Paulusbriefe aus Baha'i-Sicht


Guten Abend,

könnt Ihr mir sagen, welche Rolle die Paulusbriefe des NT aus Sicht der Baha'i-Religion spielen?

Ich weiß, dass die Evangelien und Petrus von Baha'u'llah anerkannt werden. Aber wie sieht das mit Paulus aus?

Ich hoffe, Ihr könnt mir helfen.

LG,
B.
Bernh hat folgendes geschrieben:
Guten Abend,

könnt Ihr mir sagen, welche Rolle die Paulusbriefe des NT aus Sicht der Baha'i-Religion spielen?

Ich weiß, dass die Evangelien und Petrus von Baha'u'llah anerkannt werden. Aber wie sieht das mit Paulus aus?

Ich hoffe, Ihr könnt mir helfen.

LG,
B.


Der Hl. Paulus wurde mehrfach von Abdu'l Baha zitiert.

Der vollkommene Mensch, der Prophet, ist am Ende jener, der verklärt wurde, der die Reinheit und Klarheit eines vollkommenen Spiegels besitzt und die Sonne der Wahrheit widerspiegelt. Von einem solchen vollkommenen Menschen, einem solchen Propheten oder Sendboten, können wir sagen, in ihm wohnt das Licht des göttlichen Wesens mit seinen himmlischen Vollkommenheiten.
Wenn wir behaupten, die Sonne sei im Spiegel sichtbar, dann meinen wir nicht, dass die Sonne selbst aus den heiligen Höhen ihres Himmels herabgestiegen und in den Spiegel eingetreten sei! Das ist unmöglich. Die Göttliche Natur wird in ihren Manifestationen sichtbar, und ihr Licht und Glanz zeigen sich in höchstem Ruhm.
Darum sind die Menschen zu allen Zeiten von den Propheten Gottes gelehrt und geführt worden. Die Propheten Gottes sind die Mittler Gottes. Alle Propheten und Boten sind von dem Einen Heiligen Geist gekommen und tragen die Botschaft Gottes, die jeweils dem Zeitalter angepasst ist, in dem sie erscheinen. Das Eine Licht ist in ihnen, und sie sind eins untereinander. Aber das Ewige wird nicht zur Erscheinung, noch kann die bloße Erscheinung zum Ewigen werden.
Der große Apostel Paulus hat gesagt: Wenn wir mit offenem Angesicht wie in einem Spiegel die Herrlichkeit Gottes schauen, werden wir alle in dieses selbe Bild verwandelt, von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, durch den Geist des Herrn.

Abdul Baha in London.
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Realität ist etwas für Leute, die Angst vor Einhörnern haben!
Danke Pommes!

Ich habe mich nur gerade gefragt, wie Paulus' Theologie aus Baha'i-Sicht zu interpretieren ist. Gerade habe ich nochmal im Römerbrief geschmökert und mir ist aufgefallen, dass offensichtlich viel der christlichen Theologie darauf basiert, obwohl es in den Evangelien so gar nicht vorkommt. Wie z.B. das Konzept der Erbsünde und der Erlösung davon durch Jesus Christus.

Weißt Du dazu noch mehr?

LG,
B.
Ich weiss zwar nicht was ihr von der Seite haltet, aber ich halte sie für authentisch.

Vielleicht hilft dir das:

http://bahai-library.com/uhj_apostle_paul
Abd al-Rahman hat folgendes geschrieben:
Ich weiss zwar nicht was ihr von der Seite haltet, aber ich halte sie für authentisch.

Vielleicht hilft dir das:

http://bahai-library.com/uhj_apostle_paul


Danke!
Bernh hat folgendes geschrieben:
Danke Pommes!

Ich habe mich nur gerade gefragt, wie Paulus' Theologie aus Baha'i-Sicht zu interpretieren ist. Gerade habe ich nochmal im Römerbrief geschmökert und mir ist aufgefallen, dass offensichtlich viel der christlichen Theologie darauf basiert, obwohl es in den Evangelien so gar nicht vorkommt. Wie z.B. das Konzept der Erbsünde und der Erlösung davon durch Jesus Christus.

Weißt Du dazu noch mehr?

LG,
B.


So wie ich Bahaullah verstanden habe hat er selber niemals ein Erlösungsewerk Jesu geleugnet, genausowenig wie Abdu'l Baha. Nur halt nicht in der Form wie die großen christlichen Konfessionen es lehren.
Ich nehme mal stark an das du dich auf 1.Korinther 15:12 beziehst.
Denn gleichwie sie in Adam alle sterben, also werden sie in Christo alle lebendig gemacht werden

Abdu'l Baha erklärt den Vers in dem Buch beantwortete Fragen.

Zitat:
STERBEN IN ADAM UND LEBEN IN CHRISTUS

Frage: Im 1. Korintherbrief, Kapitel 15, Vers 12, heißt es: "Denn gleichwie sie in Adam alle sterben, so werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden." Was besagen diese Worte?

Antwort: Wisse, daß es im Menschen zwei Naturen gibt, die körperliche und die geistige. Die körperliche Natur ist das Erbe von Adam und die geistige das Erbe aus der Wirklichkeit des Wortes Gottes, das die Geistigkeit Christi ist. Die körperliche Natur wurde von Adam geboren, aber die geistige aus der Gnade des Heiligen Geistes; die körperliche Natur ist die Quelle aller Unvollkommenheit, die geistige die Quelle aller Vollkommenheit.

Christus opferte Sich Selbst, damit die Menschen von der Unvollkommenheit der körperlichen Natur befreit und mit den Gaben der geistigen Natur ausgezeichnet werden. Diese geistige Natur, die durch die Gnade der göttlichen Wirklichkeit in Erscheinung trat, ist die Vereinigung aller Vollkommenheiten und wird durch den Odem des Heiligen Geistes offenbar. Sie ist göttliche Vollkommenheit, Licht, Geistigkeit, rechte Führung, Erhabenheit, edles Streben, Gerechtigkeit, Liebe, Großmut, Güte zu allen, Menschenliebe, der innerste Kern des Lebens. Sie ist die Widerspiegelung des Glanzes der Sonne der Wahrheit.

Christus ist der Mittelpunkt des Heiligen Geistes: Aus dem Heiligen Geist wurde Er geboren, durch den Heiligen Geist wurde Er berufen und vom Heiligen Geist stammt Er ab. Das heißt, daß die Wirklichkeit Christi nicht von Adam abstammt, sondern vom Heiligen Geist geboren ist. Darum bedeutet der Vers: "Denn gleichwie sie in Adam alle sterben, so werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden", entsprechend dieser Ausdrucksweise, daß Adam¹ der Stammvater der Menschheit ist, daß er nämlich ihr körperliches Leben begründet hat; sein ist die körperliche Vaterschaft. Er ist eine lebende Seele, aber nicht der Spender des geistigen Lebens. Dagegen ist Christus die Ursache des geistigen Lebens der Menschheit, und mit Bezug auf den Geist ist Sein die geistige Vaterschaft. Adam ist eine lebendige Seele, Christus der lebenspendende Geist.

¹ Abúl-bashar, der Vater des Menschen, ist einer der Namen, den die Muhammadaner Adam gegeben haben.

#121

Diese physische, menschliche Welt ist der Macht der Triebe unterworfen, und Sünde ist die Folge dieser Macht der sinnlichen Begierden, die ja den Gesetzen der Gerechtigkeit und Heiligkeit nicht unterstellt sind. Der Körper des Menschen ist ein Sklave der Natur; was immer sie befiehlt, wird er tun. Es steht also fest, daß Sünden, wie Zorn, Eifersucht, Streit, Habsucht, Geiz, Torheit, Vorurteil, Haß, Stolz und Herrschsucht, in der körperlichen Welt vorhanden sind. Alle diese niedrigen Eigenschaften finden sich in der Natur des Menschen. Ein Mensch ohne geistige Erziehung ist wie ein Tier. Wie die Wilden Afrikas, deren Handlungen, Gewohnheiten und Sitten allein von den Sinnen bestimmt werden, benehmen sie sich entsprechend den Ansprüchen der Natur in einem solchen Maß, daß sie einander zerreißen und fressen. So ist es klar, daß die stoffliche Welt des Menschen eine Welt der Sünde ist. In dieser physischen Welt steht der Mensch nicht höher als das Tier.

Jede Sünde entspringt den Forderungen der Natur, und diese Ansprüche, die der physischen Erde entstammen, sind beim Tier keine Sünde, während sie für den Menschen Sünde sind. Das Tier ist die Quelle von Unvollkommenheiten, wie Zorn, Gier, Neid, Habsucht, Grausamkeit und Selbstsucht; alle diese Mängel werden in Tieren gefunden, stellen aber keine Sünden dar. Beim Menschen dagegen sind sie Sünde.

Adam begründete das körperliche Leben der Menschen, aber die Wirklichkeit Christi, das heißt das Wort Gottes, ist die Ursache des geistigen Lebens. Es ist der belebende Geist. Das bedeutet, daß alle Unvollkommenheiten, die von den Ansprüchen des physischen, menschlichen Lebens herrühren, durch die Lehren und Unterweisungen jenes Geistes in menschliche Vollkommenheit umgewandelt werden. Deshalb war Christus der belebende Geist und die Ursache des Lebens in der ganzen Menschheit.

