Bahai und die Todesstrafe


Hallo,

ich habe gerade beim Lesen der Kitab-i-Aqdas folgendes Gesetz gefunden:

"Wer ein Haus vorsätzlich durch Feuer zerstört, den sollt ihr auch verbrennen. Wer einem anderen vorsätzlich das Leben nimmt, den sollt ihr auch töten.¹ Haltet euch an Gottes Gesetz mit eurer ganzen Kraft und Macht und verlasset die Wege der Unwissenden. So ihr sie zu lebenslangem Gefängnis verurteilt, ist dies nach den Vorschriften des Buches statthaft.² Er hat wahrlich die Macht zu bestimmen, was immer Er wünscht."

Heisst dies das die Bahai wenn sie die Gesetze streng auslegen für die Todesstrafe sind?
Hallo lieber Bernd, erstmal möchte ich Dich herzlich willkommen heißen hier im Forum.

Zitat:
Heisst dies das die Bahai wenn sie die Gesetze streng auslegen für die Todesstrafe sind?


Also ich kann jetzt erstmal nur das sagen, was ich als einfache Frau und mittlerweile mehrfache Oma so verstanden habe.

Ich kenne keinen Bahai, der generell für die Todesstrafe ist.

Die Gesetze die Bahá'u'lláh gebracht hat sind gedacht für eine zukünftige Gesellschaft, die sich sicher von der heutigen sehr unterscheiden wird.
Auch sagte Bahá'u'lláh, dass die Todesstrafe in eine lebenslängliche Haft umgewandelt werden kann.
Wie das in ferner Zukunft gehandhabt werden wird, das wird sowieso die zukünftige Gesetzgebung bestimmen und nicht die Bahai-Glaubensgemeinschaft.
So wie ich es verstehe ist dieses Gesetz gedacht für unverbesserliche Verbrecher, vor denen die Gesellschaft geschützt werden soll und keiner weiß heute ob und wie das in Zukunft mal angewandt wird.

Das war jetzt so ganz kurz mein Verständnis dieser Sache.

Wenn man die Schriften Bahá'u'lláhs im Gesamten liest, wird man feststellen, dass Er dazu aufruft, das Gute für alle seine Mitmenschen zu tun und wer ernsthaft nachforscht wird sehen, dass die Bahai dies auch weltweit in die Tat umsetzen.

Alles Liebe Linde
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Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und Forderungen.
Bahá'u'lláh
Ich kann mich Linde nur anschließen.
Ergänzend dazu sollte gesagt sein das diese Gesetze immernoch die Alternative zur lebenslangen Haft bieten. Somit wäre die Handhabung mit Schwerverbrechern immernoch eine Stufe gelockerter als in Amerika. Trotzdem würde keiner der USA unterstellen es wäre keine moderne Demokratie.
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Realität ist etwas für Leute, die Angst vor Einhörnern haben!
Ich schließe mich in dieser Sache auch Linde an. Möchte nur noch die Erläuterungen zu diesem Gesetzesvers posten:
Zitat:
"So ihr sie zu lebenslangem Gefängnis verurteilt, ist dies nach den Vorschriften des Buches statthaft." (#62)

Auf eine Frage zu diesem Vers hat Shoghi Effendi ausgeführt, daß die Todesstrafe zulässig, die "lebenslange Freiheitsstrafe" aber als Alternative vorgesehen ist, "wodurch die Härte einer solchen Verurteilung entscheidend gemildert werden kann". Er sagt, "Baháu'lláh hat uns die Wahl überlassen und es uns somit freigestellt, innerhalb der Grenzen, die Sein Gesetz festlegt, unser eigenes Urteil walten zu lassen". Da es zu diesem Aspekt des Bahá'í-Rechts keine besondere Anleitung gibt, liegt die künftige Gesetzgebung darüber beim Universalen Haus der Gerechtigkeit.
Kitáb-i-Aqdas, Erläuterungen 87

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»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Und wie schaut die Position des universellen Haus der Gerechtigkeit momentan aus?

Andere Frage: Ist nicht selbst lebenslange Haft für Brandstiftung übertrieben?
Long Road hat folgendes geschrieben:
Andere Frage: Ist nicht selbst lebenslange Haft für Brandstiftung übertrieben?


Wenn durch die Brandstiftung Menschen ums Leben gekommen sind dann nicht. Es gibt wohl kaum einen schlimmeren und grausameren Tod als zu verbrennen.
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Realität ist etwas für Leute, die Angst vor Einhörnern haben!
@ Long Road
Zitat:
Und wie schaut die Position des universellen Haus der Gerechtigkeit momentan aus?


