Kann man jemandem Autismus einreden?


Hi,
als ich 14 war wurde bei mir erstmal ADS fehldiagnostiziert, ich nahm 2 Jahre lang strattera (ich war Hypoaktiv und sollte aktiver werden durch das mittel konnte mich kaum konzentrieren) meine eltern und mein psychologe hängten sich wirklich in die sache rein
am ende waren wir WIEDER beim psychologen nach 2 jahren es stellte sich heraus das ich etwas anderes hatte und wurde zu einer Asperger-Spezialistin nach Frankfurt geschickt (dort waren wirklich experten)
Mein vater hatte mir vorher fast 1 jahr lang eingeredet das ich Asperger hatte (Asperger ist eine vorstufe des Autismus, nicht so schlimm aber trotzdem schlimm genug)
in dem Jahr hab ich mich gefühlt wie ein autist ich hab mich noch mehr abgekapselt von allen, ich wurde sowieso schon gemobbt in der schule, jetzt aber war ich eiskalt und zeigte einfach keine emotion mein gesicht war wie erfroren

dann war ich bei der expertin und am ende ein 10 seitiger bericht: ich habe Asperger. skala mittel bis hoch.

Dann sind 2 Jahre vergangen und ich war in der Ausbildung, dort hat für mich alles neu angefangen, ich verdrängte diese Asperger-sache, sie verschwand für mich.
Ich zeigte immer mehr emotionen ich konnte vor anderen wieder lachen..
sogar zuhause wenn ich einen traurigen liebesfilm guckte musste ich weinen wie ein baby..

Jetzt nach der ausbildung fragen mich welche aus der familie wie ich denn mit der asperger sache zurechtkomme
so und jetzt gehts wieder los, ich baue irgendwie so langsam wieder diese barriere hoch

Ich fragte gerade eben ein paar ehemalige Klassenkameraden von der ausbildung letzten Jahres, sie meinten ich kann sehr gut gefühle zeigen und sie glauben nicht das ich ein autist(asperger) wäre.


Ist es jetzt letztendlich nur kopfsache?
Wenn ich jetzt nochmal zur Expertin gehen würde, würde sie mich nicht als Asperger diagnostizieren?
Kann man jemandem einreden er wäre autist und deshalb geistig unterentwickelt ist er es dann auch so?
wurde ich jahrelang nur falschdiagnostiziert?

Wie kann ich herausfinden was ich wirklich bin, was ich habe?
Ich will nur ein normaler mensch sein wie jeder andere auch!
Hallo Overrelax,

ich bin überhaupt kein Experte auf diesem Gebiet.

Aber vielleicht könnte es dir auf dem Weg der Selbstfindung helfen, dieses Buch zu lesen. In der Autobiographie "Buntschatten und Fledermäuse: Mein Leben in einer anderen Welt" schildert der Autist Axel Braun seinen Lebensweg mit dieser Krankheit, seine Weltsicht aus seiner ganz speziellen Perspektive. Vielleicht kannst du ja durch die Lektüre nach dem Ausschlussprinzip ein Stück weit mehr erkennen, ob Elemente dieser Erkrankung bei dir tatsächlich vorliegen.

http://www.amazon.de/Buntschatten-F.....qid=1349017295&sr=8-1
Das Asperger-Syndrom ist noch kein Autismus.
Es ist nur eine leichte Ausprägung des Autismus.

Am einfachsten Google-st Du mal uns schaust nach Typischen Symptomen.
Findest Du Dich selbst in der MEHRZAHL der Symptome wieder?
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Sind wir denn wirklich die heiligsten Wesen auf Erden?
>HIER KLICKEN<
OverRelax hat folgendes geschrieben:
Asperger ist eine vorstufe des Autismus, nicht so schlimm aber trotzdem schlimm genug


Schlimm ist relativ. Einstein hatte es wahrscheinlich auch.

OverRelax hat folgendes geschrieben:
Ist es jetzt letztendlich nur kopfsache?


Nein, aber der Umgang damit ist Kopfsache. Natürlich können Symptome schlimmer werden, wenn man sich drauf konzentriert - ist bei vielen Krankheiten so.

OverRelax hat folgendes geschrieben:
Wenn ich jetzt nochmal zur Expertin gehen würde, würde sie mich nicht als Asperger diagnostizieren?


Wer soll dir so eine Frage in einem Forum im Internet beantworten können?

OverRelax hat folgendes geschrieben:
Kann man jemandem einreden er wäre autist und deshalb geistig unterentwickelt ist er es dann auch so?


Kommt auf die Person an, der man es einreden will.

OverRelax hat folgendes geschrieben:
wurde ich jahrelang nur falschdiagnostiziert?


Kann dir hier auch keiner sagen.

OverRelax hat folgendes geschrieben:
Wie kann ich herausfinden was ich wirklich bin, was ich habe?


Zum Arzt bzw. Psychologen gehen. Von Eigendiagnosen würde ich abraten.


