Darf ein Muslim eine Baha'i heiraten?


Hallo,

darf ein muslimischer Mann eine Baha'i - Frau heiraten?
Also ich kenne einige muslimische Männer die mit einer christlichen Frau verheiratet sind. Ich wüsste jetzt nicht was dann dem im Wege stehen sollte eine Bahai zu heiraten. Aber ich weiß natürlich nicht wie das von muslimischer Seite aussieht.
Aber es gibt ja nun nicht die Muslime, da gibt es ja auch sone und solche, wie der Berliner zu sagen pflegt.
Also von Bahai-Seite steht da sicher nichts im Wege.
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Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und Forderungen.
Bahá'u'lláh
RoseGarden hat folgendes geschrieben:
Hallo,

darf ein muslimischer Mann eine Baha'i - Frau heiraten?


Soweit ich weiß ist dies aus Sicht der Bahai kein Problem, wenn der Mann einwilligt,

1) die Frau nicht zur Konversion zu zwingen und ihr auch sonst volle Religionsfreiheit gewähren
2) dass die Kinder sich später selbst die Religion wählen dürfen
3) an der Bahai-Trauung teilzunehmen.

Zudem müssten folgende Punkte erfüllt sein:

4) alle lebenden Elternteile stimmen unter voller Kenntnis der Umstände der Trauung zustimmen
5) wenn ebenfalls eine muslimische Eheschließung stattfindet darf diese nicht als Konversion der Frau interpretiert oder ausgegeben werden oder von der Frau eine Konversion erzwingen

In der Praxis kommt wohl noch hinzu, dass der Mann 6) auf sein religiöses Züchtigungsrecht gegenüber der Frau (Koran 4,34) verzichten müsste.


Viele Muslime dürften jedoch wenig begeistert sein, da Bahai in vielen islamischen Kreisen als feindliche Ungläubige, irregegangene Sekte, etc. etc. gelten.
Zitat:
1) die Frau nicht zur Konversion zu zwingen und ihr auch sonst volle Religionsfreiheit gewähren
2) dass die Kinder sich später selbst die Religion wählen dürfen
3) an der Bahai-Trauung teilzunehmen.

Zudem müssten folgende Punkte erfüllt sein:

4) alle lebenden Elternteile stimmen unter voller Kenntnis der Umstände der Trauung zustimmen
5) wenn ebenfalls eine muslimische Eheschließung stattfindet darf diese nicht als Konversion der Frau interpretiert oder ausgegeben werden oder von der Frau eine Konversion erzwingen

In der Praxis kommt wohl noch hinzu, dass der Mann 6) auf sein religiöses Züchtigungsrecht gegenüber der Frau (Koran 4,34) verzichten müsste.


Dann ist die Bahai-Religion wohl ziemlich fortschrittlich.

Zitat:
Viele Muslime dürften jedoch wenig begeistert sein, da Bahai in vielen islamischen Kreisen als feindliche Ungläubige, irregegangene Sekte, etc. etc. gelten.


Hat nicht fast jede Religion mal als Sekte angefangen?
linde hat folgendes geschrieben:
Also ich kenne einige muslimische Männer die mit einer christlichen Frau verheiratet sind. Ich wüsste jetzt nicht was dann dem im Wege stehen sollte eine Bahai zu heiraten. Aber ich weiß natürlich nicht wie das von muslimischer Seite aussieht.
Aber es gibt ja nun nicht die Muslime, da gibt es ja auch sone und solche, wie der Berliner zu sagen pflegt.
Also von Bahai-Seite steht da sicher nichts im Wege.


Christliche Frauen zählen im islamischen Recht zu den Schutzbefohlenen (arab. dhimma) und zu den Buchbesitzern (arab. ahl al-kitab). Dieser Status wird allerdings nur Religionen (monotheistischer Natur und mit Offenbarung), welche vor Mohammed entstanden sind gewährt. Mit Religionen die danach entstanden sind kann das islamische Recht bis heute nicht wirklich umgehen.

Entsprechend gelten Bahai oft als feindliche Ungläubige oder irregeleitete Sekte oder Apostaten. Vielfach werden Bahai als Feinde des Islams hingestellt und mit allenmöglichen Dingen beschuldigt.
Zitat:
Christliche Frauen zählen im islamischen Recht zu den Schutzbefohlenen (arab. dhimma) und zu den Buchbesitzern (arab. ahl al-kitab).


Uh, die eindeutig nettere Bezeichnung zu einer christlichen Frau wenn sie mit einem Muslim verheiratet ist als die die sie von uns bekommt.

Zitat:
In der Praxis kommt wohl noch hinzu, dass der Mann 6) auf sein religiöses Züchtigungsrecht gegenüber der Frau (Koran 4,34) verzichten müsste.


