Innere Leere


Also, ich bin erst 15, halte mich nicht für schlau, aber beschäftige mich dennoch mit ziemlich ernsten Themen für mein Alter.
Ich wollte mir eigentlich was von der Seele reden und Meinung dazu hören und ob es vielen so geht usw.
Mir fehlt eigentlich nichts großes (bis auf vielleicht eine vollständige Familie). Ich bin in der Pubertät und habe das, was sich viele wünschen, eine Mutter, die alles für mich machen würde, ein Freund und eine beste Freundin, die mich lieben, gehe auf ein Gymnasium und meine Noten sind ganz gut.
Trotzdem fühle ich diese Leere in mir. Früher bräuchte ich Emotionen, Spannung im Leben, damit ich fühlen kann und jetzt bin ich von dem Leben erschöpft.
Jeden Tag gehen mir immer die gleichen Gedanken durch den Kopf. Ich halte es nicht mehr aus. Das Leben, die Menschen, alles ist hier ungerecht, unfair. Sich das anzusehen, kann ich nicht mehr. Ich fühle mich leer, nicht erfüllt. Ich träume oft, sehr oft vom Tod, aber da ich nicht weiß, was kommt, hab ich auch gleichzeitig etwas Angst, dass es genauso sein wird, wie jetzt. Wenn ich auf der Straße laufe, stelle ich mir immer einen Unfall vor. Ein Auto oder sonst was überfährt mich. Ich bleibe oft kurz auf der Straße stehen und stelle es mir vor endlich das ganze los zu sein, die ganzen Menschen, die einen einfach nur fertig mit ihrer Falschheit machen. Ich will immer weg von hier, ich will in Ruhe gelassen werden oder dort hin, wo man Menschen vertrauen und glauben kann, wo man nicht ständig enttäuscht wird.
Wenn mich meine Mutter unter druck setzt, etwas nicht so passiert, wie ich es erwartet habe, bin ich am Boden zerstört. Wegen Kleinigkeiten fang ich an zu heueln.
Ich würde mich gern von der Welt abschließen, aber nicht alleine stehen, aber so läuft es nicht..[/u]
differentbutequal hat folgendes geschrieben:
Also, ich bin erst 15, halte mich nicht für schlau, aber beschäftige mich dennoch mit ziemlich ernsten Themen für mein Alter.
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Das klingt sehr sympathisch. Ich bin mehr als 3 x so alt und immer noch nicht besonders schlau. Aber die ernsten Themen beschäftigen mich und viele andere User hier.

Herzlich willkommen!
hey lieber differentbutequal

Ich denke die Müdigkeit gegenüber dem Leben rührt daher das du dich eben mit Daseinsfragen beschäftigst und, wie praktisch alle dabei, in eine Sackgasse geraten bist. Das führt praktisch immer dazu das man an der großen Theodizee verzweifelt (warum existiert so viel Leid usw.). Du solltest vielleicht versuchen Wahrheiten im Einzelnen zu entdecken und das große Ganze als großes Ganzes akzeptieren wie es ist. Ein Puzzle beginnt man auch mit einzelnen kleinen Puzzleteilen.
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Realität ist etwas für Leute, die Angst vor Einhörnern haben!
Ich finde es sehr gut, dass du dir Gedanken machst. Die Unterschiedlichkeit der Menschen verhindert nicht, dass ähnliche Erfahrungen gemacht werden und gerade die als schlecht empfundenen bilden die Persönlichkeit.
Im Leben kommt es darauf an, dass man unangenehmen Phasen mit Demut und Freundlichkeit begegnet. Sie gehören dazu und bringen Leben in den Trott, denn ohne Wind gehen keine Mühlen.

Dabei ist der Austausch mit anderen wichtig; nur leider trauen sich viele Menschen nicht, tiefere Gespräche mit anderen zu führen, obwohl sie alle den Drang dazu haben.
Eine freundliche Person die zuhört, glaubt leider oft, der Mensch habe Probleme und suche Hilfe, es läuft schließlich auf Therapeut hinaus.
Aber hier sind es keine Probleme, es sind Regungen des Geistes, der aus seinem Tiefschlaf zu erwachen gedenkt.

