Deutsche Flagge


Tobias hat folgendes geschrieben:
Wieso sollte es nicht?

Welches Recht welchen Gottes legen wir denn zu Grunde? Es gibt mutmaßlich mehr Götter nebst ihren einschlägigen Vorschriften, als es Staaten auf der Erde gibt.
Es mag durchaus Schnittmengen zwischen "menschlichem" und "göttlichem" Recht geben. Ein Rechtssatz aber muss begründbar sein. Ist er es, bedarf es keiner göttlichen Hervorhebung. Er erklärt sich auch völlig ohne die Hinzunahme einer transzendentalen Instanz.
Tobias hat folgendes geschrieben:
Das ist hier nur im Sinne der Erwartungshaltung zu verstehen. Nicht in dem Sinne das sich dann nichts mehr verändern wird und die Geschichte an ihr Ende gekommen sei.

Worin besteht die Erwartung? Oder besser, was wird erwartet?
Ist nicht die Vollkommenheit letztendlich das Ziel? Und was soll nach dem Zustand der Vollkommenheit noch eintreten? Jede weitere Veränderung wäre doch denknotwendig ein Rückschritt.
Mal abgesehen davon, wird die Geschichte natürlich, zumindest auf der Erde, irgendwann enden...aber das ist ein anderes Thema.

Tobias hat folgendes geschrieben:
Dazu muss man sagen, dass dies das Thema seiner ersten Dissertation war. Das Thema wäre in diesem Thread aber etwas zu komplex.
Ich finde dass das Thema ohnehin etwas zu komplex ist, um es hier auszubreiten. Man kann unmöglich die Probleme, die sich mir schon rein theoretisch stellen, von praktischen ganz abgesehen, in ein paar dürren Zeilen skizzieren.

Tobias hat folgendes geschrieben:
In der Bahai-Religion kann auch das Universale Haus der Gerechtigkeit göttliches Recht setzen, zumindest da wo es nicht bereits durch den heiligen Text geregelt ist.

Wie können Menschen göttliches Recht setzen?

Tobias hat folgendes geschrieben:
Von entfesseltem Egalitarismus sieht man im Moment nicht so viel. Ich sehe von der Seite auch keine Gefahr, solange es nicht in absolute Gleichmacherei ausartet.

Was hat das von dir beschriebene Problem mit Egalitarismus zu tun?

Egalitarismus ist möglicherweise eine Gefahr die sich durch ein Weltsystem aufdrängt. Es handelt sich also nicht um eine gegenwärtige sondern ein zukünftige mögliche Gefahr.
Man könnte bsw. argumentieren, dass es ungerecht ist, dass nicht alle Menschen die gleichen Bildungschancen haben, weil sie einfach in die "falschen" wirtschaftlichen oder sozialen Verhältnisse geboren wurden. In unseren westlichen Gesellschaften wird dies auch versucht durch verschiedene Maßnahmen - über deren Erfolg man sicher streiten kann - auszugleichen. Die Bezugsgruppe ist aber klar. Sie umfasst die Menschen, die hier leben.
Genauso "ungerecht" ist es aber, dass ein Mensch eben nicht in Europa, sondern von mir aus in Burkina Faso geboren wurde. Ist die Weltgesellschaft, also auch alle Menschen in Europa, insbesondere unser Sozialsystem, nicht verpflichtet, im Sinne einer weltumspannenden Gerechtigkeit sofort und unmittelbar diesen "Nachteil" auszugleichen?
Mithin diese Menschen sofort und unmittelbar an den "Segnungen" unseres Wohlstandes teilhaben zu lassen.
Das was hier mit Egalitarismus gemeint ist, meint nicht zwingend Gleichmacherei, obwohl die Grenzen da fließend sein dürften. Vielmehr ist gemeint, dass mit der Aufhebeung der Bezugsgruppen, so wie vorstehend ganz grob skizziert, eine völlige Überforderung der Menschen sattfindet, die die Bereitschaft zur Ausdehnung von Solidarität und der Aufgabe von Souveränität nicht steigern wird. Es wird eine Gleichheit konstruiert, die für den einzelnen möglicherweise nicht mehr fassbar ist.

Tobias hat folgendes geschrieben:
Wenn schon lassen sich die Probleme Egoismus und Atomismus zuschreiben.

Wie gesagt, es ging um zukünftige Gefahren. Und ich sage nicht, dass ich sie zwingend teile. Aber für bedenkswert halte ich sie schon.

Tobias hat folgendes geschrieben:
Aber auch jene die letzteres befürchten stimmen der Faktizität der Globalisierung zu.

Globalisierung ist so ein bißchen der finale Gottseibeiuns wenn es um Bedrohungen für den Zusammenhalt der Gesellschaft geht und die für ein so heterogenes Bündel von behaupteten sozialen Veränderungen und Kausalbeziehungen steht, dass man dagegen erst mal wenig sagen kann. Sie betrifft auch in aller Regel ökonomische Aspekte. Von einer politischen oder gar rechtlichen Globalisierung sind wir noch ein gutes Stück entfernt.

Damit kein Mißverständnis entsteht. Ich bin der letzte der nicht seine Zustimmung zur Abgabe von nationalstaatlicher Souveränität gäbe, wenn es denn sachlich begründet und durchdacht sowie in ein rechtlich bestandsfähiges Fundament gegossen werden kann. Und ich bin auch durchaus der Auffassung, dass Deutschland, das vom EURO profitiert hat, wie kein anderes Land, ein höheres Maß an Solidarität innerhalb Europas zeigen muss.

Ich hege allerdings Zweifel, ob dies in einer globalisierten Form in gleicher Weise möglich ist.