Schwanger und Allein


SA,

ich bin auf dieses Forum gestoßen, weil ich im Netz nach Hilfe gesucht habe.

Im Moment fühle ich mich so unendlich traurig und hilflos. Ich möchte mich gerade nicht in der Aussenwelt bewegen, weil ich mich dazu noch zu kraftlos fühle. Ich suche Ratschläge wie ich mit meiner Situation umgehen kann.

Zu meiner Situation:
Ich bin deutsche Muslima und vor ca. 2 Jahren konvertiert. Vor einem Jahr habe ich meinen Mann kennen gelernt und aufgrund meines Glaubens sehr schnell geheiratet. Wir waren beide überzeugt, dass es unser Schicksal sei und es so sein soll. Leider begann unsere Ehe nicht so toll, wie wir uns das beide vorgestellt hatten. Nähere Einzelheiten würden zu weit führen, alles in allem kann ich nur sagen, wir waren wohl mit der neuen Situation beide überfordert. Unsere Familie hat uns versucht zu helfen, aber dadurch kamen wir garnicht mehr zu Ruhe. Zum Schluss ist es leider eskaliert und er ist vor 2 Monaten gegangen. Meines Erachtens haben wir beide Fehler gemacht, aber er sieht alle Schuld bei mir alleine und sagt er könne mir nicht mehr vertrauen. Was nach so kurzer Zeit schief geht, wird nie mehr etwas. Wir haben gerade mal vier Monate zusammen gelebt. Grundsätzlich gebe ich ihm recht, wenn ich nicht wüsste, dass unsere Umstände wirklich schwierig waren und sich in Zukunft alles ändern wird, denn ich bin unerwartet früh schwanger geworden und wir bekommen ein Baby. Ich sehe es als Chance und es hat mir aufgezeigt, was wir für Fehler gemacht haben. Ich habe mich für alles mittlerweile 100 mal entschuldigt. Anfangs sagte er ich müsse nur beweisen, wie wertvoll er für mich ist. Aber alles was ich gemacht habe (anrufe, e-mails, sms mit Vorschlägen für die Zukunft, Entschuldigungen) und auch Bitten seiner und meiner Familie haben nichts genutzt. Vor zwei Tagen hat er gesagt, dass er sich entschieden hat und die Scheidung möchte. Er sagt, er vertraut mir nicht mehr (ich habe zwar Fehler gemacht, aber ich habe ihn nicht betrogen oder mit böser Absicht gehandelt).

Er wollte selber Kinder und nun ist ihm unser Kind egal. Alle Vorschläge, was wir ändern könnten, lehnt er ab. Er sagt ich mache das nur wegen dem Kind. Er glaubt mir nicht, dass ich es auch aus Liebe zu ihm mache. Er ist nun ins Ausland zu seiner Familie zurück gegangen, weil er mit mir nicht glücklich wird. Für Ihn war die Heirat ein Fehler und er will sein altes Leben wieder.

Ich sitze nun hier und kann mein altes Leben nicht wieder haben. Ich habe für uns eine Wohnung gekauft an die ich nun für die nächsten Jahre gebunden sein werde und eigentlich alleine nicht bewohnen möchte. Den Ort hatten wir wegen ihm ausgesucht und ich kenne hier nur sehr wenige Menschen. Ich bin schwanger und soll nun allein erziehend sein. Meine Familie wohnt aufgrund des Umzugs rund 40 Km weit weg und kann mir im Alltäglichen nur wenig helfen, wenn das Kind da ist. (Mal spontan vom Kindergarten abholen oder sowas). Ich bin gezwungen mein Kind nach einem Jahr in die Kita zu geben und zu hoffen, dass ich dann auch einen Platz bekomme, ansonsten habe ich kein Einkommen mehr. Mein Chef will mich nach dem Jahr nicht mehr zurück, so dass ich noch nicht weiß, was mich dann erwartet. Mein Arbeitgeber muss mir zwar eine Stelle geben, aber was ist egal und nur Vollzeit. Was mache ich wenn die Zeiten von Kita aber nicht passen ? Finanziell habe ich bisher alles getragen und das war auch in Ordnung, da er durch den Wohnortwechsel noch keine Arbeit hatte. Aber ich werde von Ihm auch keinen Unterhalt für das Kind bekommen und da er nun im Ausland lebt und das Kind nicht mehr möchte, wird mein Kind keinen Vater haben. Tausend Fragen sind in meinem Kopf und dann die Trauer um die verlorene Ehe.

