Manichäismus


Der Perser Mani ist in den Bahá'í Schriften nicht als Religionsstifter akzeptiert. Der kurze Artikel, den ich zitiere, läßt eher darauf schließen, daß er höchstens ein Mystiker war.
http://www.relilex.de/artikel.php?id=8235

Von dem Perser Mani gegründete gnostische Religionsgemeinschaft. Mani wurde am 14.4.216 n.Chr. in der Nähe von Ktesiphon-Seleukia (Mesopotamien), der damaligen Hauptstadt des mächtigen (iranischen) Parther-Reiches (seit 224 Sâsâniden), geboren. Sein Vater schloss sich der juden-christlichen Täufergemeinde der Elchasaiten an, in der Mani groß wurde. Schon im 12. und später im 24. Lebensjahr erlebte er eine prophetische Berufung von seinem himmlischen »Zwilling«, die ihm vermittelte Offenbarung zu verkündigen und eine Kirche zu gründen. Nach Missionsreisen im heimatlichen Mesopotamien gelangte er 240/241 nach Indien (Industal). Nach Persien zurückgekehrt, präsentierte er seine Botschaft dem Sâsâniden-König Shâpur I. (242-272), die er als einigendes Band für den Vielvölkerstaat vorstellte. Darauf wurde Mani gestattet, die Lehre im gesamten Reich zu verbreiten, worin ihm großer Erfolg beschieden war. Unter Bahrâm I. (273-276) wendete sich jedoch unter dem stärkeren Einfluss des Zoroastrismus die Gunst des Herrschers. Er warf Mani ins Gefängnis, wo er 276 oder 277 an den Folgen der Haft gestorben ist. In der Folge wurde der Manichäismus vom Zoroastrismus, aus dem Manis Lehre in Verbindung mit Elementen des Mithraismus und des Christentums hervorging, heftig verfolgt.

Mani sah in seiner Lehre die Erfüllung der großen Religionen des Christentums, Zoroastrismus und Buddhismus, deren Botschaften seiner Ansicht nach im Laufe der Zeit verfälscht wurden. Er lehrte einen Dualismus von Gut und Böse, den beiden kosmischen Mächten. Ganz im Sinne des Gnostizismus wertete er das gute Prinzip als geistig, das materielle hingegen als böse. Beide standen sich von Anfang an gegenüber, vermischten sich in der verderbten Welt und werden erst am Ende der Zeiten wieder getrennt. Das ursprünglich gute Reich, das Reich des Lichts, dem der Lichtvater vorsteht, befindet sich in einem ständigen Kampf mit dem bösen Reich, dem Reich der Finsternis. Der Mensch ist gefangen von den Mächten des Bösen, denen er durch Buße, Predigt und Ritus widerstehen muss, um erlöst zu werden. Im Laufe der Zeit befreit sich unter dem Wirken des »Großen Geistes« (nous) das gefangene »Licht« immer mehr aus dem Kosmos. Sein Einfluss führt in der Welt der Finsternis und des Bösen zu Kampf und Streit. Nach einem letzten »großen Krieg« erscheint Jesus als der endzeitliche Richter und trennt die Bösen von den Guten.
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...und die Menschen auf der Erde machen Wumtata!
Mani war einer der vielen falschen Christusse die Jesu prophezeite.
Pommes hat folgendes geschrieben:
Mani war einer der vielen falschen Christusse die Jesu prophezeite.


Wie kommst du darauf?
hexler hat folgendes geschrieben:
Der Perser Mani ist in den Bahá'í Schriften nicht als Religionsstifter akzeptiert.


Weil er nicht namentlich vorkommt bedeutet das nicht automatisch einen Ausschluss.
Tobias hat folgendes geschrieben:
Wie kommst du darauf?


Schau auf dessen Lehre. Außerdem behauptete er einen Unsichtbaren Freund zu haben und son Zeugs. Das AT lehnte er typisch Marcionitisch ab. Ein klassischer falscher Christus sogar. Einer der Ersten falschen Christusse der Geschichte.
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Realität ist etwas für Leute, die Angst vor Einhörnern haben!
Tobias hat folgendes geschrieben:
hexler hat folgendes geschrieben:
Der Perser Mani ist in den Bahá'í Schriften nicht als Religionsstifter akzeptiert.


Weil er nicht namentlich vorkommt bedeutet das nicht automatisch einen Ausschluss.


Das sehe ich ähnlich. Abgesehen davon gibt es durchaus parallelen zwischen dem Manichäismus und der Baha'i-Religion, auch wenn man erstmal den sehr harten Ton verdauen muss, den Mani anschlägt.

Übrigens gibt es auch deutliche Parallelen zwischen Mani und Mohammed, wenn wir schon mal dabei sind. Auch die Muslime lehnen mehrheitlich die Bibel ab oder sehen in ihr wenigstens menschlich gefiltertes "Wort Gottes", was, wenn man ehrlich ist, auch gar nicht so falsch ist.

Schließlich wurde die Thora erst im 6. Jahrhundert v. Chr. zusammengestellt, das Alte Testament im 2. Jahrhundert v. Chr. und das Neue Testament im 4. Jahrhundert n. Chr. Das ist eine ganz schöne Zeitspanne. Außerdem ist es ja nun einmal so, dass sowohl das Alte als auch das Neue Testament in erster Linie Glaubensaussagen von nur indirekt Beteiligten darstellen und keine historische Darstellung der tatsächlichen Ereignisse. Die Schreiber des Alten Testaments waren die Rabbiner, die Evangelisten waren sämtlich Christen der zweiten Generation (nach den Jüngern) und diejenigen, die das ganze letztendlich zusammenstellten die Bischöfe der Reichskirche.

Ein gewisser Vorbehalt gegen die unkritische Verwendung dieser Schriften ist daher nachvollziehbar. Den gleichen Vorbehalt hatten auch die Muslime. Und ebenso wie Mohammed war auch Mani darauf bedacht, seine Schriften möglichst noch zu Lebzeiten zu sammeln, damit sie nicht verfälscht werden können oder von Interpretationstraditionen überlagert werden. Außerdem bezeichnete auch Mani sich als das "Siegel der Propheten". Sollte Mohammed diesen Titel von Mani übernommen haben? Wenn er ihn nicht von Mani übernommen hat, wovon ich ausgehe, woher kennt er ihn dann?

Man könnte sich mit vielen Fragen betreffs des Manichäismus und seiner Bezüge zur Baha'i-Religion beschäftigen. Ich fände das auch sehr spannend, diesen Versuch zu unternehmen. Das größte Hindernis wäre dabei sicher die erbärmliche Quellenlage. Denn sowohl Christen als auch Muslime haben den Manichäismus gewaltsam ausgerottet und alle Schriften, die sie finden konnten, systematisch verbrannt.
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523