Ratlos


Danke für die Erklärung linde, das Prinzip ist mir inzwischen klar.
Diese Form der Gesprächsführung macht Sinn, finde ich ausgesprochen gut.

Wenn ich mich nun in den konkreten Fall hineindenke, unter der Annahme, dass ich die religiöse Haltung eines Familienmitgliedes für Probleme innerhalb der Familie verantwortlich mache, dann würde ich ein flaues Gefühl im Magen haben, wenn ich mich zur Lösung des Problems in die religiöse Atmosphäre des Betroffennen begeben müste.

Das Gespräch beginnt wohl mit einem Gebet wie ich gelesen habe, das kann für jemanden der die Religion als das Problem betrachtet, schon eine Hürde darstellen.
Rein theoretisch betrachtet, das meine ich mit "Heimvorteil"

Ich übertrage das mal auf eine andere Religionsgemeinschaft.
Stelle dir vor ein Familienmitglied von dir landet bei den Scientologen.
Entschuldigt dass ich diese Organisation herranziehe, es geht nur um die Veranschaulichung meines Dilemmas.
Es ist allerdings zu bedenken dass diese Organisation auch als Kirche betrachtet wird.

Nun kommst du mit diesem Familienmitglied nicht mehr klar und möchtest gerne das Problem lösen welches du in seiner Religion begründet siehst.
Man macht dir den Vorschlag ein Gespräch zu führen, bei dem du vorher an das E-Meter angeschlossen wirst um dich auf eine ehrliche, vertrauensvolle Gesprächsatmosphäre vorzubereiten.
*schluck*

Das mag nun hinsichtlich des hier vorliegenden Problemes stark überzogen sein, aber so kann man sich die Bedenken eines nicht religiösen Menschen ungefähr vorstellen, wenn er vor einem zwischenmenschlichen Problem steht welches er in der Religion verankert sieht.


Gruss Grubi
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https://youtu.be/f2ROFnA4HRA
Grubi hat folgendes geschrieben:

Man macht dir den Vorschlag ein Gespräch zu führen, bei dem du vorher an das E-Meter angeschlossen wirst um dich auf eine ehrliche, vertrauensvolle Gesprächsatmosphäre zu erreichen.
*schluck*

Das mag nun hinsichtlich des hier vorliegenden Problemes stark überzogen sein, .../


Das ist es, allerdings. Zwischen einer Beratung und dem Versuch einen Menschen auszuforschen, liegen Welten. Es ist ja auch kein Problem wenn einer der nicht religiös ist, selbst kein Gebet spricht - vielleicht denkst du auch die christliche Form, gemeinsam zu beten. So ist das aber nicht, das Gebet spricht einer allein. Es soll eine ruhige Athmospäre schaffen, damit...
- es allen Teilnehmern gelingt, die von ihnen geäußerten Meinungen und Vorschläge nicht als Eigentum zu betrachten, sondern wie ein Geschenk an die Allgemeinheit, es quasi "auf den Tisch legen" und damit aufzugeben. Wird es angenommen, gut. Wenn nicht, auch gut.
- es soll nicht etwa ein Streit darum geführt werden.
- man hört viele Vorschläge und versucht herauszufinden, welcher die beste Lösung ist (oder auch mehrere Ideen zu verbinden)

Wird das so durchgeführt, sind die Ergebnisse gut. Gleitet es zum Streitgespräch ab...nun, das kennt jeder.
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Der Blick reicht immer nur bis zur nächsten Wegbiegung.
dtrainer schrieb:
Zitat:
Das Prinzip der Beratung ist der Nachfolger autoritärer Entscheidungsmodelle. Wenn du es nicht kennst, beurteile es nicht.


Walter dazu:
Zitat:
Es ist Aberglaube und nur unprofessionell und unsensibel.


Hallo Walter, ich habe jetzt nicht verstanden wieso dieses Beratungssystem unproffessionell und unsensibel sein soll und auch nicht was das mit Aberglauben zu tun haben soll.

Hast Du mein obiges Beispiel dazu gelesen?

Liebe Grüße Linde
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Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und Forderungen.
Bahá'u'lláh
Zitat:
Schönes Zitat. Wobei gleichzeitig suggeriert wird, was richtig ist. Vergleichbar mit Fernsehwerbung. Da heißt es am Ende auch "Entscheiden sie selber", damit der Konsument wenigstens das Gefühl hat sich willentlich dazu entschlossen zu haben.


Ok also wenn eine Religionsgemeinschaft die eigenen Anhänger dazu auffordert, ein eigenes Urteil zu bilden, "suggeriert" es auch noch was richtig ist? Ist das dein Ernst? Auf der einen Seite sind Religionen anscheinend voller Vorurteile und wenn sie die Menschen auffordern selbständig nach der Wahrheit zu suchen, suggerieren sie etwas für eigene Zwecke? Merkst du was?

