Eifersucht - gut oder schlecht ?


Was ist mit Kleinkindern, die plötzlich durch ein neues Geschwisterchen weniger Aufmerksamkeit durch ihre Eltern bekommen? Diese Kinder entwickeln Eifersucht. Haben diese Kleinkinder ein niederes Selbstwertgefühl?
@luschn: ich denke schon dass Eifersucht nützlich für die Evolution ist, z.B. in der hinsicht die du ansprichst. Aber eben nicht nur.
luschn hat folgendes geschrieben:
Eifersucht wird hier nur im Rahmen einer Partnerschaft besprochen. Was ist am Arbeitsplatz, in der Familie, im Freundeskreis, in der (Religions)Gemeinde, alles Orte wo man enge Bindungen hat und sich Eifersucht entwickeln kann. Ist Eifersucht nicht auch ein Ausdruck dafür, zu wenig Wertschätzung zu erhalten. Also dass man eine andere Erwartungshaltung hat als der Gegenpart? Hier nur in Schwarz oder Weiß zu urteilen ist mir viel zu kurzsichtig.



Was ich von mir sicher sagen kann ist, dass ich ein sehr schwaches "Besitzdenken" habe.
Das war bei mir irgendwie schon immer so.

Ich konnte z.B. nie wirklich verstehen, warum es "mein eigenes" Haus sein muss, warum "meine" Kinder oft so betont wird oder "mein" Mann.

Meine Mutter hat mir mal gesagt, ihr wäre schon sehr früh aufgefallen, dass ich wenig "Begehren" hätte (sicher in der einen oder anderen Hinsicht mal stärker, mal schwächer. Ich lebe definitiv keine Askese ).

Schwierig auszudrücken - meine Mutter meinte das mal in dem Zusammenhang, ihr sei schon in meiner Kindheit aufgefallen, dass ich dann zum essen aufhöre, wenn ich satt bin und nicht noch mal nachnehme, weil es so gut schmeckt.


Möglich, dass das alles zusammenhängt.
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Viele Grüße
Phaga

Der größte Feind der Freiheit ist ein glücklicher Sklave.
(aus: "Else Buschheuer")
Hier wird Eifersucht aber als Grundschlecht dargestellt und das ist sie meines Erachtes nicht, das möchte ich einfach herausstellen.

Ein kleines Beispiel noch von meiner Seite: Meine Freundin ist seit Anfang Dezember in England. Am Freitag kommt sie endlich zurück. Abends war sie natürlich des öfteren mal weg, meistens mit Männern. Ich vertraue ihr vollends, trotzdem war ich schon eifersüchtig auf den Umstand, dass fremde Männer mit ihr Zeit verbringen können, während ich hier in München sitze. Die Frage ist jetzt, wäre es Liebe, wenn ich anders empfinden würde, nicht eifersüchtig wäre?
Phaga hat folgendes geschrieben:

Schwierig auszudrücken - meine Mutter meinte das mal in dem Zusammenhang, ihr sei schon in meiner Kindheit aufgefallen, dass ich dann zum essen aufhöre, wenn ich satt bin und nicht noch mal nachnehme, weil es so gut schmeckt.


Wir mussten aufessen, auch wenns nicht geschmeckt hat
Mir ist noch ergänzend etwas eingefallen, was sich auf Eifersucht oder Nicht-Eifersucht außerhalb der Partnerschaft bezieht.

Mein Mann und ich haben ja Kinder aufgenommen.
Und unsere Pflegetochter hat Kontakt zu ihrer leiblichen Familie, demzufolge auch mit ihrer Mutter.

Ich habe ihre Mutter auch immer als ihre Mutter respektiert und nie versucht, aus ihrem Kind "mein" Kind zu machen.
Trotzdem gehört unsere Pflegetochter natürlich zu uns, sie ist für uns eine ganz normale Familienangehörige.

Aber ich hege ihrer leiblichen Mutter gegenüber keine Eifersucht.
Sie darf ihre leibliche Mutter so lieb haben, wie sie sie eben lieb hat.

Und ich habe immer klar signalisiert, dass ich ihre leibliche Mutter nicht "entmuttern" und mich an ihre Stelle setzen möchte.

