Fakten/Indizien für und gegen Reinkarnation


Mara-Devi hat folgendes geschrieben:

Bei unserer „Diskussion“ erscheint mir ehrlich gesagt fraglich, ob es überhaupt möglich ist, vorurteilsfrei an das Thema Reinkarnation heranzugehen, geschweige denn seine Sicht und Meinung zu ändern, wenn einem der Religionsgründer, an den man glaubt, eine dezidiert negierende Entscheidung vorgegeben hat.


Diese Bemerkung von Mara fand ich herausfordernd.
Und habe mich nochmals mit Reinkarnationsvorstellungen befasst.
Dabei bin ich unter anderem auf dieses youtube Video gestossen, das ich mir wirklich nicht erklären kann und das von von Reinkarnationsgläubigen als Hinweis auf die Möglichkeit von Reinkarnation gesehen wird. https://www.youtube.com/watch?v=OcdqZ6f20Ds

Habt ihr Gedanken dazu?
Antworten von Grubi oder Pjotr würde ich besonders schätzen.
Hi Ziraki

Danke für den Anstubser, das Thema finde ich sehr faszinierend... Gedanken habe ich dazu, aber keinerlei fundierte Erklärung oder Antwort.
Der Kleine ist echt gut drauf, die meisten Klavierwunderkinder können sowas erst mit 5 oder 6 Jahren

Schau mal bei youtube bei den weiteren Vorschlägen rein, die Liste der wiedergeborenen Mozarts ist sehr lang und die leben gerade alle gleichzeitig.
Da würde ich eher eine ähnliche Bewusstseinsebene bei den vielen Musikwunderkindern vermuten.
Ich finde den Film Schlafes Bruder sehr sehenswert, in dem Film wird mit einer guten Portion Mystik die Gedankenwelt eines Musikwunders erahnbar...
Das Highlight: https://youtu.be/Lqls6U5V-I4


Es gibt einige "vorgeführte" Talente die jahrelang von ihren Eltern gedrillt werden 2-3 Musikstücke zu erlernen, die fangen mit 2 Jahren an und verbringen ihre Kindheit am Klavier oder mit der Geige.
In einigen Fällen gehe ich davon aus dass deren Eltern ein gestörtes Verhältnis zum Ehrgeiz entwickelt haben und das an ihren Kindern ausleben.
Die Kinder leben dann praktisch das was von ihnen erwartet wird und opfern dafür eine gewisse kindliche Unbeschwertheit oder gar ihre Kindheit für zukünftigen Erfolg.
Bei dem von dir verlinkten Video ist noch ein Werbehinweis für eine bestimmte Lernmethode enthalten, im Prinzip handelt es sich da um Guerilla-Werbung...
Spezielle Lernmethoden für Kinder wurden schon vor 200 Jahren an elitären Musikschulen entwickelt.

Ich bin nicht sicher ob es Sinn macht zu versuchen dieses Phänomen mit der Idee von Reinkarnationen zu erklären, so verführerisch es auch ist.

Man fragt sich wo die jahrelange Praxis herkommen soll wenn man davon ausgeht dass die Fingerkoordination frühestens mit 2 Jahren überhaupt dazu geeignet ist irgendwelche Tasten oder Knöpfe sinnvoll zu drücken.

Schaut man sich einige der bei youtube vorgeschlagenen Videos an, landet man irgendwann garantiert bei Alma Deutscher.

Dazu empfehle ich erst dieses Interview zu lesen: http://www.zeit.de/2016/02/wunderki.....intelligenz-10-jahre-alma

Und erst danach dieses Video anzuschauen: https://youtu.be/7NKbmQRxn-Y

Das ist schon alles ziemlich erstaunlich, eine für mich nicht zugängliche Welt, ich halte mich nicht für musikalisch talentiert...

Mir erscheint es als wäre Musik dazu geeignet Inhalte einer besonderen Gefühlswelt auszudrücken, als wäre es eine universelle Sprache die unserem Unterbewusstsein entspringt und von einigen Talenten direkt dorthin transportiert werden kann.

Es ist schön mit anderen Menschen gemeinsam zu Musizieren oder Musik zu hören, das Gehirn schwingt sich dabei auf die selbe Frequenz ein, man hat ein unheimlich intensives Gemeinschaftserlebnis und kann dadurch gemeinsam im selben Moment das Selbe spüren...
Wenn man in solchen Augenblicke unsere Hirnströme misst, sehen die Ergebnisse praktisch genauso aus als hätten wir gerade Sex oder eine tiefgreifende spirituelle Erfahrung.
Das wird auch wissenschaftlich erforscht.