Ich habe auch Angst nun für immer allein zu sein, da ich als Konvertierte sowieso schon ein Problem bei der Partnersuche habe und nun noch geschieden mit einem Kind. Das ist bei der muslimische Gesellschaft leider nicht die bevorzugte heiratsfähige Kandidatin.

Ich hatte ihm gesagt, dass ich nur eine Chance für uns will und wenn es dann nicht klappen sollte, die Trennung akzeptieren würde. Aber er sieht keine Chance für uns.

Jetzt versuche ich los zu lassen und seine Entscheidung zu akzeptieren, aber ich fühle mich mit der Situation völlig überfordert.

Er liebt Kinder über alles. Als er vor zwei Tagen in die Türkei geflogen ist, hat er sich von den Kindern seiner Schwester unter Tränen verabschiedet und sie gedrückt und geküsst. Es hat mir das Herz gebrochen, dass mit ansehen zu müssen, denn unser Kind will er nicht.

Sorry, dass es nun doch so viel Text geworden ist.

Kann mir jemand Tips geben, wie ich damit besser umgehen kann?
Hallo liebe Meryem, ich freu mich, dass Du hierher gefunden hat.
Erstmal herzlich willkommen in diesem Forum.

Ja, ich kann gut verstehn, dass Du Dich in dieser Situation traurig und hilflos fühlst.
Leider kann ich Dir natürlich kein Patentrezept liefern. Hast Du wahrscheinlich auch nicht erwartet. An was ich allerdings als erstes gedacht habe als ich Deine "Geschichte" gelesen habe ist, dass Du jetzt wahrscheinlich nichts nötiger brauchst als Vertrauen und Geduld. Ich wünsche Dir von ganzem Herzen, dass Du das finden kannst. Mit Vertrauen und Geduld können sich uns leichter Wege aufzeigen die uns zu unserem Ziel führen. Manchmal liegt unser Ziel auch in einer anderen Richtung als wir es vermuten.
In meinem Leben war das oft der Fall. Oft war ich in einer Situation die ich mir nie und nimmer gewünscht hätte und im Nachhinein erst stellte sich heraus, dass dies das Gute für mich war.

Wünsche Dir als erstes mal ganz viel Gottvertrauen, vertraue auf IHN, dass ER Dich dahin führt wo es gut ist für Dich und Dein Kind. Hab erstmal nicht so viele Erwartungen an Deinen Mann, das könnte ihn evtl nur unter Druck setzen und das Gegenteil bewirken, von dem was Du Dir vorstellst.
Setze alle Deine Erwartungen in den Höchsten.

Das ist Gott, mein Herr, auf Ihn vertraue ich und Ihm wende ich mich zu!
Koran, Sure 42:10


Alles, alles Liebe
Linde
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Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und Forderungen.
Bahá'u'lláh
Liebe Linde,

vielen Dank für Deine netten Worte.

Ja, so versuche ich es auch zu sehen. Aber momentan fahren meine Gefühle mit mir Achterbahn.

Einige Stunden am Tag sage ich mir, ich schaffe das und Stunden später kann ich kaum klar denken und ich fühle mich einfach nur einsam. Dann frage ich mich, warum das Alles.

Ich hatte es in meinem Umfeld in den letzten beiden Jahren sowieso nicht leicht. Erst konvertiere ich zum "frauenfeindlichen und terroristischen Islam" und dann heirate ich auch noch so schnell. Ich habe immer hoch erhobenen Hauptes zu meinen Entscheidungen gestanden, aber jetzt habe ich das Gefühl es nicht mehr zu schaffen.