Ach iwo. Wer die Milch käuft soll sie auch trinken.
Irgendwas wird sie ja wohl im christlichem Haushalt vermisst haben.

Zitat:
Entsprechend gelten Bahai oft als feindliche Ungläubige oder irregeleitete Sekte oder Apostaten. Vielfach werden Bahai als Feinde des Islams hingestellt und mit allenmöglichen Dingen beschuldigt.


Ihr habt nicht zufällig auch Kreuze über euren Gebetshäusern? Angesichts der Christenverfolgungen liegt hier vielleicht eine Verwechslung vor? Die andere Alternative ist das auch Christen von derartigen anfeindungen nicht verschont bleiben.
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Realität ist etwas für Leute, die Angst vor Einhörnern haben!
Hi Leute,

danke für eure Antorten.
ich dachte auf der einen Seite dürfen Muslime ja andere Monotheisten heiraten, aber bei Baha'i ist es ja ein anderer Fall...Ich kenne auch keine Ehen oder Beziehungen wo der Mann Muslimist und die Frau Baha'i.

Mit der Kindererziehung ist es ja auch so eine Sache...ob die dann wirklich die Wahlfreiheit haben und nicht von Großeltern etc. unter Druck gesetzt werden...scheint mir alles schwierig.


Zitat:
Ihr habt nicht zufällig auch Kreuze über euren Gebetshäusern? Angesichts der Christenverfolgungen liegt hier vielleicht eine Verwechslung vor? Die andere Alternative ist das auch Christen von derartigen anfeindungen nicht verschont bleiben.

sicher ist religiöse Vefolgung auch für die Christen ein Problem, aber gerade wollte ich einfach nur wissen, was ihr über einen Baha'i/Muslim Ehe denkt
Pommes hat folgendes geschrieben:
Tobias hat folgendes geschrieben:
Christliche Frauen zählen im islamischen Recht zu den Schutzbefohlenen (arab. dhimma) und zu den Buchbesitzern (arab. ahl al-kitab).


Uh, die eindeutig nettere Bezeichnung zu einer christlichen Frau wenn sie mit einem Muslim verheiratet ist als die die sie von uns bekommt.


Der Status als Schutzbefohlener und Buchbesitzer gilt im klassischen islamischen Recht generell, auch ohne Ehe mit einem Muslim.

Ein Buchbesitzer wird nach klassischen islamischen Recht zum Schutzbefohlenen, wenn er unter islamische Herrschaft fällt, die Kopfsteuer (arab. dschizya) entrichtet und sich an die im islamischen Recht vorgesehenen Beschränkungen hält.

Wen meinst du mit "uns"?

Pommes hat folgendes geschrieben:
Ach iwo. Wer die Milch käuft soll sie auch trinken.
Irgendwas wird sie ja wohl im christlichem Haushalt vermisst haben.


Verstehe ich nicht ganz. Hier ging es um eine weibliche Bahai, welche einen muslimischen Mann heiratet. Wo ist da der christliche Haushalt?

Ich sehe aber auch nicht inwiefern eine christliche Frau häusliche Gewalt verdient hätte, weil sie einen Muslim heiratet. Zudem haben auch im christlichen Europa erst die Frauenbewegungen das Züchtigungsrechts des Mannes nach und nach zurückgedrängt und das gegen den Einfluss der Großkirchen.

Pommes hat folgendes geschrieben:
Ihr habt nicht zufällig auch Kreuze über euren Gebetshäusern? Angesichts der Christenverfolgungen liegt hier vielleicht eine Verwechslung vor? Die andere Alternative ist das auch Christen von derartigen anfeindungen nicht verschont bleiben.


Bahai werden nicht für Christen gehalten. Ähnlich sind aber tatsächlich die Vorwürfe der Konspiration mit westlichen Mächten (die im Orient besonders seit der amerikanischen Reaktion auf dem 11. September aufflammen). Unterschiedlich ist der Vorwurf eine irregeleitete Gruppe von Apostaten zu sein (eben weil die Bahai-Religion nach und im islamischen Kontext entstanden ist).
RoseGarden hat folgendes geschrieben:
ich dachte auf der einen Seite dürfen Muslime ja andere Monotheisten heiraten, aber bei Baha'i ist es ja ein anderer Fall...


Wie meinst du das?

RoseGarden hat folgendes geschrieben:
Ich kenne auch keine Ehen oder Beziehungen wo der Mann Muslimist und die Frau Baha'i.


