Brief an die Christen


Ich halte diese Aussage, daß Religion nicht für bequeme Menschen geeignet sei, für nicht zutreffend. Das ist nur typisch christlich (protestantische Arbeitsethik), keinesfalls aber generell gültig.
Wenn du meinst daß man wertvolle Einsichten ohne Bemühung bekommt, bitte...ich hätte dann gern einen Professortitel, aber die Zeit zum studieren fehlt mir leider
Spirituelle Einsichten sind spirituelle Ansichten. Die kann jeder haben, und Anstrengung ist keine Grundvoraussetzung dafür.

Für den Professorentitel ist Anstrengung dagegen unbedingt notwendig.
Ja sicher kann man sich zulegen was man möchte, aber da ist schon ein Unterschied im Verstehen.

Ich habe übrigens nicht gemeint daß Religion nicht für bequeme Menschen geeignet ist; aber wenn man meint beim überfliegen eines Textes wäre das Ergebis das Gleiche wie beim gründlichen studieren, meditieren, anwenden und wieder drüber meditieren, sollte man sich das nochmal überlegen.

Sicher ist es besser für jeden - auch bequemen - Menschen, sich einer Religion zuzuwenden . Aber das Maß an Einsicht hat auch eine ganze Menge mit der Bemühung darum zu tun. Du bekommst kein Gold für nichts...

Ich bin auch nicht Protestant, aber es ging ja hier um das christliche Verständnis.
Auch für Christen ist es meiner Ansicht nach nicht nötig, großartig die Bibel zu studieren.

Nicht umsonst haben diverse christliche Mystiker (beispielsweise Madame Guyon) immer wieder auch Anleitungen gegeben, wie auch Analphabeten "zu Gott finden" können.

Niemand braucht Studium irgendwelcher religiösen oder philosophischen Texte, um gläubig zu sein. Auch Christen nicht. Die Mystiker machen's vor.
Wenn du der Ansicht bist daß die Offenbarer sich völlig umsonst die Mühe gemacht haben, uns umfangreich - auch über Texte - zu führen, bitte, steht dir frei.

Das heißt aber auch, für dich zählt nur der individuelle Weg zu Gott, die Anleitung wie man die Gesellschaft ordnen sollte, findest du wohl weniger wichtig.

Da bin ich anderer Meinung, aber das können wir gern so stehen lassen.
Hallo an alle,

ich denke, was dtrainer meinte, waren sogenannte Wellness-Gläubige, die sich aus allen Religionen das einfachste heraussuchen. Ich glaube auch, dass das nicht gewollt ist. So etwas nannte man früher Opportunismus. Heutzutag eben 'Freiheit' (oder so ähnlich).

Ich persönlich glaube, dass wir Menschen auch ohne Offenbarer zu Gott finden und ein gutes und glückliches Leben führen können. Jedoch muss man hierzu viel Erfahrung sammeln, die oftmals sehr schmerzhaft sein kann. Die Erkenntnis, was gut und schön und 'wahr' ist, kommt dann vielleicht erst mit 40 oder 60 oder 80. Dann hat man vielleicht schon sein Leben lang Sch€?€ gebaut und Schmerz und Leid erfahren. Man schaue sich nur all die Jugendlichen an, die meinen im Alkohol, in Drogen und im Sex das Glück zu finden. Sie feiern täglich und verlieren oft dabei sich selbst. Irgendwann kommen sie zur Erkenntnis, dass Party, Alkohol und Sex nicht alles ist. Aber dann haben sie sich schon viel Schaden zugeführt, vielleicht ihr Studium geschmissen oder die Ausbildung abgebrochen, ungewollt Eltern geworden, sich eine Krankheit eingefangen, mehrere Abstürze mit Krankenhausaufenthalt gehabt...

Das ist jetzt eine übertriebene Darstellung, klar. Aber ich denke, ihr wisst, wie ich es meine. Natürlich geht jeder seinen eigenen Weg. Aber ich denke, es ist besser, sich leiten zu lassen, als in gewisser Arroganz zu behaupten, man selbst wisse alles, was gut für einen ist, handelt wie man will und schadet sich und anderen dann nur damit, weil man in seiner Arroganz meint, niemand könne einem Ratschläge geben.

