Was tun gegen Vorurteile?


Burkl hat folgendes geschrieben:
Rosenblüte hat folgendes geschrieben:

Vorurteile haben wir vor allem bei Gruppen von Menschen, die wir nicht kennen, die anders sind als wir. Das erzeugt Angst.


Es gibt da ein hochinteressantes Experiment, das 2006 in Harvard durchgeführt wurde (Baron & Banaji):

Kinder (6 und 10 Jahre alt) und Erwachsene – alles "Weiße" - mussten auf einem Computer nacheinander auftauchende Gesichter und Begriffe mit Hilfe von zwei Tasten entweder nach links oder nach rechts ordnen – die Gesichter nach Hautfarbe (hell oder dunkel), die Begriffe (good, nice, fun, happy, bad, mean, yucky und mad) nach gut und böse. Es wurde ihnen gesagt, dass es schnell gehen muss, man aber keine Fehler machen soll.

Im ersten Durchgang musste man dunkle Gesichter und positive Begriffe auf dieselbe Seite ordnen (und helle Gesichter und negative Begriffe auf die andere Seite). Im zweiten Durchgang war es dann umgekehrt (hell und positiv, dunkel und negativ).

Es zeigte sich, dass es den Testpersonen durchwegs schneller von der Hand ging – also, so die Interpretation, leichter fiel -, die guten Begriffe den hellen Gesichtern zuzuordnen als den dunklen. Das war bei den 6jährigen ebenso der Fall wie bei den 10jährigen und den Erwachsenen. Die Forscher sehen darin den Beweis, dass sich schon früh im Kindesalter eine implizite Präferenz für die eigene Rasse herausbildet und diese auch im Erwachsenenalter bestehen bleibt.

Dann gab es aber noch einen weiteren Durchgang: Die Teilnehmer bekamen nur noch Gesichter zu sehen und zwar jeweils ein Paar (hell-dunkel). Sie wurden aufgefordert, das sie mehr ansprechende Gesicht des jeweiligen Paares zu nehmen. Und dabei hatten sie Zeit, es ging also nicht auf Schnelligkeit. Und siehe da: Die Kinder bevorzugten auch hier deutlich die Hellhäutigen, bei den Erwachsenen aber gab es keine eindeutig zu erkennende Präferenz mehr.

Es scheint also tief im Menschen angelegt zu sein zu unterscheiden zwischen "die Meinen" und "die Anderen". Die Erwachsenen haben die Möglichkeit diese erste tiefere Ebene mit dem Verstand zu "überlagern". In Notsituationen, also wenn es "Hart auf Hart" scheint aber wieder die "tiefere intuitive Ebene" - eben die mit den Ängsten vor "den Anderen" die Herrschaft zu übernehmen.

Noch etwas ist bei Baron und Banaji interessant, obwohl ihr Test gar nicht darauf abgestellt ist: Eine vorbereitende Testphase, sozusagen zum Einüben, ist genauso angeordnet wie der Haupttest. Nur gibt es statt hellen und dunklen Gesichtern Insekten und Blumen. Siehe da: 96 Prozent der 6jährigen Mädchen bevorzugten Blumen, aber nur 43 Prozent der Buben. (Bei den Erwachsenen gab es auch hier keine eindeutige Präferenz.) Mädchen und Buben sind also doch verschieden. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Link zur Studie:

http://www2.psych.ubc.ca/~abaron/do.....s/Baron_Banaji_PS2006.pdf


Danke für den Link, hochinteressant.
luschn hat folgendes geschrieben:
Aber vielleicht gibts auch Taliban die anderes Gedankengut haben und einfach nur im falschen Land zur falschen Zeit geboren wurden, durch falsche Ehre und Stolz (oder welche Umstände auch immer, Familienbande zB) dort gebunden sind ... Da ist die Frage, wo beginnt ein Vorurteil und wo endet es ...


Da hast Du natürlich auch wieder recht.
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»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten