Fundamentalisten haben einen Minderwertigkeitskomplex


Fundamentalisten habe ich immer bedauert. Obwohl ich das Fach Psychologie nicht studiert habe, habe ich immer gespürt, daß diese Leute verkorkst sind, sie haben sich selbst in ein Gefängnis gesperrt. Üblicherweise handeln Menschen so, wenn sie Angst haben. Vielleicht wurden sie einmal verletzt, und jetzt wollen sie einer weiteren Verletzung aus dem Weg gehen. Ich möchte dazu sagen, daß dieses Erscheinungsbild auch für die orthodoxen Gläubigen gilt. Die tun zwar niemand etwas, richten aber in der Erziehung und im Familienleben kleine Katastrophen an.

Ich wollte wissen, was die Psychologen dazu sagen, und bin auf Interessantes gestoßen. Auf dieser Seite http://home.arcor.de/g.mackenthun/ip/dt/keyword.htm findet man diese Überschrift:

Alfred Adler Internet Homepage Berlin
Alfred Adler und die Individualpsychologie

http://home.arcor.de/g.mackenthun/ip/dt/keyword.htm


Unter anderem kann man lesen:



"Um die Lösung der wichtigsten Fragen, wie aus dem Minderwertigkeitsgefühl und seinen körperlichen und seelischen Folgen beim Zusammenstoß mit einem Lebensproblem der Min-derwertigkeits(symptom)komplex entsteht, habe ich lange gerungen. Mir ergab sich die Lösung wie bezüglich aller anderen Fragen im Gesichtsfeld der Individualpsychologie, wo alles aus einem und eines aus allem zu erklären war. Der Minderwertigkeitskomplex, das heißt die dauernde Erscheinung der Folgen des Minderwertigkeitsgefühls, das Festhalten an demselben, erklärt sich aus dem größeren Mangel an Gemeinschaftsgefühl."

(Der Sinn des Lebens 1933, S.78 / Ansbacher S.248 )


"Je größer das Minderwertigkeitsgefühl, um so dringender und stärker wird das Bedürfnis nach einer sichernden Richtungslinie, um so schärfer tritt sie hervor, und wie die Kompensation im Organischen ist die Wirksamkeit der psychischen Kompensation an die Leistung einer Mehrarbeit geknüpft und bringt auffallende, oft mehrwertige und neuartige Erscheinungen im Seelenleben mit sich."

(Über den nervösen Charakter 1912, S.35 / Ansbacher S.109)



Das mit der "sichernden Richtungslinie" muß man sich schön langsam auf der Zunge zergehen lassen! Diese "SR" ist ja tatsächlich der seidene (was sage ich, der leinene!) Faden, an den sich diese Leute halten. Und beizeiten reißt er auch!
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...und die Menschen auf der Erde machen Wumtata!
Hallo Hexler, danke für das Thema, scheint sehr interessant zu sein.

Zum Glück habe ich Minderwertigkeitsgefühle!


"Minderwertigkeitsgefühle sind nicht an sich abnormal. Sie sind die Ursache für alle Verbesserungen in der Lage der Menschheit. Selbst die Wissenschaft z.B. kann nur entstehen, wenn Menschen ihre Unwissenheit und die Notwendigkeit empfinden, die Zukunft vorauszusehen. Sie ist das Ergebnis des Strebens der Menschen, ihre ganze Lage zu verbessern, um mehr vom Universum zu wissen, um es besser kontrollieren zu können. Unsere ganze menschliche Kultur scheint tatsächlich auf Minderwertigkeitsgefühlen zu ruhen."

(What Life Should Mean To You 1931, S.55 / Ansbacher S.126)

"Bedenkt man, daß eigentlich jedes Kind dem Leben gegenüber minderwertig ist und ohne ein erhebliches Maß von Gemeinschaftsgefühl der ihm nahestehenden Menschen gar nicht bestehen könnte, faßt man die Kleinheit und Unbeholfenheit des Kindes ins Auge, die lange anhält und ihm den Eindruck vermittelt, dem Leben nur schwer gewachsen zu sein, dann muß man annehmen, daß am Beginn jedes seelischen Lebens ein mehr oder weniger tiefes Minderwertigkeitsgefühl steht. Dies ist die treibende Kraft, von der alle Bestrebungen des Kindes ausgehen, und sich entwickeln, die ein Ziel erfordert, von dem das Kind alle Beruhigung und Sicherstellung seines Lebens für die Zukunft erwartet und die einen Weg einzuschlagen zwingt, der zur Erreichung dieses Zieles geeignet erscheint."

(Menschenkenntnis 1927, S. 47f. / Ansbacher S.125)

"Das Minderwertigkeitsgefühl beherrscht das Seelenleben und läßt sich leicht aus dem Gefühl der Unvollkommenheit, der Unvollendung und aus dem ununterbrochenen Streben des Menschen und der Menschheit verstehen."