Bei uns funktioniert die ganze Pflege wunderbar.
Unsere Pflegetochter weiß, wo sie zuhause ist und welcher Familie sie angehört - aber sie weiß auch, dass sie ihre leibliche Mutter und ihre leiblichen Geschwister lieb haben darf und sich auch als "Kind ihrer leiblichen Mutter" fühlen darf.
Zitat:
Die Frage ist jetzt, wäre es Liebe, wenn ich anders empfinden würde, nicht eifersüchtig wäre?


ey luschn sehr interessante Frage. Platon erwähnt ja 4 Arten der Liebe...die 4te und höchste Art der Liebe ist die Agape. in dieser Form der Liebe, wünscht man für den Partner nur, was ihn glücklich macht, ohne ihn besitzen zu wollen.

Klar ist das utopisch für die meisten von uns.

ich denke aber echt, dass unsere Erwartungen uns das Genick brechen. Die Wurzel alles Leids sozusagen.
Liebe RoseGarden,

da kann ich aus Erfahrung sagen, daß Du recht hast.
Wir verknüpfen Liebe irgendwie immer mit Erwartungen. Denke deshalb gehen auch so viele Beziehungen in die Brüche.

Soll nicht überheblich klingen, aber manchmal muss man jemanden aus Liebe auch loslassen bzw. gehen lassen um wie Platon sagt, ihn glücklich zu machen, auch wenn es gegen mein eigenes Glücklichsein empfunden wird.

Das unter anderem ist "wahre Liebe", und dennoch finde ich es verdammt hart und auch sehr schmerzhaft.

Ich danke Gott dafür, daß es Euch gibt! (Auch wenn es bislang nur "virtuell" ist)
Alles Gute
Tim
RoseGarden hat folgendes geschrieben:

ey luschn sehr interessante Frage. Platon erwähnt ja 4 Arten der Liebe...die 4te und höchste Art der Liebe ist die Agape. in dieser Form der Liebe, wünscht man für den Partner nur, was ihn glücklich macht, ohne ihn besitzen zu wollen.


Soviel ich weiß, sind Platons Arten von Liebe wertungsfrei. Diesbezüglich gibt es aber verschiedene Auffassungen. Selbst Platoniker waren sich uneins und dementsprechend viele Ansichten und verschiedene Aufgliederungen von Liebe gibt es. Agape führt ja quasi zur Selbstaufgabe, ob das die höchste Art von Liebe sein kann, ist für mich mehr als fraglich. Wie kann ich ohne Selbstliebe lieben? Und wenn jeder so empfindet, lebt er nur noch für den Wunsch des anderen. Wenn aber keiner mehr für sich selbst lebt, wessen Wunsch soll dann erfüllt werden, wenn es keine mehr gibt?
Zitat:
Soviel ich weiß, sind Platons Arten von Liebe wertungsfrei. Diesbezüglich gibt es aber verschiedene Auffassungen. Selbst Platoniker waren sich uneins und dementsprechend viele Ansichten und verschiedene Aufgliederungen von Liebe gibt es. Agape führt ja quasi zur Selbstaufgabe, ob das die höchste Art von Liebe sein kann, ist für mich mehr als fraglich. Wie kann ich ohne Selbstliebe lieben? Und wenn jeder so empfindet, lebt er nur noch für den Wunsch des anderen. Wenn aber keiner mehr für sich selbst lebt, wessen Wunsch soll dann erfüllt werden, wenn es keine mehr gibt?


Ich kenne es so, aus dem Philo-Unterricht. Plato war auch nicht wertfrei

Ich denke, je mehr du dich selbst liebst, desto mehr kannst du andere loslassen, bzw. ohne Erwartungen lieben.
Wir erwarten ja geliebt zu werden, aber wenn das nicht passiert, führt es zu Leid. Wessen Wunsch soll dann erfüllt werden ja? Liebe ist ein Selbstzweck, sie existiert, aber wir können sie nicht festhalten, oder für uns beanspruchen. Warum also Eifersucht?

Für Menschen, die an etwas Höheres glauben ist sicher diese Liebe in Gott zu finden, oder eben in ihrem eigenen Geist. Denn die Liebe Gottes ist unendlich und die menschliche Liebe schon.

Wenn wir auch bedenken, dass wir aus Liebe erschaffen sind, brauchen wir vielleicht auch nicht so viel von anderen zu erwarten, um uns aufzuwerten. Denn das ist ja die Zuneigung von anderen: sie gibt uns das gefühl wertvoll zu sein. Und wenn wir davon ausgehen, dass wir eh wertvoll sind und zwar alle gleich wertvoll, dann bedürfen wir der Bestätigung der anderen nicht so sehr, bzw. müssen nicht eifersüchtig sein.

luschn, lass dich einfach mal auf meine Argumentation ein.