Adam war die Ursache des physischen Lebens, und weil die stoffliche Welt des Menschen die Welt der Unvollkommenheit und Unvollkommenheit gleichbedeutend mit Tod ist, verglich Paulus die stoffliche Unvollkommenheit mit dem Tod.

#122

Aber die meisten Christen glauben, daß Adam durch das Essen vom verbotenen Baum sündigte, weil er ungehorsam war, und daß die verheerende Folge dieses Ungehorsams als Erbe übertragen wurde und seinen Nachkommen geblieben ist. So sei Adam zur Ursache des menschlichen Todes geworden. Diese Erklärung widerspricht der Vernunft und ist offensichtlich falsch; denn sie besagt, daß alle Menschen, sogar die Propheten und Boten Gottes, ohne Vergehen und Sünde, nur weil sie aus der Nachkommenschaft Adams stammen, schuldlos schuldig und sündig geworden seien und bis zum Tage des Opfers Christi zu qualvoller Strafe in der Hölle gefangen gehalten wurden. Dies ist weit von der Gerechtigkeit Gottes entfernt. Wenn Adam ein Sünder war, was war die Sünde Abrahams? Was haben sich Isaak und Joseph zuschulden kommen lassen? Was hat Moses Übles getan?

Christus, Der das Wort Gottes ist, hat Sich Selbst geopfert. Dieses Opfer hat zwei Bedeutungen, eine offensichtliche und eine verborgene. Die äußere Bedeutung ist folgende: Christi Absicht war, eine Sache zu vertreten und zu fördern, die das Menschengeschlecht erziehen, die Kinder Adams neu beleben und die ganze Menschheit erleuchten sollte. Weil aber die Offenbarung einer solch großen Sache - einer Sache, die im Widerspruch zu allen Menschen, Völkern und Obrigkeiten stand - es in sich schloß, daß Er getötet und gekreuzigt würde, hat Christus damit, daß Er Seine Sendung verkündete, Sein Leben hingegeben. Für Ihn war das Kreuz wie ein Thron, die Wunden wie Balsam, das Gift wie Honig und Zucker. Er erhob Sich, die Menschen zu lehren und zu erziehen, und so opferte Er Sich Selbst, um den Geist des Lebens zu spenden. Sein Leib ging zugrunde, damit Sein Geist die Menschen neu beseele.

Die andere Bedeutung des Opfers ist die: Christus war wie ein Samenkorn, und dieses Samenkorn opferte seine eigene Gestalt, damit der Baum wachsen und sich entfalten möge. Wenn auch das Äußere des Samenkorns zugrunde ging, so offenbarte sich seine Wirklichkeit in vollendeter, majestätischer Pracht und Schönheit in der Gestalt eines Baumes.

#123

Die Stufe Christi war reine Vollkommenheit; Er brachte zustande, daß Seine göttlichen Vollkommenheiten wie Strahlen der Sonne auf alle gläubigen Seelen fielen, und die Gaben des Lichts schienen und leuchteten in der Wirklichkeit der Menschen. Daher sagt Er: "Ich bin das lebendige Brot, vom Himmel gekommen. Wer von diesem Brot essen wird, der wird leben in Ewigkeit."¹ Das heißt, daß jeder, der an diesem himmlischen Mahl teilnimmt, ewiges Leben findet; jeder, der an dieser Gnade teilhat und diese Vollkommenheiten annimmt, wird ewiges Leben gewinnen, wird immerwährende Gnaden empfangen, wird von der Finsternis des Irrtums befreit und vom Licht Seiner Führung erleuchtet.

Die Gestalt des Samenkorns wurde dem Baum geopfert, aber seine Vollkommenheiten wurden infolge dieses Opfers sichtbar und offenkundig; denn der Baum mit seinen Zweigen, Blättern und Blüten war im Samenkorn verborgen, indem das Äußere des Samenkorns geopfert wurde, zeigten sich seine Vollkommenheiten in der vollendeten Gestalt der Blätter, Blüten und Früchte.

¹ Johannes 6:51

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Realität ist etwas für Leute, die Angst vor Einhörnern haben!
Oh Mann, Pommes, danke nochmal ... an diese Erklärung hätte ich mich erinnern müssen! Wie konnte ich die Beantworteten Fragen nur vergessen ...

GLG,
B.
Abd al-Rahman hat folgendes geschrieben:
Ich weiss zwar nicht was ihr von der Seite haltet, aber ich halte sie für authentisch.