(Der Sinn des Lebens 1933, S. 67 / Ansbacher S.126)

"Schwierige Fragen im Leben, Gefahren, Nöte, Enttäuschungen, Sorgen, Verluste, besonders solche geliebter Personen, sozialer Druck aller Art, sind wohl immer im Bilde des Minderwertigkeitsgefühls zu sehen, meist in allgemein bekannten Affekten und Stimmungslagen , die wir als Angst, Kummer, Verzweiflung, Scham, Scheu, Verlegenheit, Ekel usw. kennen."

(Der Sinn des Lebens 1933, S.71 / Ansbacher S.126)
Fundamentalisten haben einen Minderwertigkeitskomplex.
Wenn das die eine Seite der Medaille ist, stelle ich auf die andere Seite den Ich-kann-Schule-Satz 2008: "Wenn ich mit deinen Kräften & Talenten BESSER umgehe als du, mögen sie mich und folgen mir lieber als dir."
Freundlich grüßt
Franz Jsoef Neffe
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Gib jedem an seinem Tiefpunkt ein Zeichen Deiner Hochachtung! fjn
Genau dieser Punkt wird auf dieser Seite auch berührt. Daher muß man sich da selbst erforschen.
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Hexler erzählt:
Zitat:
Fundamentalisten habe ich immer bedauert. Obwohl ich das Fach Psychologie nicht studiert habe, habe ich immer gespürt, daß diese Leute verkorkst sind, sie haben sich selbst in ein Gefängnis gesperrt. Üblicherweise handeln Menschen so, wenn sie Angst haben. Vielleicht wurden sie einmal verletzt, und jetzt wollen sie einer weiteren Verletzung aus dem Weg gehen. Ich möchte dazu sagen, daß dieses Erscheinungsbild auch für die orthodoxen Gläubigen gilt. Die tun zwar niemand etwas, richten aber in der Erziehung und im Familienleben kleine Katastrophen an.


Ich weiß aus meinen Kontakten zu christlichen Fundamentalisten, dass es vielfältigste Gründe für das Hineinrutschen in extrem-religiöse Gemeinschaften gibt und Minderwertigkeitsgefühle nur einer davon ist, aber nicht immer zutrifft.
Abgesehen von den Leuten, die durch ihre Eltern schon in fundamentalistische Kreise hineingeboren wurden, ist den meisten Menschen gemein, dass sie in einer Phase der Orientierungslosigkeit, Einsamkeit oder in -bzw. nach - einer Lebenskrise Zugang gefunden haben. Das dem Menschen oft eigene, "magische Denken" führt zu der Annahme, dass man nur etwas bestimmtes tun muss, um etwas bestimmtes zu bekommen. Liebe, Lebensglück, Wohlstand. Fundamentalistische Kreise bieten da das ideale Paket: Konkrete Verhaltensregeln gekoppelt an Zusagen als Belohnung für korrektes Verhalten. Das ist nichts anderes als Ideologie.
Von Pfingstgemeinden fühlen sich oft auch relativ selbstbewusste, starke Persönlichkeiten und Geschäftsleute angezogen. Das hat den Grund, dass sie sich unter dem weit verbreiteten Armuts- und Bescheidenheitsideal der Landeskirchen nicht so entfalten können, aber ein spirituelles Zuhause suchen, in dem sie gleichgesinnte, gläubige Menschen finden. Diese Leute sind natürlich hochwillkommen, da sie sich gut als Aushängeschild benutzen lassen, da ihr Wohlstand und ihr Erfolg sich gut als Folgen gottgefälligen Lebens verkaufen lassen. Dabei wird gerne auf die Zahlung des "Zehnten" verwiesen und unter den Tisch fallen gelassen, dass diese Leute auch schon vor ihrem "new-born-christ-Erlebnis" erfolgreich waren (es vielleicht sogar wegen der neuen moralischen Grundsätze dann aber nicht mehr in dem Maße sind).

Über die Anwerbung in islamistische Kreiese kann man gerade im Spiegel Nr. 34/20.08.12 einen ausfschlussreichen Artikel lesen. Der Schlüsselsatz des Artikels Djamals Brüder ist meiner Meinung nach dieser auf Seite 56:
"In dieser Welt ist das Leben auf Erden eine Strafe, eine Prüfung für das Jenseits. Wer sich in ihr bewegt, strebt nach dem Jenseits, nicht nach einem Ausbildungsplatz."

Enttäuschung von den eigenen Lebensumständen, Perspektivenlosigkeit und das Bedürfnis alles richtig zu machen, mit einer auf das Jenseits verlagerten Hoffnung sind uralte Gründe, extrem religiöse zu werden. Verirrungspotenzial mit eingeschlossen. Sehnsucht nach Führung ebenfalls.

Vielen Leuten fehlt es natürlich an Selbstwertgefühl, das stimmt schon. Gemeinschaft, Aufmerksamkeit und klare Reglen sind für einige Menschen schon Grund genug, sich in fundamentale Kreise zu begeben. Politisch wie religiös.

