Brief an die Christen


Ich möchte gerne in ausgewählten Abschnitten das Buch von Jeremy Fox "Baha'u'llahs Brief an die Christen" vorstellen und zur Diskussion stellen.

Aus der Einleitung:

Verspätete Zustellung

O Völker des Evangeliums! Sie, die nicht im Königreich waren, sind jetzt eingetreten, während Wir euch an diesem Tage zögernd am Tore stehen sehen. Zerreißt die Schleier durch die Kraft eures Herrn, des Allmächtigen, des Allgütigen, und tretet dann in Meinem Namen ein in Mein Königreich. So befiehlt euch Er, der euch ewiges Leben wünscht...
Baha'u'llah, Verkündigung S. 103

Dieser dynamische Aufruf, vor über einem Jahrhundert geäußert, scheint fast biblisch in Sprache und Stil - halb vertraut und doch neu. Als er diese Worte niederschrieb, war Baha'u'llah ein Gefangener und Verbannter in Palästina.
...

Diese Einführung wurde Verspätete Zustellung genannt, denn der erwähnte Brief, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts geschrieben, hat wohl kaum mehr als eine Handvoll der Adressaten erreicht, an die er gerichtet war. Der Mehrzahl der Christen ist nicht nur sein Inhalt unbekannt, sondern sogar seine Existenz, und so ist es, als sei dieser Brief über ein Jahrhundert lang in der Post stecken geblieben.
...

Obwohl dieses Dokument vor allem Christen aller Bekenntnisse betrifft, ist die Botschaft Baha'u'llahs in ihrem Wesen universell und richtet sich an die gesamte Menschheit. Daher ist es nützlich, erst einmal einen kurzen Auszug aus den umfangreichen Schriften eines Mannes zu betrachten, der seine Feder seine mächtigste Posaune nannte, dazu erkoren, dass ihr schallender Ruf die Auferstehung der ganzen Menschheit verkünde:

O ihr streitenden Völker und Geschlechter der Erde! Wendet euer Angesicht der Einheit zu und lasst euch vom Glanz ihres Lichtes bescheinen.
Die Erde ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger.
Der Hauptzweck, der den Glauben Gottes und Seine Religion beseelt, ist, das Wohl des Menschengeschlechts zu sichern, (...).
Er, der euer Herr ist, der Allerbarmer, hegt in Seinem Herzen die Sehnsucht, das ganze Menschengeschlecht als eine Seele und einen Leib zu sehen. Eilt, euren Anteil an Gottes Gunst und Gnade zu erlangen an diesem Tage, der alle erschaffenen Tage in den Schatten stellt.
Das Buch Gottes ist weit aufgeschlagen, und Sein Wort ruft die Menschheit vor Ihn.
(...) Dies ist die Offenbarung, die dem Schwachen Kraft einflößt und den Armen mit Reichtum krönt.

Baha'u'llah, Ährenlese, 14:10;111;117;110;107;92:1-2

Zu einer Zeit, in der mehr und mehr Menschen die Notwendigkeit erkennen, globale Lösungen für die Probleme der Welt zu suchen, kann niemand die Aktualität dieser Äußerungen übersehen.
Jeremy Fox


Ich denke, das reicht mal für den Anfang. Ich freue mich auf Eure Beiträge.

Liebe Grüße,
Minou
_________________
»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Namaste

Liebe Minou,

Was möchtest Du in Zusammenhang mit diesem Text diskutieren?

Ich versuche es mal mit einer Kritik der Zeilen aus meiner Sicht....