Das fällt mir vorerst dazu ein, den Bogen zur Reinkarnation kriege ich jetzt noch nicht gespannt, aber vielleicht findet jemand einen Punkt zum Anknüpfen...

Gruss Grubi
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https://youtu.be/f2ROFnA4HRA
Hi Grubi,

der Zusammenhang mit dem Thema Reinkarnation, ergab sich für mich dadurch, dass ich auf das Video in einem Workshop "Kamma and Rebirth" von Bhante Sujato (ein Theravada Mönch von dem ich eine sehr hohe Meinung habe) gestoßen bin.
In dem Workshop wurde als Erklärung für die außergewöhnliche Begabung, Erinnerung an Fähigkeiten, die in früheren Leben erworben wurden, angeboten.

Mit dem Thema Wunderkind und außergewöhnliche musikalische Begabung habe ich mich bisher kaum befasst. Ich hatte ja schon vermutet, dass du dazu ein umfangreicheres Wissen hast. Danke für die Links, sehr interessant.
Hallo Ziraki,

ich schließe mich hier den Ausführungen von Grubi an.

Neben den von Eltern gedrillten sogenannten "Wunderkindern" gibt es natürlich auch ab und zu wirkliche Ausnahmetalente oder "Inselbegabungen".
Aber auch diese sagen wohl mehrheitlich, daß die Begabung eigentlich nur die Richtung vorgibt und der Rest durch ständiges Übenzur höchsten Vollendung gebracht werden muß.

Mit Reinkarnation hat das meines Erachtens überhaupt nichts zu tun. So weit ich weiß, gibt es nur sehr wenige mit ziemlich zweifelsfreien Fakten belegt Phänomene, die von der Wissenschaft nicht erklärt werden können.

Hinzu kommt, daß die Hirnforschung zwar rasante Fortschritte macht, aber immer noch relativ wenig wirklich zweifelsfrei beweisen kann.
Dies betrifft insbesondere die Informationsverarbeitung im Gehirn zu.
Ob es sich beim Übergang von Erinnerungen vom Kurzzeitgedächtnis ins Langzeitgedächtnis nur um elektrische Impulse handelt oder schon da biochemisch-physikalische Speicherungen geschehen, ist nach meinem Wissensstand noch ungeklärt.
Was man inzwischen weiß, ist, daß neue Erfahrungen, die eine Vorfahren-Generation gelernt hat, eine Nachfahren-Generation wesentlich schneller erlernen kann, auch wenn sie von den Elterntieren getrennt aufwächst und somit eine nachgeburtliche Konditionierung ausgeschlossen werden kann.
Damit kann man von einer genetischen oder epigenetischen Informationsübertragung ausgehen.
Bei einer genetischen Übertragung könnte man sich vorstellen, daß in Ausnahmefällen eventuell Bruchstücke von Fremdinformationen in den genetischen Code eingebaut werden und bei entsprechender Ausformung der abrufenden Werkzeuge auch irgendwann abgerufen werden können.
Aber das ist alles noch Spekulation.

Pjotr Kala
_________________
Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Hi

ziraki hat folgendes geschrieben:
Hi Grubi,

der Zusammenhang mit dem Thema Reinkarnation, ergab sich für mich dadurch, dass ich auf das Video in einem Workshop "Kamma and Rebirth" von Bhante Sujato (ein Theravada Mönch von dem ich eine sehr hohe Meinung habe) gestoßen bin.
In dem Workshop wurde als Erklärung für die außergewöhnliche Begabung, Erinnerung an Fähigkeiten, die in früheren Leben erworben wurden, angeboten.

[...]


Ich habe diesen Text gefunden als ich nach Kamma und Wiedergeburt suchte: http://www.dhammavaro.de/kamma_und_wiedergeburt.htm

Insbesondere kann ich mich mit dieser Idee anfreunden:
Zitat:
Die buddhistische Lehre ist diesbezüglich anders. Der buddhistische Begriff für Wiedergeburt ist Punabbhava, das bedeutet, wieder existieren. Der Buddhismus sieht die Wiedergeburt nicht als ein Weitergehen einer immerwährenden Seele an, sondern als ein neues Entstehen des Prozesses der Existenz. Punabbhava kann auch als „erneutes Werden“ bezeichnet werden. Es gibt aber eine Kontinuität, ein Weitergeben (Übermittlung) von Einflüssen, eine kausale Verbindung zwischen einem Leben und einem anderen. Aber es gibt keine Seele, keine permanente Wesenseinheit, die weitergeht von einem Leben zum nächsten.

