'Abdu'l-Bahá


Montag, 28. April 1913 – Zimmer hüten im Hotel Marquardt
Stuttgart



‘Abdu’l-Bahá hatte sich noch nicht von Seiner Erkältung erholt, Seine Stimme war sehr leise und von Seinem Arzt wurde Ihm geraten sich zu schonen, das Zimmer zu hüten und noch zwei Tage hier zu verbringen. An diesem und dem nächsten Tag hielt sich der Geliebte an die Anweisungen Seines Arztes und blieb in Seinem Zimmer im Hotel. Gerne reflektierte ‘Abdu’l-Bahá mit den Freunden über die Veranstaltungen des Vortages:

„Eure Versammlung am gestrigen Nachmittag (Einigkeitsfest) war sehr gut. Ich fühlte mich gar nicht wohl, doch um eurer selbst willen kam ich. Eine Versammlung von Gläubigen ist ein Zusammensein geistig Gesinnter. Der Geist Gottes kam auf diese Versammlung herab. Durch ihren Geist bilden die Freunde Gottes ein Haus der Macht; von ihnen geht Glückseligkeit und Freude aus! ... Wann immer ihr an einer Bahá’í-Versammlung teilnehmet, müsst ihr erst eure Herzen von allen äußerlichen Dingen befreien! Ihr müsst alle materiellen und physischen Regungen zurücklassen und die Versammlung in größter Heiligkeit und Reinheit betreten. Durch euch muss die Liebe Gottes offenbar werden! Verkündet alsdann den Namen Gottes und hört auf die himmlischen Worte und Weisungen von Bahá’u’lláh!“ (vgl. Alice Schwarz, „Zeiten, die mein Herz berührten“, S. 161-163)

Aber auch die Besucher im Hotel Marquardt respektierten den Rat des Arztes und verkürzten ihre Besuche. An diesem Tag kamen viele Bahá’í-Familien mit ihren Kindern zu Besuch. Der Geliebte erfreute sich der Blumen aus den kleinen Händen und wandte sich an uns: „Unter diesen Kindern werden viele gesegnete Seelen sein; sie werden sich entfalten, wenn sie in der Heiligen Lehre erzogen werden. Wird eine Pflanze vom Gärtner sorglich gepflegt, dann wird sie sich schön entwickeln und edle Früchte tragen.“ (vgl. Alice Schwarz, „Zeiten, die mein Herz berührten“, S. 160)

Am Abend bekam ‘Abdu’l-Bahá von Herrn und Frau Herrigel das von ihnen zubereitete Essen ins Hotel gebracht. Da es Ihm an diesem Abend gesundheitlich sehr schlecht ging, gab Er Anweisung, ein Telegramm nach Paris zu senden mit der Mitteilung, dass Seine Abreise um zwei Tage – auf den 1. Mai – verschoben werden müsse.

www.abdulbaha-in-deutschland.de


_________________
******************************************
Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und Forderungen.
Bahá'u'lláh
Dienstag, 29. April 1913
Zimmer hüten im Hotel Marquardt, 2. Tag

Wie jeden Morgen erkundigten sich die Freunde nach dem Wohlbefinden des Meisters. Viele hatten schon ein Telefon. ‘Abdu’l-Bahás Gesundheit war so stark angegriffen, dass Er nur sehr kurz mit einigen Ihn besuchenden Freunden sprechen konnte.

Ein evangelischer Pfarrer aus Schwäbisch Hall, der Ihn schon am Vortag besucht hatte, kam wieder. ‘Abdu’l-Bahá sprach zu ihm: „Sehr willkommen, sehr willkommen! Viele Geistliche walten ihres Amtes, aber sehr wenige sind von Gott bestätigt. Zu Zeiten Christi gab es viele Rabbiner und Hohepriester, die das Wort Gottes predigten, aber unter allen wurde nicht ein einziger bestätigt außer Paulus. Sie gingen alle der geistigen Gaben verlustig, die sie von Christus hätten empfangen können. Doch Paulus wurde zum Haupt aller geistigen Priester. Ich hoffe, dass du dich von all den Geistlichen Seiner Zeit unterscheiden wirst. Mögest du werden wie Paulus war! Mögest du reichen Anteil an den himmlischen Verleihungen empfangen und dich aufmachen, deinem Nebenmenschen zu dienen! Möge dich der Odem des Heiligen Geistes segnen! Dies ist mein Gebet für dich!“