OverRelax hat folgendes geschrieben:
Ich will nur ein normaler mensch sein wie jeder andere auch!


Es gibt nicht "den normalen Menschen". Einige Persönlichkeitsmerkmale kommen häufiger vor als andere, alle sind normal.
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Den Wahn erkennt natürlich niemals, wer ihn selbst noch teilt.
Sigmund Freud
Hallo lieber OverRelax, ich hatte kürzlich schon einmal in dem Thread >Sexuelle Neigung< Seite 3 darüber geschrieben was wir uns alles einreden, bzw. einreden lassen, auch von Fachleuten.
Nun bin auch ich keine Fachfrau und kann hier nur berichten was ich persönlich erlebt oder erfahren habe.

Zum Beispiel erinnere ich mich an einen Bericht in einem Englisch-Buch meiner Tochter. Das muss mindestens 25 Jahre her sein, dass ich das mitbekommen habe, und es beschäftigt mich noch heute.

Eine Lehrerin machte ein Experiment mit ihren Schülern.
Sie sagte ihnen, dass sie eine Studie gelesen oder einen Lehrgang gemacht habe (das weiß ich jetzt nicht mehr genau was) in dem bestätigt wird, dass Schüler mit blonden Haaren und blauen Augen besser lernen, ein sozialeres Verhalten an den Tag legen, intelligenter seien als ihre Mitschüler mit beispielsweise grünen oder braunen Augen und dunklen Haaren. Diese seien sehr oft Störenfriede, könnten schlechter lernen und noch einiges in dieser Richtung.
In kürzester Zeit (weiß nicht mehr genau wie lange) waren tatsächlich die blonden, blauäugigen Schüler den anderen weitaus überlegen und der Rest hatte sich total zum Negativen entwickelt.

Das tollste aber war Folgendes: Nach einiger Zeit erzählte die Lehrerin ihren Schülern, dass sie etwas verwechselt, sich total geirrt hätte, denn sie habe nun festgestellt, dass es genau umgekehrt wäre.
Die Schüler mit grünen und braunen Augen und dunklen Haaren wären die, die besser lernen könnten, sozialer wären etc. und die Blonden die Störenfriede und schlechten Schüler etc.

Von Stund an änderte sich das Bild wieder, genau in die andere Richtung. Die dunkelhaarigen waren die "guten" und die blonden die "schlechten" Schüler.

Lieber OverRelax, ich kann absolut nicht beurteilen wie das bei Dir ist. Ich wollte nur nochmal erwähnen, dass es absolut auch Fälle gibt, wo uns Fachleute und andere versuchen etwas einzureden und wir dann genau das sind woran wir glauben.

Ob Du mal ausprobierst so zu leben als hättest Du nie etwas davon gehört was Du angeblich sein sollst?

Zitat:
Dann sind 2 Jahre vergangen und ich war in der Ausbildung, dort hat für mich alles neu angefangen, ich verdrängte diese Asperger-sache, sie verschwand für mich.
Ich zeigte immer mehr emotionen ich konnte vor anderen wieder lachen..
sogar zuhause wenn ich einen traurigen liebesfilm guckte musste ich weinen wie ein baby..


Das könnte ein Beweis dafür sein, dass das nicht stimmt was Du glaubst zu sein.

Und bitte nicht verdrängen, sondern auf etwas anderes konzentrieren damit das in den Hintergrund gerät. Verdrängen ist wie einen Ball unter Wasser drücken. Sobald man ihn los lässt springt er wieder hoch.

Ich hoffe sehr, dass es Dir gelingen möge an das zu glauben was Du tatsächlich bist.

Sind wir nicht das was wir glauben zu sein?
Oft hat das allerdings garnichts mit der Realität zu tun.

Ich würde jetzt allerdings kein Buch über Autismus lesen. Damit hast du Dich lange genug beschäftigt und es hat möglicherweise den Glauben in diese Richtung bestätigt, obwohl es auch sein könnte, dass dem absolut nicht so ist.

Meinen Erziehern ist es früher gelungen mir einzureden, dass ich dumm und unfähig bin. Ich habe daran geglaubt und deshalb immer wieder Bestätigungen gefunden, dass es so ist.
Gott sei Dank glaube ich das jetzt generell nicht mehr, obwohl es immer mal wieder Phasen gibt wo was durchkommt.

Alles Liebe Linde
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Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und Forderungen.
Bahá'u'lláh
OverRelax schrieb:
Zitat:
Mein vater hatte mir vorher fast 1 jahr lang eingeredet das ich Asperger hatte


Hätte mein Vater mir das eingeredet, wäre ich vermutlich schon nach einen halben Jahr davon überzeugt gewesen.

Grade vor 2 Tagen war ich wieder mit Verwandten zusammen die mich als Kind miterzogen hatten. (Die sind jetzt schon sehr betagt)
Und als ich so hörte was sie so alles reden und welche Einstellung sie zum Leben haben, da dachte ich bei mir: >Linde, Du armes Hascherl, als Kind dachtest Du deren Meinung wäre der Maßstab und Du konntest ihm nie gerecht werden.<
Heute denke ich, das ist kein Wunder und bin froh, dass ihr Maßstab nun schon längst nicht mehr meiner ist.
Ich konnte mich daraus befreien.

Möchte jetzt aber nochmal betonen, dass dies nur meine Erfahrungen sind. Jeder "Fall" liegt anders.

Ich wünsche auch Dir eine Befreiung von dem was Du glaubst zu sein und doch nicht bist.

Alles Gute Linde
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Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und Forderungen.
Bahá'u'lláh
Namaste

Lieber OverRelax,

Viele Menschen, unteranderem auch ich, sind der Meinung das man in den letzten 20 Jahren recht oft und verhältnismäßig völlig verfrüht mit der Diagnose "harter" Störungen bei der Hand ist. Gerade AD(H)S und Asperger sind beliebte "Schnelllösungen" bei so manchem Psychologen der erkennt das ihn eine Diagnose überfordert. Das soll nun nicht heißen das Du es nicht hast, nur das es sehr wohl möglich ist und man immer mehrere Meinungen einholen sollte bevor man sich mit gewissen Dingen "abfindet".

Aber mal ganz abgesehen davon, wie siehst Du dich denn selbst und wie sieht dich dein (relativ objektives) Umfeld? Mir scheint das Du selbst nicht an eine psychologische Auffälligkeit deinerseits glaubst und außerdem schreibst Du das deine Mitauszubildenden dies auch nicht aufgefallen ist.

Ich würde daher erstmal ganz allgemein und grob sagen, Du bist wie Du dir erscheinst! Jeder von uns schafft sich seine eigene, leicht abgewandelte, subjektive Realität und somit ein eigenes Selbstbild. Wenn Du dich für psychisch stabil und "normal" hältst dann würde ich erstmal davon ausgehen das dies so stimmt. Letztlich kannst Du ohnehin keine 100% korrekte und immer und für jeden geltende Diagnose erhalten, denn so etwas wie die allein selig machende Wahrheit oder eine rein objektive Realität gibt es nicht.

Ob Du nun Asperger hast oder nicht, wer weiß.. und was glaubst Du verändert sich durch eine Antwort wirklich in deinem Leben?

LG Tiro
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„Es gibt keinen Schöpfer außer dem Geist.“
(Lord Buddha)

"Es ist ein Vergnügen anzusehen, wie blind die Menschen für ihre eigenen Sünden sind und wie heftig sie die Laster verfolgen, die sie selbst nicht haben."
(Machiavelli)
OverRelax hat folgendes geschrieben:
[...]

Wie kann ich herausfinden was ich wirklich bin, was ich habe?
Ich will nur ein normaler mensch sein wie jeder andere auch!


Mach dir keinen Kopp, wir haben alle einen kleinen Schatten...

Gruss Grubi
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https://youtu.be/f2ROFnA4HRA
Ja sicher haben wir alle einen kleinen Schatten, aber das hat damit nichts zutun. Finde ich.
Ich denke, ich würde an deiner Stelle von Arzt zu Arzt laufen und mir meinungen einholen. Autismus einreden? Ich glaube das geht nicht.
Hallo Overrelax

Ich kann dir leider nicht sagen, ob man jemanden das Asperger Syndrom einreden kann.
Ich weiss aber, da ich jemanden mit dieser Krankheit kenne, dass es auch für Ärzte schwer ist diese Krankheit zu Diagnostizieren. Es gibt anscheinend nicht viele Ärzte die sich wirklich mit AS auskennen. Deshalb möchte ich dir die Seite des Aspies e.V. empfehlen.
Du findest dort unter anderem eine Liste mit Adressen von Ärzten. Es gibt auch ein Forum wo auch nochmal Adressen gesammelt werden. Mein Bekannter hat dort auch seinen jetzigen Arzt gefunden.

Mein Tip zum Finden eines geeigneten Psychiaters. Ich würde unabhängig von der Qualifikation des Arztes immer drauf achten, dass ich mich dort wohl fühle und die Chemie zwischen mir und dem Arzt stimmt. Schließlich will bzw muss man diesem Menschen sehr private Details erzählen. Das ist eine Erfahrung, die wir damals bei Suchen eines geeigneten Arztes gemacht haben.

Eins noch: Ein gebrochener Knochen ist ein gebrochener Knochen - Psychiater haben dagegen nicht das Glück mit harten Fakten zu arbeiten. Deswegen sehe ich ihre Diagnosen immer als Ein"schätzungen" und halte es daher für sinnvoll, sich auf jeden Fall mehrere Meinungen einzuholen.

Liebe Grüße
Nadja
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GUNKL: Wüstenreligionen, Wissen, Respekt und Kränkungen
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