Über direktes Leben und das Defäkieren auf den selben Haufen


Zitat:
Moin, lieber Tiro,


Moin und Namaste, Norbert!

Zitat:
Als Zusammenfassung meiner Antwort: Dir erscheint der ursprüngliche Daoismus in diesem Zusammenhang als "konturlos". Das mag dir so vorkommen, weil er eben der Natur folgt, und die könnte man auch als "konturlos" ansehen. Es gibt keinen Entwicklungsweg im ursprünglichen Daoismus, weil es auch keinen Entwicklungsweg in der Natur gibt. Die Blume lebt nicht, um sich irgendwohin zu entwickeln. Die Katze lebt nicht mit dem Ziel, zu irgendwas zu werden, sondern sie lebt einfach. Bei den Menschen als Teil der Natur ist das genauso, unserer Ansicht nach.



Die Nuss aber lebt um zu transformieren und sich zum Baume weiter zu entwickeln. Ebenso lebt der Blumensamen und ebenso muß der Geist leben und sich entwickeln, meinst Du nicht? Außerhalb der körperlichen Existenz mag Entwicklung unnötig sein, aber innerhalb der jeweiligen Existenz doch nicht.

Zitat:
Allan Watts schrieb mal sinngemäß über "uns Daoisten":
"Eine Katze sitzt, bis ihr das Sitzen langweilig wird. Dann steht sie auf und geht weg. Der Daoist macht das gleiche". Hier wird die Natürlichkeit des Daoismus besondern deutlich, finde ich.


Ein schönes Bild. Es erinnert mich an den holz hackenden und wasser holenden Zen Mönch.

LG Tiro
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„Es gibt keinen Schöpfer außer dem Geist.“
(Lord Buddha)

"Es ist ein Vergnügen anzusehen, wie blind die Menschen für ihre eigenen Sünden sind und wie heftig sie die Laster verfolgen, die sie selbst nicht haben."
(Machiavelli)
Caput_Tiro hat folgendes geschrieben:

Die Nuss aber lebt um zu transformieren und sich zum Baume weiter zu entwickeln. Ebenso lebt der Blumensamen


Na, aber das passiert doch von alleine, Tiro. Wir Menschen entwickeln uns auch vom Samen zu (meist) ausgewachsenen Menschen. Der Punkt, den wir Daoisten machen, ist der: Die Natur hat ihre eigene Geschwindigkeit, mit der Dinge passieren, da brauchen wir Menschen (als Teil der Natur) nichts dazuzutun.

Zitat:

Ein schönes Bild. Es erinnert mich an den holz hackenden und wasser holenden Zen Mönch.


Absolut, mich auch! Nach der Erleuchtung ist vor der Erleuchtung, zumindest im Daoismus.
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Trotz allem fehlt mir im Daoismus der Ausweg, mein Freund. Alle Wesen streben irgendwo im tiefsten Inneren nach der restlosen Beedigung/Auslöschung vom Leid. Eben das liefert der Daoismus aber nicht, er sagt nur "du leidest, weil du leidest, solang du leidest". Ich bin ein lösungsorientiert denkender Mensch, daher kann ich das nicht leben.

LG Tiro
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Caput_Tiro hat folgendes geschrieben:
Trotz allem fehlt mir im Daoismus der Ausweg, mein Freund.


Verstehe ich gut, lieber Tiro.
Es gibt keinen Ausweg im ursprünglichen Daoismus, und auch nicht im Advaita. Es gibt kein Konzept/Wunsch der Erlösung, des Paradieses, des Karma, der Wiedergeburt, der "Selbstverbesserung", des geistigen Wachstums. Das alles gibt es nicht. Dinge geschehen, weil sie geschehen.

Diese Illusionslosigkeit ist auch der Grund, warum nur ganz wenig Leute was mit dem alten Daoismus was anfangen können.

Zitat:
Alle Wesen streben irgendwo im tiefsten Inneren nach der restlosen Beedigung/Auslöschung vom Leid. Eben das liefert der Daoismus aber nicht, er sagt nur "du leidest, weil du leidest, solang du leidest". Ich bin ein lösungsorientiert denkender Mensch, daher kann ich das nicht leben.


Auch das verstehe ich gut. Wie gesagt, wir sind der Meinung, daß die Dinge geschehen, wie sie geschehen.

Das heißt aber NICHT, daß wir den Leuten verbieten wollen, irgendwelche Techniken zu praktizieren, die ihnen Erleichterung verschaffen. Wenn die Programmierung eines Menschen in die Richtung geht, dann wird er solche Techniken (Meditation, Tiefenentspannung, usw) praktizieren. Wenn nicht, dann nicht.

Liebe Grüße,
Norbert

P.S.
Interessanterweise hat sich mein Leiden ganz erstaunlich verringert, seitdem ich dem Nicht-Weg des Daoismus/Advaita folge. "Mein" Leben ist lebenswert und fröhlich geworden.
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Zitat:
P.S.
Interessanterweise hat sich mein Leiden ganz erstaunlich verringert, seitdem ich dem Nicht-Weg des Daoismus/Advaita folge. "Mein" Leben ist lebenswert und fröhlich geworden.


Um veringertes Leiden geht es (mir) nicht, Norbert. Es geht um die völlige Auslöschung jeden Leids. Und um ein fröhliches und lebenswertes Leben zu führen braucht man überhaupt keine Religion, glaube ich. Deine Fröhlichkeit ist im Grunde nichts anderes als der tönende Pfiff den Du hörst, kurz bevor der Zug namens "Leid" im Bahnhof deines Seins ankommt. Nichts im Daoismus schafft es diesen Zug nicht nur zum halten zu bringen sondern ihn auch zu verschrotten, das ist es was mir daran nicht gefällt.

LG Tiro
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"Es ist ein Vergnügen anzusehen, wie blind die Menschen für ihre eigenen Sünden sind und wie heftig sie die Laster verfolgen, die sie selbst nicht haben."
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Die Sache sehen wir halt anders, Tiro. Unserer Meinung nach gibt es nichts, was wir tun können, um Leid auszulöschen. Leid ist Bestandteil der Existenz als Lebewesen.
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Carl Reed hat folgendes geschrieben:
Es gibt keinen Ausweg im ursprünglichen Daoismus, und auch nicht im Advaita. Es gibt kein Konzept/Wunsch der Erlösung, des Paradieses, des Karma, der Wiedergeburt, der "Selbstverbesserung", des geistigen Wachstums. Das alles gibt es nicht. Dinge geschehen, weil sie geschehen.


Dann "geschehen" Gut und Böse auch einfach so. Dann geschieht jede böse Tat auch ohne irgendwelche negativen Konsequenzen so wie jede gute Tat ohne positive?

LG,
Minou
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»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Lieber Norbert,

Hm.. stimmt da glauben/denken wir anders. Trotzdem hat mich der Austausch mit dir schon wieder sehr weit vorangebracht und zum hinterfragen meines Glaubens angeregt, dafür danke ich dir sehr! Immer wenn wir hier oder über andere Wege im Netz diskutieren denke ich bei mir "den müßte ich mal zu unserem universellen philosophisch/religiösen Stammtisch mitnehmen". Wir hätten uns Auge in Auge sicher eine Menge zu erzählen

LG Tiro
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Minou hat folgendes geschrieben:

Dann "geschehen" Gut und Böse auch einfach so. Dann geschieht jede böse Tat auch ohne irgendwelche negativen Konsequenzen so wie jede gute Tat ohne positive?


"Gut" und "Böse" ist ja auch Definitionssache, liebe Minou. Wenn eine Mutter den Mörder ihres Kindes erschießt, ist das "gut" oder "böse"? Für wen? Für den Mörder als Menschen sicherlich nicht gut. Alles Ansichtssache, alles Konzept.

Es geschehen genügend "böse" Taten, ohne daß jemand zur Verantwortung gezogen wird (unentdeckte Verbrechen, Kriegsgreuel usw). Und es passieren genügend "gute" Taten, die ohne jede "positive" Konsequenz bleiben.

Das Leben ist weder gerecht, noch gut. Und es ist weder ungerecht, noch schlecht. Es ist. Alles andere, was du oder ich an diesen Satz anhängen, ist (nur) unsere Meinung.
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Caput_Tiro hat folgendes geschrieben:
Lieber Norbert,

Hm.. stimmt da glauben/denken wir anders. Trotzdem hat mich der Austausch mit dir schon wieder sehr weit vorangebracht und zum hinterfragen meines Glaubens angeregt, dafür danke ich dir sehr!


Ich habe dir zu danken, mein Freund. Mir geht es genauso!

Zitat:
Immer wenn wir hier oder über andere Wege im Netz diskutieren denke ich bei mir "den müßte ich mal zu unserem universellen philosophisch/religiösen Stammtisch mitnehmen". Wir hätten uns Auge in Auge sicher eine Menge zu erzählen


Das würde mich auch interessieren. Aber ich glaube mich erinnern zu können, daß du nicht in meiner Nähe wohnst... Ich komme aus der Münchener Gegend.
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