Das Konzept der Wiedergeburt, ohne Seele, lässt normalerweise bestimmte Fragen aufkommen: Wie kann Wiedergeburt zustande kommen, ohne Selbst oder Seele, die einem Prozess einer Wiedergeburt untergeht? Wie können wir sagen, dass wir vergangene Leben gelebt haben, wenn es keine Seele oder ein Selbst gibt? Um das zu verstehen, müssen wir zuerst die Natur individueller Identität in einem Leben verstehen, wieso individuelle Identität in einem Leben möglich ist.


Mir geistert die Idee von einem Bewusstseinsstrom durch den Kopf, Wiedergeburt oder weitergabe von Bewusstsein ohne Seele ist für mich ein schlüssiges Konzept wenn ich den weiteren Erläuterungen in dem Text folge, entspricht das schon ziemlich meiner Weltanschauung...
Ich gehe davon aus dass wir uns wünschen eine unsterbliche Seele zu sein weil wir an unserer Individualität kleben und uns als erlebendes Wesen wahrnehmen und das gerne beibehalten möchten.

Wie Individualität entsteht wird für meinen Geschmack in dem Text gut dargestellt, ich möchte der Idee wohl folgen...

Am Ende des Textes:
Zitat:

Aus diesem Grund benennt der Buddha die Begierde (oder die Wünsche) als Faden. So wie ein Faden die verschiedenen Stoffteile zusammenfügt, in ähnlicher Weise verbindet die Begierde das eine Leben mit dem nächsten, knüpft die Abfolgen der Leben aneinander. Und so bleibt Samsara, das Wandern im Daseinskreislauf, durch die Begierde erhalten. Solange die Begierde erhalten bleibt, geht der Prozess weiter. Der Tod ist kein Hindernis für die Kontinuität dieses Prozesses, für die Erneuerung von Erfahrungen durch die 6 Sinne. Verlangen ist so mächtig, dass es fähig ist den Zwischenraum zu überbrücken, der durch den Tod geschaffen wurde, und kann so ein neues Haus sinnlicher Existenz erbauen.

Immer wieder und immer wieder und immer wieder .....


...stellt sich die Frage ob Samsara erreichbar ist wenn man sich nicht biologisch fortpflanzt

Um hier weiterzukommen würde ich den Bewusstseinsstrom wie eine Sammlung von Informationen betrachten die auf unterschiedlichste Art und Weise transportiert werden können.
Inwiefern die Epigenetik zu berücksichtigen wäre, weiss ich nicht wirklich.
Man kann die Menschheit ebenfalls als Bewusstseinsstrom betrachten, wir geben unsere Erfahrung kulturell bedingt an folgende Generationen weiter, diese kulturellen Impulse fliessen in einzelne Individuen zurück und formen deren Wesen welches sich wiederum kulturell mehr oder weniger stark einbringt und die zukünftige Kultur beeinflusst...
In der Folge treten kleine Bewusstseinsflüsse an unerwarteter Stelle wie Quellen hervor und werden zu Strömen.

So gesehen ist es möglich das menschliche Sein metaphysisch zu betrachten ohne die Idee von von einer Individualseele zu bemühen welche sich in erster Linie darauf konzentriert eine Rückkehr zu ihrem Ursprung oder Schöpfer zu herbeizusehnen.

Gruss Grubi
_________________
https://youtu.be/f2ROFnA4HRA
Grubi hat folgendes geschrieben:


...stellt sich die Frage ob Samsara erreichbar ist wenn man sich nicht biologisch fortpflanzt



Nach buddhistischer Auffassung unausweichlich.

Ich zitiere aus dem Text, den du verlinkt hast:
Zitat:
und es gibt eine dritte Bedingung, die der Buddha den GANDHABBA nannte. Der GANDHABBA ist der Strom des Bewusstseins der verstorbenen Person, der Fluss des Geistes, der bereit ist neue Geburt zu nehmen. {} Wenn diese drei Bedingungen zusammenkommen, dann kann die Befruchtung stattfinden. Das Ei wird befruchtet und formt die ersten Zellen, und der neue Lebensprozess beginnt.
Und Nirwana ist dann, wenn die Individualität mit dem Ganzen verschwimmt.