Zitat:
O Völker des Evangeliums! Sie, die nicht im Königreich waren, sind jetzt eingetreten, während Wir euch an diesem Tage zögernd am Tore stehen sehen. Zerreißt die Schleier durch die Kraft eures Herrn, des Allmächtigen, des Allgütigen, und tretet dann in Meinem Namen ein in Mein Königreich. So befiehlt euch Er, der euch ewiges Leben wünscht...
Baha'u'llah, Verkündigung S. 103


Die Form und Wortwahl sind sehr kraftvoll und zugleich sehr direkt und einfach gewählt, besonders im Hinblick darauf das es "nur" eine deutsche Übersetzung ist. Zweck des Schreibens ist, das ist klar ersichtlich, die Missionierung im Namen der Bahai Religion (auch wenn es von Bahai- Seite wohl eher "Einladung" genannt wird, was aber am Sinn nicht viel ändert). Propagiert wird die Einheit der Christen mit den Bahai und die Zusammenkunft unter einem personalisierten Gott, wobei der Glaube an dessen Existenz, trotz Mangels an Beweisen, vorausgesetzt wird. Voraussetzung für diedse Einheit soll die Einsicht seitens der Christenheit sein, dass deren Glaube nur ein Teilaspekt des wahren Gottglaubens ist. Trotz der erwähnten kraftvollen Formulierung halte ich die Wirkung für recht unterdurchschnittlich, vorallem weil der Verfasser die Liebe zum Wohlbekannten und die Angst vor Fremdem/Neuen unterschätzt.

Was nun die Anmerkungen und Erläuterungen von J. Fox angeht....

Hier wird erstmal der Titel der Sammlung erklärt. Leider wird diesbezüglich keinerlei Beweis geliefert. Im folgenden betont der Autor seine Ansicht, derzufolge der Text an "alle Religionen" gilt, nicht nur an die Christenheit. Wobei der Text dazu keine namentliche Erwähnung präsetiert. Was ich damit wohl unter "Wunschdenken" abhaken würde, würde ich nicht an die gute Absicht im Bahaitum glauben. Mit viel gutem Willen und angesichts einer so gewaltigen Aufgabe kann ich jeden Bahai verstehen wenn er die Zeile: "O ihr streitenden Völker und Geschlechter der Erde! Wendet euer Angesicht der Einheit zu und lasst euch vom Glanz ihres Lichtes bescheinen.", als Ruf an alle Religionen zur "Vereinigung" interpretiert.

Im Abschluss spielt der Autor noch auf die Aktualität an, welche dieser über 100 Jahre alte Text laut seiner Ansicht hat. Dabei wird nicht erwähnt das so gut wie jeder philsophische und sehr viele Texte anderer Religionen die gleiche Aktualität besitzen.

Im Ganzen wird die Bahai Religion als (alleiniger) Schlüssel zur Lösung der weltlichen und geistigen Probleme der gesamten Menschheit postuliert und suggeriert. Dieser Umstand macht den Verfasser und die Bahai Religion in meinen Augen weit politischer als sie selbst sein wollen/sollten.

LG Tiro
_________________
„Es gibt keinen Schöpfer außer dem Geist.“
(Lord Buddha)

"Es ist ein Vergnügen anzusehen, wie blind die Menschen für ihre eigenen Sünden sind und wie heftig sie die Laster verfolgen, die sie selbst nicht haben."
(Machiavelli)
Caput_Tiro hat folgendes geschrieben:
Trotz der erwähnten kraftvollen Formulierung halte ich die Wirkung für recht unterdurchschnittlich, vorallem weil der Verfasser die Liebe zum Wohlbekannten und die Angst vor Fremdem/Neuen unterschätzt.


Lieber Tiro,

vielen Dank für Deinen Beitrag.
Zu Deinem obigen Einwurf möchte ich sagen, dass Baha'u'llah das Traditionsdenken und die Angst vor Unbekanntem keineswegs unterschätzt. In späteren Stellen wird das offensichtlich - Er warnt immer wieder davor, blind zu glauben und setzt für die Suche ein offenes Herz voraus, das ohne Vorurteile Seine Sache prüfen mag.

Zitat:
Im folgenden betont der Autor seine Ansicht, derzufolge der Text an "alle Religionen" gilt, nicht nur an die Christenheit.


Ich würde sagen, nicht nur an alle Religionen, sondern an die ganze Menschheit. So steht es ja auch im Text.

Zitat:
Im Abschluss spielt der Autor noch auf die Aktualität an, welche dieser über 100 Jahre alte Text laut seiner Ansicht hat. Dabei wird nicht erwähnt das so gut wie jeder philsophische und sehr viele Texte anderer Religionen die gleiche Aktualität besitzen.


Ich sehe es auch so, dass alle Heiligen Schriften diese Aktualität haben. Der Sinn bzw. die Intensität dieser Schriften verlor jedoch im Laufe von Jahrhunderten an Wirkung, sodass nur mehr wenige Menschen sie in die Tat umsetzen. Auch wurden viele Schriften von Menschen verschieden gedeutet, so dass in den Religionen Splitterungen auftraten und letztlich die Einheit des Glaubens verloren ging. Es entstanden Verunsicherungen seitens der Gläubigen. Es wurde viel wörtlich genommen, so dass es zu Unstimmigkeiten zwischen den Religionen kam. Nicht mehr alle Menschen konnten den wahren Sinn der Texte erfassen, sei es mangels an Zeit, sei es durch das Setzen der Prioritäten.

Zitat:
Im Ganzen wird die Bahai Religion als (alleiniger) Schlüssel zur Lösung der weltlichen und geistigen Probleme der gesamten Menschheit postuliert und suggeriert. Dieser Umstand macht den Verfasser und die Bahai Religion in meinen Augen weit politischer als sie selbst sein wollen/sollten.


Nicht die Baha'i-Religion allein sehe ich als Schlüssel zur Lösung der Probleme, sondern das Prinzip der Fortschreitenden Gottesoffenbarung an sich.
Ich finde, es muss nicht unbedingt eine 'Baha'i-Gesellschaft' postuliert werden. Wenn die Gläubigen aller Religionen sich intensiv ihren ursprünglichen Lehren zuwendeten und diese auch in die Tat umsetzten, wäre das gemeinsam mit der Baha'i-Religion "der" Schlüssel. Ich habe aber eben den Eindruck, dass bei vielen Menschen zu viel innere Unsicherheit besteht inbezug auf ihre Religionen, dass eben diese innere Einheit verlorengegangen ist.
Daher sehe ich die jüngste Offenbarung für unsere Zeit als neuerliche Mahnung, als autoritative Erklärung alter Schriften, als aktive Wiederannäherung an den Glauben an eine geistige Welt.

Zitat:
Liebe Minou,

Was möchtest Du in Zusammenhang mit diesem Text diskutieren?


Mein Anliegen ist es, über diese Textstellen mit Euch einfach zu sprechen, Ansichten darüber zu diskutieren, ev. Fragen darüber zu beantworten, soweit es in unseren Möglichkeiten liegt.

Ich finde, dass dieses Buch eindeutig die Größe der Offenbarung Baha'u'llahs aufzeigt und besonders den Zusammenhang mit den Stellen der Bibel aufzeigt. Es wird dadurch klar, dass das Annehmen Baha'u'llahs nichts mit einer Untreue gegenüber Jesus Christus zu tun hat, sondern das Gegenteil der Fall ist.

Liebe Grüße von Minou
_________________
»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Liebe Minou,

danke für deinen Vorschlag!
Hier meine Kommentare dazu:

Minou hat folgendes geschrieben:

[b]O ihr streitenden Völker und Geschlechter der Erde! Wendet euer Angesicht der Einheit zu und lasst euch vom Glanz ihres Lichtes bescheinen.
Die Erde ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger.


Bis dato nichts Neues. Einigungsbestrebungen in Religionen gibt es schon seit Jahrtausenden, vor allem in den hinduistischen Schulen, aber auch schon bei den chrsitlichen Mystikern vor Hunderten von Jahren.

Zitat:
Der Hauptzweck, der den Glauben Gottes und Seine Religion beseelt, ist, das Wohl des Menschengeschlechts zu sichern, (...).


Das finde ich immer wieder erstaunlich! Auf der einen Seite ist da der "Allmächtige, der Allgütige", auf der anderen Seite liegt die Verantwortung über das Wohl und Wehe der Menschen dann plötzlich bei den Menschen selbst. Was jetzt? Entweder ganz dem Allmächtigen hingeben oder gar nicht. Aber irgendwas dazwischen? Das kann ich einfach nicht glauben.

Zitat:
Er, der euer Herr ist, der Allerbarmer, hegt in Seinem Herzen die Sehnsucht, das ganze Menschengeschlecht als eine Seele und einen Leib zu sehen.


Wie gesagt, entweder alles ist Gott, dann gibt es keine Extrawurst und keine von ihm getrennten Menschen -- dann wiederum ist es aber völlig wurscht, was passiert, weil alles sowieso Got ist.

Oder aber der Gott der Baha'i ist wirklich von den Menschen getrennt und die können Großes anstellen -- dann ist er aber nicht allmächtig, schon per definitionem nicht.

Mein Fazit: Der Baha'i-Glaube, so wie er in deinem Zitat, Minou, dargestellt wird, ist ein typisches monotheistisches Konstrukt, das sich in seinen "Visionen" (Offenbarungen?) nicht von denen anderer einigungswilliger Religionen unterscheidet.

Liebe Grüße,
Norbert
_________________
Amulette, Zauberöle und Kerzen:
http://www.mojo-joes.com

Blog:
http://www.indogermanisch.com
Namaste

Liebe Minou,

Zitat:
Nicht die Baha'i-Religion allein sehe ich als Schlüssel zur Lösung der Probleme, sondern das Prinzip der Fortschreitenden Gottesoffenbarung an sich. .... Ich finde, es muss nicht unbedingt eine 'Baha'i-Gesellschaft' postuliert werden.


Du verwechselst hier meines Erachtens nach das Ziel meiner Worte bzw. den Gegenstand meiner Kritik. Ich habe nicht dich kritisiert sondern den Auszug aus den Schriften des Bahai Glaubens und den Autor der sie hier interpretiert. Die erwähnten Texte klingen nämlich in der Tat so wie ich sie interpretiert habe, unabhängig davon ob Du so denkst. Dich würde ich keineswegs derart einschätzen.

Zitat:
Er warnt immer wieder davor, blind zu glauben und setzt für die Suche ein offenes Herz voraus, das ohne Vorurteile Seine Sache prüfen mag.


In Ordnung, daran möchte ich gar nicht zweifeln. Nun sei mir aber die folgende Frage diesbezüglich erlaubt: Wenn ich nun, nach meiner oder allgemeiner Definition vorurteilsfrei und offenen Herzens, gesucht habe und trotzdem (oder gerade deswegen) Bahaullahs Botschaft nicht als wahr oder gar "einzig wahr" anerkenne, was ist dann? Oder setzt das "offene Herz" von dem Du und/oder der Bahai Glaube spricht ein bahai- orientiertes Ende dieser Suche voraus?



Grüß dich, Norbert!

Ich hoffe dir und den Deinen geht es soweit gut.

Zitat:
Der Baha'i-Glaube, so wie er in deinem Zitat, Minou, dargestellt wird, ist ein typisches monotheistisches Konstrukt, das sich in seinen "Visionen" (Offenbarungen?) nicht von denen anderer einigungswilliger Religionen unterscheidet.


Nun, das hat ja auch niemand behauptet und es ist auch erstmal weder positiv noch negativ noch überhaupt irgendwas für das Wesen Mensch. Wenn dieses Konstrukt anderen als Werkzeug dient um die Welt zu verändern kann es doch gut sein, oder?

LG Tiro
_________________
„Es gibt keinen Schöpfer außer dem Geist.“
(Lord Buddha)

"Es ist ein Vergnügen anzusehen, wie blind die Menschen für ihre eigenen Sünden sind und wie heftig sie die Laster verfolgen, die sie selbst nicht haben."
(Machiavelli)
Hallo Tiro,
Zitat:
Nun, das hat ja auch niemand behauptet und es ist auch erstmal weder positiv noch negativ noch überhaupt irgendwas für das Wesen Mensch. Wenn dieses Konstrukt anderen als Werkzeug dient um die Welt zu verändern kann es doch gut sein, oder?

Ist das nicht ein bisschen "blauäugig"?
Veränderungen der Welt durch Religonen sind weiss Gott nicht nur positiv zu bewerten. Ein wunderbares Beispiel dafür bietet die islamische Welt, die es bis heute nicht geschafft hat, menschenwürdige Regelungen in allen Bereichen einzuführen. Da nutzt auch nicht der Hinweis, dass der Prophet zu seiner Zeit fortschrittlichere Regelungen eingeführt hat.

Pjotr Kala
_________________
Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Lieber Pjotr,

Du überliest offenbar das wichtige Schlüsselwort in meinem letzten Beitrag, "es kann". Das es das nicht muß ist bei allen Dingen so, denn sie sind von Natur aus im Höchstfall neutral.

LG Tiro
_________________
„Es gibt keinen Schöpfer außer dem Geist.“
(Lord Buddha)

"Es ist ein Vergnügen anzusehen, wie blind die Menschen für ihre eigenen Sünden sind und wie heftig sie die Laster verfolgen, die sie selbst nicht haben."
(Machiavelli)
hallo Tiro,
gg, ich geb mich (fast) geschlagen.
Aber du schreibst "kann es doch gut sein". Besser und eindeutiger wäre es gewesen, wenn du geschrieben hättest, "kann es doch a u c h gut sein.
So, wie du artikulierst hast, hat man eher den Eindruck, das Werkzeug "Religion" wäre apriori (summa sumarum) gut.
Aber das sind Spitzfindigkeiten (genüsslich zelebriert).


Pjotr Kala
_________________
Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Carl Reed hat folgendes geschrieben:
Das finde ich immer wieder erstaunlich! Auf der einen Seite ist da der "Allmächtige, der Allgütige", auf der anderen Seite liegt die Verantwortung über das Wohl und Wehe der Menschen dann plötzlich bei den Menschen selbst. Was jetzt? Entweder ganz dem Allmächtigen hingeben oder gar nicht. Aber irgendwas dazwischen? Das kann ich einfach nicht glauben.


Hallo Norbert,
ich sehe es so:
Gott hat uns viele Farben gegeben, unsere Lebensstationen zu malen,
die Rahmen aber hat Er selbst gemacht.

So meine ich, dass Gott u.a. allmächtig und allgütig ist, uns aber im vorgegebenen Rahmen einen freien Willen gegeben hat, uns für oder gegen das Gute zu entscheiden; ob wir also unsere Mitmenschen und die Umwelt positiv oder negativ behandeln, ob wir Hilfe geben oder nicht, wie wir in gewissen Lebenssituationen reagieren, wie wir damit umgehen, das alles liegt an uns. Und ich glaube auch fest, dass es unsere Aufgabe ist, hier auf diesem Planeten für Liebe und Gerechtigkeit zu sorgen. Ebenso glaube ich aber an ein gewisses 'Eingreifen' Gottes im Sinne einer Gesamtsicht, die wir als Menschen nicht überblicken und verstehen können. Deutlicher gesagt, wir wissen nicht, wofür so Manches für einen späteren Zeitpunkt gut ist, weil wir die Gesamtsicht nicht haben. Ich erinnere da an die Geschichte mit dem Bauern und dem Pferd.
http://www.geistigenahrung.org/ftopic10639.html

Zitat:
Oder aber der Gott der Baha'i ist wirklich von den Menschen getrennt und die können Großes anstellen -- dann ist er aber nicht allmächtig, schon per definitionem nicht.


Wir haben in uns den göttlichen Funken, den wir aktivieren können, in dem Sinn sind wir nicht von Gott getrennt. Aber die Größe Gottes und Seinen Plan können wir nicht ermessen.




Denke nach über das Dichterwort: »Wundere dich nicht, wenn mir mein Geliebter näher steht als ich mir selbst, wundere dich, daß ich trotz dieser Nähe Ihm so ferne bin«... In Anspielung auf das von Gott offenbarte Wort: »Wir sind dem Menschen näher als seine Halsschlagader«1 hat der Dichter gesagt: Obgleich die Offenbarung meines Herzensgeliebten mein Wesen so durchdrungen hat, daß Er mir näher ist als meine Halsschlagader, bin ich trotz meiner Gewißheit von der Wirklichkeit dieser Offenbarung, trotz der Erkenntnis meiner Stufe Ihm noch so ferne.
1. Qur’án 50:17
Baha'u'llah / Ährenlese 93,3

Dabei sollte man sich dessen erinnern, daß der eine, wahre Gott in sich selbst über Nähe und Ferne hoch erhaben ist. Seine Wirklichkeit übersteigt solche Begrenzungen. Sein Verhältnis zu Seinen Geschöpfen kennt keine Abstufungen. Daß die einen nahe, andere aber ferne sind, ist auf die Manifestationen Gottes zu beziehen.
Baha'u'llah, Ährenlese, 93,4

Liebe Grüße,
Minou
_________________
»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Caput_Tiro hat folgendes geschrieben:
Du verwechselst hier meines Erachtens nach das Ziel meiner Worte bzw. den Gegenstand meiner Kritik. Ich habe nicht dich kritisiert sondern den Auszug aus den Schriften des Bahai Glaubens und den Autor der sie hier interpretiert. Die erwähnten Texte klingen nämlich in der Tat so wie ich sie interpretiert habe, unabhängig davon ob Du so denkst. Dich würde ich keineswegs derart einschätzen.


Lieber Tiro,

Baha'u'llah will niemanden zwingen, an Seine Offenbarung zu glauben - im Gegenteil, es ist ein Angebot an alle Menschen, diese zu prüfen. Und wir sollen die Schriften gründlich und unvoreingenommen prüfen, ehe wir sie annehmen oder ablehnen.

Zitat:
In Ordnung, daran möchte ich gar nicht zweifeln. Nun sei mir aber die folgende Frage diesbezüglich erlaubt: Wenn ich nun, nach meiner oder allgemeiner Definition vorurteilsfrei und offenen Herzens, gesucht habe und trotzdem (oder gerade deswegen) Bahaullahs Botschaft nicht als wahr oder gar "einzig wahr" anerkenne, was ist dann? Oder setzt das "offene Herz" von dem Du und/oder der Bahai Glaube spricht ein bahai- orientiertes Ende dieser Suche voraus?


Auf keinen Fall wird etwas vorausgesetzt, lieber Tiro. Wie wäre denn das überhaupt möglich? Jeder muss seine Entscheidung allein vor sich selbst verantworten und vor Gott, so er an Ihn glaubt.
Bezüglich "wahr" und "einzig wahr" - alle Heiligen Schriften sind wahr, es gibt in Wirklichkeit nur eine Religion Gottes. Jede neue Offenbarung ist quasi als 'update' zu betrachten. Sie offenbart neue Dinge, die die Menschen der vorigen Offenbarungen noch nicht tragen konnten. Offenbarung geschieht im Kontext mit der jeweiligen Zeit und dem Fortschritt der Menschen.

Liebe Grüße,
Minou
_________________
»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten