb zurück geschickt, weil meinem Chef das Thema dann zu heiß wurde. Das geschah aber aus reinem Eigenschutz und nicht, weil es rechtlich verbindlich war.

Solche Aktionen kamen mit der Neuregulierung des Jugendschutzgesetzes aber natürlich kaum noch vor. Seit die FSK Freigabe verbindlich ist, werden ja nur noch Filme indiziert die keine FSK Freigabe erhalten haben, wobei hier die Indizierung prinzipiell total sinnlose Geldverschwendung ist, denn Filme ohne FSK Kennzeichnung dürfen eh nicht frei verkauft/bzw. beworben werden, sondern müssen eh in der separaten Erwachsenenabteilung stehen.