Irgendwie kam es dazu, dass Menschen nach außen nur mehr eine Rolle spielen und nach einem Schema leben, wodurch Grundfragen eher gemieden und maximal im Nebulösen angedeutet werden. Abends alleine sähe es anders aus aber auch dann gibt es genügend Ablenkungen...
Dein Eindruck über die Falschheit der Menschen basiert vielleicht auf der Wahrnehmung dieser Rollen, denn vielmehr lernt man von einem Großteil der Menschen in seinem Leben nicht kennen.

In Büchern findet man sich und seine Welt manchmal wider und lernt eine andere Perspektive kennen, die eigentlich das Gleiche sieht. Die Erkenntnis, dass andere Menschen gedanklich auch dort waren, wo ich jetzt bin und schon weiter sind, ist wohltuend.
Deshalb lege ich dir nahe, ein paar Bücher zu lesen; es werden auch Ansätze geboten, die helfen, Auswege aus hartnäckigen Gedankenkreisen zu zeigen und interessant ist auch zu sehen, wo andere mit ähnlichen Ursprungsgedanken hingekommen sind.
Traktat des Steppenwolfs von Hermann Hesse:
http://sanelatadic.com/Tractat%20vo.....20-%20Hermann%20Hesse.pdf

Neben Hesses "Steppenwolf" könntest du vielleicht auch mit "Demian" etwas anfangen. Demian macht besonders Eindruck, wenn du sehr religiös erzogen wurdest, so meine Beobachtung in meinem Umfeld.

Liebe Grüße
Hallo differentbutequal, erstmal ganz, ganz herzlich willkommen hier im Forum. Schön, dass Du hierher gefunden hast.

Habe ich das richtig herausgelesen, Du bist eine sie kein er?

Magst du vielleicht noch einen Vornamen angeben, kann ja ein anderer als Dein eigener oder ein abgewandelter sein. Ich finde es so unpersönlich wenn man Dich mit differentbutequal anreden soll.

Als ich Deine Ausführungen gelesen habe, da dachte ich nur. Gott sei Dank, dass ich nicht mehr 15 bin und mit all diesen Fragen und Dingen alleine stehe wie damals. Bin mittlerweile im Oma-Alter angekommen und seit vielen, vielen Jahren trotz großer Probleme sehr glücklich.

Wollte ich Dich erstmal nur so vorab als Ermutigung wissen lassen.

Ich hoffe, dass ich später nochmal hier zu Deinem Thread zurückkommen kann, denn ich hab jetzt noch einiges zu erledigen und muss weg. Bis später dann!

Alles Liebe Linde
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Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und Forderungen.
Bahá'u'lláh
Pommes hat folgendes geschrieben:
hey lieber differentbutequal

Ich denke die Müdigkeit gegenüber dem Leben rührt daher das du dich eben mit Daseinsfragen beschäftigst und, wie praktisch alle dabei, in eine Sackgasse geraten bist. Das führt praktisch immer dazu das man an der großen Theodizee verzweifelt (warum existiert so viel Leid usw.). Du solltest vielleicht versuchen Wahrheiten im Einzelnen zu entdecken und das große Ganze als großes Ganzes akzeptieren wie es ist. Ein Puzzle beginnt man auch mit einzelnen kleinen Puzzleteilen.


Dass es um eine Theodizee handelt, glaube ich eher nicht, denn das versteh ich zum Teil. Man muss im Leben Erfahrungen sammeln und durch die Fehler lernen, sich selig entwickeln usw., aber dass Menschen es sich nicht besser oder leichter machen wollen, versteh ich nicht. Die Welt wird immer egoistischer.
Als ich leer war und nicht mehr leben wollte, da habe ich den namen des Herrn angerufen und Er (er)füllte mich, mit seiner vollkommenen liebe und so wurde ich voll von seinem liebestrank und fand den sinn in Ihm. rufe Jesus in dein Herz und Er wird dich (er)füllen, glaube nur und rufe ihn und er wird kommen und Dir helfen, wie Er auch mir geholfen hat, hiermit gebe ich Zeugnis ab.
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Neues Leben für altes Leben.
Ewiges Leben für den Tod.
Jesus Christus für Adam