Auch der Bahá’í-Freund Friederich Schweizer besuchte ‘Abdu’l-Bahá, während Er im Bett lag. Friederich Schweizer musste die Stadt verlassen und wollte sich von ‘Abdu’l-Bahá verabschieden. Der Meister sprach mit ihm über Mirzá Abu’l-Fadl, und sagte: „Seine Stufe ist größer als die der Apostel, er opferte alles für die geliebte Sache“. Friederich Schweizer erzählte ‘Abdu’l-Bahá, dass er zur Zeit an der Übersetzung des Buches „The Brilliant Proof“ von Mirzá Abu’l-Fadl arbeite. Der Meister, im Bett liegend, drückte den Kopf von Friederich Schweizer an Seine Brust und küsste ihn mehrmals. (nicht überprüfte Übersetzung aus den Briefen von Ahmad Suhráb)

www.abdulbaha-in-deutschland.de


_________________
******************************************
Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und Forderungen.
Bahá'u'lláh
Hallo liebe Freunde,

liebe Linde darf ich auch eine Aussage von Abdu'l-Bahá posten, die mich immer tief berührt und mein Herz bewegt... (Danke im Vorraus )

"Mein Name ist 'Abdu'l-Bahá. Meine Auszeichnung ist 'Abdu'l-Bahá. Meine Wirklichkeit ist 'Abdu'l-Bahá. Mein Ruhm ist 'Abdu'l-Bahá.

Unterwerfung unter die Gesegnete Vollkommenheit ist meine köstliche und strahlende Krone und Dienst am ganzen Menschengeschlecht meine immerwährende Religion.

... Kein anderer Name, kein Titel, keine Erwähnung, keine Empfehlung ist mir eigen, noch will ich sie je zu eigen haben denn nur 'Abdu'l-Bahá.

Das ist mein Wunsch. Das ist meine größte Sehnsucht. Das ist mein ewiges Leben. Das ist meine nie vergehende Ehre!"


O man bin jetzt wieder so ergriffen von den Worten Abdu'l-Bahás!

Ich wünsche Euch alles Liebe
Tim
_________________
„Laßt jeden Morgen besser sein als den Abend davor und jeden neuen Tag reicher werden als den gestrigen. Des Menschen Vorzug liegt im Dienst und in der Tugend, nicht im Prunk des Wohllebens und des Reichtums...“ Bahá'u'lláh
Mittwoch, 30. April 1913 – Besuche im Hotel Marquardt – Fahrt zum Jagdschloss Bebenhausen

An diesem Morgen fühlte sich ‘Abdu’l-Bahá weit besser. Zu den Bahá’í-Freunden, die auch heute wieder zu Ihm ins Hotel gekommen waren, sprach Er in eindringlicher Weise: „Morgen muss ich Stuttgart verlassen – Gott sei gelobt, dass ich hierher kam und euch sah. Mein Kommen bedeutet den Beginn der Verbindung von Ost und West und ich hoffe, dass der Erfolg groß sein wird! Erhebt euch, wo auch immer es sei, mit aller Kraft, um für die Heilige Lehre der Gesegneten Vollkommenheit Diener zu sein und sie zu verkünden! Seine Bestätigungen werden mit euch sein! In selbstloser Liebe sollt ihr euch begegnen, in unwandelbarer Nächstenliebe sollt ihr euch beistehen! Ihr steht unter dem Schutz des Allerhöchsten! Wer einem meiner Diener hilfreich zur Seite steht – und sei es, dass er ihm ein Glas Wasser reiche – der ist gesegnet! Mit eurem Leben – in Worten und Werken – sollt ihr euren Mitmenschen Beispiel sein! Seht nicht auf die Schwächen des Nächsten, sondern sucht das Gute in ihm und überseht das Andere. Euer wahrer Vater ist Gott! Ihr alle seid Seine Geschöpfe – die Blätter an einem Lebensbaume!“ (Zitat aus: Alice Schwarz, „Zeiten, die mein Herz berührten“, S. 168)

