Liebeskummer


sanaz hat folgendes geschrieben:
Aber bewirkt das nicht genau das Gegenteil? Ich bin dann nur noch mehr bessesen von ihn, oder etwa nicht?


Ja es klingt so, als ob es genau das Gegenteil bewirken würde. Aber die Energie, die frei wird, wenn du dich sich selbst annimmst mit deinem nicht tragbar erscheinenden Leiden, wird dir die Linderung und irgendwann die Überwindung bringen. Solange du mit dir haderst und versuchst das Leiden "mit Kraft" loszuwerden, wird es genau um diese Kraft, die du investierst stärker und du wirst auf der Stelle treten und es nicht loslassen können.

Was du brauchst ist Geduld, es ist ein Weg, den du erst ausprobieren musst, um zu wissen, ob er dich weiterbringt. Sage dir die Sätze vor, die ich dir geschrieben habe. Probier es aus und sag mir, ob es dich weitergebracht hat - und denke an den lieben Gott, der nicht will, dass es dir schlecht geht!

LG Burkl
Danke ich werde es aufjefenfall ausprobieren
Zitat:
Leiden machen uns stark. Das habe ich im Nachhinein immer wieder festgestellt.



Ja, das Stimmt....aber nur, wenn es nicht zu viele sind!
Liebkind hat folgendes geschrieben:
Zitat:
Leiden machen uns stark. Das habe ich im Nachhinein immer wieder festgestellt.



Ja, das Stimmt....aber nur, wenn es nicht zu viele sind!


Ich glaube nicht das Leid und leiden Menschen wirklich stärkt. Jedenfalls nicht da wo es darauf ankommt, nämlich im Kern.

Leidet man schafft man sich künstlich einen Panzer an, man wird äußerlich härter und geht innerlich ein, das kann vieles, aber niemals stärkend, sein.

LG Tiro
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„Es gibt keinen Schöpfer außer dem Geist.“
(Lord Buddha)

"Es ist ein Vergnügen anzusehen, wie blind die Menschen für ihre eigenen Sünden sind und wie heftig sie die Laster verfolgen, die sie selbst nicht haben."
(Machiavelli)
Caput_Tiro hat folgendes geschrieben:

Leidet man schafft man sich künstlich einen Panzer an, man wird äußerlich härter und geht innerlich ein, das kann vieles, aber niemals stärkend, sein.


http://www.tagesschau.de/ausland/schaeffer102.html
Was Gott von uns will


Er will, dass wir frei und unbewegt gefunden werden, so man uns nachsagt, wir seien falsche und unwahrhafte Leute, und was man sonst von uns sprechen kann, um uns unsern guten Leumund zu nehmen:
und nicht allein, dass man schlecht von uns spricht, sondern auch schlecht gegen uns handelt und uns die Hilfe entzieht, die wir für unsern Lebensbedarf nicht entbehren können, und nicht allein am Bedarf göttlicher Dinge, sondern uns auch an unserm Körper schädigt, dass wir krank werden oder sonst in schmerzliche Mühsal des Körpers verfallen, und wenn die Leute, während wir in allen unsern Werken das allerbeste tun, das wir ersinnen können, uns das zum allerbösesten kehren, das sie ersinnen können, und wenn wir das nicht allein von den Menschen erdulden, sondern auch von Gott, so dass er uns den Trost seiner Gegenwart entzieht und gerade so tut, als wäre eine Mauer zwischen uns und ihm aufgerichtet, und wenn er, falls wir mit unsrer Mühsal zu ihm kommen, um Trost und Hülfe zu suchen, sich dann gegen uns benimmt, wie wenn er seine Augen vor uns schlösse, so dass er uns nicht sehen noch hören will und er uns allein stehen lässt im Kampf mit unsern Nöten, wie Christus von seinem Vater verlassen ward:

sehet, dann sollten wir uns in seiner göttlichen Natur bergen, dass wir in unserer Trostlosigkeit so unerschüttert stünden, uns mit nichts anderm zu helfen als allein mit dem Worte, das Christus sprach: »Vater, all dein Wille werde an mir vollbracht.«

Gott ist ein so beschaffenes Wesen, dass man es am besten mit Nichts erkennt. Wieso mit Nichts? Dadurch, dass man alles Mittel abtut, aber nicht etwa bloss der Welt entsagen und Tugend haben, sondern ich muss auch die Tugend lassen, wenn ich Gott unmittelbar sehen will;
nicht so, dass ich der Tugend entsage, sondern die Tugend soll in mir wesenhaft wohnen und ich soll über der Tugend wohnen.

Wenn so des Menschen Gedanken kein Ding mehr berühren kann, dann erst berührt er Gott.

Ein heidnischer Meister sagt, dass die Natur über die Natur nichts vermag. Daher kann Gott von keiner Kreatur erkannt werden. Soll er erkannt werden, so muss das in einem Licht über der Natur geschehen.
Die Meister haben eine Frage, woher das komme, wenn Gott die Seele über sie selbst und über alle Kreaturen erhebe und er sie zu sich selbst heimgeführt habe, warum er denn den Leib nicht auf eine höhere Stufe hebe, so dass er irdischer Dinge nicht bedürfte?

Dies beantwortet ein Meister – ich glaube, es ist Sankt Augustin – und sagt folgendes: Wenn die Seele zur Vereinigung mit Gott gelangt, erst dann ist der Leib vollkommen dazu gelangt, dass er alle Dinge zu Gottes Ehre geniessen kann.

Denn um des Menschen willen sind alle Kreaturen ausgeflossen, und was der Leib vernünftig von den Kreaturen geniessen kann, das ist für die Seele kein Abfall, sondern eine Erhöhung ihrer Würde, denn die Kreatur könnte keine edlere Mündung finden, um wieder zu ihrem Ursprung zu gelangen, als den rechten Menschen, der einen Augenblick seiner Seele gestattet, dass er in die Vereinigung mit Gott hinaufgezogen wird.

Denn zwischen Gott und der Seele ist dann kein Hindernis, und sofern die Seele Gott in die Wüste der Gottheit folgt, sofern folgt der Leib dem lieben Christus in die Wüste der freiwilligen Armut, und wie die Seele mit der Gottheit vereint ist, so ist der Leib mit der Wirkung wahrer Tugend in Christus vereint.

Und dies soll unsere Mühsal gering machen, denn der gute Ritter klagt nicht um seine Wunden, wenn er den König ansieht, der mit ihm verwundet ist.
Er bietet uns einen Trank, den er zuvor getrunken hat. Er schickt uns nichts, was er nicht vorher getan oder gelitten hätte.

Quelle:
Meister Eckharts mystische Schriften. Berlin 1903, S. 80-87.
Permalink:
http://www.zeno.org/nid/2000922260X
Burkl hat folgendes geschrieben:
Caput_Tiro hat folgendes geschrieben:

Leidet man schafft man sich künstlich einen Panzer an, man wird äußerlich härter und geht innerlich ein, das kann vieles, aber niemals stärkend, sein.


http://www.tagesschau.de/ausland/schaeffer102.html


Lieber Burkl,

Das die Christenheit und insbesondere deren römisch- katholischer Flügel auf Leid in beinahe jeglicher Form irgendwie abzufahren scheint ist nicht neu. Egal ob Selbstkasteiung, selbst oder fremd verursachte Entsagung oder Entbehrung, alles bringt Euch eurem Gott näher. Aber Euer Gott ist nicht der Meinige und nur weil ihr oder "Er" leiden für etwas gutes und so überaus erstrebenswertes hält muß ich das noch lange nicht.

LG Tiro
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(Lord Buddha)

"Es ist ein Vergnügen anzusehen, wie blind die Menschen für ihre eigenen Sünden sind und wie heftig sie die Laster verfolgen, die sie selbst nicht haben."
(Machiavelli)
soraja hat folgendes geschrieben:
Und dies soll unsere Mühsal gering machen, denn der gute Ritter klagt nicht um seine Wunden, wenn er den König ansieht, der mit ihm verwundet ist.Er bietet uns einen Trank, den er zuvor getrunken hat.

Er schickt uns nichts, was er nicht vorher getan oder gelitten hätte.


Gott verlangt - wie jeder gute Herrscher - nichts von den Menschen, was er nicht auch selbst zu tragen bereit ist. Und er hat Alles durchlitten, das ganze menschliche Leid: Das Alleinsein, die Hoffnungslosigkeit, den Verrat von lieben Menschen, den unaussprechlichen Schmerz, den Tod. All das hat er auf sich genommen - und den Sieg davon getragen!

Ein sehr inspirierender Text, danke dafür, liebe soraja.
Caput_Tiro hat folgendes geschrieben:
Aber Euer Gott ist nicht der Meinige und nur weil ihr oder "Er" leiden für etwas gutes und so überaus erstrebenswertes hält muß ich das noch lange nicht.


Leid ist eine menschliche Realität, es lässt sich niemals vermeiden, zu leiden. Jesus hielt es nicht für erstrebenswert das Leid - im Gegenteil: Er hat Leid gelindert, vor seiner Kreuzigung selbst gebetet, dass der "Kelch an ihm vorübergeht". Aber auf der anderen Seite hat er auch gezeigt, dass das Leid nicht sinnlos ist, wenn man es in die Hände Gottes legt, kann es sogar zu Quelle des Sinnes werden. Wie die heilige Anna Schäffer mit ihrem Leben zeigt: Nicht die Leute kamen in den Jahrzehnten ihres Leides zur ihr ans Krankenbett, um sie zu trösten, sondern umgekehrt - die Besucher suchten und fanden den Trost bei ihr.
Lieber Burkl,

Nach meinen Glauben liegt der Weg zur Beendigung des Leidens nicht im weltlichen oder in einem Gott, auch nicht in einer Leidenden oder einem armen jungen Mann der bestialisch gemordet wird, es liet in der Überwindung jeder Anhaftung und der daraus folgenden Erkenntnis. Aber Du hast Recht, Leid existiert in dieser Welt zuhauf. Warum sollte ich es also noch vergrößern wollen? Warum es suchen, es gar anbeten? Entschuldige bitte, aber das kann ich nicht nachvollziehen. Und wenn eine Beziehung zuende geht, warum dann leiden? Warum mit "Was wäre wenn- Gedanken" hadern? Die Beziehung hat nur den natürlichen Verlauf von allem auf dieser Existenzebene vollzogen und auf einer anderen sind wir ohnehin alle verbunden.

LG Tiro
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"Es ist ein Vergnügen anzusehen, wie blind die Menschen für ihre eigenen Sünden sind und wie heftig sie die Laster verfolgen, die sie selbst nicht haben."
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