In meinem Umfeld (Kollegen, Bekannte, Verwandte) bin ich dadurch so etwas wie die Hauptperson einer Daily Soap geworden und meine Geschichte ist ja so spannend. Von der Trennung wissen viele noch nicht, aber in Ihren Augen ruiniere ich mir mein Leben, seitdem ich konvertiert bin. Ihre Reaktionen auf die Scheidung möchte ich mir gerade garnicht vorstellen.

In schwachen Momenten zweifel ich dann an Gott (Allah t.a.) und meinem Schicksal, aber wenn ich Deine Worte lese, weiß ich wieder das es ihn gibt und ich nur vertrauen muss. Vielen Dank dafür.

Liebe Grüße zurück
Meryem
Hallo Meryem,

da kommt nun Einiges auf Dich zu *tröst*.
Du hast vermutlich zuviel getan, vielleicht kommt er sich als Versager vor, viele türkische Männer wollen die "Chefs" sein.
So wie ich Deinen Post's entnehmen kann bist Du eine sehr "taffe" junge Frau
somit sage ich mal: Du schaffst das schon kannst Du die Wohnung nicht einfach wieder verkaufen und in die Nähe Deiner Familie ziehen?

Vielleicht kommt er auch wieder, reumütig ... aber ob Du ihn dann noch willst? Du bekommst bestimmt sehr viel Hilfe - von allen Seiten, das hab ich irgendwie im Gefühl und Du wirst bestimmt eine gute Mutter

ganz liebe Grüße
Rose
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"Die ganze Mannigfaltigkeit, der ganze Reiz und die ganze Schönheit des Lebens setzen sich aus Licht und Schatten zusammen".

*Leo Nikolajewitsch Graf Tolstoi*
Hallo Meryem, danke für Deine lieben Worte.

Ja, wenn es uns schlecht geht können wir schon ins Zweifeln kommen, doch steht nicht irgendwo im Koran?

>denkt ihr, ihr könnt sagen ihr glaubt und werdet nicht geprüft?<

zumindest sinngemäßheißt es so, kenne nicht den genauen Wortlaut und weiß auch nicht wo es steht.

Erst wenn Gold im Feuer geprüft wurde kann man feststellen, ob es echt ist oder nicht.
So manches mal im Leben gehn wir durchs Feuer und sind dann geläutert (gereinigt)
Wie schon gesagt, ich habe mir so ein reinigendes Feuer nie gewünscht und manche Dinge waren echt heiß, aber ich möchte im Nachhinein nicht darauf verzichten.

Im Moment ist Gottvertrauen ganz schwer mein Thema, ohne dies wäre ich irgendwie längst untergegangen und meine Situation ist im Augenblick so, dass ich ohne dies durchdrehen würde. Doch durch dieses Vertrauen staune ich grade ständig wie und was alles möglich ist. Meist anders als ich wollte, aber letztendlich viel besser.

Ich bete täglich:

ich bezeuge meine Ohnmacht und DEINE Macht,
meine Armut und DEINEN Reichtum.

Es gibt keinen Gott außer Dir, dem Helfer in Gefahr, dem Selbstbestehenden.


und ich glaube daran, dass Gott niemals eine Seele über ihr Vermögen belastet hat.

>Du Helfer der Schwachen, die sich hinwenden zu Dir<

Auch du wirst es schaffen! Doch es steht nirgendwo geschrieben, dass uns die Dinge leicht fallen und dann dürfen wir auch unsere Durchhänger haben.

Alles, allles, alles Gute
Linde

...und ich werde für Dich beten!
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Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und Forderungen.
Bahá'u'lláh
Liebe Meryem,

in einem meiner Lieblingsgebete heißt es:
"Alles lege ich in deine Hand"
und "Oh Gott du bist mir ein besserer Freund als ich es mir selbst bin."

Wir können alle Schwierigkeiten, alles was uns belasten wollte, an Gott abgeben. Wir sind sowieso machtlos ohne Seine Unterstützung. In einem anderen Gebet heißt es "Ich weiß nicht was mit nützt oder schadet" (sinngemäß).

