Übertreiben die Gesundheitsämter denn nicht?


Wohl jedes Amt hat seine Daseinsberechtigung.
Nur fragt man sich manchmal, ob Ämter nicht über ein Ziel hinausschießen,
wenn sie sich selbst allzu wichtig nehmen:
Zitat:
Gesundheitsamt findet Mäusekot in Großbäckerei
Bei den Schädlingen in der mittlerweile geschlossenen Großbäckerei Müller-Brot handelte es sich um Mäuse. Der Leiter des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), Andreas Zapf, sagte dem Bayerischen Rundfunk, man habe wiederholt Mäusekot und Speisereste von früheren Produktionen gefunden. Die Anlagen seien daraufhin gereinigt worden, später sei der Kot aber an anderen Stellen wieder aufgetaucht.

>>>Quelle<<<
Was sind denn die Folgen von zu viel Hygiene?
Zitat:
Auch mit der Hygiene kann man‘s „übertreiben“
Die Theorie hinter diesen Wurm-Therapien ist die so genannte Hygiene-Hypothese. Danach sind Autoimmunerkrankungen und Allergien in modernen Industriestaaten deswegen relativ häufig, weil die Bewohner kaum noch oder gar keinen Kontakt mehr zu Parasiten und anderen Infektionserregern haben. Das immunologische Prinzip der Wurm-Therapie beruht darauf, dass die Infektion mit den Parasiten die systemische Immunreaktion so moduliert, dass Entzündungsprozesse, etwa bei der MS, geschwächt werden. Die Idee, die Wurm-Therapie auch bei MS-Patienten zu erproben, geht auf eine Studie aus dem Jahr 2007 zurück: Damals berichteten die argentinischen Forscher Jorge Correale und Mauricio Farez in den „Annals of Neurology“ über ihre Beobachtung, dass bei MS-Patienten, die mit dem Parasiten infiziert waren, die Erkrankung nicht so rasch voranschritt wie bei Nichtinfizierten.

>>>Quelle<<<
Wenn ich mich entscheiden darf,
zwischen der ein oder anderen Durchfallerkrankung mehr,
oder einer Allergie oder gar Autoimmunerkrankung (teils mit tödlichem Ausgang), dann entscheide ich mich doch eher für das Erstere.

Warum ist denn z.B. Multiple Sklerose in der 3. Welt unbekannt?
Weil das Immunsystem in diesen Ländern noch genug zu tun hat,
um sich nicht aus lauter Langeweile gegen körpereigene Zellen zu richten.

Daher meine Forderung:
Gesundheitsämter müssen eine ausreichende Menge an Mirkobenbelastung für die Bevölkerung sichern,
so dass Allergien und Autoimmunerkrankungen deutlich seltener werden.
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Sind wir denn wirklich die heiligsten Wesen auf Erden?
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Nehmen wir mal an, die Hypothese das unseren sehr guten hygienischen Verhältnisse wirklich zu mehr Allergien führen würden, dann wäre deine Aussage etwas kurz gedacht. Denn du entscheidest dich nicht zwischen einer Autoimmunkrankheit und Durchfall, sondern zwischen einer längeren Lebenserwartung und Autoimmunkrankeiten - und das für die gesamte Bevölkerung.

Wir leben mehr als doppelt so lange wie vor 500, 600 Jahren noch, dank unserem zivilisatorischen Fortschritt. In Afrika mag man kein MS haben, stirbt aber an Durchfall.

(Ich glaube nicht das MS in der dritten Welt unbekannt ist, sondern das es nicht diagnostiziert wird, da das Gesundheitssystem bzw. die statistischen Erhebungen unzureichend sind.)
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Den Wahn erkennt natürlich niemals, wer ihn selbst noch teilt.
Sigmund Freud
PapaLoooo hat folgendes geschrieben:

Daher meine Forderung:
Gesundheitsämter müssen eine ausreichende Menge an Mirkobenbelastung für die Bevölkerung sichern,
so dass Allergien und Autoimmunerkrankungen deutlich seltener werden.

Bitte nicht. Es macht wenig Sinn bei jedem Mißstand (so es denn einer ist) gleich mal nach dem Staat zu rufen, und der Bevölkerung damit ihre eigene Verantwortung scheinbar abzunehmen.

Wenn in einem modernen Haushalt keine Mikrobenbelastung mehr vorhanden ist, liegt das ja in erster Linie am Verhalten der Bewohner. Da wird statt mit Wasser mit Desinfektionsmitteln geputzt, er werden Fertiggerichte verzehrt die möglichst noch per Mikrowelle sterilisiert werden, jedes Stäubchen wird sofort radikal entfernt und die Körperpflege bis zum auftreten von Hautkrankheiten übertrieben...achja, und bei kleinstem Anzeichen einer Erkältung wird gleich mal mit Antibiotika scharf geschossen.