Ich lass deine auch nicht nur im Ansatz nachgewiesenen Anschuldigungen unkommentiert. Zum Glück sind wir mündige Menschen und können uns ein eigenes Urteil bilden.

P.S. Man sollte sich zuerst mit Daten & Fakten eines Sachverhalts vertraut machen, bevor man interpretiert. So ist es nur das "Bedienen der eigenen Vorurteile."

Zurück zum Thema:

Bei der Beratung ist die Meinung eines jeden einzelnen wichtig. Zudem sollte meine Haltung folgende sein:

- Wertschätzung ist mir wichtig
- Ich respektiere die Meinung des anderen
- Ich habe keine vorgefasste Meinung
- Ich bin bereit, an einer mir noch unbekannten Lösung mitzuarbeiten
- Ich bin aufrichtig und freundlich

Das sind nur einige Merkmale von vielen...
Zitat:
Es ist Aberglaube und nur unprofessionell und unsensibel.


WalterW. hast Du das erkannt, nachdem Du Dich eingehend mit dem Prinzip "Beratung" beschäftigt hast? Wenn es auch so wäre, kannst Du das nicht als Tatsache hier behaupten, es wäre auch dann nur Deine ureigene Sichtweise.

Darüberhinaus möchte ich Dich bitten, damit aufzuhören, eine Religion hier schlecht darzustellen. Ich erinnere Dich an die Forumsrichtlinien.
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»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
dtrainer hat folgendes geschrieben:
Grubi hat folgendes geschrieben:

Man macht dir den Vorschlag ein Gespräch zu führen, bei dem du vorher an das E-Meter angeschlossen wirst um dich auf eine ehrliche, vertrauensvolle Gesprächsatmosphäre zu erreichen.
*schluck*

Das mag nun hinsichtlich des hier vorliegenden Problemes stark überzogen sein, .../


Das ist es, allerdings. Zwischen einer Beratung und dem Versuch einen Menschen auszuforschen, liegen Welten. Es ist ja auch kein Problem wenn einer der nicht religiös ist, selbst kein Gebet spricht - vielleicht denkst du auch die christliche Form, gemeinsam zu beten. So ist das aber nicht, das Gebet spricht einer allein. Es soll eine ruhige Athmospäre schaffen, damit...

Schon klar, es ging mir ja nur um die Darstellung einer Handlung die jemandem fremd ist, der nicht religiös ist.


Zitat:
- es allen Teilnehmern gelingt, die von ihnen geäußerten Meinungen und Vorschläge nicht als Eigentum zu betrachten, sondern wie ein Geschenk an die Allgemeinheit, es quasi "auf den Tisch legen" und damit aufzugeben. Wird es angenommen, gut. Wenn nicht, auch gut.
- es soll nicht etwa ein Streit darum geführt werden.
- man hört viele Vorschläge und versucht herauszufinden, welcher die beste Lösung ist (oder auch mehrere Ideen zu verbinden)

Wird das so durchgeführt, sind die Ergebnisse gut. Gleitet es zum Streitgespräch ab...nun, das kennt jeder.


Da habe ich nichts einzuwenden.
Es ist nur nicht leicht einen Vorschlag anzunehmen, wenn dieser aus dem Umfeld stammt, welches man für das Problem hält.
Das will ich mal ganz banal feststellen...

Gruss Grubi
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https://youtu.be/f2ROFnA4HRA
Grubi hat folgendes geschrieben:

Es ist nur nicht leicht einen Vorschlag anzunehmen, wenn dieser aus dem Umfeld stammt, welches man für das Problem hält.
Das will ich mal ganz banal feststellen...
Gruss Grubi

Tja *grins* genau da könnte das Prinzip der Beratung ja weiterhelfen. Einen Vorschlag danach zu beurteilen aus welcher Ecke er kommt (und nicht etwa nach seinem Inhalt!) ist ja gerade eine Haltung die Lösungen sehr erschwert...

