Also sprach Zarathustra


Nietzsche hat folgendes geschrieben:
Euer Wille sage: der Übermensch sei der Sinn der Erde!
Ich beschwöre euch, meine Brüder, bleibt der Erde treu und glaubt denen nicht,
welche euch von überirdischen Hoffnungen reden!
Giftmischer sind es, ob sie es wissen oder nicht.
Verächter des Lebens sind es, Absterbende und selber Vergiftete,
deren die Erde müde ist: so mögen sie dahinfahren!

Zarathustras Vorrede, Kap. 3
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"
Das ist das Verhängnis
zwischen Empfängnis
und Leichenbegängnis
nichts als Bedrängnis.
"
Erich Kästner
Zitat:
Nietzsche hat folgendes geschrieben:
Euer Wille sage: der Übermensch sei der Sinn der Erde!
Ich beschwöre euch, meine Brüder, bleibt der Erde treu und glaubt denen nicht,
welche euch von überirdischen Hoffnungen reden!
Giftmischer sind es, ob sie es wissen oder nicht.
Verächter des Lebens sind es, Absterbende und selber Vergiftete,
deren die Erde müde ist: so mögen sie dahinfahren!

Zarathustras Vorrede, Kap. 3


Wow, der hatte es echt drauf, der gute alte Nietzsche.

Wenn ich bedenke, dass ich in meiner langen Atheistenzeit ähnliche Argumente auf Lager hatte, staune ich über mich selbst und meine Wandlung ganz schön. (Mal davon abgesehen, dass ich weder damals noch heute nix mit nem Übermenschen anfangen konnte).
Zum Rest würd ich ganz entspannt sagen, wie Beckenbauer: >Na, schau mer moil<

Alles Liebe Linde
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Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und Forderungen.
Bahá'u'lláh
Zitat:
Mal davon abgesehen, dass ich weder damals noch heute nix mit nem Übermenschen anfangen konnte

Ja, das sollte man heutzutage vielleicht nicht ganz unkommentiert stehen lassen.
Nietzsches Zarathustra datiert lange vor den Ereignissen,
die das Wort "Übermensch" im deutschen diskreditierten.
Sein Zarathustra erschien in den achziger Jahren des 19. Jahrhunderts.
Im Prinzip charakterisiert er uns ja damit alle durch die Bank als vormenschlich,
-genau: als vor- übermenschlich.
"Untermensch" ist sicher nicht der Gegensatz zu dem, was Nietzsche mit "Übermensch" bezeichnet.
Nietzsche hat folgendes geschrieben:
Was groß ist am Menschen, das ist, daß er eine Brücke und kein Zweck ist:
was geliebt werden kann am Menschen, das ist, daß er ein Übergang und ein Untergang ist.

Zarathustras Vorrede, Kap. 4

Seinen "Übermenschen" selbst charakterisiert Zarathustra nur mittelbar,
in dem, was er am Menschen ablehnt.
Der Übermensch ist halt der, der nicht mehr so sein muß, wie wir.
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Das ist das Verhängnis
zwischen Empfängnis
und Leichenbegängnis
nichts als Bedrängnis.
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Erich Kästner
Danke maxzwo für Deine Erklärungen.
Was meinst Du eigentlich mit
Zitat:
Der Übermensch ist halt der, der nicht mehr so sein muß, wie wir.

Wie müssen wir denn sein, bzw. nicht mehr sein?

Angenehmen Tag wünscht
Linde
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Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und Forderungen.
Bahá'u'lláh
Zitat:
Wie müssen wir denn sein, bzw. nicht mehr sein?

Wir sind so, wie wir sind und deswegen, wie auch Zarathustra, nur Menschen.
Zarathustra beklagt unsere Unzulänglichkeiten,
die er schon in unserem Selbstverständnis als Mensch begründet sieht.
Er zählt dazu den Glauben an eine überirdische Bestimmtheit und Herkunft des Menschen,
sowie allem, was der Mensch sich daraus ableitet.
Mensch ist "nur" Mensch, weil er sein Los nicht akzeptieren kann.
Unser ganzes, zwischenmenschliches Regelsystem basiert auf Vorstellungen,
die Mensch sich im Metaphysischen begründet hat.
Das bedeutet eben, der Mensch führt ein "Stellvertreterleben" für etwas,
das garnicht da sein muß.
Die Basis und Ziele seiner Handlungen sind nicht vernünftig,
sondern fußen ggf. auf Illusionen.
Das qualifiziert uns eben nur als Menschen.
Der "Übermensch" ist die Vision wahrhaftigen Daseins.
Das sind aber nicht wir, da wir eben z.B. ohne Moral nicht klarkämen,
sondern "Der, der nach dem Menschen kommt".

Das wäre meine Interpretation.

Ich finde dieses Werk bemerkenswert, da sich das mal liest,
wie das erste Evangelium eines Lebens vor dem Tod,
selbst, wenn wir damit noch nicht gemeint sein sollten.

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Das ist das Verhängnis
zwischen Empfängnis
und Leichenbegängnis
nichts als Bedrängnis.
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Erich Kästner