Sehr berührend. Das ersten Wort: Im Namen Gottes!


„Erstes Wort“
aus dem Buch „Worte“ von Said Nursi


Oh Bruder ! Du möchtest von mir einige Gute Ratschläge hören. Weil du ein Soldat bist, werde ich meine Beispiele aus dem Leben eines Soldaten wählen. Du kannst die acht folgenden Gleichnisse auf dich einwirken lassen. Auch ich werde das tun, da ich in meinen Augen dieser guten Ratschläge sogar mehr bedarf als du. Bereits zuvor hatte ich Lehren aus acht Koranversen gezogen und mit ihnen lange und ausführliche meiner eigenen Person zugesprochen. Nun möchte ich den wesentlichen Inhalt dieser Lehren noch einmal als Zusammenfassung in allgemeinverständlichen Worten wiederholen. Wer es wünscht, möge mir dabei zuhören und auch seinen eigenen Nutzen daraus ziehen.
„Bismi ʾllāh“ (bedeutet: „im Namen Allahs“) ist der Beginn alles Guten. Auch wir beginnen mit ihm. Wisse, oh mein Nefis (bedeutet: Ego, animalische Triebe etc.): So wie dieses gesegnete Wort ein Zeichen des Islam ist, so ist es auch ein immerwährendes nonverbales Gebet der gesamten Schöpfung.
Willst du verstehen, was für eine große, unerschöpfliche Kraft und welch ein nicht enden wollender Segen „Bismi ʾllāh“ ist, so betrachte folgendes Gleichnis und höre zu:
Wer durch die beduinisch-arabische Wüste reist, sollte sich unbedingt in Obhut eines Stammesfürsten begeben und in seinem Namen reisen, damit er sich vor den Gefahren der Räuber schützen und seine Bedürfnisse erfüllen kann. Unternimmt er die Reise dagegen auf eigene Faust, so wird er angesichts seiner unzähligen Feinde und Bedürfnisse verelenden.
Für solch eine Reise begaben sich einmal zwei Männer in die Sahara. Der eine von ihnen war bescheiden, der andere aber hochmütig... Der Bescheidene erbat den Schutz eines Fürsten und reiste in seinem Namen, der Hochmütige aber nicht... Der Erste bewegte sich überall in Sicherheit. Begegnete er einem Räuber, so nannte er nur den Namen des Stammesfürsten, sodass der Räuber ihm nichts antun konnte und weiterzog. Trat er in ein Zelt ein, wurde er bei Nennung dieses Namens in Ehren aufgenommen.
Dahingegen geriet der Stolze während der gesamten Reise in solche Schwierigkeiten, die man kaum beschreiben kann. In Angst und Not musste er ständig zittern und betteln. Er wurde entwürdigt und blamiert.
Nun denn, oh mein hochmütiger Nefis! Dieser Reisende bist du. Die Wüste in dem Gleichnis wiederum symbolisiert unsere Welt. Deine Schwäche und Armseligkeit sind grenzenlos. Deine Feinde sind zahllos und deine Bedürfnisse unendlich . Weil das aber so ist, handle nur im Namen des wirklichen Besitzers und Herrschers von Ewigkeit zu Ewigkeit, dem diese Wüste gehört, damit du davor bewahrt bleibst, in aller Welt betteln zu müssen und vor jedem Ereignis zu zittern…
In der Tat ist dieses Wort ein so gesegneter Schatz, dass es für dich eine Beziehung zur unendlichen Macht und Barmherzigkeit herstellt und deine grenzenlose Schwäche und Bedürftigkeit am Hofe des allbarmherzigen Allmächtigen (Al-Qādir Ar-Raḥīm) zu einem hochachtbaren Fürsprecher werden lässt. Wer mit diesem Wort, also im Namen von Allah handelt, gleicht einem Mann, der sich als Soldat rekrutieren lässt und im Namen des Staates handelt, weshalb er niemanden mehr fürchten muss. Er braucht nur „Im Namen des Gesetzes, im Namen der Regierung“ zu sprechen, wodurch er jede Arbeit erledigt und jede Schwierigkeit überwindet.
Wie zu Beginn schon erwähnt, spricht die ganze Schöpfung „Bismi ʾllāh“. Doch wie geschieht das? Um diese Tatsache besser zu verstehen, stelle dir einmal einen einzigen Mann vor, der ganz alleine die Bewohner einer ganzen Stadt an einen Ort verbannt und sie Zwangsarbeit verrichten lässt. Du würdest sofort mit Sicherheit darauf schließen, dass dieser Mann niemals im eigenen Namen mit seiner bloßen eigenen Kraft handelt, sondern vermutlich eine Art Soldat ist, d.h. im Namen eines Staates handelt und sich auf die Macht eines Herrschers stützt.
Genauso handeln alle Dinge im Namen Gottes, sodass winzig kleine Samenkerne und Körner riesige Bäume auf ihrem Haupt tragen, Lasten gleich Berge emporheben. Das heißt also: Jeder Baum spricht Bismi ʾllāh; er füllt seine Hände aus der Schatzkammer der Allbarmherzigkeit mit Früchten, streckt sie uns entgegen, bietet sie uns an.
Jeder Garten spricht Bismi ʾllāh; er wird zu einem Kessel in der Küche der Macht, worin die verschiedensten Arten köstlicher Speisen gleichzeitig zubereitet werden.
All die Tiere wie Kühe, Kamele, Ziegen und Schafe, die Gott zum Segen der Menschheit geschaffen hat, sprechen Bismi ʾllāh. Aus der Fülle des Erbarmens entsteht ein Brunnen von Milch. Sie bieten uns im Namen des Versorgers die feinste und reinste Nahrung gleich dem Wasser des Lebens an.
All die Pflanzen, Bäume und Kräuter sprechen Bismi ʾllāh mit ihren seidenweichen Wurzeln und Adern. Sie durch-dringen harte Steine und feste Erde. Sie sprechen „Im Namen von Allah, im Namen des Erbarmers“ und es unterwerfen sich ihnen alle Dinge.
Die Tatsache, dass so wie sich Äste in der Luft ausbreiten und Früchte tragen, auch die Wurzeln sich inmitten von fester Erde und harten Steinen mit derselben großen Leichtigkeit ausbreiten und ihren Ertrag hervorbringen und außerdem die Tatsache, dass die empfindlichen grünen Blätter auch noch in sengender Hitze monatelang frisch bleiben, lässt die Naturalisten mit einem Schlag auf den Mund verstummen, steckt ihnen den Kritikfinger in ihre verblendeten Augen und predigt zu ihnen: „Sogar die Härte und die Hitze, der du eine so große Macht zuschreibst, handeln im göttlichem Auftrag, sodass diese seidenweichen Adern gleich dem Stab Moses dem Befehl ‚Und wir haben gesagt: Schlage den Felsen mit deinem Stab!‘ gehorchen und die Felsen spalten. Und diese zarten Blätter, dünn wie Zigarettenpapier, symbolisieren selbst in glühender Hitze den Koranvers ‚Oh Feuer, sei kühl und friedlich!‘ , wie auch damals die Körperglieder des Gottesgesandten Abraham (mit dem Friede sei), als dieser ins Feuer geworfen wurde.“
Da nun einmal jedes Wesen zumindest nonverbal Bismi ʾllāh sagt und uns nur im Namen Allahs seine Gnadengaben entgegenbringt und anbietet, müssen auch wir Bismi ʾllāh sagen.
Nur im Namen von Allah sollten wir geben und auch nur in seinem Namen die Gaben entgegennehmen. Aus diesem Grund sollten wir von Menschen auch nichts annehmen, die Allah vergessen haben und nicht in seinem Namen geben.
Wir zahlen an Menschen, die Nahrungsmittel verkaufen, einen bestimmten Preis. Doch welchen Preis verlangt wohl Allah als der wahre Eigentümer dieser Nahrungsmittel ?
Es sind drei Dinge, die der Wahre Geber als Preis für seine wertvollen Gnadengaben von uns fordert.
Erstens: an Allah gedenken (ḎIKR),
zweitens: Allah danken (ŠUKUR),
drittens: über Allah und seine Gaben nachsinnen (FIKIR).
Zu Beginn einer Handlung, z.B. der Nahrungsaufnahme, zählt das Aussprechen der Gebetsformel „Bismi ʾllāh“ als ḏikr. Am Ende zählt das Aussprechen der Gebetsformel „Al-ḥamdu li-llāh“ als šukur. Dazwischen zählt als FIKIR, wenn man darüber nachdenkt und es auch begreift, dass die vorliegenden Gnadengaben Allahs, die alle eigentlich unbezahlbare und nicht nachahmbare Kunstwerke sind, nur ein Wunder der Allmacht und ein Geschenk des Aller-barmens eines Schöpfers sein können, der die Attribute „Al-Aḥad“ und „Aṣ-Ṣamad“ hat.
Genauso, wie es eine große Dummheit wäre, einem Habenichts die Füße zu küssen, wenn er dir ein kostbares Geschenk eines Königs überbringt und dabei den Eigentümer des Geschenkes nicht zur Kenntnis zu nehmen, so ist es tausendmal dümmer, die äußerlich sichtbaren Spender zu loben und zu lieben, den Wahren Geber aber zu vergessen.
Oh mein Nefis! Wenn du nicht so dumm sein willst, dann gib im Namen Allahs, nimm im Namen Allahs. Im Namen Allahs fange an. Im Namen Allahs führe aus.
Wassalam .

Erläuterung:
Al-Aḥad“ ist einer der Namen Gottes und bedeutet so viel wie „der Eine und Einzige“. Eine kurze Erläuterung zur Bedeutung dieses Attributes im Kontext dieser Abhandlung: Da in unserer Welt alles mit allem zusammenhängt, kann es auch nur einen Einzigen geben, der alles in ihrer Gesamtheit lenkt, steuert und ordnet, anderenfalls würde die Ordnung verloren gehen. Diese Tatsache wird an anderen Stellen der Risale-i Nur ausführlicher erklärt und bewiesen. Außerdem hat der allmächtige Schöpfer als Einziger auch das Wissen und die Macht, um diese Wunderwerke zustande zu bringen.
„Aṣ-Ṣamad“ ist ein weiterer Name Gottes und hat die ungefähre Bedeutung, dass Gott niemanden nötig hat, aber dass alles Gott nötig hat.
Wassalam ist ein Gruß und Wunsch beim Abschied und wird oft am Ende von Texten, Briefen geschrieben. Es hat in etwa die Bedeutung: „Und somit ist Frieden“.
lichtbsp hat folgendes geschrieben:
„Erstes Wort“
aus dem Buch „Worte“ von Said Nursi


Oh Bruder ! Du möchtest von mir einige Gute Ratschläge hören. Weil du ein Soldat bist, werde ich meine Beispiele aus dem Leben eines Soldaten wählen.


Zur Erläuterung:
Said Nursi schreibt diesen Brief zwar an einen sehr guten Freund, aber seine Ratschläge sind allgemeingültiger Natur und können deshalb auch uns helfen. "Das Leben eines Soldaten" liefert erleuchtende Prinzipien, die auch auf andere Lebensweisen angewendet werden können.

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