Habe keine Sorge, ER weiß, warum all das passiert. Deshalb brauchen wir uns auch keine Platte darum machen. Hast du schon einmal erlebt, dass ein Gefühlszustand nicht enden wollte? Ich jedenfalls nicht. Auch dieser wird nicht andauern.

"[...] und ist Erniedrigung dein Los, so gräme dich nicht, denn beides wird vergehen und nicht mehr sein."
(Baha'u'llah, Vorborgene Worte, Arab. 51)

Selbst wenn all deine Befürchtungen betrefflich Job und Kita eintreffen, was soll denn passieren? Du wirst ein glückliches Kind haben und es wird nicht verhungern. Wir leben ja in Deutschland (mash'allah) und nicht in Indien.
Die Angst vor dem Alleinsein kommt jetzt nur, weil die Trennung so frisch ist. Du bist nicht allein.
Zu deiner daily soap kann ich nur die Ärzte zitieren: "Lass die Leute reden". Fürchte niemals andere Menschen, die können dir gar nichts und sind nicht besser als du.
"Weißt du warum wir euch alle aus dem gleichen Staub erschufen? Damit sich niemand über den anderen erhebe."
(Baha'u'llah, Verborgene Worte)

Lege einfach alles in Seine Hand und vertraue, dass Er alles zum besten führt.

"Mächtig bist Du zu tun, was Dir gefällt. Es gibt keinen Gott außer Dir, der Du hörst und zur Antwort bereit bist." (Baha'u'llah, Brief an den Sohn des Wolfes)
Zitat:
SA,

ich bin auf dieses Forum gestoßen, weil ich im Netz nach Hilfe gesucht habe.


Wa alaykum Salam geehrte Schwester, alhamdulilah hast du das gefunden!
Zitat:

Im Moment fühle ich mich so unendlich traurig und hilflos. Ich möchte mich gerade nicht in der Aussenwelt bewegen, weil ich mich dazu noch zu kraftlos fühle. Ich suche Ratschläge wie ich mit meiner Situation umgehen kann.


Insha Alláh!

Zitat:
Zu meiner Situation:
Ich bin deutsche Muslima und vor ca. 2 Jahren konvertiert. Vor einem Jahr habe ich meinen Mann kennen gelernt und aufgrund meines Glaubens sehr schnell geheiratet. Wir waren beide überzeugt, dass es unser Schicksal sei und es so sein soll. Leider begann unsere Ehe nicht so toll, wie wir uns das beide vorgestellt hatten. Nähere Einzelheiten würden zu weit führen, alles in allem kann ich nur sagen, wir waren wohl mit der neuen Situation beide überfordert. Unsere Familie hat uns versucht zu helfen, aber dadurch kamen wir garnicht mehr zu Ruhe. Zum Schluss ist es leider eskaliert und er ist vor 2 Monaten gegangen. Meines Erachtens haben wir beide Fehler gemacht, aber er sieht alle Schuld bei mir alleine und sagt er könne mir nicht mehr vertrauen. Was nach so kurzer Zeit schief geht, wird nie mehr etwas. Wir haben gerade mal vier Monate zusammen gelebt. Grundsätzlich gebe ich ihm recht, wenn ich nicht wüsste, dass unsere Umstände wirklich schwierig waren und sich in Zukunft alles ändern wird, denn ich bin unerwartet früh schwanger geworden und wir bekommen ein Baby. Ich sehe es als Chance und es hat mir aufgezeigt, was wir für Fehler gemacht haben. Ich habe mich für alles mittlerweile 100 mal entschuldigt. Anfangs sagte er ich müsse nur beweisen, wie wertvoll er für mich ist. Aber alles was ich gemacht habe (anrufe, e-mails, sms mit Vorschlägen für die Zukunft, Entschuldigungen) und auch Bitten seiner und meiner Familie haben nichts genutzt. Vor zwei Tagen hat er gesagt, dass er sich entschieden hat und die Scheidung möchte. Er sagt, er vertraut mir nicht mehr (ich habe zwar Fehler gemacht, aber ich habe ihn nicht betrogen oder mit böser Absicht gehandelt).