Das ist ja das, was viele ehemalige Atheisten erzählen, wenn sie irgendwann religiös werden. Sie waren vorher glücklich, haben aber sozusagen immer im Dunkeln herumgestochert, und dann per Zufall ab und an mal die Piñata getroffen.

Liebe Grüße,
Yahia
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https://youtu.be/XJ9E4sbnW-k
Hallo dtrainer,
Zitat:
Zitat:
Die Entstehung der Apokalypse wird heute so auf ca 90 nach Christus datiert, sodass diese "kommenden Ereignisse" den ersten Christen unbekannt gewesen sein dürften.
Du antwortest:
So detailliert wie in der Offenbarung des Johannes war keine frühere Schilderung, aber sie ist beileibe nicht die Erste.


Es ging mir in diesem Zusammenhang nicht um die Apokalypse, sondern um den Glauben der Urchristen an die Wiederkehr Jesu zu ihren Lebzeiten. Diese "Naherwartung" war wohl 100 bis 150 Jahre auch die offizielle Lehrmeinung. Erst als es sich wirklich nicht mehr halten liess, wurde dies geändert.
Es war auch nur als Beispiel gemeint, wie Aussagen einer Schrift je nach Zeit und nicht zuletzt auch Machtverhältnisse anders interpretiert werden und damit auch den Anspruch auf Eindeutigkeit verlieren.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Hallo Pjotr,
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:

Es war auch nur als Beispiel gemeint, wie Aussagen einer Schrift je nach Zeit und nicht zuletzt auch Machtverhältnisse anders interpretiert werden und damit auch den Anspruch auf Eindeutigkeit verlieren.

das ist sicher so, und ein guter Grund, nicht vorgefertigten Interpretationen zu folgen, sondern sich selbst anhand der originalen Quellen um Verständnis zu bemühen.
Gruß
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Der Blick reicht immer nur bis zur nächsten Wegbiegung.
Namaste

Letztlich, und da gebe ich Norbert (Carl) recht, ist Glaube nicht etwas das man von Studium und/oder langwieriger sonstiger Arbeit abhängig machen kann. Religion ist jedoch auch nicht Glaube, Religion ist die Theorie dahinter. Um diese zu begreifen bedarf es durchaus Studium und Meditation oder auch Gebet.

Wer z.B. Hesses "Siddhartha" gelesen hat der wird mir zustimmen wenn ich hier die beiden Akteure Govinda und Siddhartha anführe. Zur Erklärung: Govinda und Siddhartha waren in diesem Bildungsroman zuerst Gefährten in der Forschung universeller Erkenntnis, im Verlauf der Geschichte schließt sich Govinda Lord Buddha an und lässt sich vom Meister im Dhamma unterweisen. Siddhartha dagegen sträubt sich, obwohl er die Weisheit der Lehre des Buddha anerkennt, eine Lehre anzunehmen die nicht die Natur ist sondern diese nur mit menschlichem zu erfassen versucht und die Er (Siddhatha) nicht durch eigenes Erleben direkt erfahren hat. Gegen Ende der Geschichte treffen beide wieder zusammen. Govinda studiert immer noch den Dhamma, hat viel gelernt aber quält sich immer noch weiter mit Fragen. Siddhartha dagegen hat viel erlebt, in den letzten Jahren nur an einem Fluß gelebt und diesen, und die ihn umgebende Natur, als "Hauptlehrer" erkannt. Er begreift (vielleicht) weniger als Govinda in der Theorie, aber er ist in der Praxis mit allem verbunden und hat Frieden gefunden.

Ich hoffe der Unterschied den ich zwischen Religion und Glaube sehe wird deutlich.

LG Tiro
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„Es gibt keinen Schöpfer außer dem Geist.“
(Lord Buddha)

"Es ist ein Vergnügen anzusehen, wie blind die Menschen für ihre eigenen Sünden sind und wie heftig sie die Laster verfolgen, die sie selbst nicht haben."
(Machiavelli)