Doppelmoral


Hallo!

Bin neu im Forum, hier mein erster Diskussionsbeitrag:

Wieso werden Islamisten in Syrien vom Westen unterstützt (durch Waffen, Medien etc.), in Mali aber aber bekämpft?

Wie kann man Staaten und ihre Medien mit solch einer inkonsequenten, heuchlerischen Haltung überhaupt noch ernstnehmen?

Geht es wirklich um Islamisten oder darum Uranvorkommen in Mali zu sichern?

Geht es wirklich um die Befreiung des syrischen Volkes oder darum, Assad loszuwerden und Sunniten an die Macht zu bringen; das heißt, einen Verbündeten des Irans zu beseitigen und gleichzeitig diese Lücke mit einem Feind des Irans zu füllen?

Worum geht es eurer Meinung nach in diesen Konflikten und wie geht ihr mit der Doppelmoral in den Medien um?

Gruß, Qzzz
Woher hast du die Information das die syrischen ich sag mal nur "AntiAssad" Kämpfer vom "Westen" mit Waffen versorgt werden, das wäre mir neu...
_________________
Der Glaube eines Menschen kann durch kein Glaubensbekenntnis, sondern durch die Beweggründe seiner gewöhnlichen Handlungen festgestellt werden.
(George Bernard Shaw, irischer Dramatiker, 1856-1950)
Qzzz hat folgendes geschrieben:
Hallo!

Bin neu im Forum, hier mein erster Diskussionsbeitrag:


Liebe(r) Qzzz,

herzlich Willkommen! Es ist immer schön, neue Leute hier zu sehen.

Zitat:
Wieso werden Islamisten in Syrien vom Westen unterstützt (durch Waffen, Medien etc.), in Mali aber aber bekämpft?


Was ich jetzt schreibe, soll keine eigene Stellungnahme sein, sondern ich will nur wiedergeben, wie ich den von Dir aufgezeigten Widerspruch verstehe, bzw. was ich glaube, was die Motivation dahinter ist:

Erstmal ist die Opposition in Syrien ja nicht nur islamistisch. Sie besteht aus sehr verschiedenen Gruppen mit sehr verschiedenen Weltsichten. Darunter sind, wie Du feststellst, auch Islamisten. Aber eben auch säkular orientierte Gruppen.

Im Vergleich zum brutalen Diktatur Assads wird also die Opposition wohl als das kleinere Übel gesehen. Nicht zuletzt deswegen, weil das Assad-Regime mit dem Iran verbündet ist und Israel bedroht.

In der Realpolitik kann man sich nicht immer aussuchen, mit wem man es zu tun hat, sondern muss mit dem arbeiten, was man hat. Deswegen ist wohl "der Feind meines Feindes" oft ein Freund (aus Sicht nicht weniger westlicher Strategen). Schöner wäre es natürlich, wenn innerhalb der syrischen Opposition nicht auch Islamisten mitmischten, aber das kann man wohl nicht ändern.

Zitat:
Wie kann man Staaten und ihre Medien mit solch einer inkonsequenten, heuchlerischen Haltung überhaupt noch ernstnehmen?


Ich frage mich an dieser Stelle immer, ob ich lieber in einem freien Land wie Deutschland leben möchte, oder in einer brutalen Diktatur wie Syrien, wo das Regime die eigene Bevölkerung brutal unterdrückt und massakriert, oder in einem von Islamisten beherrschten Mali, wo Dir Hände und Füße abgehackt werden, wenn Du nicht streng der Scharia gehorchst, Abfall vom Islam mit der Todesstrafe bestraft wird, und Musik und Gemälde verboten sind. Von freier Meinungsäußerung und gleichgeschalteten Medien mal ganz abgesehen.

Dann wird mir klar, dass ich die westlichen Regierungen und Medien jedenfalls ernster nehmen kann, als ich das in den genannten Ländern könnte.

Immerhin kommst Du nicht in den Knast dafür, dass Du auf einem Internet-Forum solche kritischen Fragen stellst, sondern Dein Recht, das zu tun, ist durch die freie Meinungsäußerung gedeckt. Du wirst dafür auch nicht gefoltert und von den staatlich kontrollierten Medien zum Staatsfeind erklärt.

Insofern können wir, denke ich, unsere Regierung und Medien noch relativ gut ernst nehmen.

Zitat:
Geht es wirklich um Islamisten oder darum Uranvorkommen in Mali zu sichern?


Beides.

Zitat:
Geht es wirklich um die Befreiung des syrischen Volkes oder darum, Assad loszuwerden und Sunniten an die Macht zu bringen; das heißt, einen Verbündeten des Irans zu beseitigen und gleichzeitig diese Lücke mit einem Feind des Irans zu füllen?


Beides.

Zitat:
Worum geht es eurer Meinung nach in diesen Konflikten und wie geht ihr mit der Doppelmoral in den Medien um?


Es geht selten nur um moralische Dinge, wenn es um Interventionen oder Krieg geht. Es stehen auch handfeste materielle Interessen dahinter.

Aber das entwertet meiner Meinung nach nicht die moralischen Abwägungen, die ebenfalls eine Rolle spielen.

Wenn Frankreich Uran im Mali bekommt, und dafür das malische Volk von brutalen Unterdrückern befreit wird, hat doch jeder etwas davon, oder?

Zitat:
Gruß, Qzzz


Liebe Grüße,
Bernhard
Hallo Bernh, deine Meinung spiegelt mein Gedankengut zu 100% wieder! Trotzdem meine Frage an Qzzz ist noch offen, zumindest offizielle Waffenlieferungen sind mir nicht bekannt....