Ich kann jetzt natürlich nicht nachvollziehen was genau passiert ist, aber es ist Unsinn, dass er die ganze Schuld auf dich schiebt.
Auch ist ein Schwangerschaft kein Unfall, sondern ein Geschenk von Alláh, das sollte er ebenfalls wissen.

Außerdem ist da Kind doch in eurer Ehe enstanden. Wo ist das Problem bzgl. Vertrauen?

Natürlich ist man überfordert, wenn man jetzt schwanger ist, aber es ist unverantwortlich von ihm dich zu verlassen. Es ist nicht legitim, dass du dir alle Vorwürfe machst!

Zitat:
Er wollte selber Kinder und nun ist ihm unser Kind egal. Alle Vorschläge, was wir ändern könnten, lehnt er ab. Er sagt ich mache das nur wegen dem Kind. Er glaubt mir nicht, dass ich es auch aus Liebe zu ihm mache. Er ist nun ins Ausland zu seiner Familie zurück gegangen, weil er mit mir nicht glücklich wird. Für Ihn war die Heirat ein Fehler und er will sein altes Leben wieder.


Sein Verhalten ist ganz komisch. Das hört sich für mich so plötzlich an.
Zitat:

Ich sitze nun hier und kann mein altes Leben nicht wieder haben. Ich habe für uns eine Wohnung gekauft an die ich nun für die nächsten Jahre gebunden sein werde und eigentlich alleine nicht bewohnen möchte. Den Ort hatten wir wegen ihm ausgesucht und ich kenne hier nur sehr wenige Menschen. Ich bin schwanger und soll nun allein erziehend sein. Meine Familie wohnt aufgrund des Umzugs rund 40 Km weit weg und kann mir im Alltäglichen nur wenig helfen, wenn das Kind da ist. (Mal spontan vom Kindergarten abholen oder sowas). Ich bin gezwungen mein Kind nach einem Jahr in die Kita zu geben und zu hoffen, dass ich dann auch einen Platz bekomme, ansonsten habe ich kein Einkommen mehr. Mein Chef will mich nach dem Jahr nicht mehr zurück, so dass ich noch nicht weiß, was mich dann erwartet. Mein Arbeitgeber muss mir zwar eine Stelle geben, aber was ist egal und nur Vollzeit. Was mache ich wenn die Zeiten von Kita aber nicht passen ? Finanziell habe ich bisher alles getragen und das war auch in Ordnung, da er durch den Wohnortwechsel noch keine Arbeit hatte. Aber ich werde von Ihm auch keinen Unterhalt für das Kind bekommen und da er nun im Ausland lebt und das Kind nicht mehr möchte, wird mein Kind keinen Vater haben. Tausend Fragen sind in meinem Kopf und dann die Trauer um die verlorene Ehe.


Schwester, wir müssen dir helfen!
Könntest du mit mir per PN schreiben?
Es kann doch nicht sein, dass es keine Geschwister gibt, die dich unterstützen!
Bei Allah, meine Schwester, vertraue auf Allah, er wird dir einen Ausweg geben, das ist nur eine Prüfung von ihm!



Zitat:
Ich habe auch Angst nun für immer allein zu sein, da ich als Konvertierte sowieso schon ein Problem bei der Partnersuche habe und nun noch geschieden mit einem Kind. Das ist bei der muslimische Gesellschaft leider nicht die bevorzugte heiratsfähige Kandidatin.


Das ist Quatsch, liebe Schwester! Allah interessiert nicht ob du konvertiert bist oder nicht.
Ein richtiger Muslim schaut nicht auf so etwas. Muslim ist Muslim.
Eher bist du begehrter als andere, weil die Konvertiten meist religiöser sind.

Zitat:
Ich hatte ihm gesagt, dass ich nur eine Chance für uns will und wenn es dann nicht klappen sollte, die Trennung akzeptieren würde. Aber er sieht keine Chance für uns.


Wenn er in Deutschland wäre, hätte ich gerne mit ihm geredet. Das klingt komisch von seiner Seite.

Zitat:
Jetzt versuche ich los zu lassen und seine Entscheidung zu akzeptieren, aber ich fühle mich mit der Situation völlig überfordert.