Grüße true e-xplorer
"Immer wenn ich nichts im Kopf habe, ist die Gefahr besonders groß, dass mir was einfällt."
Ich geb Dir diesen Ich-kann-Schule-Satz mit auf den Weg. Alles im Leben hat seine zwei Seiten.
Alles was Dich jetzt belastet, trainiert Deine Kräfte und Du sammelst einen reichen Erfahrungsschatz.
Schau Dir die Schätze an, die Du schon gesammelt hast!
Sie geben Dir Substanz und Gewicht.
Mit billigen Papierargumenten kann man Dich schon nicht mehr fortblasen. Das bist schon jemand geworden.
Ich grüße Dich voll Respekt in Deinem Werden.
Franz Josef Neffe
differentbutequal hat folgendes geschrieben:
Also, ich bin erst 15, halte mich nicht für schlau, aber beschäftige mich dennoch mit ziemlich ernsten Themen für mein Alter.
Ich wollte mir eigentlich was von der Seele reden und Meinung dazu hören und ob es vielen so geht usw.
Mir fehlt eigentlich nichts großes (bis auf vielleicht eine vollständige Familie). Ich bin in der Pubertät und habe das, was sich viele wünschen, eine Mutter, die alles für mich machen würde, ein Freund und eine beste Freundin, die mich lieben, gehe auf ein Gymnasium und meine Noten sind ganz gut.
Trotzdem fühle ich diese Leere in mir. Früher bräuchte ich Emotionen, Spannung im Leben, damit ich fühlen kann und jetzt bin ich von dem Leben erschöpft.
Jeden Tag gehen mir immer die gleichen Gedanken durch den Kopf. Ich halte es nicht mehr aus. Das Leben, die Menschen, alles ist hier ungerecht, unfair. Sich das anzusehen, kann ich nicht mehr. Ich fühle mich leer, nicht erfüllt. Ich träume oft, sehr oft vom Tod, aber da ich nicht weiß, was kommt, hab ich auch gleichzeitig etwas Angst, dass es genauso sein wird, wie jetzt. Wenn ich auf der Straße laufe, stelle ich mir immer einen Unfall vor. Ein Auto oder sonst was überfährt mich. Ich bleibe oft kurz auf der Straße stehen und stelle es mir vor endlich das ganze los zu sein, die ganzen Menschen, die einen einfach nur fertig mit ihrer Falschheit machen. Ich will immer weg von hier, ich will in Ruhe gelassen werden oder dort hin, wo man Menschen vertrauen und glauben kann, wo man nicht ständig enttäuscht wird.
Wenn mich meine Mutter unter druck setzt, etwas nicht so passiert, wie ich es erwartet habe, bin ich am Boden zerstört. Wegen Kleinigkeiten fang ich an zu heueln.
Ich würde mich gern von der Welt abschließen, aber nicht alleine stehen, aber so läuft es nicht..[/u]


Erstmal herzlich willkommen, liebe Differentbutequal (Darf ich Dich DBQ nennen? )!

Wie so oft weiß ich nicht wirklich etwas schlaues zu sagen, das allgemeingültig ist. Ich kann mich nur erinnern, wie das bei mir in dem Alter war und Dir davon erzählen. Vielleicht trifft einiges davon auf Dich zu, vielleicht nicht, aber vielleicht helfen Dir diese Gedanken ja weiter. Oder auch nicht. Wahrscheinlich gibt es auf diese Fragen auch keine allgemeingültige Antwort.

Ich hatte in Deinem Alter auch oft solche Gedanken. D.h. Gedanken, die mit Entfremdung gegenüber der Gesellschaft, dem Freundeskreis, dem Leistungsdruck, dem Erwachsenwerden zu tun hatten. Das ging so weit, dass ich mich 16/17 richtig schlimm depressiv wurde.

Mir ist im Nachhinein klargeworden, dass das ganze nur sehr wenig mit meiner Umwelt bzw. "der Welt da draußen" zu tun hatte. Die Welt hatte sich ja nicht grundlegend geändert, sondern meine Wahrnehmung und mein Empfinden.