Wie soll nun ein Amt daran etwas ändern?

Es ist Sache jedes Einzelnen sich vernünftig zu verhalten. Das kann keine Behörde ändern, weder kann sie es erzwingen, noch kann sie es ersetzen.
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Der Blick reicht immer nur bis zur nächsten Wegbiegung.
yogi hat folgendes geschrieben:

(Ich glaube nicht das MS in der dritten Welt unbekannt ist, sondern das es nicht diagnostiziert wird, da das Gesundheitssystem bzw. die statistischen Erhebungen unzureichend sind.)


Das ist in der Tat so.
Die Kliniken haben schon Schwierigkeiten, eine schnöde (und dort alltägliche) Malaria zu diagnostizieren.

@Papaloooo
Du warst doch in Indien. Ich verstehe deinen Ansatz nicht.
Erstes ist die MS in der Tat eine Zivilisationserkrankung.

Quelle:http://ms-lebensbaum.de/verbreitung.html

Zweitens wäre ich selbst mit Sicherheit auch schon mal an einer Durchfallerkrankung gestorben,
hätte ich keine Infusionen bekommen.
Denn wenn man am verdursten ist,
alles Wasser aber erbricht, dann ist man schnell dehydriert.

Aber diese medizinische Versorgung haben wir in den Industrienationen nun mal und in 3.Weltländern fehlt sie leider oftmals.
Der tödliche Verlauf von vielen Krankheiten oder Mängeln dort wären häufig mit Behandlungen im Bereich von Centbeträgen zu behandeln.
Das sollte man dabei nicht vergessen!
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Astrella hat folgendes geschrieben:
Die Kliniken haben schon Schwierigkeiten, eine schnöde (und dort alltägliche) Malaria zu diagnostizieren.

Die MS-Forschung geht aber vorwiegend von den Industrieländern aus..
Und diese versuchen zu verstehen, warum diese Erkrankungen vorwiegend dort auftreten, wo (zu) viel Hygiene angewandt wird.
Astrella hat folgendes geschrieben:
@Papaloooo
Du warst doch in Indien. Ich verstehe deinen Ansatz nicht.

Genau deswegen.
Das Gesundheitamt in Deutschland will nur eine Forderung an die SB-Bäckerein stellen, dass Brötchen vor dem Verkauf nicht mehr berührt werden können.
Das heißt, dass nun wohl alle SB-Bäckereien umrüsten müssen und die ein oder andere daran Pleite geht.

Das was es in armen Ländern zu wenig an Hygienemaßnahmen gibt,
das gibt es hierzulande zu viel.

Die Vorschriften, wenn man auf einem Markt selbtgebackene Lebkuchen verkaufen will, sind geradezu irrwitzig geworden.
Ich bleibe dabei:
Die Gesundheitsämter schießen über ihr Ziel hinaus.

Warum haben denn Bauernhofkinder viel seltener Allergien?
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dtrainer hat folgendes geschrieben:
Wenn in einem modernen Haushalt keine Mikrobenbelastung mehr vorhanden ist, liegt das ja in erster Linie am Verhalten der Bewohner.


Das halte ich auch für die Wurzel des Übels.

PapaLoooo hat folgendes geschrieben:
Erstes ist die MS in der Tat eine Zivilisationserkrankung.


Nochmal. Nur weil die berichtete Zahl an MS Fällen geringer ist, gilt das nicht gleiche nicht auch für die tatsächliche Zahl:

Die berichtete Zahl kann geringer sein, weil in Afrika generell der Zugang zu Ärzten schlechter ist. Wenn jemand mit MS nicht zum Arzt geht oder vorher stirbt, kommt der Fall auch nicht in die Statistik. Gesetz dem Fall jemand mit MS besucht einen Arzt, wird mangels Ausbildung der Arzt den Fall nicht unbedingt als MS erkennen. Wieder nicht in der Statistik. Und zu guter letzt bezweifele ich, dass Statistiken in Afrika über bestimmte Krankheiten nicht mit der gleichen Sorgfalt geführt werden wie hier.

Zum Schluss hat man zwar zwei Zahlen die die MS Fälle in Afrika mit denen in Europa vergleichen, die beiden haben aber nicht viel miteinander zu tun, denn hier wird fast jeder Fall erfasst, in Afrika wahrscheinlich nur ein Bruchteil.

Anderes Beispiel: Im Iran und Saudi-Arabien gibt es, so sagen die Statistiken zumindest, so wie keine Selbstmorde. Ist Selbstmord nun eine Auswuchs der westlichen Zivilisation? Wohl kaum...