Doktor Faber, der sich um das Wohlbefinden des Geliebten Meisters bemühte, betrat das Zimmer und erzählte, er habe mit einigen Herren über die Heilige Lehre gesprochen. Diese hätten anerkannt, dass die Lehre dem Wohl der Menschheit dienen könne, doch eine so ideale Lehre durchzuführen, sei unmöglich. Dann habe er sie darauf hingewiesen, dass früher niemand an den Telegraf, das Telefon und an die Auswirkungen und Möglichkeiten der elektrischen Kraft gedacht und geglaubt hätte. Und der Meister sagte: „In früheren Zeiten konnte sich niemand die Entwicklung der heutigen Wissenschaft vorstellen. Hätte früher jemand gedacht, dass die Frau die gleichen Rechte wie der Mann beanspruchen würde und dass sie mit diesem Wunsche durchdringen werde? Bis zum heutigen Tage ist der Frau dieses Recht in Amerika in neun Provinzen eingeräumt worden. – Du hast eine gute Antwort gegeben! Niemand konnte sich diese Entwicklung und solche wissenschaftlichen Fortschritte vorstellen! Wer hätte daran gedacht, dass die Menschen eines Tages fliegen würden, um mühelos von einer Stadt zur andern zu gelangen? Doch wenn die Menschen behaupten, dass Krieg und Feindseligkeit natürlich seien, eine Reform zur Einheit dagegen unmöglich sei, so erklären Wir: In der Natur ist der Kampf unvermeidbar, die Menschheit jedoch benötigt Frieden und innere Wandlung! Wäre mit dem Leben in der materiellen Welt das Sein erschöpft, dann wäre keine Erziehung nötig! Auch ist die Verschiedenheit der Veranlagung oder die Eigenart der Persönlichkeit kein Anlass zur Uneinigkeit!“ (vgl. Alice Schwarz, „Zeiten, die mein Herz berührten“, S. 169-170)


Am Nachmittag machte 'Abdu'l-Bahá mit Familie Schwarz einen Ausflug zum Jagdschloss des Königs in Bebenhausen bei Tübingen, einem ehemaligen Zisterzienser Kloster. Auf der Rückfahrt drückte Er noch einmal Seine Freude darüber aus, dass Er nach Stuttgart gekommen ist, und zu den Freunden sprach Er die Mut und Zuversicht gebenden Worte: „Edle Seelen wie ihr haben den Ruf des Königreiches vernommen. Nun müsst ihr euch mit Begeisterung und Mut erheben, um zu lehren und die frohen Botschaften Gottes zu verbreiten. Ich setze das größte Vertrauen in euch ... Mein Herz ist bei euch! Mein Geist ist mit euch! Ich habe mein Werk vollbracht, ich muss euch nun verlassen. Immer aber werde ich bei euch sein!“ (Zitat aus Alice Schwarz, „Zeiten, die mein Herz berührten“, S. 175/176)

www.abdulbaha-in-deutschland.de


_________________
******************************************
Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und Forderungen.
Bahá'u'lláh
Donnerstag, 1. Mai 1913 – Abschied von ‘Abdu’l-Bahá

Dies war ein trauriger Tag für die Freunde aus Stuttgart und Esslingen: Heute mussten sie von ‘Abdu’l-Bahá Abschied nehmen. „Unaufhaltsam geht die Zeit dahin, unbarmherzig rückt die Stunde heran, in der wir mit wehem Herzen und bebenden Lippen von dem Geliebten Herrn Abschied nehmen müssen“, hatte Alice Schwarz am Vortage in ihr Tagebuch geschrieben. (Alice Schwarz, Zeiten die mein Herz berührten, S. 176)

