Überfordert mit scheinbar perfektem Leben?


Hallo Miteinander,

Mich beschäftigt seit längerer Zeit ein Problem von welchem ich mir nicht einmal sicher bin ob es ein Problem ist. Auf jeden Fall lässt es mich oft nicht schlafen oder zur Ruhe kommen.

Es ist mir sehr peinlich, denn jedes mal wenn ich mir Gedanken darüber mache komme ich mir sehr arrogant vor.

Zu meiner Person:
Ich bin 23Jahre alt, aufgewachsen in einer Familie mit meiner alleinerziehenden Mutter und einem Bruder. Mit 16Jahren bin ich Lehrbedingt von Zuhause ausgezogen und meistere mein Leben selbst. Ich habe eine liebenswürdige Freundin. Desweiteren habe ich einen sehr guten Job, der mir ganz gut gefällt. Ich vertrage mich eigentlich Immer mit allen Personen in meiner Umgebung sehr gut.

wo ist das Problem?


Es klappt. Einfach alles was ich in die Hand nehme funktioniert einwandfrei. Ich werde überall mit freuden empfangen ob Privat oder Beruflich. Von manchen werde ich beinahe vergöttert weil ich all das habe was ihnen fehlt. Ich höhre immer wieder:" du bist eine sehr angenehme Person", "du siehst gut aus"
Bei meiner neuen Arbeitsstelle (ca. 1 Jahr) wurde ich sogar von Anfang an mit Bestnoten im Mitarbeiterbewertungsgespräch benotet.

Das verwirrt mich, denn wo soll ich denn nun besser werden? Ich weiss doch dass ich bestimmt auch Fehler mache. Ich habe doch auch Ecken und Kanten. Warum sieht das denn Niemand?

Andererseits habe ich oft das Gefühl dass ich nicht ich selbst bin. Zumindest nicht wenn Fremde oder Bekannte mich sehen. Nicht einmal zu meiner Familie bin ich Ehrlich. Die Einzige die mich kennt wie ich wirklich bin, bzw. sein kann ist meine Freundin.

Zu meiner Person gehört auch dass ich unkontrollierbar aggressiv reagieren kann auf kleinste Begebenheiten. So aggressiv dass Dinge (und zum Glück keine Personen) schaden nehmen. So dass ich mir manchmal selbst Angst mache. Zu mir gehören auch stundenlanges depressives da-liegen auf dem Sofa. Keine lust etwas zu Unternehmen, und doch:

gehe ich überall dahin wo ich eingeladen werde. Ich will es ja allen recht machen. Auf biegen und brechen. Ich nehme Freunde bei mir Zuhause auf die einen Unterschlupf brauchen. Obwohl mir gar nicht danach ist. Ich bin immer zu allen freundlich, auch wenn ich diese Person überhaupt nicht ausstehen kann.

Und dann ist da noch meine Angst davor etwas falsch zu machen. Ich gönne mir keine Fehler. Im Urlaub denke ich die meiste Zeit daran ob ich wohl auf der Arbeit einen Fehler gemacht habe, und was da wohl bei meiner Rückker auf mich zukommen wird. Ich beneide meine Kollegen welche am Abend einfach so abschalten können. Die es nicht interessiert was den Tag über passiert ist.


Ich habe das Gefühl dass alle zufrieden sind mit mir. Nur ich bin es nicht.

Eigentlich müsste ich doch glücklich sein, schliesslich habe ich all das was die anderen wollen. Leider ist es anscheinend nicht dass was ich will.

Was will ich? wonach suche ich? Warum bin ich so falsch? und warum klappt das so gut? Wenn ich alles habe... wozu bin ich denn überhaupt noch da?

vielen Dank dass Ihr, Du, oder Sie meinen Text gelesen habt. Bitte denkt nicht von mir dass ich Arrogant bin. Obwohl ich es vermutlich sogar bin. Ich weiss nicht ob ich es bin.

Grüsse
Du bist sicher nicht arrogant.

Du versuchst es nur allen recht zu machen und deshalb sind die anderen mit dir zufrieden.

Nun musst du auch mal dein Inneres ergründen und schauen welche Bedürfnisse du selber hast.
@Michael

So als Ferndiagnose würde ich dich nach deiner Beschreibung auch als einen sozial überangepassten Menschen einschätzen.
Vielleicht willst Du Dir durch einen Perfektionismus selbst etwas beweisen.
Vielleicht definierst Du Dich selbst über Deine Leistung.
Denn wer das tut, der nimmt früher oder später Schaden daran.
Denn der Wert des Daseins ist das Sein selbst und nicht die Leistung, die man erbringt.
Manch eine Form von Selbstverwirklichung ist in Wirklichkeit Selbstflucht.
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Sind wir denn wirklich die heiligsten Wesen auf Erden?
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Stimme PapaLooo zu, und möchte ergänzen, dass es langfristig anstrengend werden kann wenn man sich von anderen Menschen leben lässt.

Es macht nicht viel Sinn wenn man versucht sich selbst über die Anerkennung die einem zufliesst definieren zu wollen...

Aber Michael, wenn du dein Problem für dich selbst erkannt hast, dann bin ich auch zuversichtlich dass du selbst eine Lösung findest...
Viele Menschen wollen genau das was dir passiert.
Wie anstrengend das sein kann hast du eigentlich ganz anschaulich dargestellt...

Gruss Grubi
Lieber Michael!

Versuch einfach nur du zu sein, und versuch nicht es allen recht zu machen, denn sonst könnte es bald sein, dass du glaubst diese übergestülpte Persönlichkeit zu sein, mit der du anderen gegenbüber mit Ausnahme deiner Freundin auftrittst.