PapaLoooo hat folgendes geschrieben:
]Aber diese medizinische Versorgung haben wir in den Industrienationen nun mal und in 3.Weltländern fehlt sie leider oftmals.
Der tödliche Verlauf von vielen Krankheiten oder Mängeln dort wären häufig mit Behandlungen im Bereich von Centbeträgen zu behandeln.
Das sollte man dabei nicht vergessen!


Ja, aber die Menschen werden auch häufiger Krank, weil die hygienischen Verhältnisse katastrophal sind.
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dtrainer hat folgendes geschrieben:


Wenn in einem modernen Haushalt keine Mikrobenbelastung mehr vorhanden ist, liegt das ja in erster Linie am Verhalten der Bewohner. Da wird statt mit Wasser mit Desinfektionsmitteln geputzt, er werden Fertiggerichte verzehrt die möglichst noch per Mikrowelle sterilisiert werden, jedes Stäubchen wird sofort radikal entfernt und die Körperpflege bis zum auftreten von Hautkrankheiten übertrieben...achja, und bei kleinstem Anzeichen einer Erkältung wird gleich mal mit Antibiotika scharf geschossen.



Super Einwurf

Ich sehe in der Tat das Problem auch eher in den normalen Haushalten, bzw. auch bei den Produzenten von Reinigungsmitteln. Mir wird immer ganz anders, wenn ich Werbespots sehe, die versuchen den Leuten zu suggerieren, sie bräuchten für Reinlichkeit den großflächigen Einsatz von Sagrotan und Co.

Desinfektionsmittel gehören in Kliniken, Arztpraxen oder meines Wegen auch auf öffentliche Toiletten, aber gewiss nicht als großflächiges tägl. angewendetes Reinigungsmittel in Wohnungen.

Ich mag mir gar nicht vorstellen, wenn die Bakterien, Keime usw. auf Grund des ständigen Kontaktes mit diesen Produkten eine Resistenz entwickeln, denn dann bekommen wir wirklich Probleme. Im Falle von Antibiotika haben wir ja jetzt schon immer mehr multiresistente Keime.
yogi hat folgendes geschrieben:
PapaLoooo hat folgendes geschrieben:
Erstes ist die MS in der Tat eine Zivilisationserkrankung.


Nochmal. Nur weil die berichtete Zahl an MS Fällen geringer ist, gilt das nicht gleiche nicht auch für die tatsächliche Zahl:

Die berichtete Zahl kann geringer sein, weil in Afrika generell der Zugang zu Ärzten schlechter ist. Wenn jemand mit MS nicht zum Arzt geht oder vorher stirbt, kommt der Fall auch nicht in die Statistik. Gesetz dem Fall jemand mit MS besucht einen Arzt, wird mangels Ausbildung der Arzt den Fall nicht unbedingt als MS erkennen. Wieder nicht in der Statistik. Und zu guter letzt bezweifele ich, dass Statistiken in Afrika über bestimmte Krankheiten nicht mit der gleichen Sorgfalt geführt werden wie hier.

Zum Schluss hat man zwar zwei Zahlen die die MS Fälle in Afrika mit denen in Europa vergleichen, die beiden haben aber nicht viel miteinander zu tun, denn hier wird fast jeder Fall erfasst, in Afrika wahrscheinlich nur ein Bruchteil.


Volle Zustimmung.
Dann setze ich hier nochmals entgegen:

Allergien durch zu viel Hygiene

und noch aktueller:

Dreck schützt Kinder vor Autoimmunerkrankungen

Das ist einfach nicht von der Hand zu weisen!

Die Gesundheitsämter finden irgendwo in riesen Hallen Mäusekot.
Wie schrecklich!
Und dann muss die ganze Produktion eingestellt werden und die Lebensmittel vernichtet.
Und was ist das Nächste?
"Ein Großbauernhof musste schließen, weil in den Mastanlagen Mäusekot entdeckt wurde." Oder wie?

Wenn wir dabei sind, in Mastbetrieben Tonnenweise Antibiotika zu verfüttern - zu Mastzwecken, nicht gegen Krankheiten...
Und damit dann auch noch die Grundwässer verseuchen und unseren Kindeskindern eine Unzahl an Resistenzen zu vermachen...
Dann stehen unsere Gesundheitsämter däumchendrehend bis achselzuckend da, denn das heilige Kalb (Massentierhaltung) darf nicht angetastet werden.

Aber ein Bisschen Mäusekot irgendwo in einer Produktionsanlage - und noch nicht mal im Nahrungsmittel selbst - und schon ist der Teufel los.

Da ist doch was aus dem Ruder gelaufen, oder?
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