In aller Frühe waren einige Freunde ins Hotel gekommen, um noch ein letztes Mal in der Gegenwart ihres „geliebten Meisters“ weilen zu dürfen. ‘Abdu’l-Bahá tröstete sie mit den Worten: „Ich muss euch Lebewohl sagen, aber ich möchte immer bei euch sein! So schön es ist, sich zu begegnen, so schwer fällt der Abschied! Unser Abschied bedeutet jedoch keine Trennung, denn die Liebe von Bahá’u’lláh hat uns alle so vereint, dass es keine Trennung mehr gibt! Ist auch bald ein weiter Weg zwischen uns, so wird dieser für unsere Herzen doch keine Entfernung bedeuten. … Ihr seid eingetreten in das Königreich Abhás! Es ist leicht einzutreten, aber es ist sehr schwer, fest und standhaft zu bleiben! Ihr müsst fest und standhaft bleiben! Ihr müsst immer Treue und Ausdauer beweisen! Wohl mögen schwere Prüfungen über euch kommen und viele Anfechtungen werden euer harren, aber – bleibt fest und der Heiligen Lehre getreu! Bleibt fest, ihr werdet über alle Schwierigkeiten siegen!“ Er beendete Seine Ansprache mit der Zusicherung: „Wenn ich Stuttgart verlasse, so steht ihr unter dem Schutz von Bahá’u’lláh! Ich bete für euch, dass die Gnade von Bahá’u’lláh euch immer und überall umgeben möge! Dass ihr Tag für Tag tiefer in die Heilige Lehre eindringt, dass ihr Tag für Tag Fortschritte machen werdet! Nie werde ich euch vergessen! … Seid dessen gewiss, von euch bin ich nicht getrennt! Immer werde ich mich euer erinnern – vertrauet darauf!“ (Zitate aus: Alice Schwarz, Zeiten die mein Herz berührten, S. 179/180)

Dann verließ ‘Abdu’l-Bahá das Hotel und begab sich in den nahegelegenen Bahnhof. Die Freunde folgten Ihm zutiefst bewegt, um die kurze Frist bis zur Abfahrt des Zuges (um 10:53 Uhr) noch in Seiner Nähe zu sein. „Ein unsagbarer Schmerz legte sich auf mein Herz, als ich Ihn am Fenster Seines Abteils stehen sah; in tiefer Rührung hob Er segnend die Hände und nickte uns zu, bis Seine Gestalt unseren Augen entschwand. In tiefem Schmerz blieben wir zurück. Es war, als ob alle Hoffnung aus unserem Leben entschwunden sei. In den ersten Stunden dieses Abschiedes blieb ein tiefes Leid in unserer Seele“, erinnert sich Alice Schwarz. Doch später erkannte sie: „Allein, Seine Worte erfüllten sich! Je größer die Entfernung wurde zwischen Ihm und uns, umso lebendiger entstand Sein Geist in uns, umso stärker lebten Seine Worte in uns. Ich bin sicher, dass in diesen Stunden in manchem Herzen der feste Entschluss gereift ist, mit aller Kraft und Treue sich der Heiligen Lehre von Bahá’u’lláh zu weihen und eher Prüfungen und Stürmen aller Art zu begegnen, als von dieser göttlichen Lehre zu lassen, und sollte es die Aufgabe des Ichs, ja, des Lebens erfordern!“ (vgl. Alice Schwarz, „Zeiten, die mein Herz berührten“, S. 181/2)

Eines der schönsten Kapitel in den Annalen des Glaubens geht zu Ende. In Paris verweilte ‘Abdu’l-Bahá noch sechs Wochen, dann fuhr Er über Marseille zurück nach Ägypten.


„Generationen nach uns werden den Spuren Seiner Fußstapfen folgen und werden tausendmal bedauern, nicht in dieser großen Zeit des geliebten Meisters ‘Abdu’l-Bahá gelebt zu haben…“, heißt es im Tagebuch von Alice Schwarz. (Alice Schwarz, „Zeiten die mein Herz berührten“)

Doch auch wir, die geistigen Erben dieser frühen Gläubigen in Deutschland, haben die Chance, ‘Abdu’l-Bahás Fußstapfen zu folgen und auf dem von Ihm gewiesenen Wege weiter voranzugehen: „Ich habe den Samen hier ausgestreut, ihr müsst ihn jetzt begießen und gleich einem Gärtner pflegen, bis die Pflanzen wachsen und ihr die Ernte sehet!“ (zitiert in: Alice Schwarz, Zeiten die mein Herz berührten, S. 180)

www.abdulbaha-in-deutschland.de



_________________
******************************************
Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und Forderungen.
Bahá'u'lláh
So war 'Abdu'l-Bahá ('Abdu'l bedeutet Diener)

http://www.youtube.com/watch?v=hAIMNRhM5Sw

Wie liebe ich diesen song!