Ich *dachte* zwar, dass mein Schmerz damit zusammenhängt, dass meine Schulkameraden mich nicht mögen/ich keine Freundin habe/es Probleme mit meiner Freundin gibt/dass es Druck in der Schule gibt/ich Angst vor der Zukunft habe/es soviel Leid in der Welt gibt. Aber das war nicht so. In Wirklichkeit haben wegen der Pubertät nur meine Hormone verrückt gespielt. Dann konnte ich mich schrecklich fühlen, obwohl meine Umwelt ok war, oder manchmal mich auch gut fühlen, obwohl ich Stress hatte -- am Ende war alles nur in mir selbst zu finden.

Deswegen glaube ich nicht, dass Du die Antworten auf Dein Gefühl in der Außenwelt finden wirst. Du wirst sie eher finden, wenn Du versuchst, an deinem eigenen Denken, Deiner Einstellung und Deiner inneren Laune zu arbeiten. Immer mit der Frage: "Wie kann ich mich gut fühlen, egal, was um mich herum passiert?"

Die Hormone in Dir lösen einfach Gefühle aus und durch kluge Antworten auf Fragen ändert sich das nicht -- genausowenig, wie ein Sturzbetrunkener dadurch wieder nüchtern wird, dass ihm klar wird, dass er betrunken ist. Das beste, was er machen kann, ist einfach "das beste draus zu machen". Und den Rausch ausschlafen.

In der Schule hatte ich damals das Problem, dass mich eine Mehrheit der Mitschüler nicht mochte. Oft haben sie sich über mich lustig gemacht. Eine Zeitlang habe ich mich selbst bemitleidet und mich gefragt, warum die Welt so ungerecht ist. Aber das hat natürlich nichts geändert. Dann habe ich angefangen, immer extra morgens ein besonders fröhliches Lächeln aufzusetzen, die Mitschüler immer freundlich zu grüßen und zu fragen, wie es ihnen geht (insbesondere die, die sich über mich lustig gemacht hatten) -- und es war wie verzaubert! Auf einmal sind viele von denen aufgetaut und haben mich mit viel mehr Respekt behandelt. Im Gegenzug ging es mir dann auch wieder besser.

Nach der Schule hat es mir sehr gutgetan, Vollzeit als Zivi zu arbeiten (in einem Pflegeheim). Dort musste ich 5 Tage in der Woche von 7 Uhr morgens bis 15:30 Uhr nachmittags arbeiten. Danach war ich oft so müde, dass ich nur noch ruhig gelesen oder ferngesehen habe, bis ich dann ins Bett gefallen bin.

Das war sehr gut, weil ich einfach nicht mehr so viel Freizeit im Überfluss hatte, um zu sehr zu grübeln und mich zu bemitleiden. Hört sich vielleicht doof an, aber so war es. Wenn Du 8 Stunden am Tag als Depp vom Dienst schrubben darfst, dann ist dir die wenige Freizeit, die Du danach noch übrig hast, viel zu wertvoll, um sie mit Grübeleien zu vergeuden.

Man könnte meinen, das hört sich zynisch an. "Was? Man soll eine abgestumpfte Arbeitsdrohne sein, damit man sich nicht schlecht fühlt! Sollte man nicht das Leid der Welt bekämpfen?"

Da mag was dran sein. Andererseits denke ich aber auch, dass man nie anderen helfen und sie wirklich lieben kann, wenn man nicht zuerst sich selbst lieben und sich selbst helfen kann. Durch Weltschmerz wurde noch nie irgendein Hungernder irgendwo satt, oder ein krankes Kind geheilt.

Vielleicht ist ja doch was an dem dran, was die Generation meiner Großeltern oft gesagt hat: Ihr Jugendlichen heute habt zuviel Freizeit, euch gehts zu gut, das ist das Problem. Wenn ich damals nicht auf dem Feld gearbeitet hätte, egal, wie es mir nun ging, dann wär ich einfach verhungert.

Naja. Vielleicht ist das auch zu hart. Ich weiß nicht. In jedem Fall, liebe DBQ, will ich damit nicht sagen, dass es Dir unbedingt so gehen muss, wie es mir damals ging. Vielleicht ist Dein Fall auch ein anderer. Aber meinem Ich von damals würde ich genau das schreiben, das ich Dir jetzt geschrieben habe.

Ganz liebe Grüße,
Bernhard
Ich denke nicht, dass es unbedingt die Freizeit ist, die Einen verdirbt, denn die negativen Gedanken kann ich auch neben dem Schrubben wie ein Depp haben.