Es geht bei der Beratung gerade darum, den Vorschlag lösgelöst von seinem Ursprung zu betrachten. Akzeptiere ich ihn, wertet das seinen Urheber nicht auf; verwerfe ich ihn, verletzt ihn das nicht.
Persönliche oder andere Vorlieben / Aversionen sollen dabnei ja gerade keine Rolle spielen. Deshalb ja meine Aussage, man legt den Vorschlag quaisi auf den Tisch, gibt ihn damit auf, betrachtet ihn nicht als Eigentum.
Zugegeben, wer das nicht gewohnt ist, muß sich erst dran gewöhnen so zu beraten.
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Der Blick reicht immer nur bis zur nächsten Wegbiegung.
Hallo Hitman,

Zitat:
Bei der Beratung ist die Meinung eines jeden einzelnen wichtig. Zudem sollte meine Haltung folgende sein:

- Wertschätzung ist mir wichtig
- Ich respektiere die Meinung des anderen
- Ich habe keine vorgefasste Meinung
- Ich bin bereit, an einer mir noch unbekannten Lösung mitzuarbeiten
- Ich bin aufrichtig und freundlich


Das liest sich recht nett, ist aber gerade in diesem Fall kaum möglich.
Wenn eine Religion bzw. eine Religionsausübung Teil des Problems ist, wird eine von der Religion empfohlene interne Beratung bei allem guten Willen wohl nicht viel zur Klärung des Problems beitragen.
Eine "Konfliktflösung" wird hier sehr wahrscheinlich im Sinne der Religion angeboten, da jede Analyse des Konflikts schon im aufgrund des religiösen Hintergrundes der Teilnehmer (ob bewusst oder unbewusst) erfolgt.
Selbst Psychologen müssen jahrelang trainieren, damit sie nicht ihren eigenen Umgang mit Konflikten oder ihre "Erfahrungen" als Problemlösung für ihre Patienten anbieten, sondern einen genau auf den Patienten zugeschnittenen Lösungsweg erarbeiten.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Nun gut, das Dilemma dürfte klar geworden sein.
Pjotr Kala erklärt ähnlich, das was ich meine.

Auf jeden Fall könnte diese Bahai-"Beratungskultur" in Diskussionsforen ganz nützlich sein*g*

Gruss Grubi
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https://youtu.be/f2ROFnA4HRA
Bahai-Beratung ist nichts Formelles noch müssen Bahais dabei sein, es sind bestimmte Prinzipien wie man für ein Problem gemeinsam eine Lösung finden kann.

Bahai-Beratung ist völlige Selbstbeherrschung und meisterhafte Loslösung von der eigenen Meinung. Und das ist extrem schwierig für die Meisten von uns allen.

Bahai-Beratung funktioniert so (oft daran teilgenommen - phänomenale und wunderbare Ergebnisse):

1) Zunächst werden alle Fakten auf den Tisch gelegt, das Problem wird konkret erörtert und genau beschrieben (oft scheitert es hier schon, weil manche nicht mal wissen, wo es hakt ).

2) Anschließend erfolgt ein Austausch, jeder sagt wie er oder sie das Problem sieht. Danach werden Meinungen ausgetauscht...

3) und jetzt kommts: sobald man seine Meinung gesagt hat, trennt man sich gleich wieder davon und macht sich frei! Die Meinung wird sozusagen in den Raum geworfen und ist nicht mehr meine Meinung, sondern steht im Raum und ist wertvolles Gut aller Beteiligten. Dadurch, dass ich mich von meiner Meinung gelöst habe, habe ich in meinem Verstand Platz gemacht für die vielen, anderen Meinungen, die im Raum stehen. Jede Meinung ist wertvoll, es gibt keine dummen Beiträge, jeder hat wertvolle Erfahrungen, die er einbringt.

Und erst wenn man sich freimacht von der eigenen Position, kann man die Denkweisen der anderen verstehen und nachvollziehen.

Heutzutage beharrt jeder auf seiner eigenen Position und das ist sehr kontraproduktiv, weil aus der "Beratung" ein Ping-Pong-Spiel wird, wo jeder neue Argumente bringt, um seine eigene tolle Meinung zu untermauern. Natürlich sollen Argumente gebracht werden, aber immer gelöst vom Ego und im Dienste der guten Sache. Was ist das Beste für alle (nicht für mein Ego)?

4) Wenn nun alle Meinungen ausgetauscht worden sind, wird allmählich klar, was die Lösung sein könnte, plötzlich tauchen neue Aspekte auf, auf die man vorher vergessen hatte...

Zitat:
„Erst wenn die Meinungen aufeinanderprallen kann der Funke der Wahrheit sprühen“. Abdu'l-Baha


Es wurde das gute Beispiel mit Scientology gebracht: also wie gesagt, es heißt zwar "Bahai-Beratung" und die Prinzipien basieren auf den Bahai-Schriften, aber in Wahrheit sind das einfache Spielregeln, wie man Probleme lösen kann und ich glaube der Hausverstand kann diese Spielregeln gut annehmen.

Was meint Ihr?

Alles Liebe,
Deas
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"Die Trübsale dieser Welt gehen vorüber, und was uns bleibt, ist das, was wir aus unserer Seele gemacht haben." Shoghi Effendi