Leicht gesagt: Aber vertraue auf Allah und verichte die Gebete, die Hilfe kommt. Mich hast du auf jeden Fall am Hals (Nicht falsch verstehen)
Zitat:

Er liebt Kinder über alles. Als er vor zwei Tagen in die Türkei geflogen ist, hat er sich von den Kindern seiner Schwester unter Tränen verabschiedet und sie gedrückt und geküsst. Es hat mir das Herz gebrochen, dass mit ansehen zu müssen, denn unser Kind will er nicht.


Nicht normal sein Verhalten.

Es kann sein, dass der wahre Grund nicht das Kind ist, sondern etwas anderes, aber ich werde mal überlegen.

Und Schwester bitte, melde dich bei mir, ich gebe dir auch meine Kontaktdaten und Adressen von Schwestern!

Möge Allah dich stärken.Amin!
_________________
Aḷḷāh ﷻ Muḥammad ﷺ
Liebe Meryem,

au weia!

Ich sitze hier gemütlich bei meinem Kaffee und einem Zigarettchen und lese deinen post und freue mich, dass du dich an uns gewandt hast.
Dies ist ein besonderes Forum, meiner Ansicht nach.

Mir kommen da mehrere Fragen:

Habe ich das richtig verstanden, dass du zum Islam konvertiert bist?

Was warst du vorher und welche Nationalität hast du?

Du sprichst extrem gut Deutsch. Ich hatte das Gefühl, du hast dich in einem empfindlichen Alter in etwas hineinziehen lassen, (aufgrund von was eigentlich? Warst du in ihn verliebt oder wie hat sich eure Verbindung ergeben?
Habt ihr nur geheiratet weil du schwanger warst oder hättest du ihn auch ohne Schwangerschaft geheiratet?)

Was ich versuche raus zu finden, ist, ob es Liebe ist zwischen euch und er nur gerade verschreckt ob der ganzen neuen Verantwortung, die vor allem für einen muslimisch erzogenen Mann sehr schwer zu übernehmen ist- entflieht und dich aber eigentlich liebt, aber zu viel Angst hat oder ob es einfach nur eine überstürzte und voreilige, falsche Entscheidung war.

Wenn es nur eine falsche Entscheidung ist und du von hier kommst, hier geboren bist und nur aus Versehen in die muslimische Kultur hinein gerutscht bist, dann kannst du hier alleine mit einem Kind sehr gut überleben und hast in den meisten Regionen Deutschlands genug Geld zum überleben- vor allem in den ersten drei Jahren- und dann kann man weiter schauen.
Es ist auch inzwischen nicht mehr so, dass allein erziehende Menschen als minderwertig betrachtet werden.
Im Gegenteil: ich höre bei meinen sehr sehr vielen Gesprächen mit Menschen aller Art- weil ich jeden Tag am See spaziere mit meinen Hunden, da redet man mit sehr vielen Menschen- dass allein Erziehende im allgemeinen bewundert werden, weil sie es schwerer haben alleine mit Kindern und trotzdem vernünftige Kinder dabei heraus kommen.

Ich war auch seit 19 Jahren mit zwei Kindern von zwei Männern allein erziehend und nie verheiratet und es ist schwer, aber es geht.

Wenn es irgendwo geht, dann hier oder in Schweden.

Aber dort ist es noch kälter als hier!

Also, wenn du hier alleine bleibst, dann ist das das beste Umfeld, wenn du alleine lebst.

Mach dir keine Sorgen über deinen Job und was du dann machst.

Das Wichtigste ist, dass du ein Dach über dem Kopf hast, das dir keinen nehmen kann, dass dich niemand physisch oder psychisch bedroht, dass du was zum Knabbern hast und aber vor allem: dass du mit deinem Kind zusammen bist.

Denk nicht an in drei Jahren.

Fange jetzt an, dich über deine finanziellen Rechte zu informieren und informiere dich gut, denn das Amt sagt dir nicht, was dir zusteht, das musst du selber wissen und dann beantragen.

Was den Punkt *allein erziehend mit Kind* betrifft, gibt es also kein Problem.

Nebenbei kannst du versuchen, mit deinem Mann Kontakt aufzunehmen und beruhigend auf ihn einsprechen und ihm sagen, dass du Verständnis dafür hast, dass er davon läuft, wenn von einer Sekunde auf die andere er extrem viel Verantwortung übernehmen soll.

Klar will er zurück zu Mama.

Das wollen alle Männer eigentlich.

Aber wenn er ein Mann werden will, dann muss er das schon lernen mit der Zeit.

Das ist dann aber eure Privatsache.
Das ist eine Liebesangelegenheit und hat aber nichts mit deiner materiellen Sicherheit zu tun.

Nicht in Deutschland. Du hast also Glück.

Freu dich auf das Kind, bleibe erst mal drei Jahre bei ihm, finde andere Frauen mit anderen Babys, damit ihr beide mit anderen zusammen seid, denn das Wichtigste für ein Kind sind treue Spielkameraden.

Du musst versuchen, einen Rhythmus und eine stabile Alltagsstruktur zu geben, damit das Kind sich sicher fühlt.

In einer vertrauten Umgebung, für die vor allem eines wichtig ist: dass die Mutter erst mal immer da ist, möglichst drei Jahre. Dann ändern sich die Dinge allmählich.

Das ist ein schönes Leben. Freu dich, dass du hier sein kannst, so viele Frauen aus arabischen Ländern würden dich beneiden, sich bekommen nicht mal eine Aufenthaltsgenehmigung.

Es ist wichtig, dass du dir Freundinnen suchst. Mit Kind brauchst du unbedingt den Kontakt zu anderen Frauen.

So schlimm ist das alles gar nicht.

Du musst nur raus finden, ob du ihn liebst, dann wirst du für ihn kämpfen und mit ihm reden, wenn nicht, dann brauchst du - so oder so- hier deine feste Burg und die kannst du hier haben.

Alles ist gut, Meryem. Es ist kein Problem da. Freu dich einfach auf dein Kind, sei mit Gott und sei dir sicher, dass Er/Sie immer bei dir sind.

Alles Liebe.
An Rose,

ich danke Dir herzlich für Deine tröstenden Worte.

Das ich grundsätzlich eine taffe Frau bin, das sagen mir oft Menschen und vielleicht fällt es ihm gerade deswegen so leicht, alles einfach hinter sich zu lassen. Er denkt sich vielleicht, die schafft das auch ohne mich. Dem Kind wird es gut gehen.

Das ich zu viel getan habe, glaube ich manchmal auch. Aber er hat mir leider immer wieder gesagt, ich hätte garnichts gemacht...zumindest nichts was in seinen Augen zählt.

Manchmal habe ich das Gefühl, er wusste nicht, auf was er sich eingelassen hat, als wir heirateten und das er sich der Verantwortung nicht bewusst war.

Das er zurück kommt, glaube ich nicht. Das Leben ist viel einfacher für ihn, wenn er wieder sein altes Leben lebt. Für Ihn ist es ja möglich.

Trotz allem möchte ich nicht böse über ihn denken oder sprechen, aber ich glaube meiner Enttäuschung muss ich einfach Luft machen und das sind auch alles nur meine Gedanken.

Was er wirklich denkt und fühlt, dass weiß ja nur er selber.

Den Verkauf der Wohnung hatte ich mir auch erst überlegt, aber nach Erkundigungen, werde ich mir das finanziell leider nicht leisten können.

Es tut gut so viel Mut zu gesprochen zu bekommen.
Nochmals ein herzliches Dankeschön.

Liebe Grüße
Meryem
@ Rosegarden

auch Dir danke ich von ganzem Herzen für Deine Worte.

Und ich gebe Dir recht, ich kann nur darauf vertrauen, dass alles seine Richtigkeit hat. Deine Worte erinnern mich, wie die vielen anderen Zusprüche, wieder daran und lassen mich wieder stärker daran glauben.

Auch Dir ein ganz liebes DANKE.

Liebe Grüße
Meryem