Ich kenne einen Fall wo sich mal etwas angebahnt hatte. Ist aber letztlich daran gescheitert, dass er sie zum Übertritt bewegen wollte und als dies nicht geklappt hat mit Höllendrohungen überzogen hat.
@Tobias

Salam Alaykum,

Zitat:
2) dass die Kinder sich später selbst die Religion wählen dürfen


Was aber nicht heißt, dass Bahai-Eltern sich religiös im Bezug auf ihre Kinder völlig zurückhalten. Soweit ich einmal eine Schrift von Bahá Ulláh gelesen habe, wird dort gesagt, dass man als Bahai seinen Kindern die Verse Gottes beibringen soll, damit sie im Mashriqul Adhkar gesungen werden können.
Ich werde die entsprechende Stelle noch raussuchen.
Natürlich ist die Religionswahl dann frei, aber man darf sich das nicht so vorstellen, dass Bahai ihre Kinder überhaupt nicht beeinflussen, das wäre unnormal.

Zitat:
3) an der Bahai-Trauung teilzunehmen.


Das ist aus islamischer Sicht schwerer möglich. Können Bahai, auch ohne Bahai-Trauung eine "religiös korrekte" Ehe schließen?


Zitat:
5) wenn ebenfalls eine muslimische Eheschließung stattfindet darf diese nicht als Konversion der Frau interpretiert oder ausgegeben werden oder von der Frau eine Konversion erzwingen


Achso es gibt also eine "doppelte Eheschließung".

Zitat:
In der Praxis kommt wohl noch hinzu, dass der Mann 6) auf sein religiöses Züchtigungsrecht gegenüber der Frau (Koran 4,34) verzichten müsste.


Es ist schon erstaunlich, dass dieser Punkt so große Erwähnung findet, vor allem weil ja so viele Muslime ihre Frauen schlagen.

Dazu wird das arabische Wort "adribu´hunna" in diesem Vers nicht in allen Übersetzungen mit "schlagen" übersetzt, wie es manche Muslime, aber auch Islamfeinde gerne hätten.

Vielmehr wird dieser Vers mit der Handlungswiese des Propheten erklärt:

"Einige Sahaba kamen zu Abdullah ibn Abbas und fragten nach einem Vers im Quran, nach dem Allah das Schlagen der Frauen als letztes Mittel gestattet hat, sie fragten Ibn Abbas: "Ist dies nicht ein Widerspruch zwischen den Worten des Gesandten und dem Quran?"
Abdullah ibn Abbas holte seinen Miswak (eine Art hölzerne Zahnbürste) aus seinem Hemd, streckte die Hand aus und tippte dreimal leicht auf sein Handrücken, danach sagte er: "So hart dürft ihr Frauen anfassen, dies ist mit diesem Vers aus dem Quran gemeint."
(Sahih Muslim)

Wieso dachten die Gefährten es sei ein Widerspruch? Weil der Gesandte sagte:

"Schlagt eure Frauen nicht!" (Sunan Abu Dawud)

Diese Übersetzung meint also nicht das"verprügeln" oder eine körperliche Züchtigung, sondern ist im metaphorischen Sinne zu verstehen. Nämlich in dem Man(n) sich zusammen mit seiner Frau eine Lösung überlegt, wo beide Parteien sich möglicherweise nahe legen ihr Verhalten zu ändern.

Des Weiteren hat der Prophet Muhammád seine Frauen nie geschlagen.

Es gibt aber leider viele muslimische Gelehrte und Nichtmuslime, die diesen Vers gerne als Vorwand sehen um die muslimische Frau ins schlechte Licht zu rücken.

Ein praktizierender Muslim, akzeptiert die dutzenden Aussagen des Propheten zur guten Behandlung der Frauen und würde Allah fürchten seiner Frau weh zu tun.

Des Weiteren würde ich doch sagen, dass kein wahrer Mann eine Frau, vor allem seine Ehefrau schlägt.

Übrigens gab es zur Zeit der rechtgeleiteten Kalifen ein Gesetz, das besagte, dass der Mann für jeden Finger seiner Hand mit dem er seine Frau schlug, bestraft werden müsste, um diesen altarabischen Brauch endlich auszulöschen.


Und um es nochmal zu sagen: Das Schlagen der Ehefrau ist kein muslimisches Phänomen, eine Bahai- Frau muss also keine Angst vor einem Muslim haben, verprügelt zu werden.

Hier wird das so dargestellt, als ob jeder Örtliche Geistige Rat den Muslimen eine Liste gebt, wo draufsteht: "Kein Züchtigungsrecht, gelle!"
Die Geistigen Räte, wie ich sie bis jetzt erlebt habe, sind jedoch kulant genug, um von solch einer fragwürdigen Handlung abzusehen.


Zitat:
Viele Muslime dürften jedoch wenig begeistert sein, da Bahai in vielen islamischen Kreisen als feindliche Ungläubige, irregegangene Sekte, etc. etc. gelten.


Stimmt, viele Muslime erfinden da Verschwörungstheorien.
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Aḷḷāh ﷻ Muḥammad ﷺ