Ich habe lange darüber nachgedacht, warum ich persönlich in fundamental-christliche Kreise geraten bin und meine Antwort darauf ist so individuell wie es alle Menschen sind, die sich in solchen Gruppen aufhalten.
Erst einmal war ich von der katholischen, dann - nach Konvertierung - von der evangelischen Kirche enttäuscht. Wenig junge Leute, starre Strukturen, unlebendige Predigten, Leierton und immer derselbe Typ von Menschen, mit denen ich nichts anfangen konnte. Den Rest hat mir dann ein Theologiestudent gegeben, der wegen seiner Studien den Glauben verloren hat und mir seine Zweifel gleich mit auf den Weg gab.
Auf meiner Such nach "echten Christen" bin ich dann in einem überkonfessionellen Bibelkreis der Studentenmission gelandet, inspiriert von einer wirklich tollen Jugend in einer Baptistengeimeinde. Dort war es ganz nett, aber es ergaben sich keine Kontakte, die mir persönlich etwas gegeben hätten. Man traf dort immer wieder den Typ Sozialarbeiter, Krankenschwester und Pastorssohn, Menschen sehr lieb aber für mich auf Dauer auch langweilig, weil meine Interessen eher im Kreativen, Individualilstischen liegen. Das habe ich einmal geäußert und wurde von einem "Bruder" mit in einen "charistmaitschen Gottesdienst" genommen. Das war so toll, dass ich dachte: Das es so etwas gibt, ist ein Wunder, ein Geschenk Gottes. Bunt, laut, modern, kreativ, lustig, besinnlich, lebendig, lebensnahe Predigten, jede Generation vertreten, für jeden eine Ecke, in die er seine Talente einbringen kann .... und, und, und .... und dann kam auch noch der Prophet. Aus der letzen Reihe herausgepickt hat er mich, mir mein Leben auf den Kopf zugesagt und mir genau die Frage beantwortet, die ich Gott seit Monaten auf Knien immer und immer wieder gestellt hatte. Das war der Anfang von 10 Jahren intensivem, "bibeltreuem" Fundamentalismus.
Und dann gingen die Lampen an, dann ertönte die Stimme des Gewissens, dann kam die Einsamkeit, dann kamen die Albträume und die falschen Propheten.

Fundamentalismus und die Gründe in dessen Sog zu geraten, sind vielfältiger als ein schwaches Selbst.
Dass Orthodoxe niemandem etwas tun" halte ich für eine gefährliche Annahme. Und die Katastrophen in den Familien sind oft sehr groß und nicht nur klein. Fundamentalismus betäubt das Gewissen im Mantel der Gottgefälligkeit bzw. der zugrunde liegenden Ideologie, Fundamentalismus verletzt Freiheit, Menschen und tötet das selbständige Denken ab. Fundamentalismus stellt die Individualität der Geschöpfe in Frage und bringt Menschen dazu Dinge zu glauben und zu tun, die sie aus ihrem Herzen heraus nicht getan hätten. Fundamentalismus muss lügen. Fundamentalismus manipuliert. Fundamentalismus macht dumm.


LG
Helle
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Im Labyrinth verliert man sich nicht
Im Labyrinth findet man sich
Im Labyrinth begegnet man nicht dem Minotaurus
Im Labyrinth begegnet man sich selbst

Hermann Kern
Zwischenfrage: Was bedeutet "Fundamentalist"?
Zitat:
Zwischenfrage: Was bedeutet "Fundamentalist"?


Hmm... bei der Betrachtung des Wortes sind mir da gleich
mehrere Begriffe ins Auge gesprungen die das Wort selbst in sich enthält.

Da ist einmal

Fund = Entdeckung, Erkenntnis,

Fundament = Basis, Grund, Ausgangspunkt,

Fundamental = lebenswichtig, ...usw http://synonyme.woxikon.de/synonyme/fundamental.php

Mental = Denken,geistig,intellektuell,

List (e,n) = Bedeutung ändert sich durch den Zusatz von e und n

Mentalist = http://www.mentalist-gedankenleser.de/

ist = das Seiende, das bestehende

und = Verbindung

damen = Die Dame des Herzens kann auch ein
Fundament sein auf das man baut

amen = Bestätigung, Bekräftigung

Also eine ganze Menge das sich da zusammengefasst in einem Wort zeigt.
Nicht schlecht Ellen

Das wichtigste Wort hast du vergessen: Fun

I'm putting the fun in fundamentalism
Long Road hat folgendes geschrieben:

I'm putting the fun in fundamentalism


Und damit neutralisierst du ihn. Denn Humor- und Spaßlosigkeit ist ein ganz sicheres Merkmal von religiösen Fanatikern.
Burkl hat folgendes geschrieben:
Long Road hat folgendes geschrieben:

I'm putting the fun in fundamentalism


Und damit neutralisierst du ihn. Denn Humor- und Spaßlosigkeit ist ein ganz sicheres Merkmal von religiösen Fanatikern.


Kommt auf die Religion an. Pastafaris sind recht lustige Gesellen.

Spassmodus off.

Worauf ich hinaus will ist, dass Fundamentalismus mM ein Hetzwort ist. Jeder denkt gleich an Selbstmordattentäter etc. und verbindet etwas negatives damit.

Wenn man sein Leben auf das Fundament einer Religion aufbaut ist das nichts schlechtes in meinen Augen. Mache ich auch. Negative Randerscheinungen wie Intoleranz sind ja kein Muss.