Alle Bahai dieser Erde müssen sich nach den jeweiligen Gesetzen ihres Landes ausrichten.
Mir ist nicht bekannt, dass das Universale Haus der Gerechtigkeit zum gegenwärtigen Zeitpunkt schon eine verbindliche Stellungnahme zu der Sache abgegeben hätte.
So wie ich persönlich das verstehe ist dafür die Zeit noch nicht reif.


Zitat:
Andere Frage: Ist nicht selbst lebenslange Haft für Brandstiftung übertrieben?


Wenn jemand einen freistehenden Schuppen anzündet von dem keine Gefahr für die Menschen ausgehen kann, wahrscheinlich.

Vor ein paar Jahren wurde allerding in Mannheim ein Wohnhaus in Brand gesteckt in dem viele, ich glaube es waren überwiegend Türken, wohnten, und viele jämmerlich verbrannten, sieht das wohl schon wieder etwas anders aus.

edith:
Oder wenn jemand gar in einem trockenem Gebiet einen Flächenbrand willentlich verursacht in dem Pflanzen, Tiere oder Wohngebiete, sprich Menschen, vernichtet und getötet werden.

Liebe Grüße Linde
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Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und Forderungen.
Bahá'u'lláh
Die Christliche Religion bedient sich von Gebote die erstens zur Selbstschutz dienen.
Die unterliegende Gedanke bei das Gebot nicht zu töten beruht also auf die Folgen fur derjenige der, für welche Grund auch, ein Leben nimmt. Was mit der Getotete passiert ist, fremd wie es klinkt, Nebensache.

Einer der Eigenschaften der Todesstrafe ist, dass sie dort wo sie nicht praktiziert wird, als Mord beurteilt wird. Auch wenn diese ausgefuhrt wird in eine andere Souveränität.
So wird also eine Strafe zu eine Straftat und zwar ein sehr schwere.

Wie verhalten Bahá'i sich mit die Folgen fur sichselbst?
Ist die Todesstrafe in die Sichtweise der Bahá'i eine Strafe oder eine Straftat? Denn beide oder keine geht bestimmt nicht. Das würde eine Kreisredenierung ergeben.

LG
Parrot
Parrot hat folgendes geschrieben:
Wie verhalten Bahá'i sich mit die Folgen fur sichselbst?
Ist die Todesstrafe in die Sichtweise der Bahá'i eine Strafe oder eine Straftat? Denn beide oder keine geht bestimmt nicht. Das würde eine Kreisredenierung ergeben.


Es wird m.E. so gesehen, dass nicht der Mensch hier straft, sondern Gott selbst, da Er ja dieses Gebot gegeben hat. Der Mensch ist sozusagen nur der verlängerte Arm Gottes.

Im Zusammenhang mit der Bestrafung des Diebes schreibt Baha'u'llah

Zitat:
Verbannung und Gefängnis sind verfügt für den Dieb¹, und nach der dritten Tat bringt ihm ein Mal auf seiner Stirn an, damit er, so gezeichnet, in den Städten Gottes und in Seinen Ländern keine Aufnahme finde.² Habt acht, daß Mitleid euch nicht davon abhalte, das Gesetz der Religion Gottes anzuwenden. Tut, was euch geboten ist von Ihm, der mitleidig und barmherzig ist. Wir erziehen euch mit der Rute der Weisheit und der Gesetze, wie ein Vater seinen Sohn erzieht, zu keinem anderen Zweck als zu eurem eigenen Schutz und zur Erhöhung eurer Stufe. Bei Meinem Leben, entdecktet ihr, was Wir bei der Offenbarung Unserer heiligen Gesetze für euch wünschten, ihr opfertet eure Seele für diesen geheiligten, diesen mächtigen, höchst erhabenen Glauben.
Kitáb-i-Aqdas 45

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»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Es wird auch in andere Threads über dieses Thema geschrieben. Deswegen mal ganz schwarzweiß:

Der einzige Weg der Todesstrafe nicht zu propagieren, ist sie in jeder Konfrontation eindeutig und katagorisch zu verwerfen.

Das ist eine rein technischer Tatsache.
Keine Meinung.
Nur eins und eins zusammengelegt.

Es gibt nicht sowas
wie halbwegs Tot.

LG
Parrot
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Bleib Glücklich und Gesund, und deine Seele treu.