Alles Liebe

Erich
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Es leitet mich die reine Liebe, die frei von Ego und frei von Konditionierungen ist!
Hallo Michael,

da die Astrologie mein Hobby ist bin ich der Ansicht daß Du nach der Beschreibung von Dir viel von der Waage haben mußt. Eine Qualität der Waage ist es diplomatisch (nicht hü nicht hott) zu sein und es eben allen Recht machen zu wollen.
Das ist ja gut und schön ... aber wo bleibst Du?
Dir ist es nun bewußt - lerne damit zu leben und nicht nur mehr der Liebling der Nation sein zu wollen.
Allen Menschen Recht getan ...


lieben Gruß
Rose
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"Die ganze Mannigfaltigkeit, der ganze Reiz und die ganze Schönheit des Lebens setzen sich aus Licht und Schatten zusammen".

*Leo Nikolajewitsch Graf Tolstoi*
Hallo Michael,

Du schreibst, dass nur Deine Freundin Dich so kennt, wie Du wirklich bist.
Das sollte Dir doch zeigen, dass Du auch mit Deinen Macken liebenswert bist.

Hast Du mit ihr mal über Dein Problem sprechen können?

Wir schreiben Dir hier so leicht, dass Du einfach Du selbst sein sollst, aber es ist sicher ein Prozess, "Du selbst zu werden".

Fang mit kleinen Schritten an, auch mal "Nein" zu sagen, wenn Dir etwas nicht passt und such Dir therapeutische Hilfe, denn je länger Du dieses "Doppelleben" schon geführt hast, desto schwieriger ist es, da wieder herauszufinden.

Einen guten und mutigen Anfang, zu erkennen, was nicht stimmt und offen darüber zu reden, hast Du ja jetzt schon gemacht.

Suche nach dem nächsten Schritt und lass Dir dabei helfen, weil Du eben nicht Supermann bist, sondern auch mal schwach, ohnmächtig, verzweifelt, überfordert, usw.

Lieber Gruß

Mara
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OM LOKAH SAMASTHA SUKHINO BHAVANTHU
Mögen alle Wesen in allen Welten glücklich sein.
Ich danke euch für eure Antworten und Tipps die Ihr mir gegeben habt.

Ich hätte heute wohl nicht mehr den Mut dazu gehabt diesen Text zu schreiben. Als ich auf dem Nachhauseweg war, hatte ich mir fest vorgenommen ihn zu löschen. Es war mir irgendwie Peinlich. Jetzt bin ich froh habe ich das gestern geschrieben und den einten oder anderen Denkanstoss bekommen.

@Mara-Devi:
Ich habe schon öfters mit meiner Freundin darüber gesprochen. Immer dann wenn sie mich darauf aufmerksam macht dass ich jetzt in Sekundenschnelle eine andere Person zu sein scheine, weil z.B. ein Spontanbesuch aufkreuzt.

Sie ermuntert mich auch immer wieder dazu "nein" zu sagen. Ich schaffe es jedoch leider nur sehr selten und mit viel Überwindung. Und jedes mal bin ich Überrascht wie locker mein "nein" von der betroffenen Person aufgenommen wird. Es wird nie als schlimm empfunden.

Trotzdem habe ich immer wieder Angst davor es zu sagen.

Wenn ich ich bin, bin ich mir selbst peinlich. Desshalb möchte ich auch nicht dass andere mich so erleben. Ausserdem habe ich Angst davor meine Vorteile und Beliebtheit zu verlieren. Denn wenn diese weg sind kommt es wohl unweigerlich zu Konfrontationen denen ich vermutlich nicht gewachsen bin. Ausserdem werden sich wohl viele Leute fragen warum ich plötzlich anders bin. Und in der Beruflichen Zukunft werde ich mir bestimmt so manchen Weg verbauen.

@PapaLoooo
Wenn ich mir das so überlege kommt es mir tatsächlich so vor als ob ich mich oft über Leistung und Hab und Gut definiere. Eigentlich sogar ziemlich ausschliesslich darüber. Nur kann ich leider mit dem Wert des Daseins noch nicht viel anfangen. Es klingt aber sehr einfach.


Eine Therapie zu besuchen habe ich mir übrigens tatsächlich auch schon überlegt. Beziehungsweise hatte ich vor einiger zeit 3 Sitzungen gehabt. Nach diesen Sitzungen kam es mir vor als sei dass was ich erzähle nicht im geringsten Interessant. Hingegen war die Bezahlung für die Therapeutin äusserst interessant. Diese Geschichte passt hier aber nicht hinein, desshalb lasse ich es lieber. Nach diesen 3 Sitzungen ging es mir besser (im Sinne der depressiven Stimmung die ich hatte.) obwohl ich nur über mich erzählt habe. Dies war ein weiterer Grund dafür dass ich die Therapie abgebrochen hatte.


Wie es nun weiter gehen soll weiss ich nicht. Für eine Therapie bin ich auf jeden Fall nicht bereit. Ich weiss nicht einmal ob ich bereit bin so vieles aufzugeben um etwas neues, nämlich die zufriedenheit mit mir selbst, zu bekommen.

Vielleicht könnte ich ein Buch lesen welches sich mit diesem Thema befasst? gibt es sowas? Habt ihr eventuell einen konkreten Vorschlag?

Ich währe euch sehr dankbar

Grüsse
Seit mir hier mal jemand vorwarf, ich würde Schleichwerbung machen und an den Büchern mitverdienen, empfehle ich grundsätzlich die Fernleihe in den Bibliotheken:

Ich würde "Gespräche mit Gott" von N.D.Walsch empfehlen.
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