Wünsche allen eine gute Nacht!

Liebevolle Grüße Linde


_________________
******************************************
Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und Forderungen.
Bahá'u'lláh
Ja, wirklich, immer wieder ergreifend zu hören, dieser Song, liebe Linde
Habe ihn mir eben wieder angehört und an Freunde weitergeleitet.

Danke, dass Du so wertvolle Dinge postest hier.

Liebste Grüße,
Minou
_________________
»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Liebe Linde!

Ein wirklich bewegendes Lied.

Alles Liebe

Erich
_________________
Es leitet mich die reine Liebe, die frei von Ego und frei von Konditionierungen ist!
Erzählungen aus seinem Leben.
´Abdu’l-Bahá musste einmal von der Gefängnisstadt ´Akká aus nach Haifa fahren, um Verschiedenes zu besorgen. Am Nachmittag
machte Er sich auf den Weg. Es kam auch gleich die Postkutsche, die jeden Tag nach Haifa fuhr, denn es gab dort weder Eisenbahnen
noch Omnibusse. Viele Menschen saßen schon drinnen. Trotzdem ging der Meister hin und fragte den Postillion: “Habt ihr noch einen
Platz für mich frei?” Der Kutscher dachte: ,So ein vornehmer Herr hätte doch Geld genug, um sich eine eigene Kutsche zu mieten’, und
antwortete: “Euer Hochwürden wünschen doch sicherlich ein Privatfuhrwerk.” Doch ´Abdu’l-Bahá versetzte: “Nein, das brauche ich nicht;
diese Leute kommen alle gut nach Haifa, also kann ich auch mitfahren!”
Schon war der Meister eingestiegen, die Fahrgäste rückten noch ein wenig zusammen, der Kutscher knallte mit der Peitsche und die Kutsche
holperte nach Haifa. Die kräftigen Pferde gelangten mit dem vollbesetzten Postwagen schnell ans Ziel.
In der Stadt stiegen die Fahrgäste aus. Da drängte sich eine ärmlich gekleidete Frau durch die Menschenmenge. Alle blieben stehen und
schauten ihr nach. Vor ´Abdu’l-Bahá, der eben aus der Kutsche gestiegen war, warf sie sich nieder, weinte laut und bat: “Lieber Meister,
mein Mann ist Fischer, den ganzen Tag hat er noch nichts gefangen und ich habe seit gestern Abend keinen Bissen Brot gegessen. Nachher
soll ich heimgehen zu meinen hungrigen Kindern, die heute auch noch nichts bekommen haben. Wir alle müssen hungern. Hilf uns doch,
bitte, lieber Meister!”
´Abdu’l-Bahá hob die Frau auf, griff in Seine Manteltasche und drückte ihr ein Geldstück in die Hand, mit dem man damals viel kaufen
konnte. Das Gesicht der Frau, das eben noch tiefstes Leid ausgedrückt hatte, strahlte nun vor Freude. Sie sagte dem Meister tausend Dank
für die freundliche Hilfe und ging glücklich von dannen. Der Meister aber drehte sich zum Postillion, bezahlte ihm sein Fahrgeld und bemerkte:
“Nun hast du gesehen, warum ich kein Privatfuhrwerk haben wollte. Warum soll ich so luxuriös reisen und viel Geld verbrauchen,
wenn noch so viele Menschen hungern?”
Nachdenklich fuhr der Kutscher weiter, ´Abdu’l-Bahá schritt über den Platz und ging Seines Weges
_________________
******************************************
Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und Forderungen.
Bahá'u'lláh
Trotz aller eigenen Not wurde Abdu'l-Baha bekannt als Helfer der Armen. Unablässig warb er für Toleranz und Verständigung unter den Religionen.

www.geistigenahrung.org/abdul-baha.html
_________________
******************************************
Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und Forderungen.
Bahá'u'lláh