Vielleicht hilft dir das:

http://bahai-library.com/uhj_apostle_paul


Der Brief ist authentisch und die Webseite ist die größte englischsprachige (bzw. überhaupt in seiner westlichen Sprache) Sammlung an Bahai-Materialien. Es ist keine offizielle Webseite irgendeiner Bahai-Gemeinde, sondern eine private Initiative. Dort ist aber sehr, sehr viel offizielles Material hochgestellt. So z.B. dieser Brief von der Forschungsabteilung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit.
Hallo an alle,

ich habe in den letzten Tagen folgendes Gedankenspiel gehabt: Der Glaube der Christlichen Kirche basiert ja meistens darauf auf, dass sie annehmen, Jesu sei für die Sünden der Menschen gestorben.

Nachdem ich Bahai geworden bin, habe ich mir kaum diese Frage gestellt, wie dies von Baha'u'llah und/oder Abdu'l Baha erläutert und gedeutet wurde. Doch in der letzten Zeit wurde ich häufig dies gefragt, da wir uns in einem Dialog mit Christne befinden. Da habe ich gesagt, dass wir das nicht als so wichtig sehen. Dabei hatte ich selbst einfach nur wirklich null Ahnung.

Jetzt habe ich aber an einer Stelle in der Ährenlese gelesen, dass "Durch Seine Macht, aus dem allmächtigen Gott geboren, [.]die Augen des Blinden geöffnet und die Seele des Sünders geheiligt [wurden]." (Ährenlese 36:2).

Das verstehe ich jetzt schon so, dass Jesus Christus für die Sünden der Menschen gestorben ist. Wie seht ihr das?

LG Yahia
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https://youtu.be/XJ9E4sbnW-k
Yahia hat folgendes geschrieben:
Hallo an alle,

ich habe in den letzten Tagen folgendes Gedankenspiel gehabt: Der Glaube der Christlichen Kirche basiert ja meistens darauf auf, dass sie annehmen, Jesu sei für die Sünden der Menschen gestorben.

Nachdem ich Bahai geworden bin, habe ich mir kaum diese Frage gestellt, wie dies von Baha'u'llah und/oder Abdu'l Baha erläutert und gedeutet wurde. Doch in der letzten Zeit wurde ich häufig dies gefragt, da wir uns in einem Dialog mit Christne befinden. Da habe ich gesagt, dass wir das nicht als so wichtig sehen. Dabei hatte ich selbst einfach nur wirklich null Ahnung.

Jetzt habe ich aber an einer Stelle in der Ährenlese gelesen, dass "Durch Seine Macht, aus dem allmächtigen Gott geboren, [.]die Augen des Blinden geöffnet und die Seele des Sünders geheiligt [wurden]." (Ährenlese 36:2).

Das verstehe ich jetzt schon so, dass Jesus Christus für die Sünden der Menschen gestorben ist. Wie seht ihr das?

LG Yahia


Ich denke als Bahai kann man schon bestätigen, dass Jesus für die Menschen (und ihre Sünden) gestorben ist.

Allerdings haben ja auch andere Manifestationen Gottes Leiden für die Menschen (und ihre Sünden) auf sich genommen. Zudem spielt das Leiden der Manifestation in der Bahai Lehre zwar eine sehr wichtige Rolle, aber nicht so eine zentrale Rolle wie es in der christlichen Theologie entwickelt hat.

Bezüglich des Opfers Jesu schreibt Bahaullah u.a.:

"Wisse daß die ganze Schöpfung in großer Traur weinte, als der Menschensohn Seinen Geist zu Gott aufgab. Durch Seine Selbstaufopferung wurde jedoch allen erschaffenen Dingen eine neue Fähigkeit eingeflößt. Ihre Beweise, wie sie bei allen Völkern der Erde wahrgenommen werden, liegen jetzt offen vor dir. Die tiefste Weisheit, welche die Weisen ausgesprochen haben, das tiefgründigste Wissen, das irgendein Geist entfaltet hat, die Künste, welche die fähigsten Hände hervorgebracht haben, der Einfluß, der von den mächtigsten der Herrscher ausgeübt wurde, sie alle sind nur Offenbarungen der belebenden Kraft, die durch Seinen überragenden, Seinen alles durchdringenden und strahlenden Geist ausgelöst wurden. Wir bezeugen, daß Er, als Er in die Welt kam, den Glanz Seiner Herrlichkeit auf alle erschaffenen Dinge ergoß. Durch Ihn genas der Aussätzige vom Aussatz der Verdorbenheit und des Unwissens. Durch Ihn wurden der Unreine und der Eigensinnige geheilt. Durch Seine Macht, aus dem allmächtigen Gott geboren, wurden die Augen des Blinden geöffnet und die Seele des Sünders geheiligt ... Er machte die Welt rein. Gesegnet der Mensch, der sich Ihm mit hellstrahlendem Antlitz zugewandt hat." (zitiert in Der verheißene Tag ist gekommen, 27,5)