Brief an die Christen


Lieber Tiro,
Glauben kann man nicht wirklich diskutieren, Lehren schon. Nur, wenn jetzt mal einer unter einem Baum wichtiges begriffen hat, muß das nicht jedermanns Weg sein. Was dem einen sein Baum, ist dem anderen seine mystische Schrift - die Mittel auf dem Weg sind nicht wichtig. Es kommt darauf an ihn zu gehen.

Ich habe keine Freude daran wenn man hingeht und den Weg Anderer abwertet, weil man ihn weder kennt noch geht.

Das hält nur auf.
Gruß
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Der Blick reicht immer nur bis zur nächsten Wegbiegung.
Hallo dtrainer,
Zitat:
Ich habe keine Freude daran wenn man hingeht und den Weg Anderer abwertet, weil man ihn weder kennt noch geht.


Muss man auch nicht. Aber eventuell kann man den Weg ein Stück gemeinsam gehen, wobei man aber klar machen sollte, an welcher Weggabelung man abbiegt.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
dtrainer hat folgendes geschrieben:
Lieber Tiro,
Glauben kann man nicht wirklich diskutieren, Lehren schon. Nur, wenn jetzt mal einer unter einem Baum wichtiges begriffen hat, muß das nicht jedermanns Weg sein. Was dem einen sein Baum, ist dem anderen seine mystische Schrift - die Mittel auf dem Weg sind nicht wichtig. Es kommt darauf an ihn zu gehen.

Ich habe keine Freude daran wenn man hingeht und den Weg Anderer abwertet, weil man ihn weder kennt noch geht.

Das hält nur auf.
Gruß


Da kann ich dir nur zustimmen, Dtrainer. Eben darum mache ich ja den Unterschied zwischen Religion (also Lehre, Theorie, Manifest, u.a.) und dem unmittelbar erfahrbaren und erfahrenen Glauben eines Jeden von uns. Letzterer ist für mich derart tief, prägend und in seinem Erleben individuell das er nicht diskutierbar ist. Aus diesem Grund schreibe ich auch nur über die verschiedenen Religionen und mache den individuellen Glauben nicht zum Thema solang es sich vermeiden lässt.

LG Tiro
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„Es gibt keinen Schöpfer außer dem Geist.“
(Lord Buddha)

"Es ist ein Vergnügen anzusehen, wie blind die Menschen für ihre eigenen Sünden sind und wie heftig sie die Laster verfolgen, die sie selbst nicht haben."
(Machiavelli)
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
Hallo Minou,

so einfach ist es meines Erachtens nicht.
In den Schriften eines Offenbahrers sind bestimmte Regeln und moralische Vorstellungen fixiert. Meist sind diese Regeln und Vorstellungen dann auch noch durch einen Unfehlbarkeits- und Ewigskeits-Anspruch geschützt. Auch der Bahai-Offenbahrer schützt seinen Anspruch durch 1000 Jahre.


Hallo Pjotr,

ja, natürlich gilt die jeweilige Offenbarung immer für ein gewisses "Zeitalter", selbstverständlich auch deren Gesetze. Die Weisheit dieser Gesetze können wir auf unserer derzeitigen Stufe als Menschen oft nicht voll verstehen. Wenn wir darüber meditieren und genau studieren, können wir sie vielleicht erahnen. Wir können uns nicht mit der göttlichen Weisheit messen, das geht gar nicht. Es spielt hier schon das Gottvertrauen eine große Rolle, eine Erkenntnis der Zusammenhänge, der Verbindung mit den vorangegangenen Religionen, das Wissen, dass diese Gesetze für unseren eigenen Schutz, für die Entwicklung unserer Seele gebracht wurden.

Liebe Grüße,
Minou
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»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Liebe Freunde,
ich bitte um Euer Verständnis, dass ich jetzt nicht auf alle bisher gestellten Fragen eingehen kann, weil ich gern mit dem Thema "Baha'u'llahs Brief an die Christen" weitermachen möchte.
Ich lade Euch aber ein, für neu aufkommende Fragen, einen eigenen Faden zu erstellen, wo wir Baha'i gerne darauf eingehen werden.

Ich setze also jetzt fort mit den nächsten Zitaten aus dem angeführten Buch:

Schon jetzt ist die Herausforderung, die in diesen Äußerungen enthalten ist, jedem überzeugten Christen, gleich welchen Bekenntnisses, klar, denn Gott selbst spricht hier zu uns, mit einer Botschaft für unsere Zeit. Der Leser wird schon bemerkt haben, dass der Autor dieser Auszüge von Offenbarung und Auferstehung spricht, so wie Jesus es getan hat. Vor diesem Hintergrund versichern wir dem Leser, dass er auf diesen Seiten auch nicht die geringste Spur von Treulosigkeit gegenüber Christus finden wird. Bevor wir also fortfahren, hier ein kurzer Auszug von der gleichen Feder, gerichtet an den Bischof von Konstantinopel, der sich nach Baha'u'llahs Einstellung zu Christus erkundigt hatte:

Wisse, dass die ganze Schöpfung in großer Trauer weinte, als der Menschensohn Seinen Geist zu Gott aufgab. Doch indem Er sich selbst opferte, wurde allem Erschaffenen eine neue Fähigkeit eingehaucht. (...)
Wir bezeugen, dass Er, als Er in die Welt trat, den Glanz Seiner Herrlichkeit über alles Erschaffene ergoss. (...) Durch Seine Macht, aus dem allmächtigen Gott geboren, wurden die Augen des Blinden geöffnet und die Seele des Sünders geheiligt. (...)
Selig der Mensch, der sich lichtstrahlenden Angesichts Ihm zugewandt hat!

Baha'u'llah, Ährenlese 36:1-3

Wir bitten den Leser, mit seinem Urteil noch zu warten und erst zwei kurze Auszüge aus dem Neuen Testament zu betrachten, die erläutern, in welchem Geist wir an solche Fragen herangehen sollten. Erstens, als die Pharisäer über den Anspruch Jesu debattierten, erinnerte Nikodemus sie an den Rat in ihren eigenen Schriften:

Richtet denn unser Gesetz einen Menschen, ehe man ihn verhört und erkannt hat, was er tut? (Joh. 7:51)
Zweitens warnt Christus seine Jünger:
Hütet euch vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe.
Er fährt jedoch sofort mit folgendem Rat fort:
An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man denn Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln? So bringt jeder gut Baum gute Früchte; aber ein fauler Baum bringt schlechte Früchte. Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte bringen, und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. Jeder Baum, der nicht gute Früchte bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Darum: an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.
(Matth. 7:15-20)

Es wird uns also gesagt, dass in der Zukunft falsche Propheten erscheinen werden: es ist aber ebenso klar, dass es auch echte geben wird. Sonst ergäbe dieser nachdrückliche Hinweis, zwischen wahren und falschen Propheten zu unterscheiden, keinen Sinn.
Jeremy Fox

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»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Ich finde, dass obige Zitate klar erklären, dass das Erkennen Baha'u'llahs keinerlei Untreue gegenüber dem Glauben an Christus bedeutet.
Als sehr wichtig sehe ich auch den Hinweis darauf, dass es ja auch echte Propheten geben müsse, was ja tatsächlich selten erwähnt wird.
Bin gespannt auf Eure Kommentare.

LG,
Minou
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»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Hallo Minou,
Zitat:
Die Weisheit dieser Gesetze können wir auf unserer derzeitigen Stufe als Menschen oft nicht voll verstehen. Wenn wir darüber meditieren und genau studieren, können wir sie vielleicht erahnen. Wir können uns nicht mit der göttlichen Weisheit messen, das geht gar nicht. Es spielt hier schon das Gottvertrauen eine große Rolle, eine Erkenntnis der Zusammenhänge, der Verbindung mit den vorangegangenen Religionen, das Wissen, dass diese Gesetze für unseren eigenen Schutz, für die Entwicklung unserer Seele gebracht wurden.


Hmm, wenn ich etwas zu hassen gelernt habe, dann ist es der Satz "Das verstehst du jetzt noch nicht".
Es gibt sicher zeitlich fast unbegrenzte Weisheiten, die dann allerdings meistens ziemlich klar und eindeutig strukturiert sind (wie z.B. "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst).
Wenn du erst über einen Satz lange meditieren musst, um seinen Sinn zu erfassen, fliesst wahrscheinlich sehr viel von deiner persönlichen Erfahrung mit in die Deutung hinein. Natürlich kannst du anhand einer Lehre einen vorbereiteten Pfad einschlagen und mit weniger Zweifel voranschreiten. Aber wer kann dir garantieren, dass der Trampelpfad neben den Hauptweg nicht eher zum Gipfel führt?
Zu schützen sind Kinder! Der Versuch, erwachsene Menschen vor ihren eigenen Fehlern zu schützen hat zu keiner Zeit zu irgendeinem Erfolg geführt.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Das Leben ist kein Markenartikel, Pjotr - Garantie wird nicht geboten, du muß schon nach Wahrscheinlichkeit gehen.

Und da finde ich es eben wahrscheinlicher daß Ratschläge von Jemandem der ein makelloses Leben geführt und wohldurchdachte Lehren geäußert hat, zutreffen, als das was ich per "try and error" selbst herausfinden kann. Natürlich prüfe ich Ratschläge auf Plausibilität und Tragfähigkeit...

Und wer sagt, daß es kein Trampelpfad ist? Wenn du mal bedenkst wieviele Mitmenschen weder prüfen noch vergleichen, sondern nur in der Richtung weitermarschieren die sie per Zufall, Tradition oder blinde Gefolgschaft einmal eingenommen haben?
Hallo dtrainer,
Zitat:
Und da finde ich es eben wahrscheinlicher daß Ratschläge von Jemandem der ein makelloses Leben geführt und wohldurchdachte Lehren geäußert hat, zutreffen, als das was ich per "try and error" selbst herausfinden kann


Dagegen gibt es von meiner Seite auch keinen Einwand! Jeder von uns ist zumindest mit einer Weltanschauung aufgewachsen. Ob er sie später behalten hat (ob mit oder ohne Nachdenken), oder ob er einen anderen Weg eingeschlagen hat, hängt von den persönlichen Erfahrungen ab.
Da kann man wohl wenig verallgemeinern.
Gehen wir auf die grundsätzlichen Aussagen einer "Lehre" (Religion würde hier schon wieder die Macht und Verwaltungsstruktur einer Lehre miteinbeziehen), so gibt es wohl bei den meisten Schreibern hier eine grosse Übereinstimmung.
Ob ich sie nun aus einer Lehre oder aus verschiedenen Lehren mit dem gleichen Ergebnis herausgelesen habe, ist eigentlich egal. Sie wird dadurch auch nicht beliebig, sie beschränkt sich nur auf den wesentlichen Kern.

Aber ich bin nicht hier im Forum, um anderen zu sagen, wie nett doch ihr Glaube ist und wieweit ich mit ihnen übereinstimme. Nein, ich suche nach Argumenten für oder gegen meinen jetzigen Standpunkt, um ihn zu prüfen und eventuell zu ändern oder aber auch, um andere auf Fehler in ihrer Argumentationskette hinzuweisen.
Aus "heiligen Schriften" kann man viel lernen. Man muss allerdings auch mit Mehrdeutigkeiten, Missverständnissen, Fehlern, moralische Unflexibilität und Umdeutungen leben wollen.
Ich persönlich bin dazu nicht bereit (auch wenn ich natürlich weiss, dass diese Einstellung eventuell schon morgen "Schnee von gestern" sein kann).

Pjotr Kala
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Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
Hmm, wenn ich etwas zu hassen gelernt habe, dann ist es der Satz "Das verstehst du jetzt noch nicht".


Hallo Pjotr,

also - mein bescheidenes Wissen gegenüber Gottes Allwissenheit - da kann ich gut damit leben, dass ich nicht alles verstehen kann.

Zitat:
Aber wer kann dir garantieren, dass der Trampelpfad neben den Hauptweg nicht eher zum Gipfel führt?


Da schließe ich mich Dtrainer an - vielleicht ist ja mein Weg der Trampelpfad?

Zitat:
Zu schützen sind Kinder! Der Versuch, erwachsene Menschen vor ihren eigenen Fehlern zu schützen hat zu keiner Zeit zu irgendeinem Erfolg geführt.


Zu schützen sind Seelen, egal ob von Kindern oder Erwachsenen. In den Augen Gottes sind wir alle Kinder. Ich sehe es nicht so, dass wir vor unseren Fehlern geschützt werden - die müssen wir schon machen und aus ihnen lernen. Ich sehe die Gebote in den Offenbarungen als Hinweis, den rechten Weg zu gehen, damit unsere Seele heil wird und auf die geistige Welt gut vorbereitet ist. Die Gebote sind also zu unserem eigenen Nutzen da, die Offenbarungen sind Angebote Gottes, die wir annehmen oder ablehnen können